Familie von Menschenrechtlerin weiter im Visier der Gewalt

von Darius Ossami

Marisela Reyes Salazar im Hungerstreik, Foto: http://nuestrashijasderegresoacasa.blogspot.com, Carlos Ramos Mamahua / La Jornada(Berlin, 22. Februar 2011, npl).- Die nordmexikanische Stadt Ciudad Juárez ist schon seit vielen Jahren ein Synonym für Gewalt und tägliches Morden. Allein im Jahr 2010 sind über 3.000 Menschen in der 1,3 Millionen Einwohner*innen zählenden Stadt getötet worden. Da scheint es wenig verwunderlich, dass es Menschenrechtler*innen und soziale Aktivist*innen in einem solchen Klima schwer haben. Dennoch ist erschreckend, was die Familie der Menschenrechtsaktivistin Josefina Reyes Salazar derzeit durchmachen muss.

Mord nach mehrfachen Todesdrohungen

Am 3. Januar 2010 wurde Josefina Reyes Salazar in Ciudad Juárez erschossen. Die Täter sind bis heute unbekannt. Josefina Reyes war über zehn Jahre als Menschenrechtlerin aktiv und hatte ein lokales Menschenrechtskomitee gegründet. Sie prangerte nicht nur die nach wie vor ungeklärte Mordserie an Frauen in Ciudad Juárez an, sondern auch die Verletzungen der Grundrechte seitens der mexikanischen Armee im Kampf gegen die Drogenkartelle. Dafür war sie mehrfach mit dem Tod bedroht worden, zudem wurde 2009 einer ihrer Söhne erschossen. Der Bruder der getöteten Aktivistin, Rubén Reyes, wurde im August 2010 ebenfalls ermordet. Auch hier gibt es keine nennenswerten Ermittlungsergebnisse.

Am 7. Februar 2011 sind nun drei Familienangehörige von Josefina Reyes im Bundesstaat Chihuahua entführt worden. Bewaffnete Männer hatten die Mutter, die Tochter, die Schwägerin und zwei Brüder der ermordeten Aktivistin auf einer Landstraße in ihre Gewalt gebracht. Zwar wurden die Mutter, Sara Salazar sowie die Tochter von Josefina Reyes freigelassen, doch die Brüder Malena und Elías Reyes, sowie die Schwägerin Luisa Ornelas bleiben weiterhin verschwunden. Seit der Entführung befinden sich zwei Tanten der Entführungsopfer sowie ein weiterer Unterstützer im Hungerstreik. Sie errichteten eine Protestplattform vor dem Justizgebäude in Ciudad Juárez und fordern, dass der Staat etwas unternimmt und es ein Lebenszeichen von den Entführten gibt.

„Wir hoffen nur, dass die Verschwundenen lebend wieder auftauchen“

Das gibt es bislang jedoch nicht; stattdessen wurde am 16. Februar das Haus von Sara Salazar, der Mutter von Josefina Reyes angezündet. In der Nacht darauf brannte das Haus von Malú García, einer Unterstützerin der Familie. García ist Mitglied der Menschenrechtsorganisation Nuestras Hijas de Regreso a Casa, deren Vorsitzende ebenfalls ermordet worden ist. Nach dem Brand und vorhergehenden Drohungen ist García inzwischen aus Ciudad Juárez geflohen. Claudia Reyes, die Schwester der Verschwundenen erklärte, dass es für sie und ihre Mutter unwichtig sei, ob die Täter die sieben Häuser und drei Geschäfte der Familie auch noch niederbrennen, denn: „wir werden hier nicht mehr wohnen bleiben. Wir hoffen einfach nur, dass die drei Verschwundenen lebend wieder auftauchen.“

Untätige Staatsanwaltschaft

Auffällig ist, dass die zuständigen Behörden bisher kein gesteigertes Interesse an Ermittlungen nach den Tätern erkennen ließen. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft weigerte sich, die Familienangehörige zu empfangen. Für Amnesty International zeigt der Fall Reyes Salazar das Ausmaß der Straflosigkeit in der Region, die von den Behörden geduldet werde. Die Menschenrechtsorganisation hat eine Eilaktion wegen der Vorfälle gestartet.

Weiterlesen:
Reden gefährlich, Schweigen alltäglich | von Inga Rahmsdorf |
LN 383
| Mai 2006

Die Toten von Ciudad Juárez | von Anders Schneider | LN 343 | Januar 2003
Die Straflosigkeit muss die Justiz lösen | Telefoninterview mit Marisela Ortiz (12. Mai 2005)

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