Poonal Nr. 331


Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 331 vom 19. März 1998

Inhalt


In eigener Sache:

MEXIKO

NICARAGUA

HAITI

VENEZUELA

AMBAR, finanziell von der Europäischen Union und unabhängigen

URUGUAY

KOLUMBIEN

CHILE

ARGENTINIEN

GUATEMALA

KUBA/BOLIVIEN

KUBA


In eigener Sache:

Auswertung der LeserInnen-Umfrage

Vor einigen Monaten baten wir Euch/Sie, einige Fragen zu unserem wöchentlichen Pressedienst zu beantworten, damit wir uns ein Bild über die LeserInnenschaft machen und unsere Arbeit verbessern können. Im folgenden eine Übersicht der Auswertung.

18 Poonal-Leser*innen haben sich an der Umfrage beteiligt, die meisten von ihnen sind erst seit höchstens zwei Jahren Poonal- Leser*innen, 2 lesen uns immerhin seit der ersten Ausgabe. Auch wenn die Antworten nicht eindeutig repräsentativ für die etwa 200 Leser*innen sind, die jede Poonal jede Woche direkt über ein Abo, über unsere Homepage im Internet oder die Bretter im CL-Netz beziehen, so geben sie uns einige Aufschlüße.

Die Mehrheit der Antwortenden ist durch andere Medien (Internet, TAZ, ILA) auf Poonal gestossen. Sieben Personen haben uns über Bekannte bzw. ihre Arbeit kennengelernt. Erfreulicherweise liest die überwältigende Mehrheit der Antwortenden Poonal regelmäßig.

Von den 18 Personen, die sich auf unsere Umfrage gemeldet haben, beziehen 7 unseren Dienst als E-Mail-Abo, der Rest über die Bretter im CL-Netz. Bezüglich des Multiplikatoreffekts ergab sich, daß 7 Poonal-Bezieher*innen unseren Dienst an Freunde weitergeben, 8 Personen an andere (im Medienbereich tätige) Institutionen.

Die große Mehrheit der Befragten interessiert sich primär für Themen aus dem politischen und sozialen Bereich, 3 Personen, die antworteten, interessieren sich vorrangig für Themen aus den Bereichen Kirche, Kultur, Ökologie sowie Arbeitsbedingungen und Kinder(arbeit). Als ein weiterer Grund Poonal zu lesen wurde oft die gute Übersicht über Ereignisse in Lateinamerika erwähnt; desweiteren würden Nachrichten zu Themen veröffentlicht, die es woanders nicht gibt. Abgelehnt wurden in 2 Fällen Artikel über/von Parteien (Kommuniques) und einmal eine Kulturberichterstattung. Die Auswahl der Artikel wurde von 11 Befragten für gut oder sehr gut eingeschätzt. Zwei Personen äußerten, daß große Länder zu wenig Raum haben bzw. wir seien „zu breit in den Inhalten“. Mit der Länge der Artikel sind 14 Personen einverstanden, wenigen waren die Texte zu kurz.

Mit dem Stil waren bei 2 Enthaltungen 11 Leser*innen einverstanden. Die Kritik der restlichen 5 Antwortenden: „Stil könnte manchmal wesentlich besser sein“, „die rev. Texte sind oft zu pathetisch geschrieben“, „zu tagesjournalistisch geschrieben“, „Hintergrund fehlt“, „mehr Interviews umd lebendige Berichterstattung“.

Obwohl wir uns durch die Antworten insgesamt in unserer Arbeit bestätigt fühlen, werden wir versuchen, soweit wie möglich auf die Kritik einzugehen. Der Poonaldienst soll schließlich mit Interesse gelesen werden und mit Hilfe unserer Leser*innen noch weitere Verbreitung finden. Unsere inzwischen 14 Mitgliedsagenturen, die mit uns zusammenarbeiten, werden wir über die Befragungsergebnisse informieren.

Wir danken nochmals für die Beantwortung des Fragebogens, Eure/Ihre POONAL-Redaktion

MEXIKO

Regierung versucht in Chiapas den Alleingang

Von Gerold Schmidt

(Mexiko-Stadt, 17. März 1998, npl).- Die mexikanische Regierung hat sich nach Auffassung ihrer Kritiker endgültig entschlossen, die aufständische Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) im Bundesstaat Chiapas politisch weitgehend zu ignorieren. Auch die Vermittlungsinstanzen wie die Parlamentskommission Cocopa und die Nationale Vermittlungskommission (Conai) unter dem Vorsitz von Bischof Samuel Ruiz García sehen derzeit wie Statisten aus. Dies ist der Eindruck, nachdem Präsident Ernesto Zedillo am vergangenen Wochenende (14./15.3.) einen Gesetzentwurf unterzeichnete und ins Parlament einbrachte, der Verfassungsartikel zu den Rechten und der Kultur der Indígena- Völker in Mexiko ändern bzw. ergänzen soll. Der Kompromißvorschlag der Cocopa, vor längerer Zeit vorgestellt und von den Zapatisten gutgeheißen, ist damit hinfällig geworden. Ebenso ist der Weg zur Neuaufnahme von Verhandlungen nicht leichter geworden.

Die Regierung hat allerdings ihre eigene Interpretation. Sie erklärt, die Gesetzesinitiative halte sich vollständig an den Geist der mit den Zapatisten geschlossenen Abkommen von San Andrés aus dem Februar 1996. Die darin damals von beiden Seiten niedergelegten „politischen Absichten“ seien nun in juristische Formeln umgewandelt worden. Zur Begründung für den Alleingang wird auf die anhaltende Weigerung der EZLN verwiesen, direkte Gespräche mit der Regierung zu führen. Die Zapatisten dürften nicht länger die Entwicklung des Landes bremsen. Innenminister Francisco Labastida spricht von einer zweitteiligen Strategie für Chiapas. Auf der einen Seite sollten die Rechte der Indígena-Völker berücktsichtigt werden, auf der anderen Seite gehe es um den Friedensschluß mit der EZLN.

Diese Trennung ist für einen Teil der Opposition nicht nachvollziehbar. Porfirio Muñoz Ledo von der linken PRD erklärt, ohne eine Einigung zwischen Regierung und Zapatisten sei mit Gesetzes- und Verfassungsreformen „nichts gewonnen“. Die Nationale Vermittlungskommission hat sich ebenfalls gegen die präsidentielle Initiative ausgesprochen. Sie stimme nicht mit den Vereinbarungen von San Andres überein und sei als einseitiger Schritt abzulehnen. Die Regierung fühlt sich offenbar aber ihrer Sache sicher.

