Rechter Berater von Milei und Paz verhaftet

Fernando Cerimedo
Fernando Cerimedo im Februar 2026. Screenshot: Radio Rivadavia via Wikimedia

(Montevideo/Buenos Aires, 26. August 2026, la diaria/anred/poonal).- Die Regierungen Boliviens unter Rodrigo Paz und Argentiniens unter Javier Milei haben nun eine Aufgabe mehr: Sie müssen über ihre Verbindungen zum Politikberater Fernando Cerimedo Auskunft geben. Cerimedo sitzt für zunächst 180 Tage in der bolivianischen Stadt Santa Cruz de la Sierra in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, einen Mordversuch an seiner Ex-Partnerin Nadia Beller geplant zu haben. Die Anwältin und Aktivistin Beller wurde am 17. August von Gangstern niedergeschossen und überlebte den Anschlag nur knapp.

Cerimedo ist ein rechter Polit-Influencer und Gründer des rechten Portals La Derecha Diario. Er wurde auch als Trumps Mann in Lateinamerika betitelt und soll von sich behauptet haben, Javier Mileis Kettensägen-Image erfunden zu haben. Der ultrarechte Medienberater hatte vor Rodrigo Paz auch Javier Milei und Jair Bolsonaro beraten. Am 21. August wurde er von den bolivianischen Behörden auf dem Flughafen Viru Viru verhaftet und sitzt nun in der bolivianischen Strafanstalt Palmasola, um seine mögliche Verstrickung in den Mordanschlag zu klären. Zudem eröffnete die bolivianische Justiz ein weiteres Verfahren gegen Cerimedo wegen mutmaßlicher „illegaler Bereicherung“, weil bei Durchsuchungen seiner Besitztümer in Bolivien erhebliche Mengen Bargeld sichergestellt wurden.

Argentinische Regierung distanziert sich

Auf einer Pressekonferenz am 25. August im argentinischen Regierungssitz Casa Rosada behauptete der Sprecher von Javier Milei, Adrián Ravier, dass der argentinische Präsident bereits seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Cerimedo habe. Zwar habe der Politikberater noch in der ersten Jahreshälfte 2024 einige Male den argentinischen Regierungssitz betreten, so der Regierungssprecher. Doch bei diesen Anlässen sei er nicht mit dem Präsidenten zusammengetroffen.

Die Zeitung elDiarioAR zitiert Ravier damit, Cerimedo habe im argentinischen Wahlkampf, den Milei 2023 gewann, eine Rolle gespielt. Auch in der ersten Hälfte des Jahres 2024 habe es Treffen gegeben, die „mit seinem Fortgang aus der Regierung in der Funktion, die er innehatte, beendet wurden“, so Ravier, ohne das genauer zu erläutern.

Rodrigo Paz in Erklärungsnot

In Bolivien ist die Situation für Präsident Rodrigo Paz etwas komplizierter. Denn nachdem Cerimedo verhaftet worden war, sprach Nadia Beller mit mehreren Medien über die Bedeutung des argentinischen Beraters innerhalb der bolivianischen Regierung.

Laut der bolivianischen Hauptstadtzeitung La Razón hat Beller ausgesagt, dass Cerimedo bis zu seiner Verhaftung am Flughafen von Santa Cruz Rodrigo Paz beraten habe. Beller vermutete, dass Cerimedo selbst aus der Haft heraus noch Einfluss ausüben könnte: „Wenn er aus dem Gefängnis heraus Entscheidungen treffen kann, dann schuldet Rodrigo (Paz) dem Land eine Erklärung“, so Beller.

Die Anwältin mutmaßte, das Umfeld des Präsidenten habe mehrere Maßnahmen zu Gunsten des Exberaters ergriffen. Dazu gehörten ihren Angaben zufolge mutmaßliche Kontakte zu Polizist*innen, Veröffentlichungen von hohen Beamt*innen und eine angebliche positive Berichterstattung staatsnaher Medien. Aus diesem Grund forderte sie Präsident Paz auf, sich öffentlich von Cerimedo zu distanzieren und sicherzustellen, dass dieser keinen Einfluss mehr bekommt sowie die Reichweite ihrer geschäftlichen Beziehung zu erklären.

Der Präsident hat sich jedoch erst zwei Tage später zu dem Thema geäußert. In einem auf seinen Sozialen Netzwerken veröffentlichen Video gestand Rodrigo Paz seine Verbindung zu Cerimedo ein, „als Teil des kürzlich abgeschlossenen Wahlkampfes“ zu den Wahlen, aus denen er selbst als Sieger hervorging. Cerimedo habe jedoch „nie die Erlaubnis gehabt“, ihn oder die Präsidentschaft zu repräsentieren.

Der Minister für öffentliche Aufgaben, Mauricio Zamora, versuchte, den Verhafteten als jemanden darzustellen, der nicht wirklich Einfluss auf die Regierung gehabt habe. Zamora erklärte, Cerimedo habe sich nur mit Kommunikationsaufgaben befasst und habe nicht an der Ministerrunde teilgenommen. „Er hat nur das Thema Kommunikation bearbeitet; innerhalb des Kabinetts hat er nie teilgenommen.“ Laut des bolivianischen Senders Unitel habe der Minister zudem erklärt, dass der umstrittene argentinische Berater weder ein Büro gehabt habe noch als Spitzenbeamter aufgetreten sei.

„Hören Sie auf zu lügen“

Nadia Beller bezweifelte jedoch kurz darauf diese Erklärungen und betonte, sie könne das Gegenteil beweisen. „Hören Sie auf zu lügen, wenn Sie sagen, dass Fernando nicht an Kabinettsrunden teilgenommen hat“, sagte sie an Zamora gerichtet. „Ich kann beweisen, dass er das zu vielen Gelegenheiten getan hat.“

Nachdem Gebäude, die im Zusammenhang mit Cerimedo standen, durchsucht und mögliche Beweismittel gefunden worden waren, schrieb Anwältin Beller auf ihren Sozialen Netzwerken: „Ich werde mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten“, so Beller. „Ich werde alle Beweise und Fakten beisteuern, die in meiner Reichweite sind.“

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