34. Frauen*treffen bringt über eine halbe Million auf die Straße

Foto: Lidia Barán – ANRed

(La Plata, 14. Oktober 2019, medio a medio). Mehrere zehntausend Frauen haben am vergangenen Sonntagnachmittag bei schönstem Sonnenwetter den Rio de la Plata in Aufregung versetzt. Die Demonstration mit hunderttausenden Teilnehmer*innen bildete den Höhepunkt des 34. Nationalen Frauen*treffens (ENM). Unter Rufen wie „Für eine legale Abtreibung im Krankenhaus!“, „Schluss mit Femiziden, Ausbeutung und dem Handel mit unseren Körpern“ füllten Frauen und Queers die breiten Straßen der Stadt. Mit ihren grünen Halstüchern zogen sie durch ganz La Plata bis zum Fußballstadion Estadio Unico. „Was für ein Moment, was für ein Moment, trotz allem haben wir es geschafft, dieses Treffen auf die Beine zu stellen“, sangen die Aktivist*innen, als sie am Sitz der Provinzregierung von Buenos Aires vorbeikamen, und feierten mit lautstarken Parolenrufen die Plurinationalität ihres Treffens. Obwohl das Regierungsgebäude umzäunt war, konnte man ein grünes Tuch erkennen, das aus einem Fenster hing.

Sternmarsch gedenkt der Verschwundenen

Seit vier Uhr nachmittags hatten die Organisator*innen des Treffens die Teilnehmer*innen in der Nähe der Straßenkreuzung versammelt, an der die 2017 verschwundene Johana Ramallo zum letzten Mal gesehen wurde. Ihre Leiche fand man zwei Jahre später im Mai 2019. Während linke Gruppierungen über die Diagonal 79 zogen, lief das Orgakomitee des Frauen*treffens über die Diagonal 54, dann traf sich die Gruppen an der Plaza San Martín. Nach Angaben der Organisator*innen hatte die Demonstration eine Länge von insgesamt drei Kilometern. Hinter dem Frontbanner des Komitees trug eine Gruppe von Frauen große rosa Buchstaben, die die Worte „Wir sind alle“ („Somos todas“) bildeten. Die Demonstration von Frauen und Queers führte auch am Sitz der Provinzregierung von Buenos Aires vorbei. Dort protestierten die Teilnehmenden mit lautem Singen gegen die jüngsten Kürzungen der Mittel zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt.

Breites Bündnis

Neben Politiker*innen, Gewerkschafter*innen und Universitätsangestellten, Frauenverbänden aus unterschiedlichen Provinzen, Schülerinnengruppen, Trans*frauen und Travestis nahmen auch Angehörige der abolitionistischen Bewegung an der Demo teil, die traditionell den Abschluss des Treffens bildet. Die abolitionistische Kampagne, die sich für die Abschaffung der Prostitution als Art des Menschenhandels einsetzt, hatte den Aufruf zu der Demonstration mit unterstützt.

Nora Pulido (67), Mitglied der Abolitionist*innenbewegung, äußerte sich dazu: „ Wir wollen, dass keine einzige Frau mehr Opfer von Prostitution wird. Wir sind nicht gegen die Prostituierten, wir glauben aber, dass unsere Gefährtinnen durch die Armut und das Patriarchat doppelter und dreifacher Diskriminierung ausgesetzt sind. Guck dir all die Jugendlichen an, die uns hier begleiten. Die jungen Frauen sind es leid, zum Objekt degradiert zu werden. Sie haben die Pornografie und die gewaltvolle Nutzung unserer Körper durch die Machos satt. Prostitution ist ein Stützpfeiler des Patriarchats. Wir wollen eine Welt ohne Unterdrücker, ohne Ausgebeutete und ohne Prostitution als Mittel der Frauenunterdrückung. Das ist die Welt unserer Zukunft.“

Cata (16), hört ihr bewundernd und zustimmend zu und wird später erzählen: „Das war das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist, ist die Teilnahme an diesem Treffen. Hier komme ich mit jungen Frauen aus dem ganzen Land zusammen, wir sehen, dass uns das gleiche passiert, es gibt mir Kraft, um für das Recht auf Abtreibung zu kämpfen und dagegen, dass sie uns immer noch umbringen.“
„Die grüne Welle kann niemand mehr aufhalten, wir werden das Recht auf Abtreibung durchsetzen. Es berührt mich zu sehen, was wir schon alles erreicht haben, so junge Frauen zu treffen, die so deutlich für das Recht auf legale, sichere und kostenlose Abtreibung eintreten“, sagte Elena (56) die zu keiner bestimmten Gruppe gehört und spontan zur Demo gestoßen ist, als diese an ihrem Haus vorbeizog.
Außerdem nahmen Familienmitglieder der Opfer von Femiziden teil. Marta Monteros Tochter Lucía Pérez war vor zwei Jahren im Alter von 16 Jahren in Mar del Plata vergewaltigt und ermordet worden. „Wir wollen unsere Töchter lebend und unversehrt“. rief Montero mit einem Foto ihrer Tochter in der Hand.

„Diese Demo zeigt, wie stark wir geworden sind und was wir bereits erreicht haben“, begeistert sich die 45-jährige Tania, die im Block der Beamt*innen mitläuft.
Mariela (44) ist aus der Provinz Chubut gekommen, um am Treffen teilzunehmen: „Das hat mir viel Kraft und Energie geschenkt, und die Hoffnung, dass wir Frauen schaffen, was wir uns vornehmen“, schwärmt sie.

Unter der Fahne mit der Aufschrift „Feministischer Fußball“ sangen Dutzende Frauen: „Ich will schon immer spielen und das Patriarchat verfolgt mich, sie werden irgendwann verstehen, dass der Ball keine Heteronormativität kennt, wir sind Schwestern, wir spielen im Rudel.“

Störungsfreie Demo, Escrache zum Abschluss

Die offizielle von der Kommission geplante Route verlief zum größten Teil störungsfrei. Vor der Plaza Italia strömten große Teile der Demo Richtung Kathedrale. Einige drangen bis zur Plaza Moreno vor und veranstalteten ein „Escrache“ (Protestform mit Trommeln, Lärm, Performance und ggf. Täterouting) vor der Kirche, während andere zur 13. Straße weitergeleitet wurden.

Der Vorplatz des Estadio Único bildete den Endpunkt der offiziellen Route, am Montag um 9 Uhr endete das Frauentreffen mit der Abschlussveranstaltung, bei der die Zusammenfassungen der vielen Workshops verlesen wurden. Wie der Applausometer zum Abschluss ermittelte, wird das nächste jährliche Frauentreffen in San Luis stattfinden.

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