Dazu hat sie guten Grund. Parallel zur Aktion des Präsidenten hat auch die konservative PAN einen Entwurf zur Indígena-Gesetzgebung ins Parlament eingereicht. Regierungspartei PRI und die PAN haben gegenseitige Verhandlungsbereitschaft über die kaum voneinander abweichenden Initiativen verkündet. Zusammen könnten sie ein Gesetz ohne Schwierigkeit mit der notwendigen Mehrheit durchbringen. Die Zapatisten und die sie unterstützenden Gemeinden sind militärisch keine Gefahr und von der Bundesarmee eingekreist. Nach wie vor schüchtern paramilitärischee Gruppen die Zivilbevölkerung ein.

Ausländische Regierungen protestieren nur schwach, wenn ihre Bürger abgeschoben werden, weil sie sich für die Menschenrechtslage in Chiapas interessieren. Gerade erst mußten die Deutsche Helen Kapolnek sowie eine Schweizerin und eine US- Amerikanerin verfrüht das Land verlassen. Das Massaker von Acteal, bei dem 45 Indígenas am 22. Dezember 1997 von Paramilitärs ermordet wurden, gerät bereits in Vergessenheit. Versteckt kann die mexikanische Regierung damit drohen, die aufgehobenen Haftbefehle gegen die zapatistische Führung könnten wieder eingesetzt werden, falls es nicht zum „Dialog““ komme.

Die EZLN ist in der Defensive. Für sie ist das Regierungsvorgehen ohne Gesichtsverlust nicht hinnehmbar. Andererseits hat sie wenig Reaktionsmöglichkeiten. In den letzten Jahren hat sie immer wieder auf die zivile Opposition gegen die Regierung gesetzt. Dieser Druck war nicht stark genug. Eine Stellungnahme der Zapatisten zur jüngsten Entwicklung steht noch aus. Im Raum steht Befürchtung der PRD-Fraktion an die Adresse der Abgeordneten aller Parteien: „Machen sie sich nicht zu Komplizen einer Initiative, die zur Erneuerung der Feindseligkeiten beitragen kann.“

NICARAGUA

Regierung gegen Autonomieprojekt

(Managua, 13. März 1998, alc-Poonal).- Die Regierung der Liberalen Koalition hat sich gegen die Vereinbarungen auf der IX. Versammlung der Indígenavölker und Ethnischen Gemeinden der Atlantikküste ausgesprochen. Darin ist eine neue „geschäftsführende Regierung“ für die Region ab dem kommenden Juli angekündigt. Der entsprechende Plan wurde auf der erwähnten Versammlung verabschiedet, die vom 20. bis 26. Februar stattfand und auf der Delegierte aus 386 Indígena-Gemeinden der nicaraguanischen Atlantikküste teilnahmen. Als Gäste waren dort auch Indígenas aus Honduras und vom Stamm der Abenaki aus dem Nordosten der USA anwesend.

Die Vorstellungen über die „geschäftsführende Regierung“, wurden am 8. März von Oscar Hodgson, dem Rechtsberater des Rates der Alten – der höchsten (moralischen) Autorität der zwei autonomen Regionen an der Atlantikküste – der Öffentlichkeit vorgestellt. In ersten Reaktionen der nicht-indigenen Politiker*innen von der Pazifikküste war daraufhin sogar von „Landesverrat“ die Rede. Hodgson hat erklärt, daß das Projekt keine Trennung vom nationalen Territorium zum Ziel habe. Vielmehr wollten die Indígena-Gemeinden eine Nation mit eigener Verwaltung bilden. Diese soll aus fünf Kommissionen bestehen, zuständig für Grenzzziehung, Naturvorkommen, Rechtliche und Soziale Angelegenheiten, Soziales und Kultur sowie Notstände und Menschenrechte. In der Gründungsakte wird der „geschäftsführenden Regierung das Recht zugesprochen, die Nutzung der Naturschätze zu verwalten und zu kontrollieren, Konzessionen aufzuheben, die Fauna oder Flora schädigen und eine Strategie auszuarbeiten, um den Raub der Meeresschätze zu stoppen.

Nicaraguas Bundesstaatsanwalt Julio Centeno Gomez meint, die Initiative verletze die Artikel 16, 89 und 182 der Verfassung, da die Indígena-Gemeinden unter anderem eine eigene Verfassung haben wollen. „Nicaragua kann niemals geteilt werden und die Staatsanwaltschaft wird für den Respekt vor der Verfassung sorgen“, fügte er hinzu. Centeno versichert, das Strafgesetz sehe Sanktionen für solche Fälle vor, vor allem „wenn sie im Bündnis mit einer ausländischen Initiative durchgeführt werden“. Sprecher der Regierung sagen, eine Aktion dieser Art trage nicht zum Klima der Einheit bei, das Präsident Arnoldo Alemán fördern wolle. Dieser hat angekündigt, alle drei Monate für zehn Tage von den autonomen Regionen der Atlantikküste aus zu regieren.

Innenminister Jose Antonio Alvarado verkündet unterdessen, die vom Rat der Alten beabsichtige Regierung könne auf keinerlei Unterstützung in der Bevölkerung rechnen. Erst Anfang dieses Monats hatte es in der Atlantikregion, die einen begrenzten Autonomiestatus hat, Wahlen für einem Provinzparlament vergleichbare Räte gegeben. Dabei hatte die Liberale Partei von Präsident Alemán die meisten Stimmen erhalten. Die Wahlenthaltung lag allerdings bei weit über 50 Prozent. Wenn die Regierung die neue Initiative erlauben würde, käme das einem Verlust ihres söben erst formell erreichten Einflußes aufgrund des Wahlergebnisses gleich.

HAITI

Ökologie im Grenzgebiet

(Wiesbaden/Port-au-Prince, März 1998, haiti info-Poonal).- Repräsentant*innen der haitianischen und dominikanischen Regierung unterzeichneten im Beisein von Vertreter*innen der Europäischen Kommission im Februar eine Rahmenvereinbarung über die gemeinsame Entwicklung des Grenzgebietes. Es geht um einen Ökologieplan für das Peligre-Becken, Nalga de Maco und den See Enriquillo, die im Grenzgebiet liegen. Studien sollen bezüglich der Aufforstung, Bodenerhaltung, Umwelterziehung und der Nutzung nachhaltiger Energien durchgeführt werden. Im Bereich der beiden Seen ist Öko- Tourimus vorgesehen. Die Beziehung zwischen den Nachbarländern, die sich die Insel teilen, ist nach wie vor angespannt. Gerade erst hat die dominikanische Regierung die haitianische Seite der Erpressung bezichtigt, weil die Regierung die schlechte Behandlung haitianischer Zuckerrohrarbeiter auf den dominikanischen Plantagen anprangerte. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der haitianischen Arbeiter in der Dominikanischen Republik sind zur Zeit Gegenstand einer Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

VENEZUELA

Prostituierte wollen eine Gewerkschaft gründen – landesweite

Diskussion um Moral, Menschen- und Arbeitsrechte

Von Salvador Bracho

(Caracas, 9. März 1998, npl).- Die Prostituierten in Venezuela wollen eine Gewerkschaft gründen. Ende vergangenen Jahres beantragte die Selbsthilfeorganisation „Frauenvereinigung für Wohlstand und gegenseitige Hilfe“ (AMBAR) beim Arbeitsministerium die Anerkennung als offizielle Arbeitsvertretung und löste damit eine landesweite Diskussion aus. Ende März muß das Ministerium über das Anliegen entscheiden und damit die Frage beantworten, ob die über 300.000 Sexarbeiterinnen Venezuelas ein Recht auf legale Arbeitsvertretungen haben.

