Poonal Nr. 148


Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 148 vom 21.06.1994

Inhalt


MEXIKO

PARAGUAY

KUBA

VENEZUELA

HONDURAS

HAITI

PIRED bekannt für hohe Anerkennungsraten

HAITI

GUATEMALA

NICARAGUA

KOLUMBIEN


MEXIKO

Rücktritt von Camacho Solís bewirkt Verhandlungsabbruch

(Mexiko-Stadt, 17. Juni 1994, Poonal).- Der Rücktritt des Regierungsbeauftragten Manuel Camacho Solís am vergangenen Donnerstag hat den Indígena-Aufstand im mexikanischen Bundesstaat Chiapas wieder zum wichtigsten Thema im Land werden lassen. Nachdem der Verhandlungs führer Camacho das Handtuvh geworfen hatte, teilte auch der Bischof Samuel Ruiz García mit, er werde vorerst nicht mehr als Vermittler zur Verfügung stehen. Bereits vor einer Woche hatten sich die Guerilleros der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) mit einem Paukenschlag zurückgemeldet: Sie gaben die einhellige Ablehnung der Regierungsantwort auf die 34 Anfang März aufgestellten EZLN- Forderungen durch fast 98 Prozent der Bevölkerung in ihrem Gebiet bekannt. Zudem erklärte das Geheime Revolutionäre Indígena-Komitee der EZLN den sogenannten Friedensdialog von San Cristóbal – in dieser Stadt sprachen die Kriegsparteien miteinander – für beendet.

Zedillo für harte Linie in Chiapas

Der Präsidentschaftskandidat der regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), Ernesto Zedillo, hatte daraufhin von einem einem völligen Scheitern der Verhandlungen gesprochen. Indirekt zielte er damit auf den Regierungsbeauftragten Camacho, dem die EZLN »wahrhaftige Anstrengungen« bei der Suche nach einer politischen Lösung zugebilligt hatte. Camacho konterte bei seiner Rücktrittsbegründung, die Einschätzungen des PRI-Kandidaten zum Chiapas-Konflikt hätten eben diese »Linie der politischen Verhandlung« geschwächt. Zedillos Haltung sei eine »Zensur meiner Arbeit«, klagte der Mann, den viele in der PRI als Präsidentschaftskandidaten favorisiert hatten.

Beobachter der Regierungspartei berichteten in den letzten Wochen, die Hardliner würden sich immer mehr durchsetzen. Dieser Flügel tritt für eine militärische Niederwerfung der Zapatisten ein. Dieser Option dürfte Präsident Salinas bisher aus eher taktischen Gründen seine Zustimmung versagt haben, da er sich vor den Prasidentschaftswahlen im August nicht auf allzu riskante Abenteuer einlassen möchte. Im Moment haben sowohl die EZLN als auch Salinas für die jeweiligen Armeen die Verlängerung der Feuerpause befohlen. Das von der Guerilla kontrollierte Gebiet ist jedoch von den mexikanischen Streitkräften eingekesselt. Die Versorgung von außen ist für die Zivilbevölkerung nur sehr schwer möglich. Einer von verschiedenen Organisationen zusammengestellten Karawane gelang es allerdings vor wenigen Tagen, 200 Tonnen Lebensmittel und Medikamente an die Bevölkerung im Konfliktgebiet zu verteilen.

Wohl auch, um ihre Isolierung zu durchbrechen, riefen die Zapatistas in ihren Erklärungen der vergangenen Woche zu einer »Demokratischen Nationalversammlung« auf, aus der eine Übergangsregierung und eine neue Verfassung hervorgehen sollen. Ein erstes Treffen dafür soll in ihrem Gebiet stattfinden. Die EZLN will alles gegen den Versuch der Regierung tun, »die Bedeutung unseres gerechten Kampfes auf die örtliche Indígena- Umgebung und sogar auf vier Bezirke in Chiapas zu beschränken«. Deshalb ruft sie zu einem »neuen Dialog mit allen fortschrittlichen Kräften des Landes« auf. Die Ereignisse der letzten Tage haben der Guerilla zumindest wieder ein grösseres Forum verschafft. Ob es ihr gelingt, ihre Forderungen zu einem nationalen Thema zu machen, hängt davon ab, wie sich die landesweite Opposition verhalten wird. Die Zapatisten wissen, daß sie Mexiko nicht alleine verändern können.

PARAGUAY

Mutterschaft als Geschäft

(Paraguay, Juni 1994, fempress-POONAL).- Kleinkinder aus Lateinamerika haben heute einen hohen Wert, denn sie sind in der Ersten Welt begehrt. Der Handel mit Babies ist in Lateinamerika zu einem rentablen Geschäft geworden. In Paraguay, so wird geschätzt, sind an einem Kind, das an europäische oder nordamerikanische Adoptiveltern verkauft wird, 15.000 bis 20.000 Dollar zu verdienen sind. Neben der Adoption haben sich aber neue kriminelle Praktiken entwickelt, von denen einige wie die Leihmutterschaft gesetzlich bislang gar nicht geregelt sind. Andere Delikte wie der illegale Kinderhandel, die Entführung und der Verkauf von Kindern durch organisierte Banden, haben sich erhöht.

Ein dreiköpfiges ForscherInnenteam hat in Paraguay untersucht, wie die Vermittlung von Adoptionen sich in ein Geschäft verwandelt hat. Die meisten Kinder werden an Adoptiveltern in anderen Staaten vermittelt. Diese Adoptionen sind beträchtlich angestiegen: 1987 waren es ganze sechs, 1990 bereits 130, im Jahr 1991 dann 209, ein Jahr später 256 und für 1993 werden 600 solcher Adoptionen geschätzt. In 95 Prozent der Fälle sind die Babies für Familien in den USA bestimmt. Vermittlungsbüros stellen den Kontakt zu Interessenten in den USA her, die zum gegebenen Zeitpunkt nach Paraguay kommen, um die Kinder zu begutachten. Die Agenten haben ein professionelles Umfeld eingerichtet: zweisprachige Babysitter, medizinische Versorgung, Wiegen, Kinderwagen, usw. Wichtig ist: Die zugereisten Interessenten sind weitgehend von den Vermittlern abhängig.

Für die biologischen Mütter ist die Situation ungleich härter. Sie werden über die Folgen ihrer Adoptionszustimmung nicht angemessen beraten und vorschriftsmässig informiert. Mehr noch: Es ist meist nicht sicher, dass sie ihre Zustimmung freiwillig geben. Und wenn sie es tuen, so bleibt unklar, ob dies nicht durch eine Bezahlung vor oder nach der Geburt erschlichen wurde. Direkt oder über Zwischenhändler*innen werden die Babies dieser Frauen im besten Fall gekauft, nicht selten aber auch durch Raub, Entführung oder Betrug gewaltsam entrissen.

