poonal – Nachrichtenpool Lateinamerika https://www.npla.de Stimmen aus Lateinamerika | Voces de América Latina Tue, 22 Oct 2019 13:23:11 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.4 https://www.npla.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/10/npla-favicon270-1-180x180.png poonal – Nachrichtenpool Lateinamerika https://www.npla.de 32 32 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ Bau einer weiteren Zellstofffabrik legt nicht nur die letzte Eisenbahn lahm https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/der-bau-einer-weiteren-zellstofffabrik-legt-nicht-nur-die-letzte-eisenbahn-lahm/?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-bau-einer-weiteren-zellstofffabrik-legt-nicht-nur-die-letzte-eisenbahn-lahm https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/der-bau-einer-weiteren-zellstofffabrik-legt-nicht-nur-die-letzte-eisenbahn-lahm/?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-bau-einer-weiteren-zellstofffabrik-legt-nicht-nur-die-letzte-eisenbahn-lahm#respond Tue, 22 Oct 2019 13:18:13 +0000 https://www.npla.de/?p=29083 Der finnische Konzern UPM plant den Bau einer zweiten Zellstofffabrik. Unter der Wasserverschmutzung, Monokultur und den Eingriffen in die Infrastruktur leiden Mensch und Natur gleichermaßen.

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Von Antje Vieth

„Damit Uruguay nicht im Papierkorb landet“ – Demo gegen die neue Zellstofffabrik

Im Juli 2019 wurde der Vertrag mit dem finnischen Forstkonzern UPM II von der uruguayischen Regierung unterzeichnet. Laufzeit fünfzig Jahre, gebaut wird eine weitere Zellstoffabrik, diesmal mehr als doppelt so groß wie Nummer Eins mit einer Kapazität von über 2 Millionen Tonnen Eukalyptuszellstoff im Jahr. Gerade mal 2,7 Millionen US-Dollar will der finnische Konzern für den Bau investieren. Eine weitere Investition von 350 Millionen US-Dollar sollen in den Hafenbetrieb Montevideo und in lokale Infrastruktur in den kleinen Ort im Landesinneren Paso de los Toros fließen.

Im Falle von UPM II sind die Folgen, die der Bau einer solchen Fabrik hinterlässt, nur zu bekannt. Die erste Fabrik am Río Uruguay wurde 2007 gebaut. Ana Filipini ist Sprecherin der Umweltpolitischen NGO Movus (Bewegung für ein nachhaltiges Uruguay) und sprach sich schon beim Bau der ersten Zellstofffabrik in Uruguay dagegen aus. Was sie und ihre Kolleg*innen damals vorrausgesagt haben, hat sich bestätigt: Probleme mit dem Wasser, mit dem Land und Plagen, zum Beispiel Wildschweine. Das sei klar ein Problem der Forstwirtschaft im großen Stil. Außerdem verdrängt die Fabrik die kleinen Betriebe, fast alle leiden an Wassermangel und verlassen das Land.

Probleme mit dem Wasser

Die Auswirkungen der verseuchten Flüsse sind seit dem letzten Sommer in Uruguay wieder sehr präsent: Blaualgen stiegen vom Río Uruguay und Río Negro bis zum Ozean und machten ein Baden entlang der urugayischen Küste für mehrere Monate unmöglich. Während einer Großdemonstration im März 2019 anlässlich des Welttags des Wassers schildert eine Demoteilnehmerin die Situation wie folgt:  „Das Problem mit dem Wasser in Uruguay sind die Blaualgen, bisher war das nie ein Problem, aber diesen Sommer haben die Algen vielen Menschen den Sommer vermiest. Hinzu kommt, dass UPM II gebaut wird und sie haben vor, sich mit dem Wasser des Río Negro zu versorgen. Aber das wird ihnen nicht reichen, da das Regenwasser dort nicht ausreicht. Deshalb haben sie vor, sich ins Grundwasser zu bohren, an die Grundwasserquelle Guaraní, eine der größten Reserven der Erde.”  Auf die Grundwasserquellen und die Gefahr ihrer  Verschmutzung durch UPM II weist auch Blanca, Sprecherin der Gruppe Guyunusa in Tacuarembó hin, die „Situation ist kompliziert, der Río Negro kommt schon sehr belastet aus Brasilien und wir haben hier zwei der wichtigsten Grundwasserquellen in der Region”.

Wasserverschmutzung durch Pestizide, Dürre und Trockenheit durch die Monokulturen sind schwerwiegende Folgen der riesigen Eukalyptus- und Kiefernplantagen. Menschen, die es mit eigenen Augen gesehen haben, sprechen von grünen Wüsten. Der Bau einer weiteren Zellstofffabrik bedeutet, dass als Grundstoff Wasser verwendet wird, welches neben der Erde, die in Uruguay zu 98 Prozent fruchtbarer Boden ist, der Reichtum des Landes ist. Seit 1987 gibt es ein Gesetz, das die Forstwirtschaft im großen Stil ermöglicht. Mit öffentlichen Geldern wurden Konzerne bezahlt, damit sie sich in Uruguay niederlassen, um ganze Wälder von Monokulturen anzubauen.

Eine Eisenbahn nur für UPM II

Um das Holz aus den Monokulturen zum Hafen zu bringen, muss das Unternehmen eine eigene Bahnstrecke bauen. Wer die kleinen Bummelzüge der uruguayischen Eisenbahn kennt, mit denen Menschen aus den Vororten bis vor Kurzem morgens zur Arbeit in die Hauptstadt gefahren sind, dem wird das Ausmaß wohl schnell klar sein. Dieser Personenverkehr wurde diesen Sommer von einem Tag auf den anderen einfach eingestellt, denn auf dem gleichen Schienennetz sollen in Zukunft die Güterzüge für UPM II rollen. Dafür muss allerdings noch einiges umgebaut werden, denn der Zug, den UPM bauen wird, fährt mit 80 Stundenkilometern, ist acht Straßenblöcke lang und kann bis zu 2 Millionen Tonnen Zellulose pro Jahr befördern, die bisher größte Zelluloseproduktion der Welt.

Greenwashing im Bildungsbereich

Ein Blick auf die deutsche Website des Konzerns: „UPM führt die Bio- und Forstindustrie in eine nachhaltige, von Innovationen geprägte und spannende Zukuft. Wir entwickeln erneuerbare und verantwortungsvolle Lösungen, die fossile Materialien ersetzen, indem wir Reststoffe und Nebenströmen optimal weiterverwerten. Wir setzen auf nachwachsende und biologisch abbaubare Rohstoffe zur Fertigung von recyclingfähigen Alltagsgegenständen und Materialien.” Klingt doch gut, oder?

Mit einem solchen Diskurs dringt UPM auch in das uruguayische Bilungsystem ein, dies wurde im Juli vertraglich festgelegt. Der Konzern hat eine eigene Stiftung Fundación UPM, die inzwischen mit 22 Projekten in allen Bildungsbereichen vertreten ist: Schule, Aus- und Weiterbildung im Bereich Landwirtschaft, Ingenieurswesen, technische Berufe und vieles andere. Besonders vertreten ist die Stiftung im Landesinneren Uruguays, wo es sonst wenig oder keine Bildungsabgebote gibt. So zum Beispiel die UTEC, eine Technische Hochschule für Automechantronik, Informatik und erneuerbare Energien. Das Problem: Das Bildungssystem bleibt dabei nicht mehr staatlich, sondern ist finanziell gänzlich von einem ausländischen Konzern abhängig, in diesem Fall UPM. Das finnische Unternehmen gewinnt immer mehr Einfluss – mit erheblichem Manipulationspotenzial. Im Gegenzug dazu verpflichtet sich Uruguay vertraglich, die Grundbildung im ländlichen Raum zu verbessern. In dem kleinen Land führte das nun zu großem Unmut seitens der Bevölkerung.

Anfang September 2019 in Montevideo: Eine Demonstration gegen die Einmischung des Konzerns in den Bildungsbereich wird gewaltsam gestoppt. Während Demonstrationen sonst in Uruguay in der Regel friedlich verlaufen, mit Mate- Tee, Trommeln und verschiedensten Transparenten, gab es hier Verletzte und vier Festnahmen. Gerardo Padilla ist Lehrer und war bei der Demonstration dabei, in einer Whatsappnachricht schreibt er: „Es erschien ein einzelner Polizist, er versuchte zu verhindern, dass die Demoteilnehmenden keine Grafitti sprühten. Ich verstand die Situation so, dass der einzelne Polizist geschickt wurde um die Situation zu eskalieren, nirgendwo sonst gibt es die polizeilich Anweisung, sich alleine mit 80 Demoteilnehmenden auseinaderzusetzen. Ich sagte ihm, er solle sich beruhigen, aber er fing an jemandem ins Gesicht zu schlagen, ich forderte ihn noch mal auf das zu lassen, ein weiterer Polizist kam schlug mich mit seinem Gewehr und sie beschossen mich von hinten aus 2 Meter Entfernung mit Gummigeschossen…”

Knebelvertrag mit dem Unternehmen

Warum unterzeichnet der uruguayische Staat  einen Vertrag, bei dem er sich von einem finnischen Konzern derart in die Pflicht nehmen lässt? Nicht nur, dass UPM II komplett von Steuern und Zöllen befreit ist. Auch verpflichtet sich der uruguayische Staat dazu, dem Konzern den überzähligen Strom abzukaufen, das ganze zu überteuerten Preisen. „Es ist nicht klar, welche Vorteile die Regierung davon hat, es ist nicht logisch nachvollziehbar, denn wenn wir Investitionen in der Größenordnung machen wollten, warum machen wir sie dann nicht mit Dingen, die wir wirklich brauchen, wie Wohnraum und Arbeitsplätze, die durch den Bau von Wohnraum enstehen würden?”, das fragt sich nicht nur Sprecherin Ana Filipini.

Dass im Schulunterricht keine zellstoffkritische Stunde gegeben wird, da hat der Konzern also seine Hand drauf. Aber natürlich hat er noch eine andere Strategie in Petto: die der klassischen Unternehmens-Umweltkommunikation. Zwei Vertreter der Versammlung für das Wasser am Fluss Santa Lucía berichten, wie die Konsequenzen rhetorisch heruntergespielt werden: „Die Wasserverschmutzung hat natürlich verschiedene Ursachen, aber das Problem multikausal zu nennen ist auch eine Methode, es sich aus der Welt zu schaffen. In dem man es auf andere schiebt, zum Beispiel auf die Agrargifte.” Greenwashing heißt die Strategie, die Konzerne anwenden, um sich nach außen ein nachhaltiges umweltfreundliches Image zu geben.

Nach der Vertragsunterzeichnung dürfte dieses Mega-Projekt mit weitreichenden Folgen nur noch schwer zu stoppen sein. Wofür das Ganze? Wohl hauptsächlich für Verpackungspappe chinesischer Produkte. Es zeigt sich: Verpackungen sind auch dann nicht umweltfreundlich, wenn sie aus Pappe statt Plastik sind. Das heißt aber auch, dass Verbraucher*innen etwas tun können, damit Eukalyptusmonokulturen sich in Zukungt weniger lohnen: Verpackungen, auch die aus Plappe , wo es geht vermeiden!

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Im Zwiespalt zwischen dem Dringenden und dem Wichtigen https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/im-zwiespalt-zwischen-dem-dringenden-und-dem-wichtigen/?pk_campaign=feed&pk_kwd=im-zwiespalt-zwischen-dem-dringenden-und-dem-wichtigen https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/im-zwiespalt-zwischen-dem-dringenden-und-dem-wichtigen/?pk_campaign=feed&pk_kwd=im-zwiespalt-zwischen-dem-dringenden-und-dem-wichtigen#respond Sun, 20 Oct 2019 15:45:43 +0000 https://www.npla.de/?p=28992 Bei der Wahl in Bolivien steht der amtierende Präsident Evo Morales für Kontinuität, sein Kontrahent Carlos Mesa für das Ende der Ära Morales.