Ziel der Gewerkschaft sei, die Sexarbeit zu organisieren und sicherzustellen, daß Prostituierte die gleichen Arbeitsrechte haben wie jede andere Erwerbstätige auch, erklärt Nury Pernia. Sie ist seit zehn Jahren im Gewerbe und war 1995 Mitbegründerin von AMBAR. Zu diesen Rechten gehöre ein legales Arbeitsverhältnis, das Anrecht auf Versicherungen und Gesundheitsversorgung sowie der Zugang zu staatlichen Kindergärten und Sozialleistungen, ergänzt Pernia. Die Gewerkschaft namens UNTRASEX soll vorerst nur in der Hauptstadt Caracas tätig sein und die Interessen von 25.000 Sexarbeiterinnen wahrnehmen.

Kaum hatte AMBAR ihre Pläne öffentlich gemacht, sahen sich die Initiatorinnen scharfer Kritik ausgesetzt: Von konservativer und kirchlicher Seite wie auch von Frauengruppen kamen moralische Vorhaltungen, vom Staat formale Einwände. So erklärte das Arbeitsministerium zunächst, daß die Hälfte der 150 Unterschriften, die die Gewerkschaftsgründung unterstützen, ungültig seien. Und die Debatte in den Medien hat das ursprüngliche Anliegen längst aus den Augen verloren, klagen die Mitarbeiterinnen von AMBAR: Menschen- und Arbeitsrechte auch für diejenigen, die im gern tabuisierten Sexgewerbe arbeiten.

Auf dem lateinamerikanischen Kontinent gibt es nur in Uruguay eine Gewerkschaft für Sexarbeiterinnen. Seit Mai 1996 vertritt die AMEPU (Vereinigung der berufsmäßigen Prostituierten Uruguays) in der Hauptstadt Montevideo die Sexarbeiterinnen als eingetragene Gewerkschaft. In Venezuela ist Prostitution einem Gesetz aus den 40er Jahren zufolge illegal. Paradoxerweise jedoch ist es das Arbeitsministerium, das Lizenzen für Bordelle vergibt und das Gesundheitsamt ist für die Registrierung aller Sexarbeiterinnen zuständig.

AMBAR, finanziell von der Europäischen Union und unabhängigen

medizinischen Einrichtungen in Europa unterstützt, widmet sich

unter anderem der Aidsprävention und Gesundheitsprogrammen.

Darüber hinaus setzt sich die Nicht-Regierungsorganisation für die Menschen- und Bürgerrechte ihrer Klientel ein und kämpft gegen die weitverbreitete Doppelmoral in der venezolanischen Gesellschaft. Die Mehrheit der venezolanischen Frauen, die Sexarbeit leisten, macht dies aus ökonomischen Gründen, weiß Pernia. „Das ist natürlich nichts erfreuliches, aber eine Tatsache. Deswegen wollen wir, daß eine solche persönliche Entscheidung respektiert wird.“ Eine aktive Gegnerin der Gewerkschaftsgründung ist Zoraida Ramirez, die lateinamerikanische Repräsentantin der „Koalition gegen Frauenhandel“. „Vorschläge, die Prostitution zu regulieren oder gewerkschaftlich zu legitimieren, sind immer nur im Interesse der transnationalen Sexindustrie,“ macht Ramirez geltend. Ein Recht auf Prostitution könne nicht existieren, es verletze die Würde der Frauen und habe nur noch mehr sexülle Ausbeutung zur Folge. Ramirez plädiert dafür, Sexarbeiterinnen in „das normale Leben wieder einzugliedern“. Sie ist federführend in der öffentlichen Kampagne gegen AMBAR und schrieb einen offenen Brief an den Präsidenten Rafael Caldera, einen 82jährigen Christdemokraten, damit er in dem Fall interveniert.

Die Gewerkschaften halten sich bislang bedeckt. Carlos Navarro, Generalsekretär des Dachverbandes der Arbeiter Venezuelas (CTV) erklärte unverbindlich, das Anliegen der Prostituierten auf gewerkschaftliche Organisierung sei „komplex und schwierig“. „Dieser Sektor ist bei uns nicht organisiert, da die Lösung des Problems nicht im Umgang damit, sondern in den Ursachen liegt,“ ergänzt er vielsagend. Inoffiziellen Aussagen zufolge ist die größte Arbeitervertretung des südamerikanischen Landes aber nicht bereit, UNTRASEX nach einer möglichen Gründung in den Verband aufzunehmen.

Aller Augen richten sich nun das Ministerium für Arbeit, das schließlich die Entscheidung treffen muß. Noch im Juli vergangenen Jahres hatte ein Sprecher erklärt, daß in Venezuela die „gewerkschaftlichen Rechte allen Arbeitern ohne Ausnahme zustehen“. Inzwischen ist es jedoch keine arbeitsrechtliche, vielmehr eine moralische Entscheidung, die getroffen werden muß.

Pernia, die schon an mehreren internationalen Kongressen der Prostituiertenbewegung teilnahm, erklärt die Aufregung über den Gewerkschaftsantrag mit der „Doppelzüngigkeit“ in der venezolanischen Gesellschaft. De facto sei die Prostitution nicht verboten, nur das Tema sei ein Tabu. Nur deswegen sei es möglich, daß Sexarbeiterinnen immer wieder von der Polizei verfolgt würden, ohne sich dagegen wehren zu können. „Die Prostitution muß endlich entkriminalisiert werden,“ so ihr Plädoyer.

