Mordserie geht weiter

Drei der jüngsten Mordopfer. Quelle: Contagioradio

(Bogotá, 1. September 2020, Contagioradio/poonal).- Im August hat sich die tödliche Gewalt in den ländlichen Gebieten Kolumbiens weiter verschärft: durch paramilitärisches Vorgehen, unterlassene Hilfeleistung seitens des Staates und territoriale Konflikte zwischen verschiedenen bewaffneten Banden. Innerhalb von 24 Stunden wurden in den Departments Meta, Cauca und Bolívar vier soziale Führungspersonen ermordet. Laut dem kolumbianischen Friedensforschungsinstitut Indepaz (Instituto de Estudios para el Desarrollo y la Paz) wurden 2020 landesweit bereits 203 Führungspersonen und Menschenrechtsverteidiger*innen getötet – das ist mehr als ein politisches Mordopfer pro Tag.

Am Nachmittag des 29. August wurde der Landwirt Jhon Montero in der Ortschaft Sinaí in der Gemeinde Argelia im Süden des Cauca von Bewaffneten aus einem Auto heraus erschossen. Montero war Vizepräsident der Elternvereinigung der Schule von Sinaí. In der Gegend um Argelia findet seit Beginn dieses Jahres ein Machtkampf zwischen bewaffneten Gruppen statt; Organisationen der Zivilgesellschaft werden dabei mit gezielten Morden eingeschüchtert.

Am selben Tag wurden Fernando «Panadero» Gaviria Garcia und Omaira Alcaraz im Süden des Departments Bolívar ermordet. Gaviria gehörte dem Nationalen Landverband CNA (Coordinador Nacional Agrario) an, während Alcaraz im Dorf San Juan für die Finanzen des Nachbarschaftsrates JAC (Junta de Acción Comunal) zuständig war. Nach Angaben von Indepaz hatte die Gemeinde mehrfach die Präsenz paramilitärischer Gruppen beklagt. Auch der Congreso de los Pueblos geht davon aus, dass hinter den Morden Paramilitärs stecken, da sich Gaviria für einen Dialog mit der Regierung eingesetzt hatte, um Garantien für die Bäuer*innen im Fall einer Substitution von Kokapflanzungen zu erhalten. Im April 2019 hatte er an einem Marsch nach Bogotá teilgenommen, um gegen die systematische Ermordung von Aktivist*innen zu protestieren.

Präsenz zahlreicher bewaffneter Gruppen

Einschüchterungsversuch der paramilitärischen AGC in Segovia im Nordosten des Departments Antioquia. Quelle: Twitter/AnálisisUrbano

Die Bewohner*innen der Regionen Sur de Bolívar, Bajo Cauca und dem Nordosten von Antioquia leben seit langem zum Teil vom informellen Bergbau, da es in der Gegend viel Gold gibt. Momentan kämpfen dort paramilitärische Gruppen wie die Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC), die Caparrapos und der Golfclan um die Vorherrschaft. Inzwischen sind 5.000 Soldaten stationiert, die unter anderem als Sicherheitsdienst für multinationale Unternehmen wie AngloGold Ashanti und Gran Colombia Gold tätig sind. Außerdem sind dort Abspaltungen der ehemaligen FARC-Guerilla sowie die ELN aktiv.

Zur selben Zeit wurde im Department Meta Julio Cesar Sogamoso von der Bauernvereinigung AGROCAFRE von bewaffneten Männern erschossen. Er war Präsident der JAC des Dorfes Barranco Colorado in der Gemeinde Puerto Rico.

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