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Foto: OEA – OAS via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

(La Paz, 13. Oktober 2019, bolpress) Am Sonntag den 20. Oktober tritt Bolivien an die Wahlurnen, um zwischen dem amtierenden Präsidenten Evo Morales und seiner seit 2005 anhaltenden Politik der Kontinuität oder einem wirtschaftlichen Kurswechsel durch die Stimme für einen Kandidaten der Opposition zu wählen. Erwartet wird allerdings, dass Morales die erste Wahlrunde für sich entscheiden kann, auch wenn er sich dann wahrscheinlich noch in einer zweiten Wahlrunde gegen Carlos Mesa durchsetzen müsste.

Laut der Hochrechnungen von Equipo Mori wird Morales mit der Regierungspartei Bewegung zum Sozialismus MAS (Movimiento al Socialismo) die Wahl mit 36,2 Prozent gewinnen, wohingegen für Carlos Mesa ein Stimmenanteil von 26,9 Prozent prognostiziert wird. Zwar hätte Morales somit einen Vorsprung von fast zehn Prozent, dennoch wäre eine zweite Wahlrunde nötig, in der die beiden stärksten Kandidaten noch einmal gegeneinander antreten. Ebenso ist – trotz einer gewissen Fehlertoleranz – nicht ausgeschlossen, dass Morales mehr als 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann und mit einem Vorsprung von 10 Prozent zum zweitstärksten Kandidaten aus der ersten Wahlrunde als Gewinner hervorgeht. Dies bestätigt eine Umfrage von Ipsos, welche Evo Morales ein Ergebnis von 40 Prozent prognostiziert, während der Anteil Mesas lediglich bei 20 Prozent liegen würde. Eindeutig scheint jedoch, dass die MAS keine eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erlangen wird, die notwendig ist, um Gesetze zu verabschieden. Tatsächlich wird die Partei kaum eine einfache Mehrheit vorweisen können, was sie zu Verhandlungen mit der Opposition zwingt.

Die Kontinuitätspolitik der MAS wurde im Wahlkampf besonders von rechten Gruppen kritisiert, die  vor Morales‘ Amtsantritt Bolivien mit einer sogenannten paktierten Demokratie (auf der Grundlage eines mit allen oder fast allen Parteien ausgehandelten Abkommens) regierten und sich den amtierenden Präsidenten fern seiner derzeitigen politischen Machtposition wünschen. Der Journalist und stärkster Oppositionskandidat Carlos Mesa war bereits Vizepräsident unter Gonzalo Sánchez de Lozada, dem allerdings vorgeworfen wird, im Gegenzug für seine Kandidatur im Jahr 2002 Geld erhalten zu haben. Präsidentschaftskandidat Oscar Ortiz scheiterte hingegen daran, das Bild des Regionalisten und Separatisten abzulegen, weshalb sich seine Bewegung nicht auf nationaler Ebene etablieren konnte. Ebenso kandidiert Virginio Lema der Nationalistischen Revolutionären Bewegung MNR (Movimiento Nacionalista Revolucionario), einer Partei, die sich zwischen 1993-1997 zum größten Befürworter des Neoliberalismus in Bolivien entwickelte. Auch Victor Hugo Cárdenas, Vizepräsident der amtierenden Regierung, stellt sich zur Wahl. Die Liste der Kandidaten vervollständigt sich mit Felix Patzi der Bewegung Drittes System MTS (Movimiento Tercer Sistema), Ruth Nina der Bolivianischen Nationalen Aktionspartei (Partido de Acción Nacional Boliviano), Israel Rodriguez der Partei Front für den Sieg (Frente para la Victoria) sowie abschließend dem evangelischen Pastor Chi Hyun Chung der Demokratisch-Christlichen Partei PDC (Partido Demócrata Cristiano). Bekannt geworden ist Chi Hyun Chung durch seine frauenfeindlichen Äußerungen und extrem konservativen Positionen, sodass man meinen könnte, sein Vorbild sei der brasilianische Präsidenten Jair Bolsonaro.

„Die Wirtschaft…“

Die Bolivianer*innen müssen sich nun entscheiden zwischen Dringlichkeit: Erhaltung der seit 2005 währenden Stabilität in Bolivien zu erhalten, oder aber der Wichtigkeit: notwendige Reformen in den Bereichen Umweltschutz, Bekämpfung von Machtmissbrauch und Verbesserung staatlicher Institutionalisierung.

Ähnlich wie in den meisten anderen Ländern der Region lässt auch die wirtschaftliche Situation Boliviens durchaus Luft nach oben. Während das Haushaltsdefizit bei neun Prozent liegt, verzeichnen Handels- und Leistungsbilanz deutliche Verluste. Die internationalen Währungsreserven der Zentralbank sind von 15.123 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 auf 8.319 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 gesunken. Gleichzeitig lag die Auslandsverschuldung bei 10.166 Millionen US-Dollar.

Nichtsdestotrotz zeigt Bolivien durchaus wirtschaftliche Stabilität. Daher erscheinen zumindest für den Moment die Warnungen der konservativen Wirtschaftsanalysten eher als Übertreibung. Die Fundación Milenio, eine Gruppe neoliberaler Wirtschaftsanalytiker, ist dagegen der Auffassung, dass die Wirtschaft auch im Jahr 2019 weiterhin wachsen wird, und spricht von 4,22 Prozent. Tatsächlich war Bolivien 2018 eines der Länder mit dem größten Wirtschaftswachstum innerhalb der Region, das dank seiner Währungsstabilität 87 Prozent der Finanzrücklagen in Bolivianos halten konnte. (…)

Die gesamte Analyse findet ihr im Originalbeitrag.

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Indigene Kämpfe in Amerika – ein 527 Jahre alter Widerstand https://www.npla.de/thema/memoria-justicia/indigene-kaempfe-in-amerika-ein-527-jahre-alter-widerstand/?pk_campaign=feed&pk_kwd=indigene-kaempfe-in-amerika-ein-527-jahre-alter-widerstand https://www.npla.de/thema/memoria-justicia/indigene-kaempfe-in-amerika-ein-527-jahre-alter-widerstand/?pk_campaign=feed&pk_kwd=indigene-kaempfe-in-amerika-ein-527-jahre-alter-widerstand#respond Sun, 20 Oct 2019 13:28:06 +0000 https://www.npla.de/?p=28997 Zum Tag des Indigenen Widerstands klagen die indigenen Dörfer die fortschreitende Ausbeutung und den fehlenden Rechtsschutz an und rufen zum Widerstand gegen Vertreibung aus.

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Foto: Reinaldo Ortega/servindi

(Lima, 12. Oktober, servindi) Der 12. Oktober ist ein Trauertag für die indigenen Völker Amerikas. Doch auch ein Tag des Widerstands und des Kampfes, der sich etwa in Argentinien in der territorialen Verteidigung und in der Ablehnung der Ausbeutung von Lithium und Kohlenwasserstoff, gegen den enormen Bergbau und den Agrarhandel mit gentechnisch veränderten Pflanzen ausdrückt. Die indigen Völker klagen an, dass ihre in der nationalen Gesetzgebung und in internationalen Menschenrechtsabkommen verankerten Rechte missachtet werden. 527 Jahre nach der Ankunft von Christoph Kolumbus in Abya Yala (die Gemeinschaften fordern die Nutzung des ursprünglichen Namens zur Bezeichnung des Kontinents) mobilisieren sich die indigenen Dörfer und Gemeinschaften der Mapuche und rufen zum Widerstand gegen die Vertreibung auf.

Die Versammlung der indigenen Gemeinschaften und freien Indigenen von Jujuy begann am 4. Oktober in Yavi mit einem „Marsch für Wasser und Leben“ und endete am 12. Oktober in San Salvador von Jujuy. 8 Tage lang durchquerten sie, ihre Ablehnung gegen den enormen Bergbau und die fehlende Anwendung indigener Rechte ausdrückend, um die 10 Städte, darunter La Quiaca, Abra Pampa, Humahuaca, Tilcara, Purmamarca und Tumbaya. „Landrat Gerardo Morales: Schluss mit der Verletzung indigener Rechte“ liest sich auf dem Banner, das den Marsch anführt.

Geltendes Recht soll endlich umgesetzt werden, so fordern es die indigenen Gemeinschaften

„Mit der Invasion im Jahre 1492 wurde Abya Yala mit Blut und Feuer unterworfen. Die ursprünglichen Nationen wurden ausgeplündert. Diese Geschichte setzt sich heute mit einer  die Extraktion natürlicher Ressourcen fördernden Politik und neoliberalen Plünderung fort“, so die Anklage von Seiten der Bibliothek der Anden «Ñawpayachaykuna», die die Forderungen mitträgt. Raúl Sajama von der Versammlung der Gemeinden stellt klar, dass sich die Forderungen genauso an die aktuellen Politiker*innen der Provinzen und auf nationaler Ebene richtet wie an die, die am 10. Dezember die Ämter übernehmen werden.

Diese Woche wurde der erste Nobelpreis in Chemie für die wissenschaftliche Entwicklung der Lithium-Batterien bekannt gegeben. Journalistische Anmerkungen feierten die großen Mineralreserven Argentiniens und Akademiker*innen verschiedener Bereiche veröffentlichten ihre Arbeiten mit Vorschlägen zum Lithium-Abbau. Über die sozialen und umweltbelastenden Konsequenzen für die Abbauregionen wurde nicht gesprochen. In den großen Salzwerken (Jujuy und Salta) wehren sich die Gemeinden Kollas und Atakama seit einem Jahrzehnt gegen das Eindringen von Unternehmen, die versuchen, das Leben und die Arbeit der Gemeinschaften auszubeuten.

Der runde Tisch der ursprünglichen Gemeinschaften der Talsenke von Guayatayoc und Salinas Grandes fordert die Umsetzung des geltenden Rechts (Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation), das eine vorherige und aus freien Stücken zustimmende Mitteilung der Gemeinschaften vorschreibt. Dies bedeutet, dass ohne die Zustimmung der Gemeinschaft weder ein Unternehmen noch der Staat indigenes Territorium betreten darf.

Während die Klimakrise und die Person Greta Thunberg breite mediale Aufmerksamkeit erfahren haben, trifft das auf die indigenen Völker, die für die Biodiversität des Planeten kämpfen und diese beschützen, nicht zu. „Schon seit immer warnen wir vor dem Desaster, in das uns die Regierungen und multinationalen Konzerne stürzen, aber sie wollten und wollen uns nicht zuhören“, bestätigt Argentina Paz Quiroga, Sprecherin des Volks der Warpe in San Juan.

Der Klimawandel ist auch in den indigenen Communities ein wichtiges Thema

Sie erinnert daran, dass direkte Verantwortliche für den Klimawandel gebe, mit verschiedenen Gesichtern je nach Region: „Barrick Gold, ein großer Bergbaukonzern, ist ein klares Beispiel für die Klimazerstörung. Und leider ist dies die Politik des Staates, die sich durch die  verschiedenen Parteifarben durchzieht.“.

