
(Washington, 20. Januar 2026, amerika21).- Ein Kubaner ist mutmaßlich an den Folgen einer Auseinandersetzung mit dem Wachpersonal in einer Haftanstalt der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in Texas verstorben. Der zuständige Gerichtsmediziner deutete an, dass der Tod von Geraldo Lunas Campos wahrscheinlich als Mord eingestuft werden wird. Wie die Zeitung The Washington Post berichtete, gab der Arzt des Bezirks El Paso gegenüber der Familie als vorläufige Todesursache von Geraldo Lunas Campos „Erstickung durch Druck auf Hals und Brust“ an.
Die US-Bundesregierung hat eine andere Darstellung der Ereignisse rund um den Tod des 55-jährigen Vaters von vier Kindern in Camp East Montana, einem weitläufigen Internierungslager für Migrant*innen auf dem Militärstützpunkt Fort Bliss in El Paso, vorgelegt. Die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE gab bekannt, dass Lunas Campos am Tag seines Todes „in der Warteschlange für Medikamente für Unruhe gesorgt“ habe. Er sei deshalb in Einzelhaft genommen worden, woraufhin er in eine „medizinische Notlage“ geriet. Die Behörde erwähnte indes nicht, dass der Insasse unmittelbar vor seinem Tod in eine Auseinandersetzung mit Wärtern verwickelt war, zählte dafür aber detailliert die Vorfälle zwischen 1998 und 2009 auf, in denen Lunas Campos mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein soll.
Nach dem Bericht der Washington Post erklärte die stellvertretende Ministerin des Heimatschutzministeriums, Tricia McLaughlin, Lunas Campos habe versucht, sich das Leben zu nehmen, und die Wärter hätten versucht, ihn zu retten. „Campos leistete heftigen Widerstand gegen das Sicherheitspersonal und versuchte weiterhin, sich das Leben zu nehmen“, sagte McLaughlin. „Während des darauf folgenden Kampfes hörte Campos auf zu atmen und verlor das Bewusstsein.“
Augenzeugen sollen abgeschoben werden
Augenzeugen widersprechen dieser offiziellen Darstellung. Der Salvadorianer Santos Jesus Flores und der Kubaner Antonio Ascon Frometa, zwei Insassen des Camp East Montana, sagten gegenüber der Washington Post, sie hätten gesehen, wie die Wachleute Lunas Campos zu Boden warfen und in den Würgegriff nahmen, bis er das Bewusstsein verlor. Die Trump-Regierung strebt nun die rasche Abschiebung der beiden Männer an, die Zeugenaussagen in einem Prozess machen könnten.
Lunas Campos ist einer von insgesamt fünf Migranten, die in den ersten 15 Tagen dieses Jahres im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ums Leben kamen. Auch beim jüngsten der Todesfälle gaben die Behörden Selbstmord als Todesursache an. Nichtregierungsorganisationen protestieren gegen die Welle von Todesfällen. „Der Tod von Geraldo Lunas Campos ist der jüngste in einer Reihe vermeidbarer Todesfälle“, sagte Haddy Gassama von der American Civil Liberties Union (ACLU). Die Fälle verdeutlichten „ein allgemeines Muster ungebremster Gewalt und Misshandlung durch die ICE gegenüber Mitgliedern unserer Gemeinschaften, finanziert durch Steuergelder“, betonte Gassama.
Düstere Aussichten
Mit 32 Todesfällen in ICE-Gewahrsam war 2025 das tödlichste Jahr seit fast zwei Jahrzehnten. Diese Todesfälle in Haftanstalten, gepaart mit der anhaltenden Eskalation der Gewalt durch Bundesbeamte auf den Straßen, „zeichnen ein düsteres Bild davon, was passiert, wenn eine Regierungsbehörde über ein astronomisches Budget verfügt und keiner Rechenschaftspflicht unterliegt“, warnte ACLU.
Das Internierungslager Camp East Montana im Militärcamp Fort Bliss, in dem Geraldo Lunas Campos umkam, steht im Zentrum der Kritik. Die Trump-Regierung eröffnete das Zeltlager im August 2025 trotz Warnungen von Kongressabgeordneten und Aktivist*innen, die Einrichtung würde eine humanitäre Katastrophe darstellen.
Einen Monat zuvor vergab die Armee den 1,2 Milliarden US-Dollar teuren Auftrag zu dessen Bau an das kleine Unternehmen Acquisition Logistics LLC, das keine nachweisliche Erfahrung mit dem Betrieb einer Justizvollzugsanstalt hat und über keine funktionierende Website verfügt. Das Camp East Montana auf dem Militärstützpunkt Fort Bliss beherbergt derzeit über 2.700 Insassen und ist für insgesamt 5.000 Häftlinge ausgelegt, was es zum größten Abschiebegefängnis des Landes macht.
Kubaner stirbt in ICE-Haft von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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