Tzeltal-Frau unschuldig inhaftiert

von Anayeli García Martínez

alt(Mexiko-Stadt, 30. März 2011, cimac).- Die 25-jährige María Luna Méndez, eine Tzeltal aus Menzal im Municipio Tenejapa in Chiapas, wurde wegen angeblichen Betrugs beschuldigt und inhaftiert. Die mittelose Indigene, die kaum Spanisch spricht, war mehr als zwei Jahre im Zentrum für die Resozialisierung von Verurteilten Nr. 5 (Centro de Reinserción Social para Sentenciados) in San Cristóbal de las Casas eingesperrt.

Zuvor hatte sie selbst gemachte Tortillas, Pozol und Gemüse auf dem Markt verkauft, um ihren Eltern mit den Ausgaben für deren Haus zu helfen und für ihre sechs Geschwister zu sorgen. Ihr bisheriges Leben veränderte sich, als sie 2008 von Polizist*innen aus Chiapas inhaftiert wurde.

In einem Interview erklärte Gloria Flores, Anwältin beim Zentrum für die Rechte der Frau in Chiapas CDMCH (Centro de Derechos de la Mujer de Chiapas), dass María am Morgen des 20. Juni 2008 auf dem „Bauernmarkt“ verkaufte, als Polizist*innen sie festnahmen, ohne ihr den Grund zu nennen oder einen Haftbefehl zu zeigen.

Pensionierter Professor fühlte sich betrogen

Die Anwältin gibt an, dass María während der Festnahme Handschellen angelegt und ihr die Augen verbunden wurden, um ihre Aussage zu erzwingen. Erst so erfuhr sie, dass Lorenzo Santíz Gómez sie wegen Betrugs um 145.000 mexikanischen Pesos (8.630 Euro) verklagt hatte – ein Delikt, das sie nie begangen hatte, wie sie versichert.

Gemäß Marías Zeugenaussage ist der angeblich Geschädigte ein pensionierter Professor, der an der Schule ihrer Brüder unterrichtete. Santíz Gómez began sie fortwährend zu belästigen, weil er mit ihr eine Beziehung wollte. María lehnte stets ab, was ihrer Meinung nach schließlich in der Beschuldigung mündete.

Fragwürdige Beweise

Die Belästigungen setzten sich fort als Santíz Gómez in Begleitung einer seiner Töchter und eines Anwalts Marías Eltern aufsuchte. Diese können weder lesen noch schreiben und setzten so ihre Unterschrift unter einen “Vertrag”, in dem steht, dass María ein Liebesverhältnis mit Santíz unterhalten hätte, und dass sie ihm 50.000 Pesos (2.980 Euro) schulde für ein Darlehen, das er ihr gemacht hätte.

Für diese junge Indigene, wie auch für viele andere, ist die Gerechtigkeit nicht dieselbe, da sie bestraft werden, ohne dass zuvor ermittelt wird. Gemäß des CDMCH stellte sich María einem irregulären Prozess, in dem ihr Pflichtverteidiger ihr riet, auf ihr Recht auf Gegenüberstellung und Verhör zu verzichten um den Prozess zu “beschleunigen”.

Behörden tragen Mitschuld

Im Zusammenhang damit verwies der CDMCH darauf, dass die Behörden an solchen Regelwidrigkeiten eine Mitschuld trügen. Die Suche nach Beweisen zu ihrer Entlastung dauerte nur einen Monat, obwohl es normalerweise bei Prozessen dieser Art ungefähr drei Monate sind.

Zudem bestätigte der CDMCH, dass es weder Gegenbeweise noch Zeugen gebe, die María beschuldigen, sondern nur das Wort des mutmaßlichen Opfers und einen Scheck über die Summe, die Herr Santiz Gómez ihr angeblich gab – der aber nicht mit der eingeforderten Summe überein stimmt.

Nach Informationen der Anwältin wurde María zu fünf Jahre Gefängnis verurteilt. Der Richter ordnete jedoch eine Revision des Falles an, da die Beweislage unzureichend sei. Momentan hofft María auf einen zweiten Urteilsspruch, den man für kommenden April erwartet.

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