Im Süden rief das Parlament der Mapuche des Río Negro dringend dazu auf, gerichtliches Versagen nicht hinzunehmen und sich den Versuchen der Umsiedlung zu widersetzen. „Mit außerordentlich massiven Maßnahmen versucht die Justiz des Rio Negro, die Leute umzusiedeln trotz voller Rechtsgültigkeit des Notstandgesetzes Indigener Gemeinschaften (26160), das die Aufhebung aller Umsiedlungsurteile vorschreibt, klagt die Koordinatorin der Mapuche in einer Erklärung.

In einem nie dagewesenen Eifer in fünf Tagen haben die Richter*innen verschiedener Distrikte Natalia Costanzo, Diego de Vergilio und Sergio Pichetto-Marcos Burgos die Umsiedlung der Gemeinden Pino Quiñe (am Ufer des Flusses Colorado), Newen Kurruf (Catriel) und Buenuleo (Bariloche) angeordnet. Die Organisation der Mapuche hat formal eine Sitzung des Obersten Gerichtshofes gefordert, um „in Erfahrung zu bringen, ob das indigene Recht Gültigkeit [in Rio Negro] besitzt“ oder ob die lokale Justiz entschieden hat, nationales Recht und internationale Abkommen außer Acht zu lassen.

Sie erinnerten an den Versuch der Umsiedlung mit Unterstützung von Einheiten der argentinischen Sicherheitskräfte in der Gemeinde Lafken Winkul Mapu, bei dem der Jugendliche Rafel Nahuel durch einen Schuss in den Rücken getötet wurde. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als Widerstand gegen die Polizeikräfte zu leisten, die uns umsiedeln wollen. Wir sind nicht bereit, diese Ungerechtigkeit passiv hinzunehmen, die sich über die nationale Verfassung, das Abkommen 169 mit der Internationalen Arbeitsorganisation und regionale Gesetze hinwegsetzt“, warnt die Mapuche-Organisation.

Amnesty International sammelt seit vier Jahren alle territorialen Konflikte in den indigenen Gebieten in einer interaktiven Karte. Bisher gab es 250 Fällen von Beschlagnahmung, die sehr unterschiedlich aussahent: Lithium in Jujuy, Salta, Catamarca und San Luis; Petroleum in Vaca Muerta (Neuquén, Río Negro, Mendoza), Agrarhandel in der gesamten argentinischen Provinz Chaco, Großbergbau in den Kordilleren; Wasserkraft in Misiones, La Pampa, Chubut und Santa Cruz. Dies sind einige der Bedrohungen, unter denen die indigenen Gebiete leiden.

Die Karte wird von der Nationalen Kommission für Indigenenpastoral  (Endepa), dem Friedens- und Gerechtigkeitsdienst (Serpaj), des Verbands der Anwält*innen für Indigene Rechte (AADI), sowie weiteren Organisationen unterstützt.

„Die indigenen Gemeinschaften fordern die Einhaltung ihrer Rechte gegenüber staatlichen Institutionen (kommunal, provinziell, national), Unternehmen (landwirtschaftlich, des Bergbaus, der Ölförderung, Tourismus – und andere -) und der geltenden Vorschriften durch Richter*innen und Staatsanwält*innen der Justizgewalt, die beachten müssen“, erklärt Amnesty International.

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Der mexikanische Staat lässt Frauen* im Stich. Interview mit Charlynne Curiel https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/der-mexikanische-staat-laesst-frauen-im-stich-interview-mit-charlynne-curiel/?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-mexikanische-staat-laesst-frauen-im-stich-interview-mit-charlynne-curiel https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/der-mexikanische-staat-laesst-frauen-im-stich-interview-mit-charlynne-curiel/?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-mexikanische-staat-laesst-frauen-im-stich-interview-mit-charlynne-curiel#respond Sun, 20 Oct 2019 12:33:20 +0000 https://www.npla.de/?p=28986 Seit Mitte der 1990er haben Gewalt gegen Frauen* und Femizide in Mexiko erheblich zugenommen. Das „Phänomen Ciudad Juárez" hat sich auf das gesamte Land ausgebreitet; nirgendwo auf dem lateinamerikanischen Kontinent lebt es sich heute für Frauen so gefährlich wie in Mexiko.

Prekäre Lebensbedingungen, beschränkte Zukunftsaussichten, verminderte soziale Mobilität und nicht zuletzt die Zunahme des organisierten Verbrechens sind die unmittelbaren Folgen der neoliberalen Agenda. Die systembedingte und systematische Gewalt der letzten 25 Jahre wird begleitet von Straflosigkeit, fehlender Empathie, Ignoranz und Vertuschung seitens des Staats.
Anlass zur Hoffnung geben dagegen die aktuellen feministischen Mobilisierungen.

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Von Lui Lüdicke

(Berlin, 15. Oktober 2019, npl) Seit Mitte der 1990er haben Gewalt gegen Frauen* und Femizide in Mexiko erheblich zugenommen. Das „Phänomen Ciudad Juárez“ hat sich auf das gesamte Land ausgebreitet; nirgendwo auf dem lateinamerikanischen Kontinent lebt es sich heute für Frauen so gefährlich wie in Mexiko. Prekäre Lebensbedingungen, beschränkte Zukunftsaussichten, verminderte soziale Mobilität und nicht zuletzt die Zunahme des organisierten Verbrechens sind die unmittelbaren Folgen der neoliberalen Agenda. Die systembedingte und systematische Gewalt der letzten 25 Jahre wird begleitet von Straflosigkeit, fehlender Empathie, Ignoranz und Vertuschung seitens des Staats. Anlass zur Hoffnung geben dagegen die aktuellen feministischen Mobilisierungen.

Charlynne, was passiert derzeit in Mexiko?

Wie ihr ja bestimmt wisst, ist Gewalt gegen Frauen in Mexiko ein großes gesellschaftliches Problem, das sich in den letzten 25 Jahren kontinuierlich verschlimmert hat. Statistiken belegen, dass mittlerweile 10 Frauen pro Tag Opfer von Femiziden werden, dazu kommen körperliche Angriffe ohne Todesfolge, Vergewaltigungen, Entführungen, Belästigungen…, die gar nicht erst statistisch erfasst werden. Die Reaktionen des Staats auf Gewalt gegen Frauen bleiben hingegen immer gleich: Vorwürfe werden infrage gestellt, Informationen zurückgehalten und Beweise verschwinden wie von selbst. Die breiten und teils militant geführten Frauen*proteste sind Ausdruck der aufgestauten Wut. Wir haben die Nase gestrichen voll. Im August dieses Jahres gab es einen Fall in Mexiko-Stadt, der landesweit für Empörung gesorgt hat. Vier Polizisten hatten ein junges Mädchen in ihr Auto gezerrt und vergewaltigt. Dass die vier nicht einmal vom Dienst suspendiert wurden, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die landesweiten Proteste wurden von einer neuen feministischen Bewegung organisiert, die größtenteils aus jüngeren Frauen unter 30 besteht. Viele kennen sich aus Hochschulzusammenhängen. Sie sind supergut vernetzt und treten sehr entschlossen auf. Die Proteste am 12. August waren ruckzuck organisiert. Als der Sektetär für städtische Sicherheit in Mexiko-Stadt Jesús Orta an die Öffentlichkeit trat, um die Massen zu beschwichtigen, wurde er mit rosa Glitzerstaub beworfen. Deshalb der Ausdruck „mexikanischer Glitzer“. In kürzester Zeit wurden Fotos im Netz verbreitet, auf denen man sieht, wie der Minister sich den Glitzerstaub vom Kragen wischt. Das hätte eigentlich lustig sein können, aber die Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum sprach von einer schweren Provokation, die auf jeden Fall Folgen haben werde. Dabei war sie es, die provoziert hat. Am 16.8. fanden wieder große Demos statt, diesmal in 30 Städten.

Wie stehst du persönlich zu diesen militanten Aktionen?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/dc/Detalle_del_Monumento_a_la_Independencia_con_las_pintas_realizadas_durante_la_marcha_del_16_de_agosto_2019_-_54.jpg/1024px-Detalle_del_Monumento_a_la_Independencia_con_las_pintas_realizadas_durante_la_marcha_del_16_de_agosto_2019_-_54.jpg
Foto: Wikimedia Commons

Also erstmal: Nach jedem Fußballspiel geht irgendwas zu Bruch. Jedoch von Sachbeschädigungen, die von Männern ausgehen, wird in der Regel keine große Notiz genommen. Da es nun aber Frauen* sind, die Sachen kaputtmachen, Scheiben einschmeißen, Parolen sprühen etc., gab es heftige Reaktionen und Kritik. Zum Beispiel als das Monument der Unabhängigkeit über und über mit Parolen besprüht wurde. Das hat vielen Leuten nicht gefallen. Ich persönlich finde es super, dass unsere Wut zum Ausdruck kommt und wahrgenommen wird. Aber ich habe auch Angst um die Frauen. Natürlich passen alle gut auf, dass sie nicht erkannt werden, tragen Kapuzen und Tücher vorm Gesicht, aber trotzdem. Es werden zum Teil heftige Repressalien angedroht, und ich finde es schlimm, dass Frauen sich erneut selbst gefährden müssen, um die Gefahr, in der wir leben, öffentlich zu machen. Es bleibt aber auch kein anderes Mittel. Natürlich ist die Enttäuschung groß, dass es keine öffentliche Instanz gibt, die für uns eintritt, und über das Einwirken auf Institutionen ändert sich überhaupt nichts. Was ich allerdings auch sehe: Die Berichterstattung fokussiert auf den Skandal, auf die Randale, und unsere Inhalte treten dahinter zurück. Die Presse berichtet kaum darüber, was die Hintergründe dieser Wut sind. Die mexikanische Gesellschaft ist insgesamt durchsetzt von Gewalt. Alle drei Minuten kommt es zu einem sexualisierten Angriff auf Frauen*. Das soll der Öffentlichkeit bewusst sein, nicht, dass irgendwo eine Scheibe zu Bruch geht. Tja, und was mich angeht: Ich bin zwar zu jung, um mich den traditionellen Feministinnen zuzurechnen, die sich in den 70er Jahren für Geschlechtergleichheit eingesetzt haben, da wurde ich nämlich gerade erst geboren. Meine Politisierung hat sich vor allem über das Aufkommen der zapatistischen Bewegung entwickelt. Aber für die aktuellen feministischen Mobilisierungen fühle ich mich ein bisschen zu alt. Also, wenn ich 20 Jahre jünger wäre…, du, dann wäre ich bestimmt dabei (lacht).

In den Protesten drücken sich massive Vorwürfe gegenüber den staatlichen Institutionen aus…

Oh ja, und mit Recht. Als wegen der Gruppenvergewaltigung ermittelt wurde, von der ich gerade erzählt habe, verschwanden Beweise, das Opfer wurde im Nachhinein bedroht, sogar von den Vergewaltigern, denn sie waren ja nicht vom Dienst suspendiert worden. Die Institutionen haben also echt versagt. Der Fall hat in der Öffentlichkeit für viel Wirbel gesorgt, und das ist auch gut so, aber was noch wichtiger ist: Es geht nicht um Einzelfälle, sondern diese Dinge passieren täglich, überall im Land. Anzeigen wegen Vergewaltigung werden nicht besonders ernst genommen es gibt keine ordentliche Untersuchung, keine sorgfältigen Gutachten, Beweise verschwinden, Frauen müssen sich anhören, dass sie den Übergriff provoziert haben – das ganze Programm. Wen wundert‘s also, dass die Zahl der Strafanzeigen so massiv zurückgegangen ist? Die feministische Bewegung sagt deshalb: Ok, wenn die Strafanzeige uns nichts weiter bringt als Ärger, müssen wir uns eben andere Mittel überlegen. Die Hashtag-Initiative hat sehr starken Zulauf, und die Namen vieler Täter werden auch durch Escraches öffentlich gemacht. Das heißt, es geht um gezieltes, anonymes Täterouting, oft verbunden mit Musik, Performances etc. Escraches geht auf eine argentinische Tradition zurück, mit der nach dem Ende der Militärdiktatur gearbeitet wurde, um die Leute aus der Deckung zu holen, die zu Videlas Zeiten schwere Verbrechen und Gewalttaten verübt hatten. Schließlich sollen die Täter bloßgestellt werden, nicht die Opfer.

