Vergewaltigtes 11-jähriges Mädchen soll Kind austragen: NROs fordern Einhaltung der Frauenrechte

von Alejandro Pacheco

(Buenos Aires, 07. Mai 2010, púlsar).- Vertreter*innen von 400 zivilgesellschaftlichen Organisationen protestierten vor dem Sitz des südlichen Bundesstaates Quintana Roo in Mexiko-Stadt. Sie forderten Rechte für ein 11-jähriges Mädchen ein, das durch eine Vergewaltigung von seinem Stiefvater schwanger wurde und nun gezwungen ist, das Kind auszutragen. Die zuständige staatliche Stelle für Familienentwicklung DIF (Desarrollo Integral para la Familia) hätte das Mädchen gezwungen, das Kind nicht abzutreiben, so einer der Vorwürfe der Protestierenden.

Die Organisationen forderten außerdem, dass die Arbeit der in Quintana Roo für den Fall zuständigen Stellen untersucht werde. Die Regierung solle eine Politik der Verantwortung für die Rechte der Frauen und den Schutz von marginalisierten Bevölkerungsgruppen an den Tag legen, um vor allem Mädchen zu schützen. Im Interview mit der Agentur Púlsar forderte die nationale Koordinatorin des Netzwerkes für sexuelle und reproduktive Rechte (Red por los Derechos sexuales y reproductivos) in Mexiko, Leticia Cuevas, vom Gouverneur des Bundesstaates Quintana Roo „dass er sich persönlich des Falles dieser Minderjährigen annimmt, denn ihre Schwangerschaft und die spätere Geburt stellen ein hohes Risiko für sie dar.“ Die Koordinatorin kritisierte: „Das Abtreibungsverbot für das Mädchen verstößt gegen die Verfassung und die laizistische Ausrichtung Mexikos“. Die Gesetzgebung bezüglich der Abtreibung wird in Mexiko auf Ebene der Bundesstaaten geregelt. In mittlerweile 18 der 32 Bundesstaaten wird Abtreibung kriminalisiert. Im Bundesstaat Quintana Roo wurde im April 2009 eine Verfassungsreform mit 18 von 25 Stimmen verabschiedet, die „das Recht auf Leben ab dem Moment der Empfängnis anerkennt, schützt und garantiert“ und somit Abtreibung generell unter Strafe stellt. Eine Abtreibung in den ersten 90 Tagen der Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung ist jedoch straffrei. Im Falle des Mädchens aus Robirosa sei diese Frist verstrichen.

Leticia Cuevas bezeichnete die Gesetzesänderung von 2009 als einen großen Rückschritt in der Gesetzgebung. Nach Angaben der Koordinatorin seien im Bundesstaat Quintana Roo im Jahr 2010 bereits 459 Schwangerschaften von Minderjährigen gemeldet worden, die vergewaltigt worden sind.

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