Kaffeeanbau und Solidarität mit Erdbebenopfern

Erdbeben
Die Blüten des Kaffeestrauchs
Foto: barloventomagico via flickr
CC BY-NC-ND 2.0

(La Guapa, 27. Juni 2026, colombiainforma).- 2006 wurde in den Bergen des Nationalparks Yacambú eine Produktionsanlage errichtet, an dem Kaffeeproduzent*innen ihren eigenen Rohstoff verarbeiten konnten. Seit 2024 wird das Unternehmen von den Kommunen getragen. Trotz Wirtschaftsblockade und Sanktionen hat sich die Fabrik zu einem Modell entwickelt, das Produktionseffizienz, gemeinschaftliche Verwaltung und Solidarität vereint. Nach dem doppelten Erdbeben im Zentrum des Landes hat das „Kommunalverwaltete Sozialunternehmen Cafetalera Enriquito Colmenares“ eine Sammelstelle für Lebensmittel und Hilfsgüter eingerichtet. Die Geschäftsführung ist sich einig, dass die Unterstützung der Betroffenen im Zentrum Vorrang hat.

 

Solidarische Produktion

Moises Soto ist Ingenieur, Landwirt und einer der Geschäftsführer des Kaffeeunternehmens. Er erzählt uns die Geschichte der Fabrik: „Präsident Chávez hatte die Idee, dass wir Kleinerzeuger*innen unseren Rohstoff hier vor Ort verarbeiten sollten. Es gibt in Venezuela sechs solcher Fabriken in den Kaffeeanbaugebieten.“ Nach der Eröffnung folgten wechselvolle Jahre. Die Fabrik ging durch viele Hände, aber die Grundidee einer kooperativen Anlage, die der Bevölkerung zugutekommen sollte, wurde nie mehr erreicht. Schließlich gelang den organisierten Kleinerzeuger*innen, die wirtschaftliche Krise der Fabrik zu überwinden und die Anlage zu übernehmen: Im Oktober 2024 übertrug Präsident Maduro die Fabrik an das Ministerium für Kommunen, und im November erfolgte die Übergabe an die Kaffeeproduzent*innen. Moises übernahm gemeinsam mit zwei weiteren die operative Verantwortung: „Als wir ankamen, glaubten die Leute nicht an uns. Sie sagten: ‚Diese Blagen werden das Unternehmen ruinieren.‘ Aber eine staatliche Bank lieh uns eine Million Dollar. So konnten wir die Anlage modernisieren und nach sechs Monaten den ersten Export in die USA und nach Italien tätigen. Nach sieben Monaten haben wir die Marke Vencafé Na´guará auf den Markt gebracht.“ Das Unternehmen funktioniert nach einer anderen Logik. Keine Chefs, dafür drei Fonds: Betriebsunterhalt, Unterstützung der Erzeuger*innen und soziale Reinvestition. „Hier gibt es keine Präsidenten oder Vizepräsidenten. Wir sind drei Verwalter*innen: zwei staatliche und eine von den Gemeinden. Die Überschüsse aus den Exporten fließen in die Gemeindebanken und werden im Straßenbau, im Gesundheits- und Bildungswesen eingesetzt“, erläutert Soto.

Qualität und Produktionsplan

Verwalter Daniel Suárez lobt die Produktivitätssteigerung und das Bekenntnis zur Qualität. Das Unternehmen erhielt das internationales Gütesiegel IGP, das die Qualität des Kaffees bescheinigt. „Wir haben Erzeuger, die Spezialitätenkaffee mit hervorragenden Bewertungen produzieren. Das verschafft uns einen Vorteil auf dem internationalen Markt“, fügt Moisés Soto hinzu. Vor dem Hintergrund zahlreicher Rückschläge hebt er die Fortschritte der letzten Jahre hervor, darunter den Übergang zu einer umweltverträglicheren Produktionsweise, mit der ein qualitativ hochwertiges Produkt mit hohen Bewertungen erzielt wird, insbesondere bei Spezialitätenkaffees. In diesem Jahr erhielten sie die Zertifizierung als Kaffee-Exportunternehmen und wurden damit zur ersten kommunalen Organisation, die zur Teilnahme am Außenhandel berechtigt ist. Die Initiative ist Teil des kommunalen Kaffeeplans, der die Produktion stärken, die Standards anheben und den venezolanischen Kaffee auf dem internationalen Markt als ein Produkt positionieren soll, das Deviseneinnahmen generieren kann. „Für uns als Produzent*innen ist es ein Traum, ein Unternehmen zu haben, das wirklich uns gehört und bei dem alle anfallenden Überschüsse in die Grundbedürfnisse der Kaffeeproduzent*innen reinvestiert werden, wie zum Beispiel Straßen, Gesundheit, Bildung und vieles mehr. Wir sind sehr stolz darauf, dass dieses Unternehmen in den Händen der Kaffeebäuerinnen und -bauern liegt, denn es ist das einzige im Bundesstaat Lara, das die gesamte Kaffeekette abdeckt, von der Produktion bis zur Vermarktung“, schwärmt Verwalterin Ivianny Alvarado. In der Region, aus der sie stammt, wird seit vielen Jahren Kaffee angebaut. Schon als Kind lernt man dort alles über diesen Wirtschaftszweig – vom Samen über die Baumschule, die Produktion bis hin zur Nachernte.

Solidarität mit den Erdbeben-Opfern

Für Moisés Soto ist klar: Das Leben und der Zusammenhalt der Bevölkerung haben Vorrang vor ideologischen Auseinandersetzungen. Nach dem doppelten Erdbeben im Zentrum des Landes hat das „Kommunalverwaltete Sozialunternehmen Cafetalera Enriquito Colmenares“ eine Sammelstelle für Lebensmittel und Hilfsgüter eingerichtet. Nach den beiden aufeinanderfolgenden Erdbeben haben die venezolanischen Behörden bislang 302 Nachbeben registriert. Durch das Unglück wurden schwere Schäden in Caracas, La Guaira, Aragua, Miranda, Carabobo, Falcón und Yaracuy verursacht. Zwei Tage später richtete das Unternehmen die Sammelstelle ein, an der Lebensmittel, Kleidung und Medikamente für die Betroffenen abgegeben werden können. „Das ist unser solidarischer Beitrag“, erklärt Ivianny. Gemeinsam mit anderen sortiert sie in den Büroräumen des Unternehmens die eingegangenen Spenden in Kisten und Säcken, um sie mit Firmenfahrzeugen nach La Guaira zu transportieren. „Alle haben gespendet, was sie konnten, was so dahatten. Wir sind ein solidarisches Land, das trotz aller Widrigkeiten immer bereit ist, Hilfe zu leisten.“ Im ganzen Land wurden zahlreichen Sammelstellen eingerichtet, um lebensnotwendige Güter zusammenzutragen. Die Hilfe aus der Bevölkerung ergänzt den umfassenden zivil-militärischen Einsatz, den die venezolanische Regierung organisiert hat, um den Tausenden von Betroffenen sofortige Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

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