Peru

Nordamerikanische Filmemacher aus Peru ausgewiesen


Von Serena Pongratz

Peru: Polizisten im Einsatz für den Bergbaukonzern Hudbay

Peru: Polizisten im Einsatz für den Bergbaukonzern Hudbay (Screenshot aus „Fraude de Flin Flon“) / Quelle: John Dougherty

(27. April 2017, amerika21).- Vergangenen Freitag sind nach der öffentlichen Vorführung einer Dokumentation zu Minenaktivitäten des kanadischen Unternehmens Hudbay der US-amerikanische Journalist John Dougherty und die kanadische Lateinamerika-Koordinatorin der Nichtregierungsorganisation (NGO) Mining Watch Canada festgenommen worden. Wenige Stunden später waren sie wieder frei. Das Innenministerium gab nun bekannt, dass beide wegen Störung der öffentlichen Ordnung des Landes verwiesen werden.

Sprecher des Innenministeriums erklärten, dass die Nordamerikaner*innen am 15. April mit einem Touristenvisum in das Land eingereist waren. Mit einem solchen dürfen sie weder arbeiten noch einer bezahlten Tätigkeit nachgehen. „Die Staatsgewalt hat zuverlässige Informationen, dass diese Bedingung nicht erfüllt wurde, da sie sich dem Aufbringen der Bewohner verschiedener Orte und ländlicher Gemeinden gegen die kanadischen Minenaktivitäten gewidmet haben“, heißt es in der Begründung. Die Offiziellen fügten hinzu, dass Cusco zuletzt im November vergangenen Jahres Schauplatz gewalttätiger Proteste gegen Minen war.

Lokale Umweltschützer*innen, Kongressabgeordnete und Anwält*innen wiesen die Vorwürfe als konstruiert und ungerechtfertigt zurück und bezeichneten die Festnahme als Versuch, Dougherty als Journalisten und Moore als dessen Übersetzerin zum Schweigen zu bringen. Die Darstellung einer Filmvorführung als bezahlte Tätigkeit sei „lächerlich“, erklärte Juan Carlos Ruíz, Anwalt der Organisation Instituto de Defensa Legal. Auch der Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung sei rechtlich nicht haltbar. Die bergbaukritische NGO CopperAccion wies darauf hin, dass die Einreise via Touristenvisum gängige Praxis unter beispielsweise Konferenzteilnehmer*innen sei, die bisher nicht an der Ausübung ihrer Tätigkeiten gehindert wurden.

„Die Situation, die sich am Freitag ergeben hat, ist nicht auf unseren Aufenthaltsstatus zurückzuführen, sondern darauf, dass Hudbay versucht, die Kontrolle darüber zu erhalten, auf welche Informationen die Gemeinden in der Nähe seiner Mine Zugriff haben“, erklärte Moore selbst zu den Vorgängen. Sie und Dougherty berichteten übereinstimmend, seit ihrer Ankunft in Peru am 15. April von fremden Personen verfolgt und gefilmt worden zu sein. Auch seien Mitglieder der Gemeinden, die sie besuchten, von Polizist*innen über sie ausgefragt wurden.

Die gezeigte Dokumentation „Fraude de Flin Flon“ (hier in englischer Sprache) zeigte Aktivitäten von Hudbay in Kanada, USA, Guatemala und Peru und geht speziell auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen durch den Konzern ein. Moore äußerte weiter den Verdacht, dass die Polizei möglicherweise nicht auf staatlichen Befehl gehandelt habe: „Wir wissen, dass Hudbay Verträge mit der nationalen Polizei in Peru hatte, um ihre Einflusszonen in Cusco zu schützen. Es ist also durchaus möglich, dass die Polizei unter den Befehlen des Unternehmens gehandelt hat oder ihre Verpflichtungen dem Unternehmen gegenüber erfüllt hat, und nicht die gegenüber der öffentlichen Sicherheit.“

Diese auch in der Dokumentation gezeigte Zusammenarbeit zwischen Bergbauunternehmen und Polizei ist gängige Praxis und gesetzlich erlaubt. Bergbaukonzerne können so Polizisten beispielsweise für die Bewachung ihrer Minen oder die Niederschlagung von Protesten anheuern.

Während der Entstehung der Dokumentation hätten sie Hudbay die Möglichkeit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und gegen mögliche Fehler in der Darstellung vorzugehen. Dies sei jedoch nicht passiert, so der Filmemacher.

Am Mittwoch wurde die Dokumentation erneut in der Hauptstadt Lima vorgeführt. Dougherty war zu einer anschließenden Diskussion via Skype zugeschaltet.

CC BY-SA 4.0 Nordamerikanische Filmemacher aus Peru ausgewiesen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Anlässlich der Verhaftung von Jennifer Moore und John Dougherty in Cusco Von José De Echave C., cooperacción Verhaftung von Moore und Dougherty nach der Filmvorführung / Foto: Cooperacción (Lima, 24. April 2017, servindi).- Nach und nach verbreitet sich die Nachricht rund um den Globus: Jennifer Moore, Vertreterin von Mining Watch Canada und John Dougherty, Journalist und Dokumentarfilmer aus den USA, wurden am vergangenen Freitag, 21. April, in der Stadt Cusco verhaftet. Beide waren nach Peru zurückgekommen, um das Ergebnis einer aufwän...
Film- und Bergbauaktivist*innen Dougherty (USA) und Moore (Kanada) nach Filmvorführung verhaftet Der Film "Fraude en Flin Flon" ist für den Minenbetreiber HudBay ziemlich unbequem / Bildquelle: servindi (Lima, 22. April 2017, servindi-poonal).- Nach der Vorführung des Films "Fraude en Flin Flon" im Rahmen des Filmforums "Conflictos mineros: de Canadá al sur andino" in Cusco am 21. April, sind John Dougherty (USA) und Jennifer Moore (Kanada) beim Verlassen der Räumlichkeiten von Polizisten der Sicherheitspolizei verhaftet worden. Dougherty ist der Regisseur des Dokume...
Autoritärer Umbau von Staat und Justiz Von Jutta Blume Kämpft gegen den undemokratischen Umbau von Staat und Justiz: Die ehemalige Richterin Tirza Flores / Foto: Hondurasdelegation (Berlin, 23. Juli 2017, npl).- Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang verboten hatte. Da Hernández‘ Nationale Partei die staatlichen Institutionen weitgehend kontrolliert,...
Ehe für alle oder sexuelle Dissidenz? José Carlos Henriquez versteht sich als sexueller Dissident. Foto: Markus Plate "Ehe für alle" - jetzt auch in Deutschland. Sexuelle Vielfalt überall. In Lateinamerika und weltweit ist der Juni der Monat der sexuellen Vielfalt. Mit dem „Christopher Street Day" wird jedes Jahr an die Stonewall-Unruhen in New York im Jahre 1969 erinnert. Der Widerstand von Schwulen und Trans*Personen gegen willkürliche Verhaftungen gilt als Wendepunkt im Kampf für Gleichbehandlung und Anerk...
onda-info 412 Hallo und willkommen zum onda-info 412! In Berlin haben wir die Ausstellung„Huellas de la la Memoria - Spuren der Erinnerung“ besucht. Eine beeindruckende Raum-Installation über die Verschwundenen in Mexiko und die Suche der Angehörigen. Bis zum 22.7. könnt ihr die Ausstellung noch in der Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg in Berlin sehen, natürlich kostenfrei. Danach geht es für zwei Beiträge nach Honduras. 16 Monate nach dem Mord an der Umwelt- und Menschenrechtsa...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.