Kolumbien

Cauca: Mindestens 26 Verletzte in Toribio


Foto: www.nasaacin.org(Lima, 19. Juli 2012, servindiTeleSur-poonal-ACIN).- Die kolumbianische Regierung hat am 18. Juli Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung (ESMAD) eingesetzt, um den von indigenen eingenommenen Militärstützpunkt mit Sendemast auf dem Hügel „Cerro Berlín“, nahe der Kleinstadt Toribio, wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. „Ich will nicht einen einzigen Indigenen auf einer Militärbasis sehen. Das ist der Befehl dieser Nacht“, hatte Präsident Santos getwittert.

Indigene fordern Entmilitarisierung ihrer Territorien

Bei der Aktion sind mindestens 26 Indigene verletzt worden, rund zehn Personen würden vermisst. Nach Angaben des Indigenen Rats des Nordcauca (ACIN) habe die Armee dabei Tränengas eingesetzt, ein Indigener habe jedoch eine Schussverletzung erlitten. Nachdem es bei Gefechten zwischen Armee und der linksgerichteten FARC-Guerilla Anfang Juli dieses Jahres rund um die Kleinstadt Toribio erneut Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben hatte und mehrere hundert Bewohner*innen vertrieben worden waren, hatte ACIN die Entmilitarisierung der indigenen Territorien Indigene vertreiben Militärs vom Stützpunkt auf dem gefordert. Zudem kritisierten die Organisationen, dass die Regierung nicht zu Gesprächen bereit sei. Die Indigenen fordern eine friedliche Lösung des bewaffneten Konflikts.

Nachdem ein an alle bewaffneten Gruppen gerichtetes Ultimatum der Indigenen Räte am 17. Juli ohne Ergebnis verstrichen war, hatten Indigene begonnen, rund 60 Armeeangehörige vom Militärstützpunkt auf dem Hügel Berlín nahe der Stadt Toribio zu vertreiben. Laut ACIN hätten nur sechs Soldaten Widerstand geleistet und sich auf den Boden geworfen. ACIN widerspricht Darstellungen, wonach es zu gewaltsamen Übergriffen seitens der Indigenen gekommen worden sei und betont, die Angehörigen der Wachen hätten sogar Ausrüstung und Vorräte gemeinsam mit den Soldaten in den Ort getragen.

Bevölkerung entwaffnet vier FARC-Angehörige

Auf einem Video der Organisation ist jedoch auch eine Prügelei zwischen Soldaten und Bewohner*innen zu sehen. Feliciano Valencia, Sprecher von ACIN unterstrich, dass keine Gewalt von der indigenen Bevölkerung ausgegangen sei. Die Repression gehe in diesen Momenten von Polizei und Militär aus.

Zudem haben Indigene Wachen, die nur mit Stöcken bewaffnet sind, am Morgen des 18. Juli vier FARC-Angehörige festgenommen und entwaffnet, die sich in der Nähe der Sendemasten auf dem Cerro Berlín aufgehalten hätten und im Begriff gewesen seien, auf die Soldaten zu schießen. Die Gefangenen seien anschließend auf eine öffentliche Versammlung gebracht worden, damit die Bevölkerung ihre Gesichter sehe, berichtet TeleSur.

20-jähriger Indigener von Soldaten erschossen

Der erschossene Fabián Guetio Bastos /www.nasaacin.orgPräsident Santos hatte am 18. Juli erklärt, der Versuch der Entmilitarisierung gehe auf Propaganda der FARC zurück, die mit der indigenen Bevölkerung zusammenarbeite. Tags zuvor hatte er die Aktionen der Einwohner*innen als „inakzeptabel“ bezeichnet und eine Verstärkung der Truppen angekündigt. „Als Präsident aller Kolumbianer verurteile ich dieses Vorgehen aufs Schärfste und rufe entschieden dazu auf, diese Kampfhandlungen einzustellen“, so der Präsident. Eine Entmilitarisierung hatte Santos bei einem Krisenbesuch in der Region vorige Woche kategorisch abgelehnt.

Für zusätzliche Anspannung in der Region sorgt der Tod des 20-jährigen Fabián Guetia, der um 5 Uhr morgens am 18. Juli von Soldaten in der Ortschaft Caldono getötet wurde. Guetia sei mit einem Kopfschuss versehentlich getötet worden sei, wie die Armee mittlerweile bestätigte. Die Familie des Opfers hat eine Untersuchung des Mordes gefordert. Die Soldaten hätten weder einen Stützpunkt noch ein Zeltlager in der Nähe des Tatortes gehabt.

Regierung und Indigene vereinbaren Gespräche

Präsident Santos kündigte an, im Verlaufe des Tages in die Konfliktregion zu reisen und autorisierte seinen Innenminister Federico Renjifo, Gespräche mit den Indigenen zu beginnen. Man sei übereingekommen, dass seitens der Indígenas vorerst keine weiteren Vertreibungsversuche der Armee zu unternommen würden, heißt es in lokalen Presseberichten.

Laut ACIN sind seit dem Jahr 2002 durch die bewaffneten Auseinandersetzungen 110 Menschen in den Gemeinden ums Leben gekommen. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der UNO, Todd Howland, zeigte sich nach einem Ortsbesuch am 13. Juli erschüttert und forderte eine friedliche Lösung des Konflikts.

 

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