Aber es gibt doch das Gesetz, das Frauen das Recht auf ein Leben ohne Gewalt zusichert, und die Einstufung als „Bundesstaat mit hohem Gewaltpotential gegenüber Frauen“ (Declaratoria de Alerta por violencia de género), die die Einführung von Präventivaßnahmen zusichert, oder?

Ja, das gibt es alles. In Mexiko ist es unheimlich angesagt, Abkommen auszuhandeln und Gesetze zu entwerfen, aber das hat fast keine praktischen Auswirkungen. Wie ich schon sagte, nach 2006 hat die Gewalt gegen Frauen massiv zugenommen, nicht zuletzt gerade wegen der stärkeren Präsenz von Militär und Polizei in den Landkreisen. Mit der Alerta por violencia de género sieht es so aus: Feministinnen und engagierte Frauen üben Druck auf die Regierung aus, damit der Bundesstaat diese Erklärung unterschreibt, dann gibt es Geld für verschiedene Dinge, mehr Laternen im Park, Schulungen für Strafverfolgungen unter geschlechtsspezifischen Aspekten etc., aber es ändert sich nichts. Das Geld versandet irgendwo, und die Zahl der Gewalttaten steigt weiter, geschlagene Ehefrauen werden zurück nach Hause geschickt wie eh und je, das heißt, all‘ diese Programme dienen hauptsächlich als Makulatur, also, als Beweis, dass Mann sich irgendwie bemüht hat. Und Polizisten sind nicht Beschützer sondern Täter. Deshalb gibt es ja nun auch diesen Hashtag #no me cuidan me violan („sie beschützen mich nicht, sie vergewaltigen mich“)

Du hast diese Woche in Berlin einen Vortrag über sexualisierte Gewalt an mexikanischen Hochschulen gehalten. Wie ist die Situation für Student*innen in Mexiko?

Die Universitäten wurden von Männern für Männer gemacht, und es geht auch fast nur um Männer. Frauen sind da so eine Art Eindringlinge. Auch heute noch, nach 100 Jahren, ist der Universitätsbetrieb geprägt von Diskriminierung. Die zeigt sich zum einen in der Verteilung der Aufgaben: Während die Verwaltungsarbeiten fast ausschließlich von Frauen erledigt werden, besetzen Männer die Forschungsstellen und basteln an ihrer Karriere. Viele unterrichten nicht einmal, sondern kümmern sich ausschließlich um sich selbst. Zum anderen sind Machtmissbrauch und Willkür gegenüber Student*innen und nicht selten gegenüber Dozent*innen keine Seltenheit. Die Situation an den Hochschulen ist in gewisser Weise ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse, und man kann sich fast nicht vorstellen, dass sich das eines Tages nochmal ändert. Dabei ist es so wichtig für die Entwicklung der Gesellschaft, dass in den Bildungsinstituten andere Werte vermittelt werden!

Wie wird an den Hochschulen mit sexuellen Belästigungen umgegangen?

Erst seit ein paar Jahren gibt es dazu Untersuchungen und mittlerweile auch Proteste. Bisher war eigentlich klar, dass Frauen* eigentlich nur sich selber schadeten, wenn sie sexuelle Belästigung durch Dozenten und Professoren öffentlich gemacht haben. Die Männer halten natürlich zusammen, decken und schützen sich gegenseitig, das gilt auch für die männlichen Studenten. Irgendwann kommst du in die Situation, wo du ein Empfehlungsschreiben brauchst, irgendeine Unterschrift, einen Schein oder sonst eine Unterstützung von deinem Prof, und dann hilft dir niemand weiter. Es gab sogar schon Fälle von massiver Bedrohung. Eine Dozentin an der Uni in Mexiko-Stadt hatte das Täter-Outing öffentlich befürwortet, daraufhin wurde der Etat für ihre feministische Forschung gestrichen. Sie und ihre Studentinnen wurden so massiv bedroht, dass sie am Ende Polizeischutz bekamen. Frauen* systematisch zum Schweigen zu bringen hat in unserer Gesellschaft Tradition und dient nicht zuletzt dem patriarchalen Machterhalt. Wir Frauen werden dazu erzogen, nichts zu sagen und in uns selbst die Schuldigen zu sehen. Frauen* einzureden, es sei ihre Schuld, wenn sie Gewalt und Übergriffe erleben, ist ein ganz alter Hut im Patriarchat. Die neue Form der Öffentlichkeit durch die Hashtag-Bewegung setzt genau da an und legt Dinge offen, von denen gerne so getan wird, als existierten sie nicht: sexuelle Übergriffe innerhalb der Familien, Gewalt in Paarbeziehungen, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz etc. Dass dieses Schweigen nun immer häufiger durchbrochen wird und die Frauen Belästigungen öffentlich machen, erzeugt natürlich einen gewissen Druck. Niemand möchte öffentlich beschuldigt werden. Und ich denke, dass wir nur so etwas Grundlegendes verändern können. Darauf, dass die staatlichen Institutionen sich für uns einsetzen, brauchen wir nicht zu warten. Seit den zapatistischen Aufbrüchen in den 90er Jahren hat es meiner Meinung nach keine wirkungsvollen politischen Ansätze mehr gegeben – bis jetzt. Ich bin davon überzeugt, dass die neue feministische Bewegung das Potential hat, gesellschaftliche Veränderungen einzuläuten.

Was ist eigentlich dein Forschungsschwerpunkt an der Uni?

Ich forsche zu alternativen Ernährungsmethoden, traditionellen Lebensmitteln etc. Wenn ich zu Gewalt gegen Frauen forschen würde, würde ich durchdrehen.

 

Charlynne ist in Oaxaca innerhalb und außerhalb der Universität in verschiedenen feministischen Initiativen aktiv.

Das Interview führte Lui Lüdicke.

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Ausnahmezustand in der Hauptstadt, Regierung nimmt Erhöhung der Metro-Gebühren nach Protesten zurück https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/ausnahmezustand-in-der-hauptstadt-regierung-nimmt-erhoehung-der-metro-gebuehren-nach-protesten-zurueck/?pk_campaign=feed&pk_kwd=ausnahmezustand-in-der-hauptstadt-regierung-nimmt-erhoehung-der-metro-gebuehren-nach-protesten-zurueck https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/ausnahmezustand-in-der-hauptstadt-regierung-nimmt-erhoehung-der-metro-gebuehren-nach-protesten-zurueck/?pk_campaign=feed&pk_kwd=ausnahmezustand-in-der-hauptstadt-regierung-nimmt-erhoehung-der-metro-gebuehren-nach-protesten-zurueck#respond Sun, 20 Oct 2019 10:48:58 +0000 https://www.npla.de/?p=28980 Präsident Sebastián Piñera setzt das Militär gegen Schülerproteste ein. Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert, die Gewerkschaft ruft zum Generalstreik auf.

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Foto: medio a medio

(Santiago, 20. Oktober 2019, amerika21)  Nachdem der Konflikt um die Erhöhung der Ticketpreise für die U-Bahn in Chiles Hauptstadt Santiago immer weiter eskalierte und nicht unter Kontrolle zu bringen war, musste Präsident Sebastián Piñera einen Rückzieher machen:  Am Samstagabend erklärte er in einer landesweit übertragenen Ansprache, die Preisanhebung sei annuliert.

Am Wochenende waren sämtliche U-Bahn-Stationen geschlossen worden. In der Nacht zum Samstag rief der Präsident wegen der massiven Protestwelle den Ausnahmezustand aus und verhängte eine Ausgangssperre. Einheiten des Militärs wurden entsandt, um „die öffentliche Ordnung und die Ruhe der Einwohner Santiagos sicherzustellen und sowohl privates als auch öffentliches Eigentum zu schützen“, wie der eigens ernannte verantwortliche General Javier Iturriaga del Campo erklärte.

Nachdem vergangene Woche eine Erhöhung der Fahrpreise angekündigt worden war, begannen die Proteste von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe mit dem kollektiven Überspringen der Drehkreuze, an denen die Tickets entwertet werden müssen.

Die neuen Preise galten nicht für Schüler*innen und Studierende. Dazu erklärte die Sprecherin der Koordinierenden Versammlung der Schüler der Sekundarstufe (ACES), es sei eine Erfahrung, „dass wir anderen Kämpfen Impulse geben. Selbst wenn wir nicht direkt betroffen sind, ist es notwendig, mit dem Schwarzfahren zu protestieren. Denn die ökonomische Krise betrifft unsere Familien und andere Personen, die in ihrer Mehrheit, wenn sie Glück haben, den Mindestlohn verdienen. Wir werden das mit ihnen zusammen machen und so die kollektive Empörung, die angesichts dieses Themas existiert, sichtbar machen“.

War das kollektive Verweigern der Gebühren zunächst weitestgehend reibungslos verlaufen, wurde schon schon ab dem zweiten Tag der Mobilisierungen die Militärpolizei eingesetzt und sorgte für eine Eskalation der Auseinandersetzungen mit vielen Verletzten. In sozialen Medien werden zahlreiche Videos verbreitet, die zeigen, wie Polizeibeamte brutal gegen die Protestierenden vorgehen. Einzelne sind mit schweren Kopfwunden zu sehen. Mindestens sechs Schüler wurden mit Schussverletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Der Schusswaffengebrauch der Polizei wurde an mehreren Stellen dokumentiert. Journalisten des lateinamerikanischen Senders Telesur wurden durch den Beschuss mit Tränengasgranaten verletzt. Die Proteste weiteten sich dennoch immer mehr aus.

Kritik an der Erhöhung der Ticketpreise

Auslöser war die Ankündigung, die Ticketpreise für die U-Bahn, in Santiago das zentrale öffentliche Verkehrsmittel, von 800 (rund 1 Euro) auf 830 Peso pro Fahrt zu erhöhen. Nach Berechnungen der Fundación Sol muss eine Person, die für den Mindestlohn arbeitet, 21 Prozent ihres Gehalts für die Transportkosten mit der U-Bahn ausgeben, wenn man von fünf Arbeitstagen ausgeht. Die Metro ist auch ohne Erhöhung die teuerste in der Region.

Von Seiten der Gewerkschaft der U-Bahn gab es Kritik, einerseits an der Gewalt der Demonstrationen, andererseits auch an der Regierung. „Die Regierung hat die Kontrolle verloren und betrachtet das Thema weiterhin nur oberflächlich“, so Eric Campos im Gespräch mit dem Fernsehsender 24 horas. Er  teile die Forderungen, weil die Gewerkschaft mit einer Erhöhung, die 20 Prozent des Mindestlohns bedeute, nicht einverstanden sein könne. Campos verurteilte zudem das Ausmaß an Repression der Polizei.

Die Regierung erklärte über Verkehrsministerin Gloria Hutt, die Erhöhung der Preise „unter keinen Umständen“ zurückzunehmen. Zusätzlich zu dem verhängten Ausnahmezustand kündigte Innenminister Andrés Chadwick an, auch das Nationale Sicherheitsgesetz anzuwenden, was drakonische Strafen gegen die Demonstranten ermöglicht.

