Kolumbien

Cauca: Zwei indigene Community-Radios schließen wegen Gewaltakten


Team des zerstörten (Buenos Aires, 12. Juli 2012, púlsar-poonal-telesurrsf).- Zwei Community-Radios, die von Indigenen der Provinz Cauca betrieben wurden, haben ihren Sendebetrieb aufgrund des bewaffneten Konflikts in Kolumbien eingestellt. Bei den Sendern handelt es sich zum einen um das Radio „Voces de Nuestra Tierra de Jambaló“, dessen Sender am 3. Juli bei einer Explosion zerstört worden ist.

Angelino Fuequía von der Vereinigung der Indigenen Gemeinden des Cauca ACIN (Asociación de Cabildos Indígenas del Cauca) erklärte, dass dem Radio zudem der Strom abgedreht worden war. Die indigenen Gemeinden bemühten sich derzeit, Generatoren zu bekommen.

Schusswechsel in der Nähe von Radio „Nasa Estéreo de Toribío“

Das zweite Radio, das seinen Sendebetrieb einstellt, ist „Nasa Estéreo de Toribío“. Das Team des Radios hatte entschieden, den Sender zu schließen, nachdem die schweren Kämpfe zwischen Armee und Guerilla wieder aufgeflammt waren und es ganz in der Nähe des Senders zu Schusswechseln gekommen war. Bei den beiden Community-Radios handelt es sich um Sender der indigenen Völker Nasa, Misak, Yanacona, Totoró und Kokonuco. Die Radios sind an den Regionalen Rat der Indigenen des Cauca CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca) angeschlossen.

„Angesichts des Verlustes des Sendesignals der Radiostationen koordinieren wir unsere Informationen über das Telefon und mit unserer Gruppe „Tejido de Comunicacion“ sowie dem Kommunikationsprogramm des CRIC. Wir senden via „Radio Payumat“, erklärte Vicente Otero gegenüber der Organisation Reporter ohne Grenzen. Radio Payumat sendet von der Stadt Santander de Quilichao aus, die sich ganz im Norden der Provinz Cauca befindet. „Allerdings befindet sich der Sendeturm dieses Radios auf dem Berg Munchique, der wegen seiner Höhe auch ein strategischer Punkt ist. Dort sind auch die bewaffneten Gruppen präsent, weshalb der indigene Medienarbeiter, der sich um das Funktionieren des Senders kümmerte, den Berg verlassen musste“, beschreibt Otero die Lage.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen fordert absolute Sicherheit in den Gemeinden, ein Ende der Schießereien zwischen den Kriegsparteien. Die Zivilbevölkerung sollte zudem nicht in die Kampfhandlungen involviert werden, so die Organisation.

Regierung kündigt millionenschweren „Plan Cauca“ an

Nachdem die kolumbianische Regierung die Region Cauca Ende Juni mit mehr als 2.000 Soldaten zusätzlich militarisiert hatte, war es zu schweren Kämpfen zwischen den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und der Armee, vor allem rund um die Kleinstadt Toribío, gekommen. Die Explosion eines Sprengsatzes in einem Gesundheitszentrum Anfang Juli führte schließlich dazu, dass die mehrheitlich indigene Bevölkerung in friedlichen Protestaktionen eine Entmilitarisierung der Region sowie die autonome Selbstverwaltung ihrer Territorien forderte.

Dieser Forderung erklärte Präsident Juan Manuel Santos nach einem Ortsbesuch am 11. Juli eine Absage und kündigte stattdessen einen „Plan Cauca“ an, der Investitionen in Höhe von mehr als 275 Mio. US-Dollar vorsehe und in den kommenden Tagen publik gemacht werden soll. Das Geld werde vor allem in Sozialausgaben und Infrastruktur fließen, so Präsident Santos.

 

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