Respekt gegenüber unseren Territorien

Von Abel Barrera*

Kampf ums Territorium. Erde, Luft, Wasser und Sonne sind nicht käuflich.
„Erde, Luft, Wassser und Sonne sind nicht käuflich. Sie geben uns Leben“ / Foto: nuestravox.wordpress.com

(Mexiko-Stadt, 18. März 2017, la jornada).- Auf den Gemeindeböden von Cacahuatepec hat der Kampf für unser Territorium eine lange Geschichte. Es ist ein beispielhafter Einsatz, der uns als Bevölkerung hat wachsen lassen, denn wir lernten, uns gegen die Regierung zu verteidigen. Ständig mussten wir mehrere Kämpfe gleichzeitig führen: gegen die Bundesstromgesellschaft CFE, die Gouverneure, die Polizei, die Armee und die Kiesunternehmen. Alle haben uns attackiert und sich zusammengeschlossen, um uns das Land zu entreißen, dass uns unsere Großeltern vererbt haben.

Wir haben den Papagayo-Fluss geschützt

Die Städter*innen haben uns immer verachtet und unsere Art, in Gemeinschaft zu leben, nie respektiert. Die Politiker*innen aller Parteien blicken nur dann auf uns, wenn sie Unterstützung für ihren Wahlkampf brauchen. Die Unternehmer*innen versuchen stets, bei ihren Geschäften das beste Stück vom Kuchen zu ergattern. Diejenigen beispielsweise, die vom Geschäft mit Sand- und Kiesgruben leben, versuchen, sich noch mehr Land unter den Nagel zu reißen. Niemand kümmert sich um die Rechte der Übrigen, niemand sorgt sich um unsere Lebensgrundlage: den Wald, den Fluss, die Pflanzen, die Bäche. Wir wollen nur Nutzen aus der Natur ziehen, doch niemals führen wir Aktionen durch, um sie zu schützen.

Auch wenn uns nicht geglaubt wird: wir haben den Papagayo-Fluss geschützt. Er gibt uns Bewohner*innen der Region Acapulco Leben, vor allem den Unternehmer*innen. Auf unseren Grundstücken befinden sich die Brunnen, die einen Großteil der Hotels und verschiedene Viertel der Hafenstadt mit Wasser versorgen. Durch unsere Dörfer fahren die Laster, um Sand und Kies aus dem Fluss zu holen, ohne dass die Gemeindevertreter*innen um Erlaubnis gebeten werden. All das arrangieren sie mit den mächtigen Politiker*innen in Acapulco, uns, als wirkliche Eigentümer*innen ignorieren sie.

Regierung begann Diffamierungskampagne

Abel Barrera / Foto: Ricardo Ramirez Arriola
Der Autor des Textes und Leiter des Menschenrechtszentrum Tlachinollan in Tlapa, Guerrero

Als wir vom Bau eines Wasserkraftwerks hörten, sagten wir daher offen „Nein zu La Parota!“. Mehr als 20 Gemeinden organisierten sich, um den Lastern und Maschinen der CFE die Zufahrt zu versperren. Aufgrund dieser Haltung begann die Regierung, unsere Anführer*innen zu verfolgen. Sie verhaftete sie und organisierte eine Kampagne, um sie als Streithähne zu präsentieren. Doch sie konnten weder unseren Willen beugen, noch uns Angst einflößen. Stattdessen schuf diese Situation bei den Leuten ein Bewusstsein dafür, dass wir unser Land verteidigen und verhindern müssen, dass sie uns aus unseren Wohnorten vertreiben.

Das Stauwerk sollte gebaut werden, ohne uns um unsere Meinung zu fragen. Es wurden Versammlungen durchgeführt, die die Zustimmung der Besitzer*innen der Böden zum Stauwerkbau simulierten. Uns als Gegner*innen des Projektes blockierte die Regierung den Zugang zu den Versammlungen, mit denen sie das Stauwerk autorisieren wollte. Die Polizei übernahm es, uns zurückzuhalten. Wir lieferten der Regierung einen heißen Kampf. Ihre gesamte Polizei war nicht genug, uns zu besiegen. Das ganze Geld, mit dem sie um sich warfen, um uns klein zu kriegen, gaben sie umsonst aus. Unsere Entschlusskraft war stärker.

In jedem Moment zeigten wir ihnen, dass die Vernunft und das Recht auf unserer Seite standen. Daran gab es keinen Zweifel, denn alle sechs Agrarprozesse, die wir anstrengten, entschieden die Gerichte zu unseren Gunsten. Wir zeigten, dass die Weisheit der Bevölkerung größer und effektiver ist. Es gelang uns, die Aktionsfelder Organisierung der Gemeinden gegen das Stauwerk La Parota, juristische Verteidigung, Anklage in den Medien und internationale Solidarität miteinander zu kombinieren.