Protest trotz Ausnahmezustand

Dennoch hatten verschiedene Gruppierungen erklärt, die Proteste weiterzuführen, neben den Schülern auch die nationale Studierendenorganisation Confech: „Wir fordern, dass dieser Montag, der 21. Oktober, zu einem nationalen Protesttag wird, um gegen den Anstieg der Kosten im öffentliche Nahverkehr und das stark kommerzialisierte Transportsystem zu demonstrieren.“ Confech ruft explizit die organisierten Arbeiter*innen, Schüler*innen und Studierenden dazu auf, die Proteste wie begonnen fortzusetzen.

Die Hafenarbeiter-Gewerkschaft Chiles hatte für Montag zudem zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. In ihrem Kommuniqué heißt es: „Obwohl das Epizentrum des Sozialprotestes jetzt der Preisanstieg des Metro-Tickets in der Hauptstadt ist, können wir nur unterstreichen, dass diese angesammelte Wut heute durch die Ablehnung der endlosen sozialen, wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten zum Ausdruck kommt, die die hart arbeitenden Menschen treffen.“ Der Regierung wird vorgeworfen, „ihre politische Verantwortung zu verbergen, indem sie weiterhin diejenigen finanziert, die aus den öffentlichen Verkehrsmitteln Profit ziehen“ und zu polizeilicher Repression greife, die „an die dunkle Zeit in der Geschichte unseres Landes“ erinnere.

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Interview: „Was den Eroberern nicht gelungen ist, versuchen die Konzerne zu beenden” https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/interview-was-den-eroberern-nicht-gelungen-ist-versuchen-die-konzerne-zu-beenden/?pk_campaign=feed&pk_kwd=interview-was-den-eroberern-nicht-gelungen-ist-versuchen-die-konzerne-zu-beenden https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/interview-was-den-eroberern-nicht-gelungen-ist-versuchen-die-konzerne-zu-beenden/?pk_campaign=feed&pk_kwd=interview-was-den-eroberern-nicht-gelungen-ist-versuchen-die-konzerne-zu-beenden#respond Fri, 18 Oct 2019 16:55:47 +0000 https://www.npla.de/?p=28958 Interview mit María de Jesús Patricio Martínez, bekanntgeworden als ‚Marichuy’, die 2018 als erste indigene Frau für das mexikanische Präsidentschaftsamt kandidierte.

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Foto: Desinformémonos

(12. Oktober 2019, Desinformémonos) María de Jesús Patricio Martínez, bekanntgeworden als ‚Marichuy’, kandidierte 2018 als erste indigene Frau für das mexikanische Präsidentschaftsamt. Die traditionelle Heilerin aus dem Volk der Nahua wurde 1963 in der kleinen Stadt Tuxpán im Bundesstaat Jalisco geboren und ist heute Sprecherin des Nationalen Kongresses der Indigenen CNI (Congreso Nacional Indígena), des größten Verbands indigener Völker in Mexiko. „Ich werde weitermachen, solange ich lebe”, erklärt Marichuy mit einem leichten Lächeln. Über 100 Mitglieder wurden seit der Gründung des „Hauses aller indigenen Völker” getötet.

 

Du bist jetzt zum ersten Mal in Europa. Während hier in Spanien der „Kolumbus-Tag“ (Día de la Hispanidad) gefeiert wird, nimmst du in Madrid am Treffen „12. Oktober – kein Anlass zum Feiern“ teil.

Für die indigenen Völker Mexikos war und ist das kein Feiertag, sondern der Jahrestag eines Massakers. Die sogenannte Eroberung Amerikas, wie es in der Schule immer heißt, hat etliche unserer Brüder und Schwestern das Leben gekostet. Deshalb sagen wir eher, es ist der Tag, an dem Mexiko zu verbluten begann. Unsere Brüder und Schwestern wurden gezwungen, das Kreuz zu tragen, und wer sich weigerte, wurde ermordet. Der 12. Oktober 1492 war der Beginn einer Katastrophe, eines Massenmords, aber auch der indigenen Rebellion. Deshalb möchten wir ihn als Tag des Widerstands begehen und gegen die protestieren, die damals kamen, um uns abzuschlachten und dies auch heute noch tun. Es ist ein Tag der indigenen Verbundenheit, der Reflexion, des gemeinsamen Überlegens, wie wir uns in unseren Gemeinden zur Wehr setzen.

Auch nach 500 Jahren geht die Vertreibung täglich weiter.

Ja genau. Was sie damals nicht geschafft haben, versuchten sie heute zu Ende zu bringen, durch verschiedene Megaprojekte, die sie mit Gewalt durchsetzen wollen, gegen den Widerstand der Völker. Wir haben klar gesagt, dass wir das nicht wollen, aber sie sehen uns nicht und hören uns nicht zu. Die Geschichte wiederholt sich.

Im März 2019 hatte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador einen Brief an den König von Spanien und an den Papst geschickt, in dem er die Verbrechen der sogenannten Eroberer öffentlich anerkennt und um Verzeihung bittet.

Statt im Ausland um Verzeihung zu bitten, sollte López Obrador lieber unsere Vertreibung stoppen und diese ganzen Konzerne, die übrigens alle aus dem Ausland kommen, daran hindern, uns zu vertreiben. Der Präsident soll ansehen, was in unseren Gemeinden passiert: Verdrängung und Gemetzel. Diese Konzerne sind dabei, das Werk der Eroberer zu vollenden, und er hält ihnen auch noch die Tür auf, damit sie unser Volk noch leichter auslöschen können.

Bei López Obradors Amtsantritt wurde das traditionelle Zepter des Machtinhabers von Indigenen überreicht.

Genau. Sie haben eine neue Kategorie von Indigenen geschaffen, die mit ihnen kooperieren. Die benutzen sie nun, um die ganze Sache zu verharmlosen, damit sie so tun können, als sei alles in Ordnung. Aber das ist es nicht. Diese Indigenen dienen als Spielball ihrer Machtinteressen, und dass es Personen gibt, die sich dafür hergeben, schürt die Konflikte innerhalb unserer Volksgemeinschaften.

Du bist Mitglied des Nationalen Kongresses der Indigenen seit seiner Gründung am 12. Oktober 1996 in Mexiko-City.

Ja, ich habe von Anfang an mitgemacht. Wir sind keine Organisation im eigentlichen Sinne, es gibt keine Führungsspitze, die die Entscheidungen trifft. Uns ging es darum, ein Haus der indigenen Völker zu schaffen, dem sich alle zugehörig fühlen und in dem alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Das haben wir umgesetzt, und ich werde hier weitermachen, solange ich lebe.

Euch geht es nicht um Macht. Ihr wollt nicht den „vergifteten Thron des Präsidenten“ einnehmen. Trotzdem hast du bei den Wahlen 2018 kandidiert. 

Das stimmt. Das hat auch zu einiger Verwirrung geführt. Wie wir in Mexiko sagen: „Der Hund, der schnüffelt, will auch seinen Knochen finden“. Das mit der Kandidatur haben wir aber aus zwei Gründen gemacht. Erstens: Wir wollten das Problem der indigenen Vertreibung auf die nationale Agenda setzen. Zweitens: So konnten wir sämtliche indigenen Gemeinden abklappern und erklären, dass wir nur dann die Chance haben, eine Repräsentanz von unten aufzubauen, wenn wir uns organisieren. Es ging nicht so sehr darum, die nötigen Unterschriften zu sammeln und später dann das Amt anzutreten, sondern darum zu erklären, wie man auf andere Weise, nämlich von unten, eine Regierung aufbauen kann, eine wirklich linke Regierung. Und nicht eine, die immer nur ihre eigenen Leute übervorteilt, so wie die, die wir jetzt haben. An den Wahlen teilzunehmen, war sozusagen ein Vorwand, es ging darum, Öffentlichkeit zu schaffen, die Leute zum Hinsehen zu bewegen.

Die 900.000 Unterschriften, die für die Aufnahme in die der Kandidat*innenliste nötig gewesen wären, haben wir nicht zusammengekriegt, aber wir fanden trotzdem, dass es ein Erfolg war, weil wir erreicht haben, was wir vorhatten. Wir sind durch 29 Bundesstaaten gezogen, die Mehrzahl der indigenen Gemeinden hat uns zugehört, und das bedeutet uns mehr als ein Sitz im Parlament. Wir haben unsere eigenen Leute erreicht, und wir haben erreicht, dass die Öffentlichkeit unsere Probleme wahrnimmt, nicht immer nur unsere Trachten und unsere Volksfeste. Wir werden heute noch abgeschlachtet, vertrieben, ausgelöscht. Sie wollen uns einfach loswerden. Aber wir bleiben, leisten Widerstand und verteidigen unser Land, unser Wasser, unsere Wälder, nicht nur für uns, sondern für alle Menschen. Uns war wichtig, dass das öffentlich wird.

„Wir wollen über das Unmögliche reden, über alles, was möglich ist, wird schon zu viel geredet”, heißt es auf der Ankündigung zu einem eurer Treffen. Dann lass uns über das Unmögliche reden. Hast du dir irgendwann vorgestellt oder gewünscht, du wärst zur Präsidentin von Mexiko gewählt worden? 

Nein, weder das eine oder das andere. Wir hatten vorher schon besprochen, dass das wirklich der worst case gewesen wäre. Aber da bestand auch kein Grund zur Besorgnis. Wir wissen ja, dass die Macht von einem zum nächsten weitergegeben wird, und die Wahl war sowieso manipuliert. Es soll sich ja schließlich nicht wirklich was ändern, sondern vielleicht ein bisschen danach aussehen. Aber irgendwann haben wir uns doch gefragt: Ok, und wenn wir gewinnen, was machen wir dann? Wir haben den Kongress, der besteht aus 150 Räten, Männer und Frauen, aus allen Teilen des Landes, da hätten wir dann zusammen überlegt, wie es weitergehen soll. Viele Leute haben mich gefragt: „‚Marichuy, und wenn du die Wahl gewinnst, was machst du dann?“ Dabei müsste die Frage lauten: „Was machen wir dann?”, denn es geht um kollektive Entscheidungsprozesse. Darunter kann man sich aber nicht so leicht etwas vorstellen. Die Leute kennen ja nur die vorgegebenen Meinungsbilder. Und dann kamen wir und haben gesagt: „Warum nicht davon träumen, alles ganz anders zu machen?“ Und an diesem Punkt danken wir natürlich unsern Brüdern und Schwestern der zapatistischen Bewegung, quasi unseren älteren Geschwistern, die uns zeigen, was möglich ist, dass es schön sein kann zu träumen und dass es schön ist, die Dinge von unten zu verändern und ein neues Konzept von Organisation umzusetzen.

Reden wir weiter über das Unmögliche. Im März 2001 bist du zum Abschluss des Marschs der Farben der Erde mit Comandanta Esther vom Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) vor dem Kongress der Union als Vertreterin der indigenen Frauen aufgetreten. Hattest du da das Gefühl, dass ihr gehört werdet, dass ihr mit diesem Auftritt irgendwas bewegt?

