Erstmals stehen Todespiloten vor Gericht

esma. Foto: Telesur/Telam(Venezuela, 28. November 2012, telesur).- Seit dem 28. November werden in Argentinien im Rahmen eines dritten Verfahrens Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhandelt, die während der letzten Diktatur (1976-1983) begangen wurden. Zum ersten Mal stehen acht Piloten der so genannten Todesflüge vor Gericht.

 

Das öffentliche mündliche Verfahren der „Megacausa“ (Großverhandlung) konzentriert sich auf die Verbrechen, die in der berüchtigten Marineschule Escuela de Mecánica de la Armada (ESMA) verübt wurden. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden während der Jahre der Diktatur etwa 5.000 Menschen dort festgehalten.

Im Zuge der so genannten Todesflüge wurden politische Gefangene aus Flugzeugen ins Meer oder in den Fluss Río de la Plata geworfen und galten anschließend als „verschwunden“. Die Todesflüge wurden mit den Maschinen Fokker 27 und Hércules C-130 der argentinischen Luftwaffe ausgeführt. Auch drei der Madres de Plaza de Mayo kamen auf diese Weise ums Leben, darunter Azucena Villaflor, eine der Mitbegründerinnen der Organisation, und die französische Nonne Léonie Duquet. Die Frauen wurden im Zuge einer von Ex-Kapitänleutnant Alfredo Astíz geführten Militäraktion verschleppt und ermordet.

Astiz, auch bekannt als „blonder Engel“ oder Todesengel“, fungierte seinerzeit als Geheimdienstagent und Kapitän der Armada. Nun steht er gemeinsam mit den Piloten der Todesflüge sowie dem ehemaligen Fregattenkapitän Jorge Eduardo Acosta und dem 2008 von Spanien ausgelieferten Ex-Korvettenkapitän Ricardo Miguel Cavallo vor Gericht. Gonzalo Torres de Tolosa, Rechtsanwalt und Mitglied der Task Force der ESMA sowie der Ökonom und ehemalige Finanzminister Juan Ernesto Alemann müssen sich ebenfalls wegen schwerer Foltervorwürfe verantworten.

789 Fälle, 900 ZeugInnen

789 Fälle von Menschenrechtsverletzungen, die in der ESMA begangen wurden, werden im Rahmen des Verfahrens verhandelt, einige davon gingen um die Welt. So auch der Fall Dagmar Hagelin: Die junge Schwedin wurde im Februar 1977 auf offener Straße niedergeschossen und in das berüchtigte Folterzentrum verschleppt. Seitdem gilt sie als vermisst. Ein weiterer Fall, der zur Sprache kommen wird, ist der Mord an Rodolfo Walsh. Der Schriftsteller und Journalist wurde 1977 verschleppt und ermordet. Zuvor hatte er in einem offenen Brief an die Militärregierung die Verhaftungen und das Verschwindenlassen politischer Gegner angeprangert und die neoliberale ökonomische Praxis kritisiert.

Etwa 900 Zeug*innen werden bei dem Prozess aussagen, darunter Nora Cortiñas. Die Mitbegründerin der Organisation Madres de Plaza de Mayo hatte bereits erklärte, es bedeute ihr sehr viel, dass diese Anhörungen nun stattfinden. „Als wir vor 35 Jahren anfingen, nach unseren Kindern zu suchen und ihr Verschwinden öffentlich zu machen, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass dieses Verfahren und all die anderen Verhandlungen, die im ganzen Land noch ausstehen, jemals stattfinden würden. Dass diese Verbrechen nun vor Gericht gehen, ist sehr wichtig, Endlich werden die Morde juristisch geahndet und bleiben nicht länger straflos“, so Cortiñas.

Vor Beginn des dritten Teils des „Großverfahrens ESMA“ erklärte die argentinische Justiz, einige der Angeklagten befänden sich immer noch auf freiem Fuß. Für sachdienliche Hinweise, die zu ihrer Ergreifung führen, wurde eine Belohnung von 100.000 Pesos (17.000 Euro) ausgesetzt. Die zweite Etappe des Großverfahrens zur Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die während der argentinischen Militärdiktatur verübt wurden, endete im Oktober vergangenen Jahres mit 16 Verurteilungen. Insgesamt wurden neun Prozesse für die Aufklärung der Vorgänge im geheimen Folterzentrum der ESMA angesetzt.

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