Selbstorganisiert – um Frieden und Sicherheit zu gewährleisten

Marco Suastegui
Marco Suastegui / Foto: Tlachinollan/Sipaz

Die Widerstandsbewegung des Rates der Ejidos und Gemeinden in Opposition zum Stauwerk La Parota Cecop (Movimiento de resistencia del Consejo de Ejidos y Comunidades Opositores a la Presa la Parota) erwuchs aus dem innersten Selbstverständnis der Bevölkerung. Die Bewegung hat uns Blut gekostet, denn in diesem langen Kampf wurden vier Compañeros ermordet. Statt zu ermitteln und die Verantwortlichen zu bestrafen, erwirkte die Regierung verschiedene Haftbefehle gegen diejenigen, die diese Kämpfe anführten. Zweimal verhaftete sie Marco Antonio Suástegui, der in ein Gefängnis nach Tepic gebracht wurde. Um die Frauen zu demobilisieren, verhafteten sie unsere Compañera María de la Luz Dorantes. Trotz ihrer Leidenszeit ließ sie sich nicht brechen.

Uns als Cecop ist es wichtig, nicht nur unser Territorium zu verteidigen. Wir setzen uns für Sicherheit und Frieden in unseren Wohnorten ein. Wir bauen auf unsere selbstorganisierten, in den Gemeinden verankerten Polizist*innen, die dem Justizhaus von San Luis Acatlán zugeordnet sind. Mit Unterstützung der Koordinator*innen wenden wir unser Regelwerk an, damit der Umgang mit dem Gemeinschaftsland von Cacahuatepec funktioniert. Unter großen Schwierigkeiten haben wir dies erreicht.

Aggression der Upoeg

Am vergangenen 8. März gab es eine direkte Aggression von mehr als 100 Polizisten der Vereinigung der Dörfer und Organisationen des Bundesstaates Guerrero Upoeg (Unión de Pueblos y Organizaciones – Estado de Guerrero) gegen den Cecop. Die Upoeg forderte unsere Polizei heraus, indem sie das Verbindungshaus der Regionalen Koordination der Gemeindebasierten Autoritäten (CRAC) umstellte und Waffen bei sich trug, die ausschließlich die Streitkräfte besitzen dürfen. Was wollten sie? Wer schickte sie? Mit welchem Recht verschafften sie sich Zugang, ohne aus der Gemeinde zu stammen? Was verleiht jenen Polizisten, die nicht aus der Gemeinde kommen, mehr Rechte, so dass sie meinen, sich über die örtliche Polizei hinwegsetzen zu können?

Transparent gegen das Staudammprojekt La Parota / Foto: Sipaz
Foto: Sipaz

Als Cecop erklären wir, dass diese Polizei nicht von der Gemeinde gerufen wurde. Wir verlangen von ihr Respekt vor unserem Territorium, unseren Polizist*innen und unserer Bevölkerung. Wir haben es geschafft, uns vor denen zu verteidigen, die uns Schaden zufügen und Projekte durchsetzen wollen, die uns nichts nützen. Als Cecop und CRAC sind wir geeint. Gemeinsam verteidigen wir unser Territorium, unser Wasser, unsere Ruhe.

Wir wollen keine weitere Gewalt, keine weiteren Spaltungen. Ebensowenig wollen wir weitere Aggressionen von Gruppen, die mit der Gemeinde nichts zu tun haben. Wir wollen, dass die Regierung unsere Entscheidungen, unsere Versammlungen, unseren Kampf und das Andenken unserer dabei ums Leben gekommenen Compañeros respektiert.

Sich nicht in eine Auseinandersetzung verwickeln lassen

Wir werden uns nicht in eine Auseinandersetzung mit der Upoeg verwickeln lassen. Der Cecop entstand nicht, um gegen Organisationen zu kämpfen. Seine Absicht ist es, sein Territorium gegen die von der Regierung geförderten extraktivistischen Projekte zu verteidigen, den Bau des Wasserkraftwerkes La Parota zu verhindern und die gemeindebasierte Organisation zu stärken, um so den kollektiven Rechten Geltung zu verschaffen. Darum bedeutet die Präsenz der Upoeg eine externe Bedrohung, die das Recht auf freie Selbstbestimmung und den Respekt vor dem Territorium des Gemeinbesitzes von Cacahuatepec attackiert. Es handelt sich um ein Territorium, auf dem der Cecop für eine auf emblematische Bewegung gegen Stauwerke auf dem ganzen Kontinent steht, die andere Bevölkerungen, die gegen die Megaprojekte kämpfen, inspiriert hat.

*Abel Barrera leitet das Menschenrechtszentrum Tlachinollan in Tlapa, Guerrero 

CC BY-SA 4.0 Respekt gegenüber unseren Territorien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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