Wir waren damals mit einer Minimalforderung angetreten. Wir wollten erreichen, dass unsere kollektiven Rechte als Völker anerkannt werden. Das hat nicht funktioniert. Sie haben ein anderes Gesetz verabschiedet, nicht das, was wir gern gehabt hätten, eins das die Kommission für Eintracht und Friedensstiftung COCOPA ausgearbeitet hatte. Wahrscheinlich hatten sie die Vertreibung, die heute stattfindet, damals schon beschlossen. Unser Gesetz hätte uns das Recht auf das Land, die Wälder, das Wasser zugesprochen. Dass nun dieses andere Gesetz verabschiedet wurde, betrachten wir als Verrat. Es bestand kein Interesse daran, die indigenen Völker als Rechtssubjekte wahrzunehmen, sondern für die sind wir Objekte, Menschen, die nicht eigenständig denken können, so dass andere das Denken für sie erledigen müssen. Und an diesem Punkt endet dann auch unser Versuch, mit dem Staat zusammenzuarbeiten. Deshalb haben wir beschlossen, die innere Autonomie der Völker zu stärken. Unser Gesetz ist das Abkommen von San Andrés, das COCOPA-Gesetz. Daran orientieren wir unsere Kämpfe.

Die zapatistische Bewegung ist vielleicht ein ganz gutes Beispiel für das Unmögliche, das sich in von links unten gestaltete Realität verwandelt. Obwohl ich den Eindruck haben, dass sie immer stärker isoliert sind.

Isoliert? Überhaupt nicht. Sie sind ein Teil des CNI, aber sie können nicht immer zu unseren Versammlungen kommen, weil sie ihre Gebiete nicht verlassen können. In ihrem letzten Kommuniqué haben sie die Gründung weiterer Caracoles (zapatistische Verwaltungszentren) angekündigt, und sie arbeiten auf jeden Fall weiter und stärken ihre Autonomie. Nicht alle Dinge sind geeignet, um sofort damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sondern es geht erstmal auch darum, die Strukturen von unten her aufzubauen. Im Vorfeld der Kandidatur sind wir die fünf zapatistischen Verwaltungszentren abgelaufen und haben dabei tausende Frauen getroffen, die alles organisiert haben. Also, das ist keine Bewegung, der es an Zulauf fehlt, und was sie geschafft hat, war für alle mexikanischen Völker eine Überraschung, denn sie haben uns gezeigt, dass wir sehr wohl die Mittel haben, um etwas zu tun. Wir müssen nicht ständig die da oben bitten. Also wie gesagt, sie sind nicht isoliert, sie machen weiter, werden stärker, und das ist eine Ermutigung für alle mexikanischen Völker.

Du hast die zapatistischen Frauen erwähnt. Dass du zu den Präsidentschaftswahlen angetreten bist, wurde breit kritisiert – weil du eine Frau bist, nicht die entsprechende Bildung hast und keine Schulabschlüsse oder akademische Titel vorweisen kannst.

Das stimmt, aber ich fand, das passt zu einer Gesellschaft, die die Aufgabe der Frau auf das Kinderkriegen und die Fürsorge für den Ehemann und den Haushalt beschränkt. Aber trotzdem war da auch noch etwas anderes. Ich habe den Rückhalt der Völker gespürt, die Unterstützung durch den CNI, und da war mir die Kritik egal. Ich dachte: „Ich trage eine große Verantwortung, und der will ich gerecht werden“. Wenn sie gedacht haben, sie würden mich mit der Kritik einschüchtern, dann haben sie das genaue Gegenteil von dem erreicht, was ihnen vorgeschwebt hat. Ich habe mich umso stärker gefühlt und motivierter, weiterzumachen. Manchmal denken sogar die Frauen aus unserem eigenen Volk in die falsche Richtung. Es muss immer noch viel passieren in Mexiko, es muss noch viel Bewusstseinsarbeit geleistet werden, damit alle Frauen verstehen, dass das, was man uns eingeimpft hat, dazu dient, das Patriarchat zu erhalten. Die Gesellschaft, so wie sie ist, nutzt nur den Männern etwas, Frauen werden nicht berücksichtigt und können nicht teilhaben. Eine Frau für die Kandidatur ins Rennen zu schicken, war daher auch eine bewusste Entscheidung, um zu zeigen, dass Frauen sehr wohl mitmachen können und müssen. Wenn es nur Männer sind, die etwas von unten aufbauen, dann ist unser Kampf nicht vollständig. Und dann wiederholen sich auch die immergleichen Fehler.

Du warst schon immer ein rebellischer Mensch. In deiner Gemeinde warst du die einzige Frau*, die beim Tanz der Sonajeros mitgemacht hat, den eigentlich nur die Männer tanzen.

Ja vielleicht, keine Ahnung. Als ich klein war, hat mein Großvater immer gesagt, dass wir uns nicht klein fühlen müssten vor den Mächtigen, dass wir unsere Trachten tragen könnten, wann immer wir wollten und nicht nur zu den Volksfesten, und dass wir uns unsere Sprache bewahren müssten… „Du darfst dich niemals verkaufen“, hat er mir immer gesagt. Gleichzeitig war ich mir auch darüber bewusst, wie arm meine Familie war. Wir waren elf, und es gab nicht genug zu essen für alle, obwohl wir alle hart gearbeitet haben. Vielleicht hat sich darüber mein rebellischer Charakter entwickelt. Ich dachte, dass wir Frauen auch etwas tun können und dass wir nicht nur dazu da sind, um Kinder zu bekommen. Mein Vater dachte zum Beispiel, Frauen brauchen nichts zu lernen, weil sie ja sowieso heiraten. Also fragte mich, was eigentlich mit uns passiert, wenn wir nicht heiraten wollen. Und wahrscheinlich weil dieser Tanz nur für Männer ist, weil wir Frauen dafür angeblich zu ungeschickt sind, um zu tanzen wie sie, wollte ich ihnen zeigen, dass ich es doch kann. Also habe ich mir den Tanz der Sonajeros heimlich selbst beigebracht, und wenn ich mittanzen wollte, musste ich mich als Mann verkleiden. Damals hat sich die Person entwickelt, die ich heute bin. Wenn sie mir sagen: „Nein”, dann sage ich: „Aber ja!”, und dann machen wir es so.

Deine Großmutter war traditionelle Heilerin in eurer Gemeinde, und du hast einiges von ihr gelernt. Unter anderem kannst du die Menschen von Besessenheit, von Schrecken und Entsetzen heilen. Kannst du auch Angst heilen? Diese Angst, die die Mächtigen in uns entfachen und die uns lähmt?

Im Heilungshaus in Mexiko behandeln wir Kinder, die unter Schrecken und Ängsten leiden. Wir behandeln sie manuell, massieren und geben ihnen nervenstärkende Tees aus Orangenblüten, Limette, Zitrone, Passionsblume, Bitterorangenblättern. In letzter Zeit sind sogar schon die Neugeborenen nervlich angespannt und ängstlich. Die Angst, auf die Straße zu gehen und nicht mehr lebend nach Hause zu kommen, nimmt zu, weil immer mehr Menschen von bewaffneten Gruppen ermordet werden. Die Regierung arbeitet mit dem organisierten Verbrechen, um die Gemeinden durch Ängste in Schach zu halten, damit wir uns nicht organisieren, nicht miteinander reden, nicht rausgehen. Das kriegen die Kleinen schon vor der Geburt mit, und wenn sie aus dem Bauch kommen, tragen sie diese Ängste in sich. Für uns hängt die Medizin mit dem Kampf um unser Leben zusammen. Alles hängt zusammen. Alles was man erlebt, was mit unserm Volk passiert, das sehen wir in unseren Kindern, wenn sie geboren werden. Deshalb denke ich als Heilerin, dass wir uns gut um unser gesamtes Umfeld kümmern müssen. Wenn es unserer Umgebung gutgeht, geht es uns gut und auch unseren Nachkommen. Wenn unser Umfeld nicht ok ist, geht es uns nicht gut und unsern Kindern auch nicht. Deshalb müssen wir traditionellen Heiler*innen dafür sorgen, dass nicht noch mehr Babies mit nervlichen Anspannungen und Ängsten auf die Welt kommen.

Unser Umfeld pflegen, um das Leben zu erhalten. Seid ihr deshalb auch Antikapitalist*innen?

Ja, natürlich. Das hängt alles zusammen. Wenn wir für das Leben eintreten, dann heißt das: Wir sorgen dafür, dass unsere Wälder und unser Wasser intakt sind, dass die Erde geschützt wird. Die Erde verletzen heißt: uns verletzen. Deshalb sind wir Antikapitalist*innen und deshalb müssen wir stärker werden in unserem Kampf von unten links.

Interview: Gorka Andraka Ibargaray

Mit freundlicher Genehmigung von El Salto

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Zehntausend Tiere sterben wegen Trockenheit https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit/?pk_campaign=feed&pk_kwd=zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit/?pk_campaign=feed&pk_kwd=zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit#respond Thu, 17 Oct 2019 06:07:17 +0000 https://www.npla.de/?p=28944 Tausende verendete Tiere und mehrere ausgetrocknete Seen sind das Ergebnis der „Mega-Trockenheit". Es ist die schlimmste Dürre, die Chile in den letzten 60 Jahren erlebt hat.

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Foto: The Clinic – Servindi

(15. Oktober 2019, Servindi) 10.000 verendete Tiere und mehrere ausgetrocknete Seen in mindestens sechs Regionen Chiles sind das Ergebnis der „Mega-Trockenheit“, die der chilenische Präsident Sebastián Piñera als „stilles Erdbeben“ bezeichnet.

Atacama, Coquimbo, Valparaíso, O’Higgins, Maule und die Metropolregion Santiago sind die Städte, die am stärksten von der langanhaltenden Trockenheit betroffen sind. In diesen Städten leben rund 80 Prozent der chilenischen Bevölkerung, der jetzt das Wasser fehlt.

Dies ist die schlimmste Dürre, die das Land in den letzten 60 Jahren erlebt hat. Das Wissenschaftszentrum für Klima der Universität Chile geht davon aus, dass das Phänomen eine Folge des menschlich verursachten Klimawandels ist.

Die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt bestätigte die Aussage der Expert*innen der Universität Chile und meint: „Diese Realität kann man nicht leugnen. Sie ist eine der größten ethischen und wirtschaftlichen Herausforderungen für die Menschheit.“

Weiterhin wird darüber berichtet, dass viele Gegenden, die früher Touristenattraktionen mit grünen Wiesen waren, inzwischen nur noch aus staubiger Erde und vertrockneten Pflanzen bestehen.

Einer der alarmierendsten Fälle ist der Aculeo-See. Das Gewässer befindet sich rund 70 Kilometer von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt und war eines der Lieblingsziele für Wassersportler*innen. Heute sieht man dort nur noch Knochen von toten Tieren, vertrocknete Erde und Staub. Seit dem letzten Jahr ist der See komplett ausgetrocknet.

Zwei Monate vor Beginn der UN-Klimakonferenz COP 25, die im Dezember in Chile stattfindet, hat Präsident Sebastián Piñera angekündigt, dass er bereits an konkreten Plänen zur Bekämpfung der Mega-Trockenheit, die sein Land getroffen habe, arbeite. Diese Pläne werde er bei der Konferenz vorstellen.

Bisher waren die Bemühungen der chilenischen Regierung, einen Notfallplan zur Bekämpfung der Trockenheit für 2019 und 2020 umzusetzen, nicht ausreichend. Denn im letzten Ranking zum sogenannten Wasserstress ist Chile unter den 18 Ländern, die extrem gefährdet sind, von Wassermangel betroffen zu sein.

