
no hay silencio
Foto: privat
(Guayaquil, 23. Dezember 2025, pressenza).- Am Vorabend des Weihnachtsfests, ein Jahr nach der Ermordung der vier Kinder aus Guayaquil durch Militärangehörige, hat die ecuadorianische Justiz ein Urteil gesprochen: 34 Jahre Gefängnisstrafe für elf der 17 Militärs einer Patrouille, Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer sich als unmittelbare Täter des Straftatbestands „erzwungenes Verschwindenlassen“ schuldiggemacht hatten. Bei der Verlesung des Urteils erklärte Richter Jovanny Suárez der anwesenden Öffentlichkeit am vergangenen 22. Dezember: „Die Grausamkeit, mit der sie zu Opfern gemacht wurden, ist bewiesen“. Die Richter sprachen ihr Urteil nach 15 Verhandlungsterminen, die sich über fast sieben Wochen seit dem 15. November erstreckten.
Brutaler Angriff auf vier Kinder
Am 8. Dezember 2024 wurden Ismael, Josué, Nehemías und Steven von einer Militärpatrouille der Luftwaffe im Bezirk Las Malvinas angehalten. Die vier afroecuadorianischen Kinder eines einfachen Viertels im Süden der Stadt Guayaquil waren auf dem Heimweg von einem Fußballspiel. Minuten später schüchterten siebzehn Militärs sie ein, schlugen sie, folterten sie brutal und schossen auf sie. Um die Spuren ihres eigenen Verbrechens zu verwischen, verbrannten die Militärs die Körper. Am 24. Dezember 2024 wurden die verbrannten Überreste der vier Kinder in einem ländlichen Mangrovengebiet gefunden.
Bestrafung, Wiedergutmachung, Prävention
Zusätzlich zu den Haftstrafen wurde die Zahlung von Bußgeldern und wirtschaftlicher Schadensersatz für die Familien angeordnet. Außerdem legte das Gericht Maßnahmen der Wiedergutmachung, Genugtuung und Prävention von Wiederholung fest: öffentliche Entschuldigung in einem überregionalen Medium, eine Zeremonie im Luftwaffenstützpunkt Base Aéra de Taura, das Anbringen einer Gedenktafel mit den Namen der Opfer, und die Durchführung von verpflichtenden Menschenrechtsschulungen für Militärpersonal im Umfang von mindestens 120 Stunden pro Jahr, mit Schwerpunkt auf Einsätze mit Zivilpersonen, Kindern, Jugendlichen und älteren Erwachsenen. Das Urteil ordnet auch die öffentliche Richtigstellung von Versionen der Geschichte an, die über Medien, u.a. Social Media, verbreitet wurden und welche die Opfer Ismael, Josué, Nehemías und Steven stigmatisierten. Die Behauptungen wurden im Laufe des Gerichtsverfahrens widerlegt, stattdessen wurde nachgewiesen, dass die Jugendlichen unschuldige Opfer eines staatlichen Verbrechens geworden sind (Primicias, 22. Dezember 2025).
Präzedenzfall gegen die Straflosigkeit
Im gewaltvollsten Jahr seiner jüngeren Geschichte hat das Land mehr als 9.000 Opfer zu verzeichnen. Insofern stellt das Urteil einen Präzedenzfall gegen die Straflosigkeit und die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen dar. Das Tribunal de Garantías Penales im Kanton Guayas ist als Strafgericht für die Gewährleistung der verfassungsmäßigen Rechte im Strafverfahren zuständig. Dem vorausgegangen waren das durchschlagende „Nein“ in der Volksbefragung am vergangenen 16. November (Consulta popular 2025) und die landesweiten Demonstrationen, Streiks und Blockaden im Rahmen des #ParoNacional2025.
Kein Land von Verbrechern, aber eine verkommene Gesellschaft
Die Wiedergutmachungsmaßnahmen des Urteils spielen auf das fehgeleitete Verhalten ausgehend von den höchsten Rängen der Regierung an: „Sie forderten die Aufhebung der Untersuchungshaft, den Widerruf der Haftprüfung, sie bedrohten die Verfassungsrichterin, die diese angeordnet hatte. Sie entschieden sich, zu schweigen, während die Eltern der Opfer auf schmerzhafte Weise erneut zu Opfern gemacht wurden, sie initiierten Kampagnen der Desinformation und der Stigmatisierung gegen die Kinder und ihre Eltern“, fasst Rechtsanwalt und Menschenrechtsverteidiger Fernando Bastias auf X zusammen. „Die Familien der Kinder, soziale Organisationen, Menschenrechtsorgane und die Bürger*innen des Landes und der Welt erwarten, dass die Gerechtigkeit in Ecuador lebendig ist keine Macht, kein Schweigen und keine Einflussnahme stärker ist als das Recht auf Würde.“ Zu den zahlreichen Zustimmungs- und Solidaritätsbekundungen zirkulierte am Tag des Urteils das Stück „No hay silencio“ („Es gibt kein Schweigen“) der Gruppe Aztra, getextet und komponiert von Bandmitglied Luis Nawel. Der Videoclip erzählt von den Ereignissen und mischt nachgestellte Szenen mit den Aufnahmen von Protesten. In dem Song heißt es:
Vier Medaillen und ein abgerissener Traum, so fiel Ismael: gefoltert, gedemütigt.
Zusammen mit seinem Bruder und zwei Jugendlichen schreit er der Macht ins Gesicht: „Gerechtigkeit, Herr Präsident!“
Welcher Vater stellt sich diese gefühllose Szene vor?
Brennende Körper, ein Schuss in die Stirn, einer in den Rücken… und der Himmel als Zeuge:
„Papa, rette mich… der Feigling lebt noch!“
Siebzehn Paar Stiefel, die den Weg zur Hölle zeigen,
ein Pakt des Schweigens, kranke Herzen.
Schüsse aus nächster Nähe, glühende Gewalt…
Siebzehn gegen vier, die Feigheit siegt.
Kein Schweigen für Ismael! Kein Schweigen für Josué!
Kein Schweigen für Nehemías! Kein Schweigen für Steven!
Übersetzung: Constanze Schwärzer
Ismael, Josué, Nehemías, Steven: Kein Schweigen, keine Straflosigkeit von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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