Das häufigste Vorgehen der Zwischenhändler*innen ist es, „auf die Jagd“ nach Schwangeren oder Müttern mit wenige Monate alten Babies zu gehen. Sie kommen in die Gesundheitszentren, wo sie sich an arme oder zahlungsunfähige Personen wenden. Sie nutzen die Notlage der Mütter aus und drängen sie, ihre Söhne und Töchter – geboren oder ungeboren – zu verkaufen. Die Bezahlung ist relativ gering, aber für ihr Überleben äusserst wichtig. Das Geld für die Ausgaben der Geburt im Krankenhaus, Hilfe für die Familienangehörigen oder aber paradiesische Aussichten für die noch nicht geborenen Babies: das sind die Argumente, mit denen die Kinder von ihren Müttern getrennt werden.

Mit dem Kind in ihrer Gewalt bekommen die Vermittler*innen vom Gericht die provisorische Aufsicht der Minderjährigen in Vormundschaft übertragen. Sie bringen sie in „Kinderheime“, die als Verkaufsläden für Kinder fungieren. Über eine Rerserve an Babies verfügend, sind die Anwält*innen in der Lage, das Angebot in ihrem Sinn der Nachfrage anzugleichen. Auf diese Art sichern sie die „Rentabilität“ der Kinder. Paraguay hat zwar die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes unterschrieben, jedoch keine Gesetze über das Vorgehen bei internationalen Adoptionen verabschiedet. Damit hat die Korruption freie Bahn. Die Voraussetzung für das Funktionieren des Kinderhandels ist die Armut und Ausbeutung von Frauen. Es gibt auch den Verdacht, dass über diese Agenturen Organhandel betrieben wird, das von Kindern in der „Ersten Welt“ zu retten. Die Paraguayanerinnen die viel im Hinblich auf die juristische Gleichstellung der Frauen erreicht haben, stehen vor einer grossen Herausforderung: es geht um den gesetzlichen Schutz von Frauen und Kindern vor internationalen Adoptions- und Kinderhändlern.

KUBA

Mexikanischer Präsident besucht Fidel Castro

– Von Silvio J. Mendiandua

(Havanna, 14. Juni 1994, prensa latina-POONAL).- Der mexikanische Präsident Carlos Salinas de Gortari stattete Cuba einen eintägigen Kurzbesuch ab, bei dem er Gespräche mit der politischen Führung einschliesslich Fidel Castros führte. Salinas rief auf der Pressekonferenz vor seinem Weiterflug nach Cartagena zur Aufhebung der nordamerikanischen Wirtschaftsblockade gegenüber Cuba auf. Er äusserte die Überzeugung, diese löse keine Probleme und stelle ein Hindernis für die Kommunikation und die Verständigung dar. Salinas erklärte: „Mexiko wird weiter seine Solidarität mit dem cubanischen Volk aufrecht erhalten und ausdrücklich das Recht Cubas auf Selbstbestimmung und Souveränität respektieren.“ Sein Besuch bestärke die tiefe Freundschaft zwischen Cuba und Mexiko, die sich durch die Identifikation in geografischen, historischen und kulturellen Aspekten ausdrücke.

Was die wirtschaftlichen Beziehungen anbelangt, erwähnte Salinas die Erfahrungen bei Gemeinschaftsunternehmen im Tourismus und der Zementindustrie. Der mexikanische Präsident kündigte zudem die Unterschrift unter ein wichtiges Abkommen im Telekommunikationsbereich an. Als weiteres Ergebnis der Gespräche hob er die Sonderbedingungen hervor, die Mexiko bei dem Import von cubanischen Textilien, Wandplatten (Kacheln) und Fertighäusern gewähren will. Bei einem anschliessenden Empfang in der Residenz des mexikanischen Botschafters Carlos Tello bezeichnete Fidel Castro das Ergebnis des Besuches als „exzellent“. Er unterstrich, er stelle eine „mutige Geste“ dar. Die Cubaner*innen seien für die Anwesenheit des Regierungschefs aus dem lateinamerikanischen Nachbarland sehr dankbar.

VENEZUELA

PROVEA legt Menschenrechtsbericht vor

(Caracas, Mai 1994, Alai-POONAL).- Die venezolanische Menschenrechtsorganisation PROVEA hat ihren fünften Jahresbericht veröffentlicht. Zwar liegt der dem Bericht zugrunde gelegte Zeitraum (Oktober 1992 bis September 1993) schon einige Monate zurück. Dennoch behalten die Daten im ehemals „stabilsten“ Land Südamerikas ihre Wichtigkeit und ihren Schrecken. Alai hat die wesentlichen Teile des Dokumentes zusammengefasst: Die bürgerlichen und politischen Rechte werden immer massiver in Venezuela verletzt. Besonders betroffen sind das Recht auf Leben und auf körperliche Unversehrtheit. Im betrachteten Zeitraum wurde ein Ansteigen sowohl örtlich begrenzter als auch struktureller Menschenrechtsverletzungen beobachtet. Die Straflosigkeit und die absolute Wirkungslosigkeit der Rechtsorgane in diesen Fällen waren markant.

187 Personen sind nach dem Kenntnisstand von PROVEA in den zwölf Monaten durch Polizeikräfte, Militärs oder andere Sicherheitsorgane des Staates getötet worden. Dies bedeutet eine Erhöhung um 28 Prozent gegenüber der Vorperiode (143 Tote). Vier Personen gelten als verschwunden. Die Zahlen enthalten nicht die 31 getöteten Zivilist*innen bei dem Staatsstreichversuch vom 27. November 1993. Ebensowenig schliessen sie die 63 getöteten Häftlinge bei der Gefangenenrevolte in Catia ein. Die Daten bedeuten: Durchschnittlich kamen jeden Monat 15 Personen durch die den staatlichen Sicherheitskräften zugeschriebenen Aktionen um. Das heisst nichts anderes, als dass in einer grossen Zahl der Fälle faktisch die Todesstrafe angewandt wurde. Diese Behauptung wird durch folgendes gestützt: In mindestens 67 Fällen handelt es sich um die Exekutionen von wehrlosen und unbewaffneten Personen.

