Mexiko zeigt ICE nach 17 Todesfällen von Landsleuten an

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Plakat bei einem Anti-ICE-Protest in CHicago, Illinois. Foto: Charles Edward Miller via flickr, CC by-sa-2.0.

(Mexiko-Stadt, 11. Juli 2026, Amerika21).- Die mexikanische Regierung hat angekündigt, dass sie in den USA Strafanzeige wegen des Todes von 17 mexikanischen Staatsangehörigen einreichen wird. Seit letztem Jahr starben 14 Mexikaner*innen unter ungeklärten Umständen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde, drei weitere wurden während Einsätzen von ICE getötet. Der jüngste Fall ereignete sich am 7. Juli in Houston: Der Familienvater Lorenzo Salgado Araujo wurde auf dem Weg zur Arbeit erschossen.

Nach dem jüngsten Todesfall erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo: „Wir können die Misshandlung unserer Brüder und Schwestern in den Vereinigten Staaten nicht zulassen.“ Außenminister Velasco Álvarez erläuterte, die Anzeigen würden mit Unterstützung der mexikanischen Strafverfolgungsbehörde bei den Staatsanwaltschaften mehrerer US-Bundesstaaten und beim US-Justizministerium eingereicht.

Das Außenministerium schreibt in einem Pressebulletin, es würden außerdem zivilrechtliche Schritte gegen die Unternehmen eingeleitet, die die Haftanstalten für die Behörden betreiben. Den Firmen werden Unterlassungsaufforderungen zugestellt mit der Aufforderung, „die menschenrechtsverletzenden Praktiken einzustellen, die zum Tod von 14 Mexikanern durch private Betreiber der ICE-Haftanstalten geführt haben“.

Mexiko sandte nach mehreren Todesfällen diplomatische Noten ins Nachbarland, ohne dass dies zu einer Verringerung der Todesfälle geführt hat. In den Jahren 2025 und 2026 wurden insgesamt 58 Todesfälle von Migrant*innen verschiedener Nationalitäten in Einrichtungen registriert, die unter der Verantwortung dieser US-Behörde stehen.

In Houston versammelten sich derweil über 1.500 Einwohner*innen, um Lorenzo Salgado Araujo am Ort des Attentats zu gedenken. Der 52-jährige Vater von drei Söhnen soll laut ICE versucht haben, einen Beamten zu überfahren, worauf dieser ihn in Notwehr erschoss. Die Familie des Opfers glaubt dieser Darstellung nicht, ebenso wenig wie Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten sie eine unabhängige Untersuchung. Roman Polares, Vorsitzender der Allianz der vereinigten lateinamerikanischen Bürger*innen (LULAC), erklärte, sie hätten mangels Informationen seitens der US-Einwanderungsbehörde „keine andere Wahl, als zum Schluss zu kommen, dass auf den Straßen von Houston ein Mann unrechtmäßig getötet wurde“.

Nach Angaben seiner Familie war Salgado dabei, eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, und hatte die entsprechenden Unterlagen bei sich. „Er wusste immer, was zu tun war, falls er festgenommen würde“, sagte sein Sohn Ronaldo Sagado. „Hätte mein Vater ein ICE-Abzeichen oder ein Abzeichen einer anderen Strafverfolgungsbehörde gesehen, hätte er Folge geleistet“, bekräftigte er. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ICE-Beamte Personen in unmarkierten Fahrzeugen verfolgen.

Das Ministerium für Innere Sicherheit hatte während der Proteste in Minneapolis im Januar dieselbe Begründung für den gewaltsamen Tod der US-Bürgerin Renée Good durch ICE-Beamte angeführt. Dasselbe Argument verwandten die ICE-Beamten auch nach der Erschießung des 23-jährigen mexikanisch-amerikanischen Doppelbürgers Ruben Ray Martínez in Texas.

In beiden Fällen konnten weder Aufnahmen der Kameras der Beamten noch Zeugenaussagen die Vorwürfe der Beamten bestätigen. Im Fall von Ray Martínez entschied ein Geschworenengericht des texanischen Bezirks Cameron im Februar dennoch, keine strafrechtliche Anklage gegen den Täter zu erheben.

 

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