San Dioniso Ocotepec kämpft um sein Wasser

Zwei Männer unterhaltenden sich am Rande eines Speicherbeckens
Ciriaco Hipólito Nuñez unterhält sich mit Teilnehmer des Rundgangs, Foto: Knut
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(Oaxaca, 02. Juli 2026, npla).- Seit Jahren kämpfen die Gemeinden im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca mit zunehmendem Wassermangel. Die durch die sich verschärfende Klimakrise verursachte andauernde Trockenheit lässt in vielen Orten die Grundwasserleiter versiegen, was die lokale Wasserversorgung gefährdet. Im Winter 2023/24 brach in vielen Gemeinden des südmexikanischen Bundesstaates Oaxaca die Wasserversorgung zusammen. Die nationale Wasserbehörde CONAGUA warnte vor akuter Wasserknappheit in der Hauptstadt Oaxaca de Juárez. Ursache: Aufgrund der Klimakrise kommt es zu mehr und längeren Dürreperioden. Wegen des fehlenden Regens versiegen Grundwasserleiter und trocknen Speicherbecken aus. Um dem etwas entgegenzusetzen, gründete sich das „Foro oaxaqueño del agua“ – das Wasserforum Oaxacas. Laut Projektkoordinator Mauricio del Villar gehören dem Wasserforum Behörden, Kommunen, Akademiker*innen und vor Ort lebende Menschen an, die auf regelmäßigen Treffen über das Thema Wasser diskutieren.

San Dionisios Strategie gegen den Wassermangel

Im Dezember 2025 fand das 67. Treffen des Wasserforums in San Dionisio Ocotepec statt. Die Gemeinde wollte ihre Strategie, der zunehmenden Trockenheit und dem Wassermangel entgegenzutreten, vorstellen. Seit Jahren stellte sie nämlich fest, dass die Grundwasserspiegel immer weiter absanken. Deshalb entschied die Dorfversammlung, die Grundwasserleiter wieder aufzufüllen, und zwar über die Versickerung von Regenwasser. Die Gemeindevertreter wollten ihr Versickerungsprojekt aber nicht nur kurz vorstellen, sondern auch anschaulich erklären, wie es funktioniert. Und das geht am besten vor Ort. Deshalb trafen sich einige Teilnehmer*innen des Treffens am darauffolgenden Morgen an der Gemeindeverwaltung und fuhren nach einem gemeinsamen Frühstück zu den im Rahmen des Projektes ausgehobenen Versickerungsbecken. Um San Dionisio herum wurden mehrere Speicherbecken ausgehoben. Das besondere an diesen: Sie dienen nicht der Wasserversorgung des Ortes. Das aufgefangene Regenwasser soll nämlich die Grundwasserleiter wieder auffüllen. Aus diesen kann dann wieder das Wasser für den täglichen Bedarf und die Bewässerung der Felder bezogen werden.

Selbstverwaltung hilft indigenen Gemeinden voranzuschreiten

Von dieser Idee konnte die Gemeinde nicht nur eine lokale Stiftung, sondern auch die Weltbank überzeugen. Beide zusammen sagten die Finanzierung für den Bau einer Reihe von Versickerungsbecken zu. San Dionisio schaffte es jedoch, mehr als doppelt so viele zu bauen, wie finanziert wurden. Möglich wurde das durch das Tequio, erklärt Ciriaco Hipólito Nuñez, San Dionisios Zuständiger für das Gemeinschaftsland. Denn in den indigenen Gemeinden zähle vor allem, etwas gemeinsam zu schaffen und nicht zu konkurrieren, fügt er hinzu. Tequio ist fester Bestandteil des Lebens in den indigenen Gemeinden Oaxacas. Als Tequio wird unbezahlte Gemeinschaftsarbeit bezeichnet, welche die Gemeindemitglieder zum Wohle aller verrichten. Auf Dorfversammlungen entscheiden die Bewohner*innen, welche wichtigen Arbeiten anstehen, und in den Nachbarschaften organisieren sie sich dann, um diese gemeinsam zu verrichten. Am Tequio beteiligen sich alle Gemeindemitglieder, Männer, Frauen, Jugendliche und zum Teil auch Kinder. So werden aus den Projekten der Gemeinde Projekte, hinter denen die gesamte Dorfgemeinschaft steht, ergänzt Cresencio Nuñez Martínez, Präsident des Gemeinderats von San Dionisio Ocotepec. Für Mauricio del Villar ist Selbstverwaltung auch die Voraussetzung dafür, dass Gemeinden ihre Daseinsvorsorge in die eigene Hand nehmen und sich so ihre Autonomie bewahren können. Sie verlieren diese Autonomie, wenn das andere für sie übernehmen.

Vor der Rückfahrt erwartet die Teilnehmer*innen des Rundgangs noch ein kleiner Snack mit Tejate und Mezcal. Denn das gemeinsame Feiern ist wichtiger Bestandteil der indigenen Kultur. Es ermöglicht, Erlebtes zu reflektieren und neue Ideen zu diskutieren.

Zu diesem Artikel gibt’s auch ein Audio und einen Videobeitrag.

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