Im gleichen Zeitraum starben in den Gefängnissen 195 Menschen – ebenfalls ohne die Toten von Catia. Die Zahl der verwundeten Haftinsassen erhöhte sich auf 387. Die willkürlichen Verhaftungen gingen zurück (auf 1.525), jedoch fast die Hälfte (720) bezog sich auf Festnahmen bei Demonstrationen. Die Folterpraxis breitet sich aus, 105 Fälle wurden bekannt. Das sind 78 Prozent mehr als in der Vorperiode. Knapp jede zweite Folter richtete sich gegen Oppositionelle oder politische Dissidenten. Zum zweiten Mal beobachtete PROVEA systematisch, inwieweit Meinungs- und Informationsfreiheit in Venezuela gesichert sind. Die Organisation registrierte 142 Agressionen gegen Mitarbeiter*innen der Medien, für die Militärangehörige, Polizisten oder andere Sicherheitskräfte verantwortlich waren. Auch in diesem Bereich erhöhten sich die Menschenrechtsverletzungen. 30 Anklagen gegen Zensur bei Presse, Funk oder Fernsehen durch Staatsautoritäten zeigen die Grenzen der Pressefreiheit im Land auf.

Häufiges Ziel von Angriffen sind die Indígenas im Land, denen staatlicher Schutz nach wie vor verwehrt bleibt. Zwei Wayuú- Indígenas wurden durch Mitglieder der Präsidenteskorte getötet, das Massaker an den Yanomamis durch brasilianische Garimpeiros (dies fand zumindest zum Teil auf venezolanischem Territorium statt; d. Red.) ist ein weiteres Beispiel für diese Situation. Gleichzeitig weigert sich der Staat, die Rechte der Indígenas offiziell anzuerkennen. Bis heute ist er nicht bereit, die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (OIT) über die Indígena-Völker und -Stämme in Unabhängigen Ländern zu unterzeichnen.

HONDURAS

Berüchtigte Geheimpolizei wurde aufgelöst

(Mexiko-Stadt, 12. Juni 1994, POONAL).- Am 11. Juni wurde die gefürchtete Geheimpolizei von Honduras offiziell aufgelöst. Sie galt als der „Folterarm“ der Streitkräfte. Jetzt wird ein neues Polizeiorgan unter ziviler Kontrolle geschaffen. Die Militärs sind von der Auflösung der „Nationaldirektion für Untersuchungen“ (DNI), so der amtliche Name der aufgelösten Geheimpolizei, wenig begeistert. Die 1963 gegründete Organisation gehörte zu ihren „effizientesten“ Abteilungen.

Der jetzt vollzogenen Entscheidung gingen acht Monate harter Verhandlungen mit der Armee voraus. Der Anfang vom Ende der DNI begann mit einer Untersuchungskommision, die noch von dem damaligen Präsidenten Rafael Leonardo Callejas eingesetzt wurde. Ein desertierter Mitarbeiter der Geheimpolizei hatte damals Anschuldigungen von Menschenrechtsorganisationen bestätigt. Seinen Ausführungen zufolge hatte die DNI Politiker*innen, Gewerkschafter*innen, Intellektuelle und sogar Militärs ausspioniert. Die Verabschiedung der 7.000 Mann starken Truppe wurde vom Armeechef General Luis Alonso Discua geleitet. Gemeinsam mit mehreren hundert Agenten der DNI erwies er den toten Mitarbeitern der Geheimpolizei mit dem Ruf „gestorben fürs Vaterland“ seine Ehrerbietung. Auffällig: Präsident Carlos Roberto Reina fehlte bei der Zeremonie. Obwohl die Militärs zusicherten, die Anordnung zu aktzeptieren, machten sie die Menschenrechtsorganisationen und die politische Linke für die Auflösung der DNI verantwortlich. Die Militärs warnten, die Kriminalitätsrate könnte sich wieder steigern. Zudem lobten sie die DNI, die „den Eintritt des Kommunismus in unser Land“ gestoppt habe. Die Geheimpolizei wird durch die sogenannte „Direktion für Verbrechensuntersuchung“ ersetzt. Unter ziviler Führung soll die neue Abteilung spätestens am 1. Januar 1995 ihre Arbeit aufnehmen. Quellen aus den Streitkräften ließen jedoch durchblicken, die neue Sicherheitsabteilung werde viele Mitarbeiter aus den Reihen der jetzt entlassenen Agenten rekrutieren.

HAITI

Militärs warnt die AusländerInnen

(Port-au-Prince, 18. Juni 1994, Hib-POONAL).- In der Nacht auf den vergangenen Samstag gab das illegale Regime ein weiteres drohendes 9-Punkte-Komuniqué heraus. Es erklärte die Grenze, die Küste und Gebiete mit Funkantennen zu „strategischen Zonen“. Dort könne niemand ohne „besondere Genehmigung“ reisen, filmen oder aufnehmen. In einem Spot während eines WM-Fußballspiels – das jeder Haushalt mit Fernsehen auf Haiti sah – warnte das Regime die AusländerInnen: wer die Gesetze mißachte, könne „unverzüglich“ ausgewiesen werden.

Das Dekret ist der jüngste Versuch der Marionettenregierung unter dem ehemaligen Richter Emile Jonaissaint, eine pseudo- nationalistische Haltung gegen die mögliche Intervention und neue Sanktionen einzunehmen. Regimeunterstützer*innen wiesen ebenfalls darauf hin, sie und die Generäle würden sich den neuen Drohungen nicht beugen. Währenddessen treten Länder wie Panama der US-Linie bei. Sie stellen die Flüge nach Haiti ein oder ändern Bestimmungen, indem sie die Visapflicht für Besucher*innen aus Haiti einführen. Nachdem der Innenminister am 12. Juni einen unbefristeten „Notstand“ ausgerufen hatte, kündigte er am 16. Juni die Pflicht für alle Hotels und Bürger*innen mit ausländischen Gästen an, die Namen dieser Personen weiterzugeben. Nur ein paar Tage zuvor hatte Jonaissant noch gesagt, alle Ausländer*innen würden von seiner Regierung geschützt. Tatsächlich aber wurde beispielsweise vor wenigen Tagen ein Reporterteam der NBC festgehalten. Die Kameras wurden zeitweise beschlagnahmt. Andere Presseteams berichten von der Weigerung der Behörden ihnen Drehgenehmigungen für die Grenzgebiete zur Dominikanischen Republik auszustellen. Dort wird nach wie vor das Embargo durchbrochen.

Paraden zu Ehren General Raoul Cedras

Die Militärs geben sich unterdessen kämpferisch. So organisierten sie am 15. Juni in Städten überall im Land Paraden „in Solidarität mit General Raoul Cedras“. Der staatliche Fernsehsender zeigt Dokumentationen über die Armee und die Militärakademie. WM- Fußballübertragungen werden mit Botschaften wie „Demokratie ja, Aristide nein“ unterbrochen. Am 15. Juni sagte Emmanuel Constant von der rechtsgerichteten FRAPH, wenn kein diplomatischer Fortschritt bis zum 21. Juni erreicht werde, würde die die FRAPH sich in „Bewaffnete revolutionäre Front des haitianischen Volkes umbenennen“. Sie werde die Bevölkerung aufrufen, vom „passiven“ in den „aktiven Widerstand“ überzugehen. „Wir sind bereit, zu kämpfen und zu sterben“, sagte er einheimischen und ausländischen Berichterstatter*innen.