URUGUAY

Radioboom

Von Carlos Casares und Jürgen Moritz

************************************************************ „Es ist nicht nur notwendig, es ist einfach unerläßlich, die Kommunikation zu einem ECHTEN Meinungsaustausch im Dienste der Menschen zu entwickeln. Das muß in einer Art und Weise geschehen, in der die Leute aktiv beteiligt sind und nicht IN ihrem Namen….“

Eduardo Galeano

in seiner Grußadresse an das erste Treffen der Radios Comunitarias in Montevideo „Mit den Füßen auf der Erde und der Stimme im Äther“; April 1996 ****************************************************************

(Montevideo, März 1998, comcosur-Poonal).- Radio ist das Tagesmedium Nummer Eins für die rund 3 Millionen Einwohner*innen des kleinen südamerikanischen Landes am Rio de La Plata. Radio ist gleichzeitig die wichtigste Informationsquelle für viele Menschen, zumindest bis zum Beginn der Fernsehnachrichten am Abend. Überregionale Tageszeitungen sind teuer in Uruguay, rund dreimal so teuer wie beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland und damit für viele Leute bereits unerschwinglich. In der Zentralredaktion der Hauptstadt produziert, bieten sie außerdem wenig Informationen aus den Regionen und ihr Vertrieb konzentriert sich hauptsächlich auf die Metropole Montevideo – wo rund die Hälfte der Bevölkerung lebt – und die regionalen Zentren der 19 Landesprovinzen.

Radio ist gebührenfrei und damit das billigste Informationsmedium für breite Bevölkerungsschichten. Der Hörfunk hat Geschichte in Südamerika und es war in Montevideo, wo am 15. August 1922 der weltweit zweite fest installierte Radiosender seinen Betrieb aufnahm. Eigentlich war die Anlage von General Electric damals nach Brasilien verschifft worden. Die Behörden dort untersagten jedoch die Entladung des Senders, weil die Militärs Angst hatten, daß mit diesem neumodischen Apparat militärische Geheimnisse verraten werden könnten. Ähnliches geschah in Buenos Aires und schließlich landete der Sender in Montevideo. Don Santiago Paradizabal hatte ihn für stolze 11.000 Goldpesos gekauft.

Seit über 70 Jahren boomt das Radio in dieser Region und die Uruguayer*innen sind eine passionierte HörerInnenschaft. Praktisch jeder Haushalt verfügt über ein oder zwei Rundfunkempfänger und „Radio hören“ gehört zur morgentlichen Pflichtübung, um auf dem Laufenden zu sein. Die kleinen Rundfunkempfänger sind ständig präsent im Stadtbild, ob im Bus, in den Parks, bei Sportveranstaltungen, in den Supermärkten, in Büros oder auf den Märkten – die Beschallung ist gesichert. Die Grundversorgung an Informationen, Nachrichten Kultur, Wetter und natürlich Fußball ist am besten über die landesweiten Mittelwellensender zu bekommen.

Wer sich informativ gesättigt fühlt, schaltet dann später um auf UKW. Dort ist Musikbeschallung ganz unterschiedlicher Couleur, aber in jedem Falle in HiFi- Stereo, zu bekommen. Auf beiden Wellenlängen, liebe Hörer*innen, erwartet Sie eine sarke Dosis an kommerziellen Werbespots und Eigenwerbung der Sender. Absolut gewöhnungsbedürftig für die verwöhnten Hörgewohnheiten eines Stammhörers des öffentlich rechtlichen Rundfunks in Alemania. Selbt eingefleischte Kommerzfunkhörer*innen bekommen in Uruguay mindestens die doppelte Portion Werbespots um die Ohren gesendet.

Radio als Ware

Die Radios in Uruguay sind zu 98 Prozent Privatunternehmen und werden nach streng kommerziellen Interessen geführt. Kein Radiosender und kein Programmsegment kommt ohne Sponsoren oder Werbespots aus. Nachrichten von Bayer Leverkusen, Fußball von Adidas und Coca Cola und das Mittagsmagazin von Fiat, General Motors und der Großschlachterei Carlos Schneck aus Uruguay. Radiobetreiber sind Geschäftsleute, neben hausgemachten Programmplätzen – hier kümmert sich der Sender um die Sponsoren und nimmt bekannte Radiomoderator*innen unter Vertrag – wird in der Regel Sendezeit verkauft.

Die Programmacher bezahlen einen Pauschalbetrag oder handeln aus, welcher Anteil der Werbeeinnahmen an den Sender abgeführt wird. Uruguay hat hervorragende, aber in der Regel unterbezahlte Radiojournalist*innen. Knappe Etatmittel und wenig Personal erlauben nur selten aufwendige Produktionen, aktuelle Reportagen oder gut recherchierte Hintergrundsendungen. Oft genug wird darum aus der Tagespresse vorgelesen, der Parlamentsreporter fängt die neuesten Politikerstatements ein und die restliche Sendezeit wird mit Studiogästen und einem Telefoninterview gefüllt. Nur wenige Sender können sich hin und wieder einen KorrespondentInnenbericht aus dem Ausland leisten.

Informationsquellen sind darum in der Regel die großen internationalen Agenturen aus Madrid, Atlanta, London oder New York, die ausländischen Kanäle des Kabelfersehens und einige WEB- Seiten der internationalen Presse im Internet. Meldungen aus Santiago de Chile kommen oftmals via Atlanta oder Madrid nach Montevideo. Der Knotenpunkt ist auch weiterhin in den hoch industrialisierten Ländern des Nordens.

Trotz all dieser Beschränkungen werden in Uruguay auch hervorragende Radiosendungen produziert. Mangelnde Produktionsmöglichkeiten werden von den Radiotalenten durch viel Kreativität, Improvisationskust und einen unglaublichen Arbeitseinsatz wettgenmacht. Konkrete Unterstützung und Kooperation mit den europäischen Ländern ist teilweise vorhanden. Die Deutsche Welle verschickt Cassetten mit ihrem spanischsprachigen Programm und bietet in Kooperation mit dem Göthe-Institut Fortbildungskurse für Bildungsprogramme im Radio an. Die Friedrich Ebert Stiftung unterstützte das erste Treffen der Basisradios in Montevideo im April 1996.

Medien-Monopoly

Mehr als 260 UKW und Mittelwellensender sind in Uruguay offiziell zugelassen. Für die Regierung und die privaten Rundfunbetreiber ist das schon Medienvielfalt. Sie verweisen gerne auf die hohe „Radiodichte“ in Relation zur Bevölkerung. Die Sendelizenzen werden von der Regierung vergeben. Dies geschieht ohne parlamentarische oder gesellschaftspolitische Mitwirkungsmöglichkeiten. Parteifreunde und einflußreiche Wirtschaftsunternehmen und Familien werden in der Regel bevorzugt bedient. Die Familie Scheck z.B. besitzt in Uruguay die größte Tageszeitung (El PAIS), einen der drei privaten Fernsehkanäle (Kanal 12) und mehrere Radiostationen.

