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(Gaborone, 7. Juni 2026, civicus lens).- Historischer Sieg für LGBTQI+: Jahrelang hat die Bewegung in Botswana gegen die strafrechtliche Verfolgung gleichgeschlechtlicher Beziehungen gekämpft; im März 2026 wurden die LGBTIQ-feindlichen Bestimmungen endlich aus demIn anderen Ländern der Region sind LGBTQI+-Rechte zunehmend gefährdet. Strafgesetzbuch entfernt. Bereits im Jahr 2019 hatte der Oberste Gerichtshof das Relikt aus der Kolonialzeit als verfassungswidrig eingestuft. Zwei Jahre später wurde das Urteil vom Berufungsgericht bestätigt. Doch das Gesetz, das bis zu sieben Jahren Haft für gleichgeschlechtlichen Beziehungen vorsah, blieb weiterhin in Kraft. Aktivist*innen, Anwält*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen ließen nicht locker, bis die Gesetzgebung endlich dem verfassungsrechtlichen Bekenntnis Botswanas zu Würde, Gleichheit, Freiheit und Privatsphäre angeglichen wurde. Trotz aller Freude über ihren Erfolg steht für die Aktivist*innen fest: Die einzige wirkliche Sicherheit liegt in unserem kontinuierlichen Engagement. Und der Kampf ist auch noch lange nicht vorbei. Bis zur Anerkennung durch die Familien, der Überwindung von Diskriminierung und der umfassenden gesellschaftlichen Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg. Was die Gleichberechtigung queerer Menschen angeht, bietet die Entwicklung in Botswana trotzdem ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie strategische Aktionen, zivilgesellschaftliches Engagement und die Mobilisierung junger Menschen einen deutlichen Wandel bewirken können. In anderen Ländern der Region sind LGBTQI+-Rechte nämlich zunehmend gefährdet.
Faith Gunda ist Jurastudentin, Menschenrechtsaktivistin, Mitbegründerin von Sisterhood Chain International und Mitglied des CIVICUS Protest Lab. Sie lebt in Botswana und erzählt, was die Aufhebung des Gesetzes bedeutet, warum alles so lange gedauert hat und was als Nächstes ansteht. Dieser Artikel erschien ursprünglich auf CIVICUS Lens, der Medienplattform des globalen Zivilgesellschaftsverbands CIVICUS, und wird mit CIVICUS- Genehmigung wiedergegeben.
– Was bedeutete die Gesetzesreform für LGBTQI+-Personen?
– Die formelle Aufhebung des Gesetzes ist symbolisch, aber Symbole sind wichtig, weil sie den Menschen signalisieren, ob sie einen Platz in der Gesellschaft haben oder nicht. Jahrelang vermittelten die Strafgesetze den LGBTQI+-Personen in Botswana die Botschaft: „Ihr seid Kriminelle.“ Selbst nachdem die Gerichte diese Bestimmungen im Jahr 2019 für verfassungswidrig erklärt hatten, blieben sie weiterhin in Kraft – eine ständige Erinnerung daran, dass der Staat ihre Identitäten als Bedrohung ansah. Die Aufhebung des Gesetzes bringt das Recht mit den verfassungsrechtlichen Werten der Würde, Gleichheit, Freiheit und Privatsphäre in Einklang. Dass LGBTQI+-Personen nun keine Kriminellen mehr sind und das Gesetz ihre Identität nicht mehr unter Strafe stellt, bedeutet für junge Menschen, für ihre psychische Gesundheit, für ihr Zugehörigkeitsgefühl, für ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eine enorme Veränderung. Sie können LGBTQI+-feindliche Gewalt zur Anzeige bringen, sie erhalten Zugang zur Gesundheitsversorgung, sie können offener und angstfreier leben, können aufatmen, sich eine Zukunft vorstellen. Aber der Erfolg ist uns nicht einfach in den Schoß gefallen. Er ist das Ergebnis jahrelanger unermüdlicher Arbeit von Aktivist*innen, von Organisationen wie „Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana“ und von ganz normalen Menschen, die bereit waren, alles zu riskieren und Widerstand zu leisten gegen ein tief verwurzeltes Stigma. Und das ist nicht das Ende eines Kampfes, sondern Ausgangspunkt für die nächste Phase. Die Arbeit geht weiter.