Auch der kürzlich aus Jonassaint's „Kabinett“ ausgetretene Anwalt Mireille Durocher Bertin scheint weiterhin das Regime unterstützen zu wollen. So rief der Anwalt am 18. Juni zum Widerstand gegen das Embargo und zur Vorbereitung von Wahlen im Herbst auf. Die einflußreiche haitianische Handelskammer brachte am Vortag eine in verärgerten Ton gehaltene Pressemitteilung heraus. Sie attackierte den US-Sonderabgesandten William Gray wegen der neuerlichen Strafmaßnahmen, die die Einstellung des US-Flugverkehrs nach Haiti vom 25. Juni an beinhalten. Die Kammer schrieb: „Mr. Gray und alle, die ihm zustimmen, sollten von den Haitianer*innen gehaßt werden. Sie sollten ihn als Saboteur… der haitianischen Nation ansehen.“ Die Elite organisiert derweil ihre Ausreise bzw. die Vorräte aufzustocken. Sie nimmt eine ehr aabwartendenden Position ein als öffentlich gegen die Armee Front zu machen, die sie solange toleriert hat.

USA drängen den Demokratiebewegungen Asyl auf

(Port-au-Prince, 17. Juni 1994, Hib-POONAL).- Am 21. Juni wird der letzte Führer der sogenannten Plattform Carrefour-Feuilles (PC-F) die Insel verlassen haben. In der genannten Plattform hatten sich die Gruppierungen zusammengefunden, die sich gegen das Militärregime ausgesprochen hatten. Das gesamte siebenköpfige Leitungskomitee – zwei Frauen und fünf Männer – bat erfolgreich um politische Asyl, dank der Hilfe und der Ermutigung der von der US- Regierung gegründeten und finanzierten Organisation „Integrales Projekt zur Stärkung der Demokratie auf Haiti“(PIRED). Es ist das zweite Komitee der Plattform, das das politische Asyl akzeptiert und Haiti verläßt. Das erste Leitungsgremium ging im letzten Winter weg.

Obwohl die Plattform wegen ihrer Verbindung zu PIRED zuletzt an Glaubwürdigkeit verloren hatte, ist die gesamte demokratische Bewegung durch die Asylannahme aller sieben Führungsmitglieder geschockt worden. Die PC-F gründete sich 1991 nach dem Staatsstreich und umfaßte 27 Gruppen. Ursprünglich wurde sie als „konsequente“ Organisation eingeschätzt. Nachdem die Zusammenarbeit mit der PIRED begann, verließen jedoch mehrere Gruppen die Plattform. Heute besteht sie nur noch aus der erwähnten Gruppierung. Die PC-F hat sich, nach Meinung vieler früherer Mitglieder in eine Organisation verwandelt, die ausschließlich auf Gelder aus ist und politisches Asyl beschafft. Dennoch ist ihr Fall beispielhaft dafür, wie politisches Asyl „aufgedrängt“ wird. Laut Dilevois Nozile, einem der sieben Mitglieder von der Plattform-Führung bietet die PIRED Organisationen einen Ort zum Treffen, Telefonleitungen, Schreibmaschinen und Kopierer an. Sie helfe sogar mit Schreibkräften für Pressemitteilungen aus. Hilfe gibt es auch für Aktivist*innen, die untertauchen müssen.

PIRED bekannt für hohe Anerkennungsraten

Ein Priester, der an der Spitze einer früheren

Mitgliedsorganisation der Plattform steht, klagt an: „Die PC-F

verkaufte ihr Bewußtsein an PIRED. Der Plan mit dem politischen Asyl dient dazu, die Volksbewegung niederzuwerfen, uns zu destabilisieren.“ PIRED ist bisher sehr aktiv gewesen, Personen beim Asylgesuch zu helfen. Ihr Direktor Ira Lowenthal erklärte, er habe in den vergangenen vier Monaten mehr als 650 Menschen geholfen – alles Mitglieder von Volksorganisationen. Er spricht von einer „zehnmal“ größeren Anzahl von Fällen, die seine Organisation im Vergleich zu anderen Nicht- Regierungsorganisationen bearbeite. PIRED ist für die hohen Anerkennungsraten im Asylverfahren bekannt (z.T. wird gesagt, die Rate liegt bei 100 Prozent).

„Unser Ziel auf Haiti ist, soweit möglich, jedem Asylantrag stattzugeben“, erzählte Lowenthal einem Journalisten. „Wir wollen, daß niemand durchfällt.“ Brunson McKinley, ehemaliger US- Botschafter auf Haiti und Chef für Flüchtlings- und Einwanderungsangelegenheiten beim Außenministeriums lobte noch kürzlich das Asyl-Programm der USA: „Die Entscheidung vor Ort bleibt der effizienteste und sicherste Weg für die wirklichen Flüchtlinge. Diese Vorgehensweise wird fortgeführt… auch wenn die kommerziellen Flüge gestoppt sind.“ Ein Mitglied der FAR, einer aktiven Gruppe aus Cit'e Soleil, gab an, ihm sei von PIRED-Angestellten wiederholt Asyl angeboten worden. „Sie nehmen Kontakt mit uns auf, sie laden uns zu Treffen ein“, berichtete er. „Aber wir laufen weg. Wir sind absolut gegen das politische Asyl.“

HAITI

Neue politische Gruppierung

(Port-au-Prince, 16. Juni 1994, Hib-POONAL).- Mehr als 80 Gruppierungen und politische Parteien gründeten am 8. Juni eine neue politische „Einheit“. Sie nennen sich „Demokratischer Bereich des 16. Dezember“ (K 16; am 16. Dezember 1990 wurde Präsident Jean-Bertrand Aristide gewählt). Die Gruppe wird von einem Sprecher der Nationalen Front für den Wechsel und die Demokratie (FNCD) angeführt, die die Kandidatur von Aristide unterstützte. Zu den Unterzeichner*innen des Gründungsdokumentes gehören der Bürgermeister von Porte-au-Prince, Paul Evans und der Senator Dr. Turneb Delpe, Kopf der Nationalistischen Demokratischen Fortschrittlichen Haitianischen Partei (PNDPH). Alle Unterzeichner*innen wollen „die Interessen der haitianischen Menschen verteidigen“ und „für eine Lösung der Krise kämpfen, indem der Mehrheitswille respektiert wird… der sich in den demokratischen Wahlen vom 16. Dezember 1990 und 20. Januar 1991 zeigte“. Sie sind für „jede friedliche Aktion“, die zur Rückkehr des Präsidenten „im Geiste der Vereinbarung von Governor's Island führt“. Trotz der guten Absichten bleibt es zweifelhaft, ob die K 16 über Statements hinaus etwas bewegen kann.

