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Film- und Bergbauaktivist*innen Dougherty (USA) und Moore (Kanada) nach Filmvorführung verhaftet


Der Film "Fraude en Flin Flon" von Regisseur Dougherty ist "zensiert" /Bildquelle: Servindi

Der Film „Fraude en Flin Flon“ ist für den Minenbetreiber HudBay ziemlich unbequem / Bildquelle: servindi

(Lima, 22. April 2017, servindi-poonal).- Nach der Vorführung des Films „Fraude en Flin Flon“ im Rahmen des Filmforums „Conflictos mineros: de Canadá al sur andino“ in Cusco am 21. April, sind John Dougherty (USA) und Jennifer Moore (Kanada) beim Verlassen der Räumlichkeiten von Polizisten der Sicherheitspolizei verhaftet worden. Dougherty ist der Regisseur des Dokumentarfilms, Moore eine Protagonistin, die bei Mining Watch aktiv ist. Die beiden wurden nach etwa fünf Stunden wieder freigelassen, dürfen Cusco jedoch bis Montag nicht verlassen, da noch ein Dokument unterzeichnet werden müsse. Dies teilte José de Echave von der Nichtregierungsorganisation (NRO) CooperAcción per Twitter mit.

Vorwand: Klärung des Aufenthaltsstatus

Die Organisation hatte die Veranstaltung mitorganisiert. Der Film „Fraude en Flin Flon“ setzt sich kritisch mit dem Unternehmen HudBay und den Folgen seiner weltweiten Bergbauprojekte für die lokalen Bevölkerungen auseinander.

Nach Angaben von CooperAcción waren an dem Einsatz in Cusco etwa 15 Polizisten beteiligt, die in zwei Autos auf die beiden Ausländer*innen gewartet hatten. Bei einem Auto handelte es sich um offizielles Fahrzeug. Beamte der Sicherheitspolizei hätten später in den Räumen der Migrationsbehörde erklärt, Grund für dieses Vorgehen sei eine Klärung des Aufenthalts-Status der beiden Ausländer*innen gewesen, berichtet RPP mit Verweis auf Pulso Regional de Cusco.

„Widerrechtliches, nicht verfassungskonformes Vorgehen“

Als Tourist*innen eingereiste Ausländer*innen dürfen – nicht nur in Peru – keine Arbeit aufnehmen und sich nicht politisch betätigen. Ist dies der Fall, können sie des Landes verwiesen werden. Praktische Anwendung findet diese Regelung jedoch eher auf politisch unbequeme Tourist*innen oder Personen, bei denen solch ein Agieren vermutet wird.

Proteste und scharfe Kritik wegen des Vorgehens der Behörden kamen von den Abgeordneten Edgar Ochoa und Marco Arana (beide Frente Amplio), die sich mit den Verantwortlichen in den Regionalbüros der Sicherheitspolizei in Verbindung setzten und Aufklärung forderten. Auch ein Vertreter der US-Botschaft setzte sich vor Ort in Kenntnis, wie das Portal la mula berichtet.

Als “widerrechtliches, nicht verfassungskonformes Vorgehen, das praktisch einen Fall von Zensur darstellt, mit dem verhindert werden soll, dass derartige Videos verbreitet werden und der nur dem Zweck dient, andersdenkende und kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen” hat Juan-Carlos Ruiz, Rechtsanwalt und Experte für Menschenrechte und Verfassungsrecht vom Instituto de Defensa Legal (IDL) das Vorgehen der Behörden in einem Statement verurteilt.

Einschüchterungsversuch – und kein Einzelfall

Es sei bedauerlich, dass die Polizei Cuscos sich für dieses Vorgehen habe einspannen lassen, so der Jurist, der weiter analysiert, weshalb das Vorgehen der Behörden nicht verfassungskonform sei. Zudem sei die PNP für Visa-Angelegenheiten gar nicht zuständig, sondern für Angelegenheiten die verhaftete Personen betreffen, die die öffentliche Ordnung bei sozialen Protesten gefährden.

Ruiz verweist zudem darauf, dass es in Peru bereits einen ähnlichen Vorfall gegeben hat, bei dem die Migrationsbehörden dem US-Amerikaner Mc Auley, einem Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Hermanos de La Salle, die Aufenthaltsgenehmigung entzogen hatte, weil er an einem Protestmarsch in der Amazonasstadt Iquitos teilgenommen hatte. Die Behörden entschieden, dass Mc Auley innerhalb eines Monats das Land zu verlassen habe. Nach einem Habeus Corpus durch das Vicariat in Iquitos wurde die widerrechtliche Anordnung der Migrationsbehörden für nichtig erklärt. Ähnlich habe auch das Verfassungsgericht bereits bei mehreren Fällen entschieden.

HudBay: Regisseur recherchierte weltweit zu Folgen der Bergbauprojekte

Dougherty, der über 20 Jahre lang für Zeitungen und Zeitschriften tätig war und gegenwärtig Chef des Unternehmens InvestigativeMEDIA ist, ist Regisseur des Films, Moore ist Protagonistin im Film, Forscherin und koordiniert das Lateinamerika-Programm von Alerta Minera Canada (Mining Watch).

Der Film wurde während der vergangenen Tage in den Gemeinden um Cusco gezeigt, die von den Bergbau-Aktivitäten von HudBay – Mina Constancia betroffen sind. Bei allen Vorführungen hatten die Teilnehmenden Schikanen der Polizei erdulden müssen.

In dem Dokumentarfilm werden das weltweite Operieren des Bergbauunternehmens HudBay Minerals gezeigt und die Herausforderungen, vor denen Menschen in Kanada, Guatemala, den USA und Peru stehen, die in Gegenden leben, auf die sich Bergbauprojekte dieses Unternehmens auswirken. „Mich haben Bürger und Bürgerinnen aus dem US-Bundesstaat Arizona, die wegen der Pläne für den Bau der Kupfermine Rosemont durch HudBay besorgt waren, gebeten, dass ich zu den Bergbauprojekten dieses Unternehmens an anderen Orten recherchiere“, erklärte Dogherty.

Dougherty und Moore sollten am 25. April in Lima einer weiteren Vorführung des Films beiwohnen.

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