Mitschuld der USA am Völkermord darf niemals vergessen werden

von Wendy Méndez- Comunidades de Población en Resistencia

Die Reagan-Administration gewährte Montt zehn Millionen Dollar Militärhilfe. Foto: Adital(Fortaleza, 17. April 2013, adital).- Die Schule des amerikanischen Kontinents (Escuela de las Américas) ist eine US-Institution, die seit 1946 Offiziere aus lateinamerikanischen Ländern ausbildet. Das Schlagwort lautet „counter insurgency“, Bekämpfung von Aufständen. Ausgangspunkt war die neue weltpolitische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg, durch den die USA endgültig zur Weltmacht aufstiegen. Die Vereinigten Staaten sahen Mittelamerika als eine Reihe von Bananen-Republiken ihres Hinterhofs an.

Bündnisse mit Oligarchie und der extremen Rechten

Die Schule des amerikanischen Kontinents ist auch als Schule der Mörder bekannt, denn viele ihrer Absolventen sollten später in ihren Ländern in Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen verwickelt sein und teilweise für diese bestraft werden. Stellvertretend für viele sei der argentinische Junta-General Jorge Rafael Videla genannt. Ziel der SOA, wie die englische Abkürzung für School of the Americas lautet, war die Bildung von Allianzen mit wirtschaftlich mächtigen Gruppen, der Oligarchie im jeweiligen Land, sowie mit der extremen Rechten. Gemeinsam sollte im Rahmen des Kalten Krieges der sogenannte Kampf gegen den internationalen Kommunismus geführt werden.

Auch Ríos Montt war Absolvent der „Schule der Mörder“

Im Jahr 2000 änderte die SOA ihren Namen in Institut der Westlichen Hemisphäre für Sicherheitszusammenarbeit WHINSEC (Western Hemisphere Institute for Security Cooperation). Der euphemistische Name soll verschleiern, dass zum Schulungsprogramm nach wie vor das Verschwindenlassen von politischen Gegnern, Mord, Spionage, sexuelle Gewalt, Massaker und psychologische Bekämpfung gehören.

Der guatemaltekische General Efraín Ríos Montt, dem derzeit in seiner Heimat gemeinsam mit dem früheren Chef des militärischen Geheimdienstes, General José Rodríguez Sánchez, der Prozess gemacht wird – das Verfahren wurde am 18. April bis auf weiteres unterbrochen – zählt zu jenen, die die SOA absolvierten. Er erhielt 1950 in Fort Gulick in Panama unter anderem Ausbildungen in Infanterie und schwerer Artillerie; 1961 nahm er zudem an einem Spezialkurs in Aufstandsbekämpfung in Fort Bragg in North Carolina teil. Es handelt sich daher um einen klaren Fall von Einmischung der USA in die Angelegenheiten Guatemalas, der durch die Ausbildung von Efraín Ríos Montt möglich wurde.

Stimmungsmache gegen Guatemala Anfang der 1950er Jahre

Erinnert sei an Pressekampagnen in US-Zeitungen und internationalen Blättern, Stichwort „Roter Terror“ in Guatemala, den es zu verhindern gelte. Hintergrund waren die Reformen der Präsidenten Juan José Arévalo und Jacobo Arbenz Guzmán, die brachliegendes Land der berüchtigten United Fruit Company enteignet hatten. Ab 1950 wurde die öffentliche Meinung dahingehend bearbeitet, es gelte eine „kommunistische Invasion“ in Guatemala zu stoppen. Auf der zehnten Panamerikanischen Konferenz in Venezuela wurde im März 1954 ein Recht auf Intervention beschlossen, für den Fall, dass irgend eine politische Institution in die Hände der internationalen kommunistischen Bewegung fallen sollte. Guatemalas Außenminister widersetzte sich dem Beschluss. Im Juni 1954 wurde der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Arbenz Guzmán gestürzt, die CIA hat die Fäden gezogen.

Den „Feind im Inneren“ bekämpfen

Einen wichtigen Einschnitt bedeutete dann 1959 die Kubanische Revolution, in deren Folge die USA ihre Außenpolitik weiter verschärften. Der „Feind im Inneren“ betrat die Bühne. Guatemala sollte insofern eine unrühmliche Rolle spielen, als Versuche von Kuba-Invasionen auf dem Boden des mittelamerikanischen Landes geschmiedet wurden. Ein Blick in das SOA-Handbuch „Terrorismus und Stadtguerilla“ ist lehrreich: Es wird nicht unterschieden zwischen Zivilbevölkerung und Guerilleros. Beide sind gleichermaßen feindliche Zielscheiben. Im Fall Guatemalas wurden Polizei- und Militäreinrichtungen geschaffen, um in ländlichen Gebieten die soziale Kontrolle sicherzustellen.

266 Massaker in anderthalb Jahren

Was nun Efraín Ríos Montt betrifft, so wurde er 1982 nicht durch eine demokratische Wahl zum Präsidenten Guatemalas, sondern durch einen Staatsstreich, der den seit 1978 regierenden General Romeo Lucas García aus dem Amt jagte. Von März 1982 bis August 1983 wurden Guatemalas staatliche Institutionen vollständig militarisiert. General Efraín Ríos Montt errichtete ein Unterdrückungssystem, an dessen Spitze der militärische Geheimdienst das Sagen hatte. Ríos Montt schuf Sondertribunale, die jene, die als Feinde im Inneren galten, entführten, folterten und Willkürprozesse führten. Den Grund der Anklage erfuhren die Opfer nicht, die Gesichter ihrer Richter konnten sie nicht sehen. Ernannt wurden diese vom General höchstpersönlich. Die Strafe lautete: Hinrichtung oder Verschwinden auf Nimmerwiedersehen.

Der Bürgerkrieg in Guatemala dauerte 36 Jahre, von 1960 bis 1996. Von den in diesem Zeitraum begangenen 669 Massakern entfielen allein 266 auf die knapp anderthalbjährige Diktatur von Ríos Montt. Was er bezüglich verbrannter Erde und psychologischer Kriegsführung an der SOA gelernt hatte, wendete er gegen seine Landsleute an.

Zeit der Sandinistischen Revolution

Und während all diese Verbrechen begangen wurden, schwadronierte US-Präsident Ronald Reagan von einer Verbesserung der Menschenrechtslage in Guatemala. Zugleich rechtfertigte er die US-Militärhilfen, vier Millionen Dollar im Jahr 1982 allein für Helikopter-Ersatzteile, weitere 6.3 Millionen Dollar 1983. Ganz Mittelamerika litt unter der Reaganschen Politik, es war die Zeit der Sandinistischen Revolution in Nicaragua, die die USA um jeden Preis auslöschen wollten.

Genozid am Volk der Ixil

Protestaktion gegen den Völkermord. Foto: adital/Wendy MendezAm 19. März dieses Jahres durften Überlebende der Massaker unter General Ríos Montt dann endlich den Beginn des Prozesses gegen den inzwischen 86 Jahre alten Ex-Diktator erleben. Bei dem Gerichtsverfahren steht konkret der Genozid an dem indigenen Volk der Ixil im Fokus. Allerdings wurde bislang wenig oder gar nicht darüber gesprochen, welche Mitverantwortung die USA hierfür tragen. Das Urteil und die Strafe müssen nicht nur die direkt Verantwortlichen für den Völkermord treffen, sondern ebenso ihre Komplizen. Und die Schule der Mörder muss endlich geschlossen werden.

(Weitere Quellen: www.soaw.org, www.soawlatina.org)

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