Schüsse an der Grenze

(Ouanaminthe, 17. Juni 1994, Hib-POONAL).- Obwohl das Benzin nachts (ohne Probleme) über die Grenze gelangt, schießen die Soldaten der Dominikanischen Republik tagsüber auf Haitianer*innen, um die „geschlossene“ Grenze zu schützen. Am 24. Juni wurde ein 24jähriger Haitianer erschossen. Die dominikanischen Behörden erklärten, er habe zusammen mit mehreren anderen Personen die Soldaten mit Steinen angegriffen. Zeugen berichten jedoch, der Mann habe einen Bauchschuß erhalten, als er nach einem Benzinkauf im Nachbarland auf haitianischen Boden zurückrannte. Korrespondent*innen berichten von ähnlichen Schießereien. Am 4. Juni trafen tödliche Schüsse einen Mann, der mit zwei Treibstoffkanistern die Grenze überqueren wollte. Am 8. Juni wurden drei andere Männer von Kugeln getroffen. Über ihren Zustand ist nichts bekannt. Am 2. Juni starb eine Marktfrau. Den Berichten zufolge wurde sie von zwei Haitianern erschossen, die ihr eine größere Menge Geld raubten. Trotz der Gewalt gegen einzelne Haitianer*innen, die versuchen, ein bißchen Benzin oder Essen zu kaufen, herrscht nach Einbruch der Dunkelheit ein geschäftiges Treiben an der Grenze. „Gegen 21 Uhr regnet es Benzin in Ouanaminthe“, so ein Journalist vor Ort.

GUATEMALA

URNG und Regierung verhandeln in Oslo

(Mexiko-Stadt, 19. Juni 1994, POONAL).- Guatemaltekische Regierungsvertreter und die Delegation der Revolutionären Nationalen Einheit Guatemalas (URNG) unterschrieben in Oslo am 17. Juni ein Abkommen über die Wiederansiedlung der durch den bewaffneten internen Konflikt vertriebenen Bevölkerung. Einzelheiten wurden vorerst nicht bekannt. Die unter Vermittlung der UNO zustande gekommen Vereinbarung sieht jedoch vor, innerhalb von 60 Tagen eine „technische Kommission“ zu schaffen. Ihr solle zwei Regierungsvertreter*innen, zwei Vertreter*innen der Vertriebenen und zwei Vertreter*innen der Organisationen, die die Wiederansiedlung begleiten, angehören.

Nach Angaben des UNO-Vermittlers Jean Arnault enthält der erste Teil des Abkommens politische und juristische Garantien für die Wiederansiedlung. Im zweiten Teil geht es um die wirtschaftliche Reintegration der Betroffenen. Über die Anzahl der Vertriebenen bestehen zwischen guatemaltekischer Regierung und Guerilla weiterhin große Meinungsverschiedenheiten. Die Regierung spricht von nur 200.000 internen Vertriebenen zusätzlich der Flüchtlinge in Mexiko. Der URNG-Kommandant Rolando Morán geht davon aus, daß ein Fünftel der guatemaltekischen Bevölkerung entwurzelt ist – das wären etwa 2 Millionen Menschen. Unabhängige Schätzungen nennen 1 Million Vertriebene in Guatemala selbst und etwa 40.000 Flüchtlinge im Nachbarland Mexiko.

Der norwegische Außenminister Bjorn Tore Godal führte bei der Unterzeichnungszeremonie den Vorsitz. Seine Regierung finanzierte das Wiederansiedlungsabkommen mit 1 Million Dollar. In Oslo soll nun weiterverhandelt werden, bis auch eine Vereinbarung über die umstrittene 'Wahrheitskommission' unterschrieben wird, die die Kriegsverbrechen untersuchen soll. Bis jetzt scheint nur festzustehen, daß die Kommission – in welcher Form auch immmer – geschaffen wird. Juristische Befugnisse wird sie jedoch nicht erhalten. Die URNG könnte unter diesen Umständen für sich in Anspruch nehmen, die Kommission gegen die Widerstände des Militärs und der Regierung letztendlich durchgesetzt zu haben. Letztere könnten mit solch einer „zahnlosen“ Institution gut leben und ihr Entgegenkommen herausstellen. Eine Bestrafung der Schuldigen und die Rehabilitierung der Opfer ist nicht zu erwarten.

NICARAGUA

Kongreß der falschen Einheit

(Managua, Juni 1994, Apia-POONAL).- Der außerordentliche Parteitag der FSLN hat eine Weichenstellung, aber nicht die erhoffte Klärung gebracht: Im wesentlichen bleibt alles beim Alten – nur Sergio Ramírez erlitt mit seiner Bündnispolitik für eine „Rückkehr zur Mehrheit“ eine empfindliche Niederlage und wurde aus der nationalen Leitung der FSLN abgewählt.

Daniel Ortega bliebt Generalsekretär der Sandinistischen Befreiungsfront, der von ihm angeführte Flügel der „Demokratischen Linken“ sicherte sich eine satte Zweidrittelmehrheit in allen Parteigremien. Der von der Reformistenfraktion um Sergio Ramirez aufgestellte Gegenkandidat Henry Ruiz hatte gegen die Wahlmaschinerie der Parteiführung keine Chancen. Und Sergio Ramírez selbst, der den Führungsanspruch des ehemaligen Präsidenten öffentlich in Frage gestellt hatte und dafür von Ortega als Rechtsextremist apostrophiert worden war, wurde -in geheimer Abstimmung – aus dem Nationaldirektorium abgewählt.

Flügelkämpfe: Demokratische Linke um Ortega gegen Pragmatiker um Ramírez

Die Zeichen standen schon lange auf Sturm: Zwei Tendenzen, die sich in den letzten Jahren innerhalb der Partei herausgebildet hatten, kämpften um die Hegemonie. Auf der einen Seite der orthodoxe Flügel der „Demokratischen Linken“ um Daniel Ortega, der die FSLN zu ihren proletarischen Ursprüngen zurückführen und die nach der Wahlschlappe angeschlagene vertikale Parteistruktur wiederherstellen will. Auf der anderen Seite die Reformer um den Fraktionschef im Parlament, Sergio Ramírez, die sich den Namen Sandinist*innen für die Rückkehr zur Mehrheit“ gegeben haben. Diese verfechten nicht nur eine pragmatischer Politik und die Öffnung zum Zentrum, sondern setzen sich auf für eine Demokratisierung der Partei ein. Hier finden sich neben den „Sozialdemokrat*innen“ und den sandinistischen Unternehmer*innen auch die um mehr Autonomie kämpfenden Frauen und die linken Intellektuellen aus Managua.

