
Foto: Cyro A. Silva via flickr
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(Rio de Janeiro, 1. Juli 2026, Brasil de Fato).- Jonas Pacheco ist Mitglied des Netzwerks von Sicherheitsbeobachtungsstellen Rede de Observatórios de Segurança. In der Sendung Conexão BdF von Rádio Brasil de Fato analysiert er die siebte Ausgabe des Berichts „Zielscheibe: Haut: Zwischen Rassismus und tödlicher Polizeigewalt“. Der Berichtzeigt, dass im letzten Jahr acht von zehn durch die Polizei getöteten Personen Schwarze Menschen waren. Von diesem Anteil waren 65 Prozent unter 30 Jahre alt, davon 312 Personen zwischen 0 und 17 Jahren. „Hier offenbart sich die selektive, rassistische und auf junge Menschen fokussierte Seite der durch die Polizei verursachten Todesfälle“, so Pacheco.
„Krieg gegen Drogen“ als Rechtfertigung für ausufernde Polizeigewalt
Wieder einmal werde deutlich, wie sich struktureller Rassismus auf die öffentliche Sicherheit auswirke. Der „Krieg gegen Drogen“ diene oft als Rechtfertigung für eine konfrontative Politik, die für die Bevölkerung tödliche Folgen habe. In diesem Zusammenhang erinnert der Forscher an das größte Blutbad der Geschichte Brasiliens in den Favelas Alemão und Penha in Rio de Janeiro, das 120 Menschenleben forderte. „Wir können feststellen, dass diese Vorgehensweise die kriminellen Gruppen nicht schwächt. Drogenkonsum findet auch in den Gebieten der oberen Mittelschicht statt, und dort sehen wir keinen Einsatz von Gewalt, sondern immer in Gebieten mit einer höheren Konzentration von jungen, armen, Schwarzen Menschen. Also, auch wenn an dieser Argumentation noch so verbreitet ist, das Ergebnis ist eine Anhäufung von Leichen, und die kriminellen Gruppen werden dadurch nicht geschwächt“, kritisiert er.
Rechter Einfluss und unwirksame Maßnahmen
Jonas Pacheco bringt die Verschärfung der Sicherheitspolitik mit dem Einfluss der extremen Rechten in Verbindung. „Die durch diese Politik verursachten Toten sind ein hochsensibler Anzeiger für die von der jeweiligen Regierung eingenommene Haltung. In São Paulo haben wir gesehen, dass die Einführung des Olho Vivo, den Bodycams an den Uniformen, die Todeszahlen auf knapp über 400 gesenkt hat. Als es eine Änderung bei dieser Politik gab, stieg 2025 die Zahl der Toten in São Paulo auf 834. In diesem Bundesstaat erleben wir heute einen Anstieg der tödlichen Polizeischüsse“, erklärt er. Ein anderes wichtiges Element für den weiteren Anstieg der Gewalt ist die allgemeine Unfähigkeit der Regierungen der einzelnen Bundesstaaten, der kriminellen Vereinigungen Herr zu werden, ob sie nun mit dem Drogenhandel oder den Milizen in Verbindung stehen. „Wir sehen, dass die beiden großen im Rauschgifthandel aktiven Organisationen PCC (Primeiro Comando da Capital, Erstes Kommando der Hauptstadt) und CV (Comando Vermelho, Rotes Kommando) sich gerade stark in andere Bundesstaaten ausbreiten, hauptsächlich in die Regionen Norden und Nordosten. In diesen Gegenden werden Kämpfe um Drogenrouten geführt“, betont er. „Natürlich hat der Leitsatz ‚Nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit‘ für bestimmte Gruppen einen positiven Einfluss auf die Wahl. Wir sehen jedoch, dass die ergriffenen öffentlichen Maßnahmen es nicht schaffen, mit diesen kriminellen Gruppen fertig zu werden, was wiederum die Ausweitung der kriminellen Aktivitäten auf andere Bereich begünstigt – heute haben diese Organisationen Verbindungen zum Finanzsektor.“
Das gesamte Interview findest du hier.
Übersetzung: Christa Röpstorff
Der „Krieg gegen Drogen“ und die Leichen in den Randgebieten von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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