Weiterer Gemeindeaktivist ermordet

kolumbien hidroituango. Foto: Radio Mundo Real(Berlin, 19. September 2013, poonal/Radio Mundo Real).- Der kolumbianische Gemeindesprecher und Bergarbeiter Nelson Giraldo Posada wurde am 17. September am Ufer des Flusses Cauca in der Region Sardinas der Gemeinde Ituango (Bundesstaat Antioquia, nordwestliches Kolumbien) getötet. Er war ein führendes Mitglied der Bewegung Ríos Vivos in Antioquia, die die Interessen der Menschen vertritt, die seit März 2013 aus mehreren Gemeinden im Norden und Westen des Bundesstaates vertrieben wurden.

Der 31-jährige Giraldo war für eine Gruppe von rund 50 Personen verantwortlich, die von dem geplanten Wasserkraft-Großprojekt Hidroituango betroffen sind und zur Zeit in der Universität von Antioquia in der Departmentshauptstadt Medellín Zuflucht gesucht haben.

Trotz der Gefahren war Giraldo in das Gebiet zurückgekehrt, in dem er immer gelebt hatte, um seinen alten Arbeitsplatz zu besuchen. Zudem wollte er herausfinden, ob für seine Gruppe die Möglichkeit einer sicheren Rückkehr nach Ituango bestünde. Doch am Nachmittag des 17. September wurde er tot am Ufer des Flusses Cauca aufgefunden, mit durchgeschnittener Kehle und Einschüssen in Brust und Beinen. Seine Frau und die beiden Kinder leben weiterhin in der Universität von Antioquia, wo es Schwierigkeiten mit der Gesundheitsversorgung und Nahrungsmitteln gibt.

Regierung hat Todesdrohungen ignoriert

Die kolumbianische Bewegung Ríos Vivos kämpft gegen Staudammprojekte und vertritt die Interessen der davon Betroffenen. Die von Hidroituango betroffenen Anwohner*innen, die in der Bewegung Ríos Vivos organisiert sind, hatten mehrfach Todesdrohungen gegen sie angezeigt und vom Staat Schutzmaßnahmen eingefordert. Am 9. September fällte der Oberste Gerichtshof von Medellín ein Urteil zu Gunsten von Ríos Vivos und kündigte an, innerhalb weniger Tage über ihre Anträge auf Schutz zu entscheiden.

Das Projekt Hidroituango gehört der staatlichen EPM (Empresas Públicas de Medellín). Der geplante Staudamm soll 225 Meter hoch werden und das Wasser des Cauca, eines der wichtigsten Flüsse des Landes stauen. Mit 3.800 Hektar überschwemmten Land betreffen die Auswirkungen mehrere Gemeinden im Norden und Westen von Antioquia. Seit über sechs Monaten befinden sich 400 Vertriebene aus diesen Gemeinden in der Universität von Antioquia.

„Die Bewegung Ríos Vivos hat einen wichtigen Aktivisten der Gemeinde Ituango verloren“, erklärte Isabel Zuleta, Sprecherin der Bewegung in Antioquia, gegenüber Radio Mundo Real. „Wir haben immer gesagt, dass es keine unbegründete Angst ist, dass wir die Bedrohungen nicht erfunden haben; wir haben die entsprechenden Anzeigen erstattet, aber der Staat hat uns nicht beachtet.“

Die Sprecherin betonte, es sei nicht Aufgabe der Bewegung Ríos Vivos, die Drohungen und den Mord zu untersuchen, da die Leben ihrer Mitglieder in zu großer Gefahr seien. Dennoch seien das Personenschutzprogramm des Innenministeriums und die Regierung von Antioquia nicht ihrer Verantwortung gerecht geworden, auf das Leben und die Unversehrtheit der Gegner*innen von Hidroituango zu achten.

Aufgrund des Mordes und der Drohungen gegen weitere geflüchtete Anwohner*innen des Staudammprojektes hat Amnesty International eine Urgent Action eingeleitet.

 

CC BY-SA 4.0 Weiterer Gemeindeaktivist ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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