Heftiger Protest kam auf, als ausgerechnet die drei privaten landesweiten Fernsehkanäle auch noch den Lizenzgenehmigung für das Kabelfernsehen in Montevideo bekamen. Uruguay ist Musterschüler im Thema Medienkonzentration. Die Kontrolle der Radio- und Fernsehfrequenzen untersteht der nationalen Behörde für Kommunikation/DNC. Sie ist seit der Militärdiktatur (1973-85) dem Verteidigungsministerium unterstellt. Fast alle Rundfunksationen sind kommerzielle Privatsender und zu 100 Prozent werbefinanziert. Einzige Ausnahme ist der staatliche Kanal SODRE mit einem klaren Kulturauftrag aber sehr wenig Haushaltsmitteln. Er sendet auf mehreren Frequenzen der Mittelwelle und seit relativ kurzer Zeit auch auf UKW.

Radio von Unten

Seit etwa drei Jahren ist etwas Bewegung gekommen in die uruguayische Radiolandschaft. Es melden sich immer wieder kleine lokale Sender zu Wort. Sie nennen sich Radios Comunitarias (Basisradios/Community Radios) und die zumeist jungen Alternativfunker*innen kommen aus sozialen Bewegungen, Stadtteilinitiativen, dem StudentInnenverband oder einfach nur aus einer Gruppe von Freunden, die endlich mal ihre Musik hören wollen.

Noch ohne offizielle Sendelizenz ausgestattet, pochen sie auf Meinungsvielfalt und das verfassungsmäßig garantierte Recht auf den Zugang zu audiovisuellen Medien. Sie fordern die Anerkennung nicht kommerzieller Radios und Fernsehstationen als gleichberechtigte Sender neben den privaten und staatlichen Medien. Eine Vorstellung übrigens, die in zahlreichen lateinamerikanischen Ländern seit Jahren zum medienpolitischen Alltag gehört.

Konservative Politiker*innen und der mächtige Verband der privaten Rundfunkbetreiber/ANDEBU tun sich bislang noch schwer bei der Vorstellung, nicht-kommerzielle Lokalsender im Äther zu akzeptieren. Sie nennen sie „Piratensender“, „illegale“, „klandestine“ oder gar „subversive“ Radios und einige Politiker*innen fordern sogar Haftstrafen zwischen zwei und sechs Jahren für die alternativen Radiobetreiber*innen. Mehrere Sendeanlagen der Radios Comunitarias wurden bereits beschlagnahmt. Die Alternativfunker*innen meldeten sich aber in der Regel postwendend im Äther zurück.

Ausgestattet mit kleinen UKW Sendern von 1-25 Watt senden heute rund 10 Basisradios, die meisten davon aus Stadtteilen Montevideos, zwei allerdings auch im Landesinneren. Sie haben sich im vergangenen Jahr zu einer „Coordinadora de las Radios Comunitarias – ECOS “ zusammengeschlossen. “ Unsere Radios waren und sind keine klandestinen Sender… sie sind auch keine Piratensender, sie sind die Stimme der Nachbarn und der Jugendlichen aus dem Stadtteil. Die Stimme derjenigen, die sonst in den Medien nur im Polizeibericht erscheinen, oder wenn sie Opfer eines schweren Unfalls geworden sind….“ kontern die Radios Comunitarias und fordern eine Diskussion über die Demokratisierung der uruguayischen Medienlandschaft.

Unterstützt werden sie in ihrem Anliegen von nationalen Nicht- Regierungsorganisationen, Menschenrechtsorganisationen, namhaften Jurist*innen der staatlichen Universität, dem Gewerschaftsdachverband PIT-CNT, der katholischen und protestantischen Kirche und mehreren internationalen Organisationen von AMARC (Weltverband der Comunity Radios) bis hin zur UNESCO. In der Bundesrepublik unterstützt unter anderem der Solidaritätsfonds Demokratische Medien in der Welt e.V/IG Medien die Koordination der Basisradios.

Die Radios Comunitarais nehmen die gute alte Radiotheorie von Bertolt Brecht ziemlich wörtlich. Radio kann Sender und Empfänger zugleich sein. Das gleiche gilt für die Hörer*innen. Gewünscht ist aktive Teilnahme im Radio. Der alternative Sender als Kommunikationszentrum im Stadtteil, als Forum für den Austausch der Student*innen untereinander und mit der Bevölkerung. „Die modernen Kommunikationsmedien machen uns zu Konsument*innen einer virtüllen Welt“, meinen die jungen Alternativfunker*innen von Radio El Puente FM (die Brücke) aus dem Arbeiterstadtteil La Teja.

Wir sind weltweit vernetzt, aber wissen nicht was mit dem Nachbarn, was im Stadtteil passiert. Wer setzt das Globale in Beziehung zu dem, was im Lokalen passiert und umgekehrt (Stichwort Globallokalisation)? Wir haben die umfassenden Informationen der Agenturen aber wer filtert sie? Wer erzählt uns die Geschichte derjenigen, die keine Homepage im Internet haben und auch nicht in den 40 Fernsehkanälen zu Wort kommen? Wie entwickeln wir eine alternative Kommunikationsform und was kann ein Radio dazu beitragen? All diese Fragen beschäftigen die alternativen Radiomacher*innen, denn sie wollen nicht länger nur Konsumenten sein.

KOLUMBIEN

Guerilla warnt US-Regierung

(Selva del Caqueta, 17. März 1998, pulsar-Poonal).- Die kolumbianische Guerilla hat die USA gewarnt, Militärberater in das südamerikanische Land zu senden, die gegen die Aufständischen arbeiten. In diesem Fall würden sie attackiert. Die entsprechende Erklärung gab Fabián Ramírez, Kommandant einer Einheit der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) ab. Erst kürzlich hatten die FARC unter seiner Leitung im Urwaldgebiet von Caqueta der Armee eine ihrer empfindlichsten Niederlagen der vergangenen 30 Jahre zugefügt. Ramírez sagt, die US-Berater mit der offiziellen Aufgabe, gegen den Drogenhandel vorzugehen, seien militärische Ziele der Guerilla. In Wirklichkeit widmeten sich diese Berater der Aufstandsbekämpfung. Die Drogenbekämpfung diene den USA in Lateinamerika als Ablenkungslüge. Laut Information des Südkommandos der US-Streitkräfte befinden sich in Kolumbien etwa 30 nordamerikanische Militärberater. Dazu kommt eine wichtige Zahl von Personen, die Radarrsysteme betreuen. Unabhängige Quellen und politische Beobachter*innen gehen von einer sehr viel höheren Zahl Militärberater aus.

CHILE

Verfassungsklage gegen Pinochet

(Mexiko-Stadt, 17. März 1998, Poonal).- Mit ein paar Tagen Verspätung machten elf chilenische Regierungsabgeordnete ihre Ankündigung doch noch wahr. Sie reichte am Montag (16.3.) eine Verfassungsklage gegen Ex-Diktator Augusto Pinochet ein, da er die Ehre des Landes aufs Spiel gesetzt habe. Mit ihrer Aktion setzten sich die Parlamentarier*innen über die ausdrückliche Bitte des christdemokratischen Regierungschefes Eduardo Frei hinweg, Pinochet nicht gerichtlich anzugehen. Andererseits warteten sie trotz vor Wochen abgegebener anderslautender Erklärung mit ihrer Klage, bis Pinochet am 11. März seinen Senatsposten antrat. Als Senator auf Lebenszeit genießt er wie zuvor als Armeechef eine Immunität, die schwer aufzuheben sein wird.

