Guerrero


Gerichtsmedizin
Mexiko

Es stinkt zum Himmel und auf Erden

Am 14. November verließen in Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero, mehr als 500 Beschäftigte der staatsanwaltschaftlichen Behörde Guerreros ihre Büros. Der Grund: Anhaltender unerträglicher Geruch aus dem angrenzenden Leichenschauhaus. Diese Einrichtung hat nach dem Bericht des La Jornada-Journalisten Sergio Ocampo eine Kapazität für 200 Kadaver. Tatsächlich stapeln sich dort mindestens 600 Leichen, viele seit 2015. Eine Kühlkammer soll seit zwei Wochen nicht mehr funktionieren. Die Beschäftigten drohten damit, solange nicht an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, bis der Gouverneur und das Gesundheitsministerium einen neuen Standort für die Leichenhalle zusagen. […]


Ayotzinapa Demo
Mexiko
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

Drei Jahre ohne die 43 aus Ayotzinapa

Inzwischen sind schon drei Jahre vergangen, seitdem die 43 Studierenden aus der Escuela Normal Rural von Ayotzinapa spurlos verschwunden sind. Genauso wie der Verbleib der Studierenden ist auch der Umgang der Justiz mit diesem Verbrechen weiterhin ungewiss. Wieder einmal finden Demonstrationen und andere Protestaktionen statt, die von den Angehörigen der Jugendlichen angeführt werden. Die Angehörigen hören nicht auf zu fordern, dass ihre Kinder lebendig wieder auftauchen. Hinzu kommen soziale Organisationen, die die Angehörigen begleitet haben – trotz aller Versuche, dieses Ereignis, das über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt wurde, zu diskreditieren. […]


Waffe
Mexiko

Immer mehr Morde

Seit Beginn der systematischen Erfassung der landesweiten Mordzahlen im Januar 1997 war kein Monat so gewalttätig in Mexiko wie der vergangene Mai. Die offiziellen Statistiken verzeichnen die Rekordzahl von 2.186 „vorsätzlichen Morden“. Nach anderen Erfassungen, die die Toten bei „gewalttätigen Ereignissen“ registrieren, lautet die Ziffer auf 2.452 Tote im Mai. Selbst in den gewalttätigsten Monaten der Vorgängerregierung von Felipe Calderón (2006 – 2012), unter dem der sogenannte Drogenkrieg begann, wurden die genannten Zahlen nicht erreicht.  […]


Mexiko

Guerrero: Das organisierte Verbrechen als bewaffneter Arm der Bergbauunternehmen

Im Gebirge von Guerrero, zwischen den Regionen Costa Grande und Tierra Caliente sind Dutzende von Dörfern und Ejido-Siedlungen verlassen oder befinden sich in der Gewalt des organisierten Verbrechens. Sie sind praktisch menschenleer, abgesehen von den Bewohner*innen, die akzeptierten oder gezwungen wurden, für die Kriminellen zu arbeiten. Manuel Olivares, Leiter des Regionalen Menschenrechtszentrums José María Morelos y Pavón (Centro Morelos) mit Sitz in der guerrensischen Stadt Chilapa beschreibt die Situation eindrücklich. Er weist die Verantwortung für diese Situation den Interessen sowohl der multinationalen als auch mexikanischen Bergbauunternehmen zu. Das organisierte Verbrechen agiert wie ihr paramilitärischer Arm. […]


Mexiko

Wenn aus Holzstücken Knochenreste werden – Freiwillige Suchbrigade findet geheime Gräber in Veracruz

Von Gert Goertz

(Mexiko-Stadt, 7. Mai 2016, npl).- Zwei Wochen reichten aus, um zu finden, was die Regierung nicht finden will. Am 9. April kamen Mitglieder der „Nationalen Suchbrigade Verschwundener Personen“ in den Bundesstaat Veracruz. Am 22. April präsentierten sie in den Räumlichkeiten des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez in Mexiko-Stadt ihre Ergebnisse: Nur acht Kilometer von den Grenzen der 200.000 Einwohnerstadt Córdoba entfernt, fanden sie in 15 verschiedenen, nahe beieinander gelegenen klandestinen Gräbern Kleider- und Knochenreste mit Brandspuren.  […]


Mexiko
Fokus: Menschenrechte 2016

Die Nacht von Iguala und der mexikanische Staat

Von Luis Hernández Navarro. (Mexiko-Stadt, 26. April 2016, la Jornada-poonal).- Die Form wahrend, ist der letzte Bericht der Unabhängigen Interdisziplinären Expert*innengruppe (GIEI) dennoch inhaltlich demolierend. Er hinterfragt nicht nur die armselige gerichtliche Arbeit der Funktionär*innen, die mit den Ermittlungen zu den Ereignissen der Nacht von Iguala beauftragt waren. Er stellt die ureigene Glaubwürdigkeit des mexikanischen Staates in Frage.  […]