Folterer beim Namen genannt

von Andrea Martínez

Diktaturverbrechen: Proteste vor dem Obersten Gerichtshof / Marcel Maia, Flickr(Montevideo, 02. Januar 2012, la diaria/poonal).- Die Brasilianische Nationalbibliothek veröffentlichte in der Zeitschrift „Revista de História“ eine Liste mutmaßlicher Folterer aus der Zeit der Militärdiktatur. Die Liste wurde auf Grundlage von Angaben aus verschiedenen Gefangenenlagern zur Zeit der Diktatur erstellt und in der Januarausgabe der Zeitschrift „Revista de História n° 76“ veröffentlicht.

Liste aus dem Nachlass eines Revolutionärs

Die Zeitschrift für Geschichte der Brasilianischen Nationalbibliothek griff dabei auf das von Luiz Carlos Prestes hinterlassene Material zurück, das dem Nationalarchiv gestiftet werden soll. Der brasilianische Kommunist Luiz Carlos Prestes (1898-1990) überlebte die Militärdiktatur und zu seinem Nachlass gehört auch eine Liste mit 233 Namen von Soldaten und Polizisten, die beschuldigt werden, Gefangene des Regimes gefoltert zu haben.

Die Liste wurde auf Grundlage von Angaben aus verschiedenen Gefangenenlagern zur Zeit der Diktatur erstellt und in der Januarausgabe der Zeitschrift Revista de História n° 76 veröffentlicht. Des Weiteren ist die Liste auf der Internetseite der Zeitschrift abrufbar. (Direkter Link zur Liste: http://www.revistadehistoria.com.br/secao/na-rhbn/relatos-de-terror)

Heutige Politiker unter den Verfasser*innen der Liste

Zu den Verfasser*innen der Liste zählt unter anderem José Genoine, Ex-Präsident der regierenden Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) und designierter Berater des Verteidigungsministeriums auf Veranlassung von Präsidentin Dilma Rousseff. Auch Paulo Vanucchi, Ex-Minister für Menschenrechte, und Hamilton Pereira da Silva, Dichter und aktueller Kulturminister im Hauptstadtdistrikt von Brasília, gehören zu den Verfasser*innen.

Wie Pereira der Zeitschrift berichtete, sei die Liste im Jahr 1975 entstanden. Geschrieben wurde sie von 35 politischen Gefangenen, die der Folter zum Opfer gefallen waren. Die Daten seien weder zentral gesammelt worden, noch habe es jemanden gegeben, der die Erstellung koordiniert hätte. Die Namen seien einfach nach und nach hinzugefügt worden. „Die Information wurde von Anwälten oder Familienangehörige aus den Gefängnissen herausgebracht“ und Stück für Stück zusammengesetzt, so Pereira.

Repressalien nach erstmaliger Veröffentlichung der Liste

Die Liste wurde 1978 mit der Unterschrift der 35 ehemaligen Gefangenen von der Wochenzeitung „Em Tempo“ veröffentlicht. Damaliger Leiter der Zeitung war Carlos Tibúrcio, der während der Regierungen unter Lula da Silva und Dilma Rousseff als Berater der Präsidentschaft zu Kommunikationsthemen fungierte.

„Die Zeitung war im ganzen Land ausverkauft und wir mussten die Reaktion der extremen politischen Rechten über uns ergehen lassen samt Morddrohungen und Bomben, die auf die Redaktion gerichtet waren“, schilderte Tibúrcio in einer Kolumne, die auf der Internetseite der Fundación Perseu Abramo, einer Stiftung der Arbeiterpartei, veröffentlicht wurde.

Die Liste gelangte 1976 auf einer jährlichen Versammlung des Komitees für Solidarität mit den brasilianischen Revolutionären, in die Hände von Prestes.

Kritik von Seiten des Militärs

Die Veröffentlichung der Namen „lässt keine Zweifel daran, auf welcher Seite dieses öffentliche Organ steht“, so Clovis Bandeira gegenüber der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ in Bezug auf die Nationalbibliothek. Bandeira war ehemaliger General und ist heute Vize-Präsident des Militärclubs Brasiliens.

Oberst Abelmídio de Sá Ribas, Präsident der Vereinigung der staatlichen Militäroffiziere Brasiliens (Associação dos Oficiais Militares Estaduais do Brasil) ist der Meinung, die Veröffentlichung der Liste „schafft eine unnötige Konfliktsituation, die wir schon vor langer Zeit hätten bewältigen sollen“.

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