Die sozialistische Abgeordnete Isabel Allende, Tochter des 1973 von Pinochet gestürzten Präsidenten Salvador Allende, versichert, die von ihr und zehn Kolleg*innen eingereichte Klage beruhe auf juristischen Grundlagen, „die uns zeigen, daß das Verhalten von Augusto Pinochet die Ehre und Würde Chiles schwer schädigte“. Tomás Jocelyn-Holt, Abgeordneter der Christdemokraten, sagt, die Anklage leite sich aus dem negativen Einfluß auf das internationale Image ab, für das der frühere Diktator verantwortlich sei.

Es geht nicht um die Verbrechen, die unter der Diktatur begangen wurden. Offenbar glauben die Abgeordneten nicht daran, auf dem Rechtswege die Amnestiebestimmungen, die sich Pinochets Regime selbst genehmigte, zum Kippen bringen zu können. Sie verweisen vielmehr auf Aktionen, für die General Pinochet nach 1990 verantwortlich war und die ihrer Meinung nach „die Ehre und die Sicherheit der Nation gefährdeten“.

Dazu gehören unter anderem die Protestdemonstrationen, bei denen der General 1990 und 1993 Soldaten durch die Straßen marschieren ließ, um sein Mißfallen über die Nachforschungen der Menschenrechtsgruppen über die unter der Diktatur verschwundenen Personen auszudrücken. Dazu gehört auch der Streit um eine Geschäftsaktion des ältesten Pinochetsohnes, der sich mit Hilfe einiger von den Streitkräften ausgestellter Schecks um drei Millionen Dollar bereichert haben soll.

Im Zusammenhang mit der Imageschädigung für Chile wird Pinochets Beurteilung der deutschen Armee erwähnt. Diese sei aus „Kiffern, langhaarigen Gammlern, Homosexuellen und Drogensüchtigen“ zusammengesetzt, hatte der damalige Armeechef vor Jahren gemeint. Auch die Beleidigung der Familienangehörigen der mehr als 1.000 Verschwundenen wird Pinochet in der Klage vorgeworfen. Als in einigen Fällen sterbliche Überreste in Gräbern gefunden wurden, kommentierte er die Tatsache, daß jeweils zwei der Umgebrachten in einem Grab waren: „Das war eine gute Sparmaßnahme.“

Die rechte Opposition verteidigt ihr Vorbild. Der Abgeordnete Alberto Espinosa, Vorsitzender der Partei Nationale Erneuerung, spricht von einem „unverantwortlichen politischen Akt“. Mit dem Hinweis auf die Bedenken Eduardo Freis gegen die Verfassungsklage sieht er außerdem „Untreue gegenüber dem Präsidenten der Republik“. Der Senator der rechtsgerichteten Demokratischen Unabhängigen Union, Jovino Novoa, wehrt sich gegen die Klage mit dem Argument, damit werde das „Klima der Konfrontation“ verewigt und dies sei schlecht für das Land.

Die Verfassungsklage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem erstmals ein ehemaliger chilenischer Soldat die Familienangehörigen eines Opfers der Diktatur öffentlich um Vergebung bat. Nelson Bañados gab gegenüber dem katalanischen Fernsehsender TV 3 zu, vor 25 Jahren als 17jähriger Rekrut auf Befehl seiner Vorgesetzten den spanischen Priester Joan Alsina erschossen zu haben. Der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Chiles, Camilo Escalona, forderte Pinochet auf, dem Beispiel des ehemaligen Rekruten zu folgen und Reue zu zeigen. Doch da wird wohl trotz aller Widerstände eher noch die Verfassungsklage Erfolg haben.

ARGENTINIEN

Stadtluft in Buenos Aires ein bißchen freier

Von Juan Michel

(Buenos Aires, 16. März 1998, alc-Poonal).- Seit Wochenanfang (Montag, 16.3.) können die Bürger*innen der argentinischen Haupstadt Buenos Aires nicht mehr willkürlich von der Polizei verhaftet werden. So bestimmt es das neue Gesetz über Ordnungswidrigkeiten, das vom Stadtparlament verabschiedet wurde. Während die argentinische Regierung die neue Regelung kritisiert, drücken Menschenrechtsorganisationen ihre Unterstützung aus. Im Stadtparlament fiel die Entscheidung einstimmig und unter dem Applaus der Abgeordneten.

Das Gesetz, „Städtisches Zusammenleben“ getitelt, bezeichnet in 70 Artikeln 33 Ordnungswidrigkeiten – das heißt, das Zusammenleben schädigende Verhaltensweisen, die keine Delikte sind – und die entsprechenden Strafen. Dazu kommen ein neues Gesetz über Verfahrensweisen und die Schaffung von Gerichtshöfen, die sich mit Ordnungswidrigkeiten befassen müssen und das Recht auf Verteidigung der Bürger*innen garantieren. Damit ist ein halbes Jahrhundert willkürlicher Polizeimacht beendet, die gleichzeitig eine Quelle von Autoritarismus und Korruption bildete.

Zu den Verteidiger*innen der neuen Bestimmungen gehört unter anderem die Ökumenische Bewegung für die Menschenrechte (MEDH). Sie drückte in einer Erklärung ihre Freude aus über „das Ende einer Epoche, die durch die willkürliche Ausübung der Autorität markiert war“. Nun begrüßt die MEDH „eine Zeit, in der Würde, Respekt und Sicherheit der Personen und der Kommune garantiert werden“. Das Gesetz über das Städtische Zusammenleben löst die alten Polizeiverordnungen ab, mit denen Polizei regierte, das Verhalten der Bürger*innen beurteilte und die Haftstrafen anwendete. Bei diesen Verfahren konnten weder Richter*innen noch Verteidigungsanwalt*innen intervenieren. Die Verordnungen stimulierten den Polizeimißbrauch, indem sie die Verhaftung von Personen erlaubten, die durch angeblich ordnungswidrige Verhaltensweisen wie den ungenau definierten „Müßiggang“ und die „öffentliche Unordnung“ auffielen.

