Großdemo fordert Recht auf Abtreibung

Von Tamara Vidaurrázaga Aránguiz

Großdemo - mehr als 20.000 Menschen protestieren gegen Abtreibungsverbot
Foto: Semlac

(Santiago de Chile, 14. März 2016, SEMlac).- Am 8. März, dem international in der Tradition feministischer Kämpfe stehenden Frauentag, gingen etliche Chilen*innen in Santiago auf die Straße, um für respektvolle Geburtshilfe und würdige Arbeitsplätze, vor allem aber für das Recht auf Abtreibung einzutreten. Mit rund 20.000 Demonstrant*innen war dies die größte feministische Mobilisierung seit dem Ende der Diktatur Alberto Pinochets.

Zahlreiche feministische Organisationen, Frauenverbände, Parteien, Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaftsvertreter*innen und Student*innenverbände nahmen teil, darunter der Arbeiter*inneneinheitsverband (Central Unitaria de Trabajadores), die Homosexuelle Befreiungsbewegung Movilh (Movimiento de Liberación Homosexual), die Stiftung Iguales, der Verband der Angehörigen von verhafteten Verschwundenen (Agrupación de Familiares de Detenidos Desaparecidos), die Verbände Revolución Democrática (Demokratische Revolution) und Izquierda Guevarista (Linke Guevaras) sowie die feministischen Verbände Pan y Rosas (Brot und Rosen), das Kollektiv gegen Gewalt in der Geburtshilfe (Colectivo contra la Violencia Obstétrica), der Weltmarsch der Frauen (Marcha Mundial de Mujeres), die chilenische Stiftung Fondo Alquimia und viele weitere.

“Es gibt noch vieles, was wir erkämpfen müssen”

Die mitmarschierende leitende Direktorin des Instituts der Frau, Gloria Leal, erklärte gegenüber SEMlac, die große Zahl der Teilnehmer*innen mache deutlich, „dass es noch vieles gibt, was wir uns erkämpfen müssen. Wir fordern, dass unsere Rechte respektiert werden, und zwar so lange, bis Freiheit und Gleichheit in unserer Gesellschaft Einzug gehalten haben.”

Die Forderung nach dem Recht auf Abtreibung nahm bei den Spruchbändern und Sprechchören ohne Zweifel den größten Raum ein. Derzeit wird im chilenischen Parlament über eine Drei-Indikationen-Lösung verhandelt (keine Überlebenschance für den Fötus, Gefahr für das Leben der Frau und Vergewaltigung). Sollte diese verabschiedet werden, wäre das den Feministinnen zwar immer noch zu wenig, doch immerhin wäre die gesetzliche Regelung damit auf den Stand von 1930 zurückgekehrt. Dieser galt bis 1989 und wurde unter Pinochet durch ein generelles Abtreibungsverbot abgelöst. (Am 18. März hat das chilenische Abgeordnetenhaus dem Entwurf zugestimmt. Jetzt muss noch der Senat zustimmen, Anm. d. Red.)

Weitere Themen waren die Ermordung der zwei argentinischen Rucksacktouristinnen in Ecuador, die als Ausdruck der allgegenwärtigen machistischen Gewalt gewertet wurde, sowie die große Anzahl an Femiziden: Seit Januar wurden in Chile zehn Frauenmorde registriert, davon zwei am 8. März.

Der Internationale Frauenkampftag würdigt die Kämpfe von Frauen und Feministinnen auf der ganzen Welt und ihre bisherigen Erfolge und benennt die aktuellen Forderungen.

In Chile liegt der Arbeitslohn von Frauen etwa zwölf bis 30 Prozent unter dem von Männern. Bedingt durch Geburten und Kindererziehung haben Frauen außerdem jahrelange Ausfallzeiten bei der Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge, entsprechend geringer sind ihre Rentenbezüge. Die Beiträge privater Krankenversicherungen hingegen sind für Frauen im gebärfähigen Alter etwa dreimal so hoch wie für Männer – und um ein Erbe antreten zu können, brauchen verheiratete Frauen auch heute noch die Zustimmung ihrer Ehemänner.

 

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