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https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit/?pk_campaign=feed&pk_kwd=zehntausend-tiere-sterben-wegen-trockenheit/feed/ 0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
34. Frauen*treffen bringt über eine halbe Million auf die Straße https://www.npla.de/thema/feminismus-queer/argentinien-34-frauentreffen-bringt-ueber-eine-halbe-million-auf-die-strasse/?pk_campaign=feed&pk_kwd=argentinien-34-frauentreffen-bringt-ueber-eine-halbe-million-auf-die-strasse https://www.npla.de/thema/feminismus-queer/argentinien-34-frauentreffen-bringt-ueber-eine-halbe-million-auf-die-strasse/?pk_campaign=feed&pk_kwd=argentinien-34-frauentreffen-bringt-ueber-eine-halbe-million-auf-die-strasse#respond Wed, 16 Oct 2019 08:14:30 +0000 https://www.npla.de/?p=28897 Mehrere zehntausend Frauen haben am vergangenen Sonntagnachmittag bei schönstem Sonnenwetter den Rio de la Plata in Aufregung versetzt. Die Demonstration mit Hunderttausenden Teilnehmer*innen bildete den Höhepunkt des 34. Nationalen Frauentreffens (ENM)

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Foto: Lidia Barán – ANRed

(La Plata, 14. Oktober 2019, medio a medio). Mehrere zehntausend Frauen haben am vergangenen Sonntagnachmittag bei schönstem Sonnenwetter den Rio de la Plata in Aufregung versetzt. Die Demonstration mit hunderttausenden Teilnehmer*innen bildete den Höhepunkt des 34. Nationalen Frauen*treffens (ENM). Unter Rufen wie „Für eine legale Abtreibung im Krankenhaus!“, „Schluss mit Femiziden, Ausbeutung und dem Handel mit unseren Körpern“ füllten Frauen und Queers die breiten Straßen der Stadt. Mit ihren grünen Halstüchern zogen sie durch ganz La Plata bis zum Fußballstadion Estadio Unico. „Was für ein Moment, was für ein Moment, trotz allem haben wir es geschafft, dieses Treffen auf die Beine zu stellen“, sangen die Aktivist*innen, als sie am Sitz der Provinzregierung von Buenos Aires vorbeikamen, und feierten mit lautstarken Parolenrufen die Plurinationalität ihres Treffens. Obwohl das Regierungsgebäude umzäunt war, konnte man ein grünes Tuch erkennen, das aus einem Fenster hing.

Sternmarsch gedenkt der Verschwundenen

Seit vier Uhr nachmittags hatten die Organisator*innen des Treffens die Teilnehmer*innen in der Nähe der Straßenkreuzung versammelt, an der die 2017 verschwundene Johana Ramallo zum letzten Mal gesehen wurde. Ihre Leiche fand man zwei Jahre später im Mai 2019. Während linke Gruppierungen über die Diagonal 79 zogen, lief das Orgakomitee des Frauen*treffens über die Diagonal 54, dann traf sich die Gruppen an der Plaza San Martín. Nach Angaben der Organisator*innen hatte die Demonstration eine Länge von insgesamt drei Kilometern. Hinter dem Frontbanner des Komitees trug eine Gruppe von Frauen große rosa Buchstaben, die die Worte „Wir sind alle“ („Somos todas“) bildeten. Die Demonstration von Frauen und Queers führte auch am Sitz der Provinzregierung von Buenos Aires vorbei. Dort protestierten die Teilnehmenden mit lautem Singen gegen die jüngsten Kürzungen der Mittel zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt.

Breites Bündnis

Neben Politiker*innen, Gewerkschafter*innen und Universitätsangestellten, Frauenverbänden aus unterschiedlichen Provinzen, Schülerinnengruppen, Trans*frauen und Travestis nahmen auch Angehörige der abolitionistischen Bewegung an der Demo teil, die traditionell den Abschluss des Treffens bildet. Die abolitionistische Kampagne, die sich für die Abschaffung der Prostitution als Art des Menschenhandels einsetzt, hatte den Aufruf zu der Demonstration mit unterstützt.

Nora Pulido (67), Mitglied der Abolitionist*innenbewegung, äußerte sich dazu: „ Wir wollen, dass keine einzige Frau mehr Opfer von Prostitution wird. Wir sind nicht gegen die Prostituierten, wir glauben aber, dass unsere Gefährtinnen durch die Armut und das Patriarchat doppelter und dreifacher Diskriminierung ausgesetzt sind. Guck dir all die Jugendlichen an, die uns hier begleiten. Die jungen Frauen sind es leid, zum Objekt degradiert zu werden. Sie haben die Pornografie und die gewaltvolle Nutzung unserer Körper durch die Machos satt. Prostitution ist ein Stützpfeiler des Patriarchats. Wir wollen eine Welt ohne Unterdrücker, ohne Ausgebeutete und ohne Prostitution als Mittel der Frauenunterdrückung. Das ist die Welt unserer Zukunft.“

Cata (16), hört ihr bewundernd und zustimmend zu und wird später erzählen: „Das war das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist, ist die Teilnahme an diesem Treffen. Hier komme ich mit jungen Frauen aus dem ganzen Land zusammen, wir sehen, dass uns das gleiche passiert, es gibt mir Kraft, um für das Recht auf Abtreibung zu kämpfen und dagegen, dass sie uns immer noch umbringen.“
„Die grüne Welle kann niemand mehr aufhalten, wir werden das Recht auf Abtreibung durchsetzen. Es berührt mich zu sehen, was wir schon alles erreicht haben, so junge Frauen zu treffen, die so deutlich für das Recht auf legale, sichere und kostenlose Abtreibung eintreten“, sagte Elena (56) die zu keiner bestimmten Gruppe gehört und spontan zur Demo gestoßen ist, als diese an ihrem Haus vorbeizog.
Außerdem nahmen Familienmitglieder der Opfer von Femiziden teil. Marta Monteros Tochter Lucía Pérez war vor zwei Jahren im Alter von 16 Jahren in Mar del Plata vergewaltigt und ermordet worden. „Wir wollen unsere Töchter lebend und unversehrt“. rief Montero mit einem Foto ihrer Tochter in der Hand.

„Diese Demo zeigt, wie stark wir geworden sind und was wir bereits erreicht haben“, begeistert sich die 45-jährige Tania, die im Block der Beamt*innen mitläuft.
Mariela (44) ist aus der Provinz Chubut gekommen, um am Treffen teilzunehmen: „Das hat mir viel Kraft und Energie geschenkt, und die Hoffnung, dass wir Frauen schaffen, was wir uns vornehmen“, schwärmt sie.

Unter der Fahne mit der Aufschrift „Feministischer Fußball“ sangen Dutzende Frauen: „Ich will schon immer spielen und das Patriarchat verfolgt mich, sie werden irgendwann verstehen, dass der Ball keine Heteronormativität kennt, wir sind Schwestern, wir spielen im Rudel.“

Störungsfreie Demo, Escrache zum Abschluss

Die offizielle von der Kommission geplante Route verlief zum größten Teil störungsfrei. Vor der Plaza Italia strömten große Teile der Demo Richtung Kathedrale. Einige drangen bis zur Plaza Moreno vor und veranstalteten ein „Escrache“ (Protestform mit Trommeln, Lärm, Performance und ggf. Täterouting) vor der Kirche, während andere zur 13. Straße weitergeleitet wurden.

Der Vorplatz des Estadio Único bildete den Endpunkt der offiziellen Route, am Montag um 9 Uhr endete das Frauentreffen mit der Abschlussveranstaltung, bei der die Zusammenfassungen der vielen Workshops verlesen wurden. Wie der Applausometer zum Abschluss ermittelte, wird das nächste jährliche Frauentreffen in San Luis stattfinden.

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Mercedes Sosa: Zum zehnten Todestag der „Stimme Amerikas“ https://www.npla.de/thema/kultur-medien/mercedes-sosa-zum-zehnten-todestag-der-stimme-amerikas/?pk_campaign=feed&pk_kwd=mercedes-sosa-zum-zehnten-todestag-der-stimme-amerikas https://www.npla.de/thema/kultur-medien/mercedes-sosa-zum-zehnten-todestag-der-stimme-amerikas/?pk_campaign=feed&pk_kwd=mercedes-sosa-zum-zehnten-todestag-der-stimme-amerikas#respond Mon, 14 Oct 2019 15:01:43 +0000 https://www.npla.de/?p=28839 Ihr Kampfgeist war eine ihrer herausragendsten Charaktereigenschaften: Nie hatte Mercedes Sosa sich durch Drohungen seitens der Regierung einschüchtern und von ihrem Wunsch abbringen lassen, die Welt zu verändern. Vor zehn Jahren starb der Körper der lateinamerikanischen Sängerin, doch ihre Energie lebt weiter in ihren rebellischen, kritischen und stimmungsvollen Lieder über unser Amerika.

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Mercedes Sosa 1967 (bleff via wikimedia commons)

(Bogotá, 4. Oktober 2019, colombia informa).- „Sie haben mich so oft ermordet, so oft bin ich gestorben, und doch bin ich hier, wiederauferstanden. Dank an die Hand, die den Dolch geführt und mich so schlecht getötet hat. … ich werde weiter singen, dank ihres Ungeschicks“, heißt es in dem Stück ‘Como la Cigarra’ aus dem Repertoire Mercedes Sosas. Vor zehn Jahren starb der Körper der lateinamerikanischen Sängerin, doch ihre Energie lebt weiter in ihren rebellischen, kritischen und stimmungsvollen Lieder über unser Amerika.

Bekanntgeworden als ‘die Stimme Amerikas’, gründete Sosa die Bewegung Neuer Liedermacher und entwickelte sich selbst zu einer der bedeutendsten Repräsentantinnen des „Neuen lateinamerikanischen Lieds“, eine Musikrichtung mit politischen Texten und Anleihen aus der lateinamerikanischen Folklore. Soza stammt aus einer sehr armen Familie. Ihre Eltern hatten zunächst den Namen Marta Mercedes ausgewählt, auf dem Standesamt entschloss sich der Vater jedoch für Haydeé Mercedes.

Ihren ersten öffentlichen Gesangsauftritt hatte sie mit 15, intonierte die Nationalhymne vor der Klasse, weil eine Lehrerin ausgefallen war. Trotz des Lampenfiebers, das sie damals verspürte, war es der Beginn einer steilen Karriere. Ihre Vorbilder waren Margarita Palacios und Antonio Tormo, beides Vorläufer*innen der argentinischen Folklore.

Sosas Karriere begann in Buenos Aires. Die aufkommende Industrialisierung war von umfassenden ethnischen und kulturellen Veränderungen begleitet. Immer mehr Menschen kamen aus den ländlichen Regionen und den umliegenden Provinzen in die Metropole, und mit ihnen die traditionellen musikalischen Einflüsse. Neben dem Tango gewann nun auch die argentinische Folklore immer stärker an Popularität.

Die Bewegung Neuer Liedermacher hatte sich vorgenommen, argentinische Volksmusik neu zu beleben und zu verstehen. Ihr neuartiger Folklorestil entstand 1963 in den argentinischen Provinzen. Verschiedene Musiker*innen, aber auch Künstler*innen und Schriftsteller*innen schlossen sich der Bewegung an.

1969 erhielt Sosa das Angebot, “Mujeres Argentinas” aufzunehmen, eine Hommage an Frauen aus dem Volk: Gringa chaqueña, Juana Azurduy, Rosarito Vera, Dorotea la cautiva, Alfonsina y el mar, Manuela la tucumana, Las cartas de Guadalupe und En casa de Mariquita. Zu dieser Zeit befand sich das Land in einer schwierigen Situation. Eine Militärregierung war an der Macht, und Mercedes als Stimme des Volkes bekam die Konsequenzen zu spüren.