„Indem es transparente Arbeitsregeln festlegt, hat dieses Gesetz der Polizeibehörde die Gelegenheit zurückgegeben, ein wirklichen öffentlichen Dienst mit voller Würde auszuüben“, kommentiert die Erklärung der Ökumenischen Bewegung für die Menschenrechte. Ein Polemik provozierte das Gesetz, weil es die Präsenz von auf der Straße ihre Arbeit anbietenden Prostituierten und Travestiten nicht verbietet und ebenso Betrunkene auf den Straßen duldet. In den alten Polizeiverordnungen waren diese Verbote zwar enthalten, in der Praxis bedeuteten sie jedoch eine lukrative Einkommensquelle für korrupte Polizisten, die ihre Opfer damit erpreßten.

Einige Nachbarschaftsvereinigungen aus Stadtvierteln, in denen Prostituierte und Transvestiten ihrem Geschäft nachgehen, drückten ihre Besorgnis aus. Dies nutzte die argentinische Regierung zu einem Versuch, die Stadtregierung, die sich in den Händen der Opposition befindet, unter moralischen Gesichtspunkten zu verurteilen. Und die Polizei, die der Zentralregierung untersteht, beklagte sich über den Verlust von Machtbefugnissen.

Die MEDH sieht sich in Übereinstimmung mit anderen Menschenrechtsorganisationen, wenn sie das Gesetz unter anderem gutheißt, weil es „die Bestrafung von Situationen abschafft, die mit sozialen Problemen zu tun haben, die vorher unterdrückt wurden, um so der gesellschaftlichen Verantwortung auszuweichen“. Jetzt, wo die Last nicht mehr auf Schwächsten abgeladen werde, müßten sich allen diesen Realitäten „in positiver Form“ stellen, was einen Reflex „sozialer Reife“ darstelle.

Zu den nun definierten Ordnungswidrigkeiten gehören: unbefugtes Waffentragen, Teilnahme an Prügeleien und das Bedrängen einer Person durch eine Gruppe, Grabschändung, Minderjährige zum Betteln anzuleiten oder ihnen Alkohol zu verkaufen sowie gewalttätiges Verhalten bei öffentlichen Veranstaltungen. Die Strafen sind unterschiedlich hart. Nur wegen der allerschwersten begangenen Ordnungswidrigkeiten ist eine Inhaftierung möglich. Die Haft darf weder zehn Tage überschreiten noch in einem normalen Gefängnis abgesessen werden. Der Rest der Strafen umfaßt Geldbußen, (Geschäfts-)Schließungen, Berufsverbote, Sozialdienst und Hausverbote. Die kommenden sechs Monate wird eine Kommission des Stadtparlamentes alle Gesellschaftsgruppen anhören, um das Gesetz gegebenenfalls zu verbessern.

GUATEMALA

Wahrheitskommission: Armee mauert nach wie vor

(Guatemala-Stadt, 11. März 1998, cerigua-Poonal).- Ende März ist die erste Etappe der Arbeit der Wahrheitskommission abgeschlossen. Sie wird dann keine weiteren Belege über Menschenrechtsverletzungen während des internen Krieges sammeln, sondern mit der Auswertung beginnen. Doch nach Angaben des Kommissionsmitgliedes Otilia Lux de Coti weigern sich die Streitkräfte immer noch, wichtige Dokumente zu übergeben. Nahezu jede Gesellschaftsgruppe, die in die 36jährigen bewaffneten Auseinandersetzungen verwickelt war, habe mit der Kommission zusammengearbeitet, so Lux. Doch die Armee weise weiterhin die Anforderungen von Dokumenten, die ihre Aktivitäten zwischen 1975 und 1985 betreffen zurück. Angehörige des Militärs behaupten, in dieser Zeit seien die Aktionen der Streitkräfte entweder nicht registriert worden oder die Dokumente seien verloren gegangen.

Aldo Morales, der Leiter der Nationalen Menschenrechtskoordination (CONADEGUA), wundert sich wenig über die Weigerung der Armee, Information über diese Zeit bereitzustellen. Es war die Zeit, in der die schlimmsten Gewalttätigkeiten gegen Zivilist*innen begangen wurden. „Das Zurückhalten der Information ist ein stillschweigendes Geständnis der Armee über ihre Verwicklung in diese Verbrechen“, sagt Morales. Andere Organisationen haben der Wahrheitskommission noch in den zurückliegenden Tagen mehrere tausend Unterlagen überreicht. Außerdem gab Lux bekannt, die Kommission habe etwa 1.500 freigegebene Dokumente vom US- Außenministerium, dem Geheimdienst CIA und anderen US- Geheimdiensteinrichtungen bekommen. Sie geben Auskunft über den Zeitraum von 1954 bis zum Ende des Krieges in Guatemala 1996. Die meisten Dokumente beziehen sich auf Vorfällee, an denen US- Einrichtungen in irgendeiner Weise beteiligt waren.

Die organisierten Familienangehörigen von Verhafteten und Verschwundenen in Guatemala (FAMDEGUA) stellten der Wahrheitskommission Anfang des Monats eine große Datenbank mit 13.700 Fällen politischer Gewalt zur Verfügung. 135 dieser Gewalttaten werden der ehemaligen Guerilla der Revolutionären Nationalen Einheit Guatemalas (URNG) zugeschrieben. Die übrigen sind nach dem Verantwortlichen für die Datenbank, Pablo Yamauchi, von der Armee, den paramilitärischen Zivilpatrouillen und anderen Sicherheitskräften der Regierung begangen worden. Der Auswertungsbericht der Wahrheitskommission soll im Juli veröffentlicht werden.

Rigoberta Menchú: Frauen müssen ein neues Entwicklungsmodell

schaffen

(Guatemala-Stadt, 11. März 1998, cerigua-Poonal).- Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum ist in Guatemala immer eine umstrittene Figur gewesen. Von der Regierung während der Kriegsjahre als Guerillamitglied abgestempelt, wurde sie für viele das menschliche Gesicht des indigenen Widerstandes im Land. Aber in den jüngsten Jahren haben ihr ihre Rolle im internen Konflikt zwischen zurückkehrenden Flüchtlingen und ihre manchmal paternalistischen Methoden auch Kritik aus den Reihen der verschiedenen Volksbewegungen eingebracht.

Trotz dieser Konflikte bleibt Menchú die prominenteste Frau in der heutigen guatemaltekischen Gesellschaft. Eine ihrer Eigenschaften die die Gegner*innen der Friedensnobelpreisträgerin von 1992 beunruhigt, ist die Tatsache, daß die einzige Linie der sie folgt, ihre eigene ist. Sie kümmert sich wenig um die komplizierten diplomatischen Vereinbarungen, die den Friedensprozeß zusammenhalten. Menchú feuert ihre Salven ab, egal, ob es sich um die Regierung, die Wirtschaft, Gemeindeführer*innen oder die frühere Guerilla und heutige politische Partei der Revolutionären Nationalen Einheit Guatemalas (URNG) handelt.