Kongreß ließ mehr Fragen offen als er beantwortete

Der außerordentliche Parteitag der FSLN, der nach einer nächtlichen Marathonsitzung erst am Vormittag des 23. Mai zu Ende ging, ließ insgesamt mehr Frage offen, als er beantwortete. Denn bei dem Kongreß ging es um mehr als um die längst fällige Erneuerung der Führungsriege. Es ging um die Einheit der Partei, die noch immer die größte und bestorganisierte politische Organisation Nicaraguas ist, aber immer größere Zweifel aufkommen läßt, ob sie sich als glaubwürdige Alternative bei den Wahlen 1996 anbieten kann. Von den als Beobachtern geladenen Vertreter*innen von Linksparteien aus ganz Lateinamerika, die eine wegweisende Debatte über die politische Heimat und die zukunft der Linken erwartet hatten, fuhren so manche enttäuscht nach Hause. Andere gaben sich bescheidener. „Mehr war nicht zu erwarten“, meinte ein Delegierter aus Costa Rica.

Viele Beobachter und Kongreßteilnehmer*innen registrierten erstaunt, daß die Gründe der internen Krise, die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über ganz zentrale Fragen der Politik, das Verhältnis zur Regierung und nicht zuletzt die interne Demokratie gar nicht diskutiert wurden. Nachdem Dora María Tellez am letzten Tag konstatiert hatte, daß die unterschiedlichen Stömungen nicht der Grund der Krise seien, sondern deren Symptome, hielt der Comadante Victor Tirado ein Plädoyer für die Wiederherstellung der Einheit. Doch statt eine Diskussion darüber zu eröffnen, erklärte Tomás Borge, der den Vorsitz des Kongresses innehatte, er habe mit allen Beteiligten gesprochen und alle hätten sich gegen eine Spaltung ausgesprochen. Damit war das Thema vom Tisch. Alle Vorstöße zugunsten einer Demokratisierung der Strukturen gingen ins Leere.

Die Autoritätshörigkeit unter den Delegierten aus der Provinz ist nach wie vor groß. Das erkennt man auch daran, daß alle Revolutionskommandanten des historischen Nationaldirektoriums wiedergewählt wurden. Mit Ausnahme von Humberto Ortega, der von Berufs wegen kein politisches Amt bekleiden darf, und des ehemaligen Agrarreformministers Jaime Wheelock, der an der Harvard University studiert und brieflich auf seine Kandidatur verzichtet hatte.

Harmonie und Einheitsstreben statt substantieller Auseinandersetzungen

Außer einer 30prozentigen Quote für Frauen und einer Mindestrepräsentation der Autonomen Regionen der Atlantikküstge in den Parteigremien sowie der Einführung der geheimen und individuellen Abstimmung über alle Ämter haben die zwei Tage und drei Nächte währenden Diskussionen keine nennenswerten Reformen gebracht. Die FSLN nimmt noch immer für sich den Charakter der „Avantgarde“ des Volkes in Anspruch und kennt weiterhin zwei Arten von Mitgliedschaft: einfache Mitglieder (afiliados) und Vollmitglieder (militantes). Dieses Relikt aus den Zeiten der Kaderpartei ist eines der Hindernisse für die von Daniel Ortega seit langem angestrebte Aufnahme in die Sozialistische Internationale, obwohl der Unterschied zwischen afiliados und militantes weitgehend verwischt und das langwierige Verfahren für die Aufnahe als Vollmitglied wesentlich vereinfacht wurde. Für die Reformer wiederum verträgt sich der Avantgarde-Charakter schlecht mit dem Anspruch, bis zu den Wahlen von 1996 mehrheitsfähig zu werden.

Zu einer Serie von Schlüsselproblemen – die Position de FSLN gegenüber der Regierung Chamorro, die Eigentumsfrage, die Position gegenüber den USA und das Verhältnis zu den Campesinos – waren vonn einem Redaktionsteam programmatische Punkte zusammengeschrieben worden, die ohne nennenswerte Diskussion in Bausch und Bogen abgesegnet wurden. Darin verpflichtet sich die FSLN zur Förderung der Dezentralisierung und der Gemeindeautonomie, zeigt sich der Rechsstaatlichkeit und den individuellen Rechten verpflichtet und bekennt sich zu demokratischen als einzig legitimem Weg zur Macht. Gleichzeitig wollen die Sandinist*innen für die sozialen Bewegungen Partei ergreifen und distanzieren sich „deutlich von der Wirtschaftspolitik der Regierung, die die Bevölkerung negativ betrifft“. Im Kapitel über das Eigentum fehlt jede Selbstkritik oder Schuldzuweisung in Sachen der teilweise dubiosen Transaktionen in der übergangsphase zwischen Wahlniederlage und Amtsübergabe, die nicht nur tgausende rechtmäßig übertragene Titel legalisierten, sondern auch so manchen Comandante und funktionär zum Großgrundbesitzer, Unternehmer oder Eigentümer einer herrschaftlichen Villa machten. Die sogenannte Piñata so benannt nach der mit Süßigkeiten gefüllten Kreppapierfigur, auf die auf Kindergeburtstagen so lange eingedroschen wird, bis sich der Inhalt auf den den Boden ergießt – hat die ganze Partei diskreditiert und bei der Basis eine schwere Vertrauenskrise ausgelöst.

FSLN: Heimat aller Klassen und Avantgarde des Volkes

Bei der Definition des Parteicharakters hatten sich im Redaktionsteam die Reformer*innen durchgesetzt, die die FSLN als Heimat aller sozialen Klassen sehen. Besonderes Augenmerk soll aber „den Frauen, Jugendlichen, indianischen Gemeinden, territorialen Bewegungen und den Demobilisierten der Armee und des Widerstandes (d. h. der ehemaligen Contras“) gelten.

Während der Debatte, in der es um die Herstellung eines gegenseitig respektvollen Verhältnisses zur Regierung der USA ging, meinte der erfolgreiche Unternehmer und ehemalige Tourismusminister Herty Lewites, es wäre eigentlich konsequent, aus der Parteihymne die Stelle vom „Yankee, dem Feind der Menschheit“ zu tilgen. Ein Vorschlag, der wenig später mit dessen Nichtwiederwahl in die 135köpfige Asamblea Sandinista quittiert wurde.

