Das Recht auf Betreuung

Rechte älterer Menschen in Konvention verankert

Über eine regionale Konvention dieser Art zu verfügen, bedeutet eine Umstellung in der Art und Weise, über das Thema zu denken und zu handeln – in der Familie, der Gesellschaft und auf staatlicher Ebene. Die Konvention spricht Begriffe wie den der grundsätzlichen Gleichheit an und geht davon aus, dass ältere Menschen in vielen Fällen vergleichsweise benachteiligt sind, wenn sie ihre Rechte einfordern. Um diese Hindernisse endgültig zu beseitigen, werden spezielle und effektive Maßnahmen benötigt. Maßnahmen, die einen starken Staat erfordern, der die Grundrechte garantiert und zu gründlichem und effektivem Handeln fähig ist, um die Bedürfnisse älterer Personen zu berücksichtigen und langfristig zu denken.

Diese neue Rechtsebene ist das Ergebnis der engagierten Arbeit verschiedener Staaten, die diese heute gültige Konvention vorangetrieben haben. Nicht zu vergessen die Arbeit der Gruppen und Bewegungen Erwachsener und Senior*innen, die die volle Gültigkeit ihrer Rechte fordern sowie eine umfassende Betreuung und eine gute Behandlung unter gleichberechtigten Bedingungen.

Der Prozess, diese Konvention seitens der Regierungen zu verfassen und zu verhandeln, um die vorgesehenen Verpflichtungen zu beschließen und niederzuschreiben, wurde insbesondere von Expert*innen der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation PAHO, von unabhängigen Expert*innen der Wirtschaftskommission für Lateinamerika sowie vom Institut für Menschenrechte des Mercosur (Mercado Común del Sur, Gemeinsamer Markt des Südens), begleitet.

Paradigmenwechsel in der Politik

Die Konvention erkennt die Unabhängigkeit, die Autonomie und die volle Rechtsfähigkeit älterer Menschen für alle Entscheidungen an, die ihr Leben betreffen. Es gibt auch einen Fortschritt bei Themen wie der Verwaltung von Langzeiteinrichtungen – Lebensräume, die heute oft außerhalb der staatlichen Kontrolle sind. Das sind nur einige Beispiele für die neue Stellung, die ältere Menschen einnehmen und für die Rolle, die angenommen werden muss, damit deren Rechte auf effektive Art und Weise garantiert werden können.

Abschließend erkennt die Konvention auch das Recht auf Betreuung an, welches die wirksame Entwicklung eines umfassenden Systems der Fürsorge und Unterstützung für ältere Menschen umfasst. Dies wird einen Paradigmenwechsel der öffentlichen Politiken im Umgang mit älteren Menschen erfordern.

Vorreiterrolle und großer Schritt nach vorn

Seit einiger Zeit denkt man vor allem im Mercosur über einen würdigen Umgang als eine Art und Weise nach, das Recht von älteren Menschen, Frauen und Kindern auf ein Leben ohne Gewalt zu stärken. Nun wird dieser Gedanke erstmals und beispiellos in einem internationalen Instrument für Menschenrechte Älterer anerkannt, entstanden in Lateinamerika und der Karibik. Das Recht auf Betreuung ist vielleicht eines der neuesten Themen mit viel Potential für Veränderungen der öffentlichen Politik, da die Aufgabe in der Historie auf das private Umfeld beschränkt war, und die Belastung klar auf den Frauen lag.

Dass die OAS diese Konvention verabschiedet hat, ist eine Anerkennung der Tatsache, dass die Länder der Region die Agenda der Menschenrechte, Gleichheit und Entwicklung voranbringen, durchdenken und planen. Noch ist ein langer Weg zu gehen – dabei müssen Verpflichtungen erfüllt, Gesetzgebungen angepasst sowie Politiken entworfen, budgetiert und eingeführt werden, die den Bedürfnissen älterer Menschen Priorität einräumen. Aber heute soll zunächst die Tatsache gefeiert werden, dass wir einen großen Schritt nach vorn getan haben und wieder ein bisschen besser auf die Zukunft vorbereitet sind.

* Paulo Abrao, Exekutivsekretär des Instituts öffentlicher Menschenrechtspolitik des Mercosur

CC BY-SA 4.0 Das Recht auf Betreuung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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