Mit Berta Cáceres im Herzen gegen den Extraktivismus

(Tegucigalpa, 04. April 2020, desInformémonos).- Am 2. März 2016 wurde die Umweltaktivistin Berta Cáceres getötet. Der Kampf gegen Extraktivismus wird heute so entschlossen geführt wie nie. Die Frauen der Volksgemeinschaft Lenca, der auch Cáceres angehörte, verstehen sich als „Verteidigerinnen des Lebens, des Wassers und unseres Landes“. Sie erhalten den Widerstand gegen das vom Unternehmen Desarrollos Energéticos S.A. (DESA) am Fluss Gualcarque geplante Wasserkraftprojekt Agua Zarca aufrecht.

 

 

Für das Leben und für die Gleichheit zwischen Männern und Frauen
Die Frauen der Volksgemeinschaft der Lenca führen den Kampf fort, der Berta Cáceres vor vier Jahren das Leben kostete. 1995 hatte sie den Indigenenrat COPINH (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras) gegründet, der heute die Proteste koordiniert. Eine von ihnen ist Marleny Reyes. „Unser Kampf als indigene Frauen, die sich den Extraktivismus-Projekten widersetzen, wird immer gern übersehen“, beschwert sie sich. „Die Regierung ignoriert, dass es hier einen indigenen Volksstamm gibt, der protestiert.“ „Der Kampf für das Leben, für die Gleichheit zwischen Männern und Frauen“ sei Bertas Hinterlassenschaft. „Sie hat gegen das Patriarchat gekämpft, das uns Frauen unsere Rechte vorenthält und andere befugt, für uns zu entscheiden. […] In Honduras wird der Widerstand gegen Extraktivismus kriminalisiert. Diese Projekte zu finanzieren bedeutet, die Ermordung weiterer Genossinnen zu finanzieren. Als sie uns Berta Cáceres genommen haben, dachten sie wohl, damit hätten sie den Widerstand der Frauen endgültig besiegt. Doch ihre Stimme lebt in jeder Frau weiter, die sich den Extraktivismus-Projekten widersetzt. Berta kämpfte für ihr Volk, für ihre Identität als Frau und als Indígena”.

“Die Drahtzieher bleiben straffrei“
Ein buntes Mosaik, das Bertas lächelndes Gesicht zeigt, ziert das Grab der Umweltaktivistin. ‘Mensch, wach auf! Die Zeit wird knapp!‘ lautet die Inschrift. Nach ihrer Ermordung wurden sieben Männer zu Haftstrafen zwischen 30 und 50 Jahren verurteilt. Doch es fehlt die von der Familie geforderte Aufklärung der Hintergründe. Da diese weiterhin Drohungen erhält, steht rund um die Uhr ein Wachposten der Nationalpolizei vor dem Haus von Bertas Mutter Austra Bertha Flores in La Esperanza Intibucá. „Berta hat den Frauen gezeigt, dass sie kämpfen müssen, denn auch sie hätten eigene Rechte, zum Beispiel auf Besitz, und zwar unabhängig von ihren Männern, und das gelte auch für ihr Land“. Die Verfolgung ihrer Tochter, die letztlich mit ihrer Ermordung endete, habe angefangen, nachdem sie den Indigenen-Rat der Lenca gegründet hatte, um organisierter gegen das Staudammprojekt am Fluss Gualcarque vorgehen zu können. „Das Projekt sah die Flutung zahlreicher Dörfer vor. […] Immerhin haben sie diese sieben Männer verurteilt, die geschossen haben, aber die Auftraggeber bleiben straffrei. Deshalb müssen wir weiter dafür kämpfen, dass auch die bestraft werden, die ihre Ermordung in Auftrag gegeben und dafür bezahlt haben.“ Nach dem Mord an ihrer Tochter sei die Familie bedroht worden, deshalb lebe man heute unter Polizeischutz, denn man wisse nie, was passiert, erzählt Austra Flores.

„Das kriminelle Geflecht ist weiterhin intakt“
Für sie steht fest, dass die Familie Atala als größter Anteilshaber des Konzerns DESA für den Mord verantwortlich ist. DESA-Geschäftsführer Roberto David Castillo wurde im März 2018 verhaftet. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass er für einen der faktischen Attentäter die Logistik weitere Hilfen bereitgestellt haben soll. „Das kriminelle Geflecht, das den Tod meiner Mutter zu verantworten hat, ist weiterhin intakt“, schimpft Bertas Tochter Laura Zúñiga, „und die Konzession [für das Wasserkraftwerk] am Fluss Gualcarque bleibt weiter in der Hand dieses kriminellen Konzerns, der sie getötet hat. Dieser wird finanziert von der Mittelamerikanischen Bank für Wirtschaftsintegration, die sich auch definitiv nicht aus dem Geschäft zurückgezogen hat. […] Aber Berta lebt und ist bei uns, sie beschützt uns und gibt uns die Kraft, uns der Diktatur und der Militarisierung entgegenzustellen und uns gegen ein Unternehmertum zu wehren, das erwiesenermaßen vor Mord, Verbrechen und Korruption nicht zurückschreckt. Nicht die Angst, nicht die Wut und nicht der Schmerz über diesen feigen Mord wird den Kampf für die Erde und für das Leben aufhalten. […] Die kriminellen Strukturen, die den Anschlag auf Berta in Auftrag gegeben haben, sind unangetastet geblieben. Wir werden weiterhin bedroht. Damit muss eine leben, wenn sie sich entscheidet, die Mörder unserer Mutter zu suchen.“

„Ich wünsche mir, dass ihre Überzeugungen niemals sterben werden“
Eine der Folgen der Extraktivismus-Projekte sei die Vertreibung innerhalb des Landes, von der auch die Volksgemeinschaft der Lenca betroffen sei, erzählt Zúñiga. „Sie werden in die Armutsgürtel rund um die am meisten industrialisierten Städte im Norden des Landes getrieben oder werden komplett entwurzelt und müssen das Land ganz verlassen.“ Gegen ihre Mutter habe es eine üble Kampagne gegeben, in der es gezielt darum ging, sie als Frau anzugreifen. Wenige Stunden vor ihrem Tod hatte der Sicherheitsminister ihren Kampf als „Weiberzank“ diskreditiert, dazu gab es Hasstiraden, in denen sie als Irre, als Hexe und als Unruhestifterin bezeichnet wurde. Bertas Mutter meint dazu: „Ich wünsche mir, dass ihre Überzeugungen niemals sterben werden. Es wurden schon so viele kämpfende Frauen umgebracht. Deshalb rufe ich alle Frauen der Welt auf: Wir müssen uns organisieren und uns der Situation stellen. Wir dürfen nicht darauf verfallen zu denken, dass das nur die Männer können. Wir können das auch.“

 

CC BY-SA 4.0 Mit Berta Cáceres im Herzen gegen den Extraktivismus von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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