Monseñor Romeros Auferstehung? Wahlsieg von Mauricio Funes weckt viele Hoffnungen

von Torge Löding, San Salvador / San José

(San José, 19. März 2009, voces nuestras).- Ausgelassene Freude und Erleichterung, das war die Reaktion der Menschen auf den Straßen von San Salvadors am Morgen nach dem Wahlsieg des Kandidaten der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí FMLN. Der gemäßigte Linkspolitiker und ehemalige Journalist Funes setzte sich nach dem offiziellen Endergebnis mit gut 51 Prozent gegen den Kandidaten von der seit 20 Jahren regierenden ultrarechten ARENA-Partei durch. Gegenüber Journalisten sagte Salvadors lutherischer Bischof Medardo Gómez, dass die neu gewählte Regierung die erste des Landes sein werde, welche für die Armen arbeiten werde. Geistliche aus aller Welt bezeichneten den Machtwechsel als „Wunder Monseñor Romeros“.

Der katholische Erzbischof von San Salvador, Begründer der Befreiungstheologie und Kritiker der Militärdiktatur, war 1980 während einer Messe von Schergen der Junta ermordet worden. Daraufhin erhob die linke FMLN-Guerilla die Waffen gegen das Unrechtsregime und senkte sie erst 1992 nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrages. Die seit 20 Jahren regierende ARENA-Partei wurde von dem berüchtigten Chef der Todesschwadronen Roberto D’Aubuisson gegründet – einem der Verantwortlichen für die Ermordung des Bischofs Romero.

Während internationale Wahlbeobachter*innen der Europäischen Union und der Organisation Amerikanischer Staaten die Wahl am Sonntag, den 15. März, als einen „sauberen Prozess ohne größere Vorkommnisse“ bezeichneten, widersprechen costaricanische Beobachter*innen dieser Sicht. „Die Anzahl der Unregelmäßigkeiten und Betrugsversuche war erschreckend“, sagte Josue Arévalo, der mit seinem ebenfalls costaricanischen Kollegen José Maria Villalta als internationaler Wahlbeobachter am Geschehen teilnahm. Unter anderem bestätigen die beiden, dass die ARENA-Partei massiv Staatsbürger aus zentralamerikanischen Anrainerstaaten mit gefälschten Dokumenten zur Abstimmung mobilisiert habe. Ein weiteres Delikt war der Bruch des Wahlgeheimnisses von Wähler*innen, die ihre ARENA-Stimme offen zeigten. „Offensichtlich, weil sie unter Druck gesetzte wurden. Und die Vertreter des Obersten Wahlgerichts TSE glänzten durch Abwesenheit. Bei all den Vorfällen gab es keine neutrale Instanz, die versuchte, einen Ausgleich herzustellen“, sagte Villalta. Das Verhalten der TSE-Vertreter mag wenig verwundern, war der Vorsitzende Walter Araujo zuvor doch ARENA-Vorstand und Abgeordneter.

Nicht nur aus Begeisterung über den Wahlsieg von Mauricio Funes strömten am späten Sonntagabend viele Zehntausende seiner Unterstützer*innen in das Zentrum der Hauptstadt El Salvadors, sondern vor allem aus Angst vor einem drohenden Wahlbetrug. Denn das Oberste Wahlgericht hatte zwar verkündet, dass Funes mit mehr als 51 Prozent der Stimmen vor Rodrigo Avila nach Auszählung von über 90 Prozent der Stimmen führe. Ein Sieger sollte aber erst 48 Stunden später ernannt werden. Eine derartige Verzögerung eines offiziellen Ergebnisses hatte es bei Wahlen in El Salvador noch nie gegeben. Der diesbezügliche Kommentar des TSE-Chefs Walter Araujo weckte Sorge unter den FMLN-Wählern: „Das kann jeder für sich selbst interpretieren.“ Als die Demonstrationen und Siegesfeiern in den frühen Morgenstunden endeten, hatte Avila seine Niederlage aber eingestanden, und San Salvador bettete sich friedlich zur Ruhe. „Wir stehen vor großen Aufgaben und beginnen gleich morgen damit, sie in Angriff zu nehmen“, hatte Funes den Demonstrant*innen zuvor noch zugerufen.

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