Viel davon ist in ihrer Überzeugung verwurzelt, daß ihrer Meinung nach die Frauen und die Indígenas von den Entscheidungsprozeßen ausgeschlossen sind. „Sie werden keine Indígenas in den oberen Entscheidungsbereichen finden“, sagt die Maya-Führerin. „Vor allem möchte ich mich da auf die (Guerilla-)Kämpfer*innen beziehen. Die, die das Holz schleppten, die Nachrichten überbrachten, kochten – all diese Leute. Als der Konflikt endete, hatte ich den Eindruck, alles wurde wie immer von den Ladinos gelöst. Das gilt genauso für die Armee. Indígena-Soldaten wurden in jeder Ecke des Landes abgehalftert. Das hat uns tief berührt.“

Obwohl ihr die Art, wie die Friedensabkommen vom Dezember 1996 verhandelt und angewandt wurden, nicht gefällt, glaubt Menchú dennoch, daß sie eine bedeutende Öffnung im Land bewirkt haben. „Zum ersten Mal haben wir Grundlagen, den Frieden hier in Guatemala zu atmen“, sagt sie. „Aber diese Spielräume garantieren nicht, daß unser Land sich ändern wird. Die Garantie liegt darin, die Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden, die von den einfachen Leuten geleistet werden können.“

Die Maya-Indígena ist überzeugt, daß besonders die Frauen für ihre Rolle bei dieser Lösungssuche kämpfen müssen. „In Guatemala müssen wir noch einen langen Weg gehen, bevor die Frauen sich über eine wirkliche Beteiligung an Entscheidungen über dieses Land freuen können“, erklärt sie gegenüber Cerigua. „Die Mehrheit der Akteur*innen in dieser Gesellschaft sind keine Frauen. Es gibt sehr wenige Frauen, die die Gelegenheit haben, ihre Meinung auszudrücken, teilzunehmen.“ Nach Menchú müssen die Frauen sich ihren Platz erkämpfen, nicht nur in der Politik, sondern auch bei der Schaffung eines neuen partizipativen Entwicklungsmodelles für Guatemala.

„Wir Frauen haben eine Menge beizutragen“, ist sich die Friedensnobelpreisträgerin sicher. „Eine Beteiligung, die unsere Erfahrung und unser Wissen als Frauen und Mütter widerspiegelt.“ Sie will ein Modell, in dem Diskriminierung und Armut der Frauen angegangen werden, und in dem „das technische und organisative Wissen unserer Menschen in Rechnung gezogen werden“. Trotz ihrer Sprecherrolle sieht sich Menchú nicht als Vorbild. Sie gibt aber zu: „Ich bin eine Frau, die gerne obenauf steht. Ich möchte respektiert werden. Ich möchte als eine Frau gesehen werden, die kämpft, die hart arbeitet, aber nicht bereit ist, ihre Identität zu opfern.“

Den anderen Frauen gibt sie auf den Weg: „Wir alle sind wichtig. Wenn die Frauen nicht selber glauben, wichtig zu sein, dann werden sie auch nicht als wichtig angesehen. Ich würde uns allen wünschen, auf unser Selbstbewußtsein zu achten. Hoffentlich werden alle Frauen, auch die Indígena-Frauen und die Heranwachsenden, sich stolz fühlen.“ Für Menchú ist das Wichtigste, daß die kommende Generation dieses Selbstbewußtsein entwickelt. „Ich hoffe, die jungen Frauen, die nach uns kommen, werden auf sich stolz sein und sich wichtig fühlen“, betont sie. „Sie sollen sich nicht niedergeschmettert, bemitleidet und geschlagen fühlen, selbst wenn ihre Situation schwierig ist. Die Herausforderung ist, diesen Schmerz mit Stolz zu verbinden.“

KUBA/BOLIVIEN

Weitere Suche nach den Gräbern der gefallenen Guerilleros

(Havanna, 17. März 1998, pl-Poonal).- Nachdem im Juni vergangenen Jahres die sterblichen Reste von Ernesto Che Guevara und anderen Guerillamitgliedern in Bolivien gefunden wurden, wollen kubanische Expert*innen jetzt auch alle übrigen vor 30 Jahren verscharrten Leichen weiterer Kämpfer*innen finden. Die Suche konzentriert sich auf das Gebiet Vado del Yeso. Dort war am 31. August 1967 die von dem Kubaner Vitalio Acuña geleitete Guerillagruppe von einem Campesino in einen Hinterhalt der bolivianischen Streitkräfte geführt worden. Mit Acuña starben die Argentinien-Deutsche Tamara Bunke (Tania), die Kubaner Gustavo Machin und Israel Reyes Zayas sowie die Bolivianer Walter Arencibia, Moises Gevara, Apolinar Aquino und Freddy Maimura.

Nach einer Reportage im kubanischen Fernsehen gibt es mehrere Hinweise darauf, daß die Überreste von Tamara Bunke auf dem Friedhof des Ortes Vallegrande liegen. Die Militärs sollen sie ein zweites Mal beerdigt haben, um zu verhindern, daß eine bekannte Grabstätte von „Tania, der Guerillera“ zum Wallfahrtsort der Bewohner*innen von Vallegrande würde. Bereits vor kurzem war das Skelett des Bolivianers Julio Mendez gefunden worden, der am 15. November 1967 von der Armee getötet worden war. Auch die Überreste des bolivianischen Guerilleros Mario Gutiérrez waren jüngst von dem kubanischen Forschungsteam aufgespürt worden.

Am vergangenen Sonntag sind die sterblichen Hüllen der Kubaner Manuel Hernandez und Octavio de la Concepción Pedraja nach Havanna überführt worden. Auf Wunsch ihrer Familienangehörigen wurde auch mit den Überresten der Bolivianer Roberto Peredo und Julio Mendez sowie des Peruaners Edilberto Galvan Hidalgo so verfahren. Ihre letzte Ruhestätte wird in der Stadt Santa Clara sein, wo im Oktober 1997 Che Guevara und vier seiner Mitkämpfer noch einmal bestattet wurden und ein Denkmal an Guevara erinnert.

KUBA

US-Wirtschaft will investieren

(Mexiko-Stadt, März 1998, Poonal).- Etwa 50 Unternehmer aus den USA statteten im ersten Monatsdrittel der Karibikinsel einen mehrtägigen Besuch ab. Sie sprachen mit hohen kubanischen Regierungsfunktionären über Investitionsmöglichkeiten trotz des Embargos, das die USA seit 1961 gegen Kuba verhängt haben. Die Wirtschaftsleute repräsentierten 75 US-Unternehmen, darunter große Konzerne aus dem Pharmasektor, der Ölindustrie, der Nahrungmittelbranche und dem Transportwesen. Organisiert war das Treffen von der US-Consultingfirma Alamar Associates Kirby Jomes.

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