Ihr Kampfgeist war eine ihrer herausragendsten Charaktereigenschaften: Nie hatte sie sich durch Drohungen seitens der Regierung einschüchtern und von ihrem Wunsch abbringen lassen, die Welt zu verändern. Sie blieb so lange wie möglich in Argentinien, bis sie 1978 während eines Konzerts in La Plata mitsamt ihrem Publikum verhaftet wurde. Doch auch davon ließ sie sich nicht nachhaltig beeindrucken. Im Februar 1982 kehrte sie in ihr Land zurück, veranstaltete eine Konzertreihe gegen die Diktatur Jorge Rafael Videlas und schrieb damit Musikgeschichte.

In den 90er Jahren hatte sie bereits Weltruhm erlangt und wurde zu den besten Sängerinnen der Welt gezählt. Mit insgesamt über 50 veröffentlichten Alben gilt sie auch heute noch als die Stimme Amerikas. Doch es ist nicht allein ihre Stimme; was in ihren Liedern mitschwingt, ist der Schrei eines ganzen Volkes nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit. Heute fördert eine von ihrer Familie gegründete Stiftung eine neue Generation lateinamerikanischer Künstler*innen, die sich für ihren Kontinent einsetzen. Sosas Vermächtnis wird für immer bleiben.

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Fünf Tote, Proteste dauern an https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/fuenf-tote-proteste-dauern-an/?pk_campaign=feed&pk_kwd=fuenf-tote-proteste-dauern-an https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/fuenf-tote-proteste-dauern-an/?pk_campaign=feed&pk_kwd=fuenf-tote-proteste-dauern-an#respond Sun, 13 Oct 2019 18:15:38 +0000 https://www.npla.de/?p=28828 In Ecuador sind bei den massiven Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung bislang mindestens fünf Menschen getötet worden. Die landesweiten Proteste werden von Indigenen angeführt.

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Demonstrant*innen tragen in Ecuador einen getöteten Protestierer zu Grab. Foto: Democracy Now

(Washington, 11. Oktober 2019, democracy now).- In Ecuador sind bei den massiven Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung bislang mindestens fünf Menschen getötet worden. Die landesweiten Proteste werden von Indigenen angeführt. Am 10. Oktober haben Demonstrant*innen in der Hauptstadt Quito kurzzeitig acht Polizisten als Geiseln genommen.

Die Proteste wurden durch die Ankündigung des Präsidenten Lenín Moreno ausgelöst, die seit Jahrzehnten bestehenden Subventionen für Benzin und Diesel zu streichen. Die Streichung der Subventionen ist Teil so genannter Reformen, die der Internationale Währungsfonds IWF dem südamerikanischen Land auferlegt hat.

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https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/fuenf-tote-proteste-dauern-an/?pk_campaign=feed&pk_kwd=fuenf-tote-proteste-dauern-an/feed/ 0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Kongress in Puebla stimmt gegen straffreie Abtreibung und Homoehe https://www.npla.de/thema/feminismus-queer/kongress-in-puebla-stimmt-gegen-straffreie-abtreibung-und-homoehe/?pk_campaign=feed&pk_kwd=kongress-in-puebla-stimmt-gegen-straffreie-abtreibung-und-homoehe https://www.npla.de/thema/feminismus-queer/kongress-in-puebla-stimmt-gegen-straffreie-abtreibung-und-homoehe/?pk_campaign=feed&pk_kwd=kongress-in-puebla-stimmt-gegen-straffreie-abtreibung-und-homoehe#respond Sun, 13 Oct 2019 18:05:06 +0000 https://www.npla.de/?p=28825 Nach achtstündiger Diskussion hat der Kongress des mexikanischen Bundesstaats Puebla für die Gesetzesinitiative des Gouverneurs Luis Miguel Barbosa Huerta gestimmt: Abtreibung bleibt eine Straftat, die Gefängnisstrafen werden jedoch von fünf Jahren auf ein Jahr reduziert. Die Homoehe wurde abgelehnt.

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Von Samantha Páez Guzmán

Foto: Cimac/César Martínez López

(Puebla, 9. Oktober 2019, cimacnoticias).- Nach achtstündiger Diskussion hat der Kongress des mexikanischen Bundesstaats Puebla für die Gesetzesinitiative des Gouverneurs Luis Miguel Barbosa Huerta gestimmt: Abtreibung bleibt eine Straftat, die Gefängnisstrafen werden jedoch von fünf Jahren auf ein Jahr reduziert. Die Homoehe wurde abgelehnt.

Initiative für das Recht auf Abtreibung scheitert

Im April 2019 schloss sich der Bundesstaat Puebla der bereits seit zwölf Jahren existierenden Initiative „Warnhinweis: geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen“ AVGM (Alerta por Violencia de Género en contra de las Mujeres) an: Eine Reihe von Präventions- und Sofortmaßnahmen, die für die Behörden verpflichtend sind, soll vor geschlechtlich motivierten Übergriffen schützen. Mit 37 Stimmen wurde das Maßnahmenpaket der Regierung angenommen.

Nicht verabschiedet wurde hingegen der Vorschlag, Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche zu entkriminalisieren, trotz einer entsprechenden Vorlage der Kongressabgeordneten Rocío García Olmedo und obwohl feministische Gruppen wenige Tage vor der Abstimmung ihre Forderung nach straffreier, sicherer und kostenloser Abtreibung in einer weiteren Initiative eingebracht hatten.

32 Abgeordnete stimmten dagegen, den Artikel 342 des Strafgesetzbuchs neu zu diskutieren, da die Kommission zur Förderung der Rechtsstaatlichkeit bereits an der Reform des Paragraphen arbeite. Also wurde, wie von Barbosa Huerta vorgeschlagen, lediglich das Strafmaß für Schwangerschaftsabbrüche von fünf Jahren auf ein Jahr herabgesetzt und damit auch die vorgeschlagene Amnestie für bereits wegen Schwangerschaftsabbrüchen in Haft sitzende Frauen abgelehnt.

Keine Homoehen in Puebla

Ein weiterer Beschluss, der zu Unmut in LGTBI- und feministischen Zusammenhängen geführt hat, war die Entscheidung, Artikel 294 des Zivilgesetzbuchs unverändert zu lassen. Dieser besagt, dass Eheschließungen nur zwischen Mann und Frau möglich sind und der Fortpflanzung dienen. Zu diesem Punkt war bereits 2015 ein Urteil des Obersten Gerichtshofs SCJN (Suprema Corte de Justicia Nacional) ergangen, das die Zivilgesetze verschiedener Bundesstaaten, darunter Puebla, als diskriminierend und verfassungsfeindlich bezeichnet.

Rocío García, die den Vorsitz der Kongresskommission für rechtliche Gleichstellung innehat, kündigte an, eine Verfassungsbeschwerde anzustrengen und sich diesbezüglich an die Staatliche Kommission für Menschenrechte zu wenden.

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Die Hintergründe der neoliberalen Kehrtwende in Ecuador https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/die-hintergruende-der-neoliberalen-kehrtwende-in-ecuador/?pk_campaign=feed&pk_kwd=die-hintergruende-der-neoliberalen-kehrtwende-in-ecuador https://www.npla.de/thema/aktuelle-politik/die-hintergruende-der-neoliberalen-kehrtwende-in-ecuador/?pk_campaign=feed&pk_kwd=die-hintergruende-der-neoliberalen-kehrtwende-in-ecuador#respond Sun, 13 Oct 2019 17:51:20 +0000 https://www.npla.de/?p=28822 Am 8. Oktober erlebte Ecuador eine der größten politischen und sozialen Mobilisierungen des 21. Jahrhunderts. Zehntausende Indígenas, Landarbeiter*innen und Arbeiter*innen kamen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito zusammen, um gegen das Sparpaket Lenin Morenos zu demonstrieren, das die soziale Sicherheit der Bevölkerung bedroht.

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Von José Díaz

Foto: Servindi

(Lima, 9. Oktober 2019, servindi).- Noch vor zehn Jahren wurden in Ecuador Sozialpolitik und Souveränität der indigenen Völker großgeschrieben. Was wurde aus den Versprechungen der sozialistischen Regierung Rafael Correas und worin besteht die Krise des amtierenden Präsidenten Lenin Moreno?

Am 8. Oktober erlebte Ecuador eine der größten politischen und sozialen Mobilisierungen des 21. Jahrhunderts. Zehntausende Indígenas, Landarbeiter*innen und Arbeiter*innen kamen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito zusammen, um gegen das Sparpaket Lenin Morenos zu demonstrieren, das die soziale Sicherheit der Bevölkerung bedroht.

Auf dem Höhepunkt der Proteste drangen etwa 20.000 Indígenas, die aus verschiedenen Teilen des Landes in die Hauptstadt gekommen waren, in das Parlament ein. Der amtierende Präsident sah sich gezwungen, den Regierungssitz zeitweilig nach Guayaquil zu verlegen. Bei der Räumung des Gebäudes durch das Militär wurde bisher ein Mensch getötet.

Hintergrund der Sparmaßnahmen, auch bekannt als “paquetazo” (dickes Sparpaket) ist ein Abkommen zwischen der ecuadorianischen Regierung und dem Internationalen Währungsfonds IWF, der dem lateinamerikanischen Land einen Kredit in Höhe von 4,2 Milliarden US-Dollar gewährt hatte. Im Gegenzug sollten unter anderem die Treibstoffpreise erhöht und die Sozialleistungen für Arbeitnehmer*innen gekürzt werden.

Die neoliberale Kehrtwende Lenin Morenos hat den entschlossenen Protest der Bevölkerung hervorgerufen. Dennoch macht die Regierung keine Anstalten, zurückzurudern. Wie konnte es dazu kommen, dass ausgerechnet Ecuador, das als erstes Land die Rechte der Natur in seiner Verfassung garantiert hat, sich nun zu einem der neoliberalsten Länder Lateinamerikas entwickelt?

Die Kehrtwende in Ecuador

Vor zehn Jahren, als die Regierung noch auf die Unterstützung der Indígenas und weiter Teile der übrigen Bevölkerung zählen konnte, präsentierte der damalige Präsident Rafael Correa eine neue Verfassung, die das Konzept des Buen Vivir, das Recht auf Nachhaltigkeit und Naturschutz und die Souveränität der indigenen Völker berücksichtigt – ein Novum in der Geschichte Lateinamerikas.

Durch diesen ungewöhnlichen Schritt zählte Ecuador mit einem Mal zu den Ländern mit der fortschrittlichsten Indígena-Politik in der Region. Im Verlauf der nun folgenden zehn Jahre verlor die Regierung Rafael Correa jedoch zunehmend die Unterstützung der Indígenas und der Bevölkerung im urbanen Raum. Die Durchsetzung von Extraktivismusprojekten im ecuadorianischen Amazonasgebiet und verschiedene repressive Einsätze von Sicherheitskräften führten schließlich zum Zerwürfnis zwischen Correa und seinen ehemaligen Unterstützer*innen.

Die neoliberale Kehrtwende fand jedoch erst mit dem Machtantritt Lenin Morenos statt. Erstes Anzeichen war seine Anbiederung an die Trump-Regierung der USA durch die Aufhebung des Asyls für Julian Assange. Der Whistleblower hatte die letzten sieben Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London verbracht. Kurze Zeit danach unterschrieb Moreno das Abkommen mit dem IWF, in dessen Folge das berüchtigte neoliberale Sparpaket beschlossen wurde. Statt auf Gesprächsbereitschaft setzt die Regierung Lenin Morenos darauf, die Maßnahmen durchzusetzen, notfalls auch gegen Widerstände. Von der indigenen Regierungsbeteiligung im Jahr 2009 ist wenig geblieben. Das Land hat in nur zehn Jahren eine 180-Grad-Wende vollzogen. Heute beherrscht Unsicherheit das Leben in dem lateinamerikanischen Staat.

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