Kolumbien USA

Freihandelsvertrag in Kraft – Kolumbianische Bauern fürchten um ihre Existenz


Sie fürchten um ihre Existenz: Kolumbianische Reisbauern /CIAT, Flickr(Lima, 20. Oktober 2011, noticias aliadas/poonal).- Während Regierungsvertreter*innen und Unternehmensverbände in Kolumbien den Abschluss des Freihandelsabkommens am vergangenen 12. Oktober begrüßten, zeigten sich Bauernverbände, Geflügelzüchter*innen und Besitzer*innen von Manufakturbetrieben besorgt. Selbst Landwirtschaftsminister Juan Camilo Restrepo erklärte „Wir sind nicht vorbereitet, es fehlt noch vieles“.

Existenz von 500.000 Reisbauernfamilien bedroht

Minister Restrepo erklärte, die kolumbianischen Produzent*innen von Reis, Mais und Milchprodukten seien ebenso wie die Geflügelzüchter*innen ernsthaft in ihrer Existenz bedroht, da sie nun mit Produzent*innen aus den USA konkurrieren müssen und letztere vom Staat hoch subventioniert werden. Ihre Produkte können nun ohne Zölle nach Kolumbien importiert werden.

Die Vereinigung der Reisbauern und -bäuerinnen (Federación de Arroceros) warnte davor, dass 500.000 Familien von der Situation betroffen seien, weil sie von der Reisproduktion leben. Ähnlich äußerte sich der Verband der Hersteller*innen von Milchprodukten: Er rechnet mit 400.000 Kleinproduzent*innen, die vom Markt verschwinden werden, weil sie mit den US-Produkten nicht werden konkurrieren können. Der kolumbianische Präsident Manuel Santos erklärte, der Freihandel werde das Bruttoinlandsprodukt um einen zusätzlichen Prozentpunkt steigen lassen und 250.000 Arbeitsplätze schaffen.

US-Demokrat*innen geben Blockade nach Uribe-Abtritt auf

Kolumbien hatte mehr als fünf Jahre gewartet, bis der von den Republikaner*innen dominierte US-amerikanische Kongress das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kolumbien unterzeichnete. Das Handelsabkommen zwischen Kolumbien und den USA war bereits 2006 zwischen den Präsidenten George W. Bush (2001-2008) und Álvaro Uribe (2002-2010) ausgehandelt und im Jahr darauf vom kolumbianischen Parlament verabschiedet worden. Die Demokrat*innen hatten jedoch mit ihrer Mehrheit in der Legislative das Inkrafttreten des Gesetzes unter Verweis auf mögliche Verstöße gegen kolumbianische Arbeitsrechte sowie anhaltende Menschenrechtsverletzungen der Regierung Uribe blockiert.

Die USA hatten 2004 zeitgleich Verhandlungen mit Kolumbien, Ecuador und Peru aufgenommen, um einen Freihandelspakt für den Andenraum zu vereinbaren. Bolivien und Venezuela, die dem Bündnis der Andenstaaten CAN (Comunidad Andina) angehören, hatten nicht teilgenommen, da sie gegen Freihandelsverträge nicht gut heißen. Zwei Jahre später scheiterten die Verhandlungen mit Ecuador. Der Vertrag zwischen den USA und Peru wurde vom US-Kongress im Dezember 2007 unterzeichnet und trat Anfang Februar 2009 in Kraft.

CC BY-SA 4.0 Freihandelsvertrag in Kraft – Kolumbianische Bauern fürchten um ihre Existenz von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Ex-Präsident Uribe vor den Obersten Gerichtshof Kolumbiens zitiert
11
(Montevideo, 17. August 2019, la diaria).- Zum ersten Mal in der Geschichte Kolumbiens muss ein Ex-Präsident vor dem Obersten Gerichtshof aussagen. Álvaro Uribe, momentan Senator und ehemaliger kolumbianischer Präsident von 2002 bis 2010, wird sich am 8. Oktober dieses Jahres den Fragen des Obersten Gerichtshofs stellen müssen. Kolumbianischen Medienberichten zufolge soll es dabei um einen mutmaßlichen Fall von Zeugenmanipulation gehen. Die höchste juristische Instanz des Lan...
Uruguay: Mehr Gemüse aus Bioanbau?
96
Gemüse aus konventionellem Anbau werden üblicherweise üppig mit Pestiziden behandelt - und diese sind bekanntermaßen umwelt- und gesundheitsschädlich. Trotzdem ist der Verzehr von Bioprodukten nur bei einer kleinen, meist mittelständigen Minderheit die Regel. Klar, Bio ist teurer. In Uruguay kommt hinzu, dass die meisten Bioprodukte nur schwer zu bekommen sind. Doch die Nachfrage steigt. Fälle von Gesundheitsbeschwerden durch den Pestizideinsatz im Land haben viele Menschen b...
„Ich werde nicht aufhören, zu kämpfen!“
46
Im Jahr 2019 sind in ganz Kolumbien bereits mehr als 50 Aktivistinnen und Aktivisten ermordet worden. Indigene, bäuerliche und soziale Aktivist*innen und vor allem Mitglieder der Nachbarschaftsräte sind Opfer dieser Mordwelle. Dazu kommt eine ebenfalls steigende Anzahl von Drohungen und Mordversuchen. Eine, die seit vielen Jahren mit diesen Drohungen leben muss, ist die Aktivistin, Lehrerin und Frauenrechtlerin Marta López Guisao. López wurde vor bald 30 Jahren zum ersten Mal...
Hinhörer: SDG 2 Kein Hunger
27
Onda „Hinhörer“: Nachhaltige Entwicklungsziele in wenigen Minuten auf den Punkt gebracht. Argumente, Infos und Straßenumfragen aus Deutschland und Lateinamerika. Heute: Kein Hunger
onda-info 461
118
Hallo und willkommen zum onda-info 461! Diesmal gibt es ein Spezial und unsere Sendung dreht sich heute um Argentinien. Am 1. August 2017 starb der argentinische Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz. Die ungeklärten Umstände seines Todes brachten 300.000 Menschen auf die Straße und setzten die Regierung unter Druck. Jetzt konnten wir mit seinem Bruder Sergio sprechen, als dieser in Berlin zu Gast war. Argentinien ist weltberühmt für sein Rindfleisch. De...