Während der Diskussion der Reform der Parteistatuten wurden die meisten Vorstöße in Richtung einer Demokratisierung oder der Erweiterung der Kompetenzen der Asamblea Sandinista, des formal höchsten Organs zwischen den Parteitagen, abgeschmettert. Die Mehrheit stimmte in den entscheidenden Fragen immer gemäß den von Daniel Ortega ausgegebenen Parolen, auch wenn diese scheinbar widersprüchlich waren. So hatte Ortega seinem langjährigen Rivalen um die Kontrolle der Partei, Tomás Borge, das erst zu schaffende Amt des Parteipräsidenten angeboten, um ihn seine Seite zu ziehen. Heimlich hatte er aber Anweisung gegeben, gegen den einzigen überlebenden FSLN-Gründer zu stimmen. Der Präsident wäre dem Generalsekretär formal vorgesetzt. So begrüßten die Delegierten mit frenetischem Applaus die Kandidatur Borges für das Amt, das unter anderem für die Repräsentation im Ausland verantwortlich sein sollte, verhinderten aber wenige Augenblicke später – wenn auch nur mit hauchdünner Mehrheit – dessen Wahl. Borge wurde schließlich statt Präsident nur Stellvertreter Ortegas.

Daniel Ortega manövrierte Tomás Borge aus

Jetzt bleibt abzuwarten, ob Daniel Ortega mit seiner großen Machtfülle dosiert umzugehen versteht, um die Risse in der Partei zu kitten, oder ob er die internen Rivalen nach und nach vergrault. Als erste Maßnahme wurde bereits ein Köpferollen im ehemaligen Parteiorgan „Barricada“ angedroht. Die vor drei Jahren in die Unabhängigkeit entlassene Zeitung hatte sich im Vorfeld des Parteitages reichlich Kritik an Ortega erlaubt. Jetzt soll Direktor Carlos Fernando Chamorro – selbst einer der Reformer – abgesetzt und das Blatt an die Kandare genommen werden.

Unter den mittleren Kadern verbreitert sich die Mißstimmung. Bereits seit Jahren können sich immer weniger Parteimitglieder für eine regelmäßige Mitarbeit begeistern. Jetzt wird eine weitere Absetzbewegung befürchtet. Für Wahlen vom November 1996, bei denen es Arnoldo Alemán, den rechtsextremen, aber sehr populären Bürgermeister von Managua zu schlagen gilt, könnte das ein Debakel bedeuten. Gemäß Meinungsumfragen liegt die Anhängerschaft der Sandinist*innen gegewärtig bei knapp 20 Prozent.

Struktur der FSLN und Veränderungen in den Parteigremien

– Höchstes Organ der Partei ist der Parteikongreß, der alle drei Jahre zu ordentlichen Sitzungen zusammentritt. Er besteht aus maximal 600 Mitgliedern, die größtenteils von den Regionalkomitees gewählt werden.

– Der Parteikongreß wählt in geheimer und direkter Abstimmung die Sandinistische Versammlung (Asamblea Sandinista), das Nationaldirektorium (Dirección Nacional), das Exekutivkomitee und die Ethikkommission.

– Die Asamblea Sandinista ist das höchste Organ zwischen den Kongressen. Sie besteht aus 135 Mitgliedern (früher 120), wovon 90 die Provinzen repräsentieren und die restlichen 45 nationale Persönlichkeiten sind. Die Sandinistische Versammlung muß viermal jährlich zusammentreten und außerdem für wichtige Entscheidungen einberufen werden.

– Die Dirección Nacional (früher 10, jetzt 15 Mitglieder) führt die Tagesgeschäfte der Partei. Sie setzt sich nunmehr aus Daniel Ortega, Tomas Borge, Bayardo Arce, henry Ruiz, René Nuñez, Luis Carrión, Victor Tirado, René Vivas, Victor Hugo Tinoco, Lumberto Campbell, Dora María Tellez, Benigna Mendiola, Monica Baltodano, Dorotea Wilson und Myrna Cunningham zusammen.

– Die Ethikkommission hat über die Einhaltung der Statuten und einen untadeligen Lebenswandel der Mitglieder zu wachen. Auf Vorschlag einer Gruppe weiblicher Parteimitglieder wurde die unmittelbare Einführung einer 30prozentigen Frauenquote in den Führungsorganen der Partei beschlossen.

KOLUMBIEN

Fußball in der Hand der Drogenkartelle

(Bogotá, Juni 1994, AC-POONAL).- Die Nationalmannschaft Kolumbiens wird von etlichen Expert*innen in der Rolle eines Geheimfavoriten für die Fußballweltmeisterschaft in den USA gesehen. Dieser Beitrag versucht, die Bedeutung und Hintergründe des Fußballsports in dem Land deutlich zu machen und die wirtschaftlichen Verstrickungen mit den Drogenkartellen aufzuzeigen. Kolumbien hat – wie wohl jedes südamerikanische Land – eine zwar nicht sehr lange, aber doch reichhaltige Fußballgeschichte aufzuweisen. Die Entwicklung dieses Sports stand aber immer unter den Vorzeichen der wirtschaftlichen Situation – und tut dies noch heute. Bekanntlich lebt die Mehrheit der Bevölkerung Kolumbiens in großer Armut, obwohl das Land fruchtbar und reich an Rohstoffen ist. Es verwundert daher nicht, daß Fußball in Kolumbien ein Spiel der Straße ist, beinahe jeder Junge eignet sich die technischen Finessen beim Bolzen in seinem Viertel an, in Ermangelung eines Lederballs muß oft eine selbst geschneiderte Attrappe aushelfen. Fußball verkörpert nicht zuletzt die Hoffnung aufzusteigen, Ruhm und Anerkennung zu finden, die Familie unterstützen zu können, und vor allem: von einem Talentsucher entdeckt zu werden, der den ersehnten Einstieg in den bezahlten Fußball öffnet.

Industriellen-Clans finanzieren die Teams

Die erste reguläre Meisterschaft zwischen Departementsmannschaften wurde 1948 ausgetragen. Rasch erkannten Politiker wie Unternehmer die Anziehungskraft des Massensports und versuchten, ihn für ihre Kampagnen beziehungsweise ihre Unternehmenspolitik zu nutzen. Entsprechend wurden die Teams schon bald von Politikern und Industriellen gesponsort. Ökonomisch starke Provinzen hatten daher stets spielstarke Mannschaften. Beispiel: Die Haupstadt Bogotá und das Departement Cundinamarca hatten nach dem Zweiten Weltkrieg eine starke Stellung in der Agrarwirtschaft, vor allem durch den Anbau von Kaffee, Bananen, Kakao, Kartoffeln. Daher stellte die Region zwei Spitzenmannschaften in der ersten Liga. Die Departements Quindio, Reseralda und Caldas stellte je ein Team in der höchsten Klasse, die direkt von Kaffeeproduzenten finanziert wurden. Die Zuckerrohrproduzenten sponsorten die Equipen von Boca Juniors und Deportivo Cali, die Textilbranche griff den Mannschaften Idenpendiente und Nacional in Medellín unter die Arme. Bis heute ist die Fußballmeisterschaft denn auch ein Kampf der Industriellen in Medellín, Cali und Bogotá geblieben, wobei seit den 70er Jahren mit den Drogenbossen neue finanzkräftige Sponsoren auf den Plan traten.

Die Fußballer verdienten bis in die 60er Jahre nicht viel Geld. Die Sponsoren übernahmen Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten. Immerhing wurden bereits ausländische Spieler engagiert – aus Brasilien, Argentinien, Peru, Uruguay, Paraguay und Ecuador -, die feste Verträge erhielten und vergleichsweise schon gut verdienten. So zum Beispiel der argentinische Torwart Amadeo Carrizo, der von 1969 – 71 zwischen den Pfosten von Millonarios Bogotá stand und mit vier Einsätzen im Monat rund 48 000 Pesos einspielte, während damals ein Sekundarlehrer 2000 Pesos und der kolumbianische Präsident etwa 35 000 Pesos pro Monat verdiente.

1969: Fußballer verdient mehr als der Präsident

Aber nicht nur die Spieler selbst versuchten, sich mit dem Fußballsport das Überleben zu sichern. Unzählige kleine Leute gingen in die Stadien in der Hoffnung, Kleinigkeiten verkaufen zu können, seien es selbstgekochte Eßwaren, Andenken oder Getränke. Ab 1972 schwand das Interesse der Industrie zusehends, und der kolumbianische Fußball erlitt einen herben Rückschlag. Einziger Erfolg blieb der zweite Platz beim südamerika-Cup 1975. Zwar wurden die Clubs nun professioneller geführt und mehr Geld investiert. Weitere internationale Erfolge blieben jedoch aus. Mit dem Mariuhana-Boom in den 70er Jahren wuchs der Verdacht, daß Drogengelder in den Fußball flossen, Beweise fehlten jedoch noch. Jedoch konzentrierten sich die Spitzenclubs nun auf die Metropolen Bogotá, Cali und Medellin. Ab 1981 wuchs der Bekanntheitsgrad des kolumbianischen Fußballs in Südamerika auffällig. Es entstanden unzählige neue Fußballschulen, es wurden an vielen Orten neue Fußballturniere organisiert, und selbst in den Armenvierteln wurden neue Fußballplätze gebaut. Es sickerte durch, daß in medellín Pablo Escobar hinter diesem Aufschwung stand. Damit bestätigte sich die Vermutung, daß immer mehr Narcodollars ins Fußballgeschäft flossen. Vollends erhärtete sich der Verdacht, als der Clubpräsident Nacional Medellín, Hernan Botero, im Stadion Antanasio Girardot dem Publikum mit einer Handvoll Dollarnoten winkte und sagte, er könne sich jeden Schiedsrichter kaufen. Eine weitere Bestätigung, daß mittlerweile die Drogenkartelle den Fußball beherrschten, war der Abwurf von Flugblättern aus einem flugzeug über dem Stadion Pascual Guerrero in Cali, offensichtlich vom Kartell von Medellín organisiert. Auf dem Flugblättern wurde die Gründung der paramilitärischen Gruppe MAS (muerte a secuestrados, Tod den Entführern) bekannt gegeben. Der MAS drohte allen Entführern mit der Hinrichtung (MAS ist die bis heute größte und bestorganisierte paramilitärische Organisation mit zahllosen Verästelungen und regionalen Decknamen. Aujf sein Konto gehen tausende von Morden an politischen Oppositionellen, Volks-, Gewerkschafts- und Bauernführer*innen).

Drogenbosse dominieren die Fußball-Szene

Es zeichnete sich ab, daß die Mannschaften America vom Cali- Kartell, Nacional und Pereira vom Medellín-Kartell und Millionarios in Bogotá von rodriguez Gacha, genannt „El Mexicano“, einem mächtigen Drogenhändler finanziert wurden – und heute teilweise immer noch werden. Und nicht selten griff die im Land alltägliche Gewalt auch auf den Fußball über. Kurz vor der Weltmeisterschaft 1990 in Italien wurde der Schiedsrichter Alvaro Ortega erschossen. Er leitete am 15. November ein Meisterschaftsspiel zwischen Independiente Medellín und America Cali, ohne Zwischenfälle, aber mit einem gravierenden Makel: Independiente Medellín unterlag mit 2:3. Auf dem Weg zum Hotel wurde Ortega von bezahlten Killern mit mehreren Schüssen niedergestreckt. Der kolumbianische Fußball war 1990 – das Nationalteam nahm zum zweiten Mal an einer WM-endrunde teil – fest in der Hand der Drogenkartelle. Von 16 Teams der obersten Liga werden sechs – die Teams aus Medellín, Cali und Bogotá – mit erheblichen Summen aus dem Drogenhandel ausgestattet. Der Rest der Clubs ist in Auflösung begriffen. Der Verband schaut tatenlos zu und verfügt nichtg einmal über ornungsgemäße Statuten. Der kolumbianische Fußball ist im Würgegriff der Kokainbosse, allmäühlich mach sich auch Frust bei den einheimischen Spielern breit. Ein Nationalspieler, der verständlicherweise nicht genannt werden will, meint: „Es ist nicht nur der bessere Verdienst, der uns nach Europa treibt, es sind auch die Machenschaften der Mafia. Wo bleibt denn da für uns der Reiz, wenn du schon vor Spielbeginn weißt, ob du heute verlierst oder gewinnst?“ Bei der Weltmeisterschaft 1990 wußte sich die Nationalequipe Kolumbiens als eine Mannschaft mit hoher Spielkultur in Szene zu setzen, auch wenn sie nach einem folgenschweren Lapsus ihres Torhüters und Publikumslieblings rené Higuita gegen Kamerun im Achtelfinale ausschied. Der technisch versierte Fußball der Südamerikaner fand viele Anhänger, der Exodus der besten Spieler nach Europa war die Folge.

Verband will den Geruch von Korruption und Schieberei verscheuchen

In Kolumbien war man nun bemüht, den Ruch von Korruption und Schieberei wieder zu verdrängen und einen seriösen Spielbetrieb zu garantieren. Der kolumbianische Fußballverband setzt heute massive Bußen bei Manipulationsversuchen an. Die erneute Qualifikation für WM-Endrunde hob den Stellenwert des kolumbianischen Fußballs nochmals, zumal ausgewiesene Branchengrößen wie das brasilianische Idol Pelé die Mannschaft zu den Favoriten für den Gewinn des Pokals erhoben. Johan Cruyff, holländischer Trainer des FC Barcelona sekundierte: „Ich hoffe, daß Kolumbien das WM-Finale gewinnt – zum Wohl des internationalen Fußballs.“

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