– Warum hat es so lange gedauert, die kolonialen Vorschriften aufzuheben, obwohl sie von den Gerichten schon für verfassungswidrig erklärt worden waren?
– Rechtliche Erfolge und politischer Wandel schreiten nicht im gleichen Tempo voran. Die Gerichte haben bereits 2019 klargestellt, dass das Gesetz verfassungswidrig war. Doch Gerichtsurteile setzen sich nicht von selbst durch. Die Gesetze aus der Kolonialzeit sind nach wie vor fest im Strafgesetzbuch verankert, weil ihre Abschaffung politischen Willen erfordert und die Politiker negative Reaktionen befürchten. Deshalb mussten LGBTQI+-Personen noch sechs Jahre lang mit einem Gesetz leben, das die Gerichte bereits als ungerecht eingestuft hatten Was schließlich den Wandel herbeiführte, war der anhaltende Druck. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschenrechtsvertreter*innen und Anwält*innen weigerten sich, die Ungerechtigkeit einfach hinzunehmen. Als die Bestätigung des Urteils durch das Berufungsgericht im Jahr 2021 keine große Veränderung brachte, waren es die Aktivist*innen, die sich organisierten, weiterhin ihre Stimme erhoben und die Umsetzung der gerichtlichen Entscheidung forderten. Im März 2026 wurde das Gesetz schließlich geändert. Was wir daraus gelernt haben: Gerichtsurteile sind wichtig, aber erst das beharrliche Handeln der Menschen macht sie zu einem echten Schutz.
– Welche Hindernisse bleiben bestehen, und wie geht es nun weiter?
– Entkriminalisierung ist nicht dasselbe wie Gleichberechtigung, aber sie ist die Voraussetzung. Echte Gleichberechtigung umfasst Eherechte, familiäre Anerkennung und Schutz vor Diskriminierung. Der Fall zur gleichgeschlechtlichen Ehe, der diesen Monat vor Gericht verhandelt wird, wird zeigen, wie weit die verfassungsrechtlichen Schutzbestimmungen reichen: ob sie bei Privatsphäre und Intimität stehenbleiben oder Würde, rechtliche Anerkennung und alle staatsbürgerlichen Rechte umfassen, die bislang heterosexuellen Paaren vorbehalten ist. Doch gesetzliche Beschränkungen sind nur ein Teil der Geschichte. Gesellschaftliche Barrieren und Stigmatisierung in den Familien, im Gesundheitswesen, in den Schulen und am Arbeitsplatz müssen ja auch noch überwunden werden. Die Gesetzesreform bedeutet zwar Schutz, aber tief verwurzelte Einstellungen ändern sich dadurch nicht von heute auf morgen. Die jungen Menschen in Botswana sind zunehmend der Überzeugung, dass alle die Möglichkeit haben sollten, authentisch und ohne Angst zu leben. Sie organisieren sich und treten öffentlich in Erscheinung. Das Schweigen, das frühere Generationen erdulden mussten, lehnen sie ab. Die Verjüngung der Bewegung hat sich zu einer starken Triebkraft des Wandels entwickelt. Der Weg verläuft nicht geradlinig, doch die Richtung ist unbestreitbar. Reform erfordert beständiges zivilgesellschaftliches Engagement. Dazu gehört, dass Aktivist*innen sich ihren Raum nehmen und verteidigen, dass Basisorganisationen junge Menschen stärken und dass die Bewegung konsequent das volle Paket an Menschenrechten fordert, statt sich mit weniger zufriedenzugeben.
– Ist Botswana ein Vorbild für Afrika?
– Wir haben in Botswana viel erreicht, trotzdem existiert auch die andere Seite: Die Gesellschaft ist nach wie vor konservativ und diskriminierend, und wenn wir unere Errungenschaften nicht kontinuierlich verteidigen, könnten wir sie genauso schnell wieder verlieren. Trotzdem hat die Entwicklung in Botswana auf unserem Kontinent Vorbildcharakter, weil hier zivilgesellschaftliches Engagement, Verfassungsrecht und richterliche Unabhängigkeit tatsächlich zum Erfolg geführt haben. In mehreren afrikanischen Ländern werden gerade strengere Anti-LGBTQI+-Gesetze verabschiedet, und queere Identität gilt zunehmend als „unafrikanisch“, dabei gehen die Gesetze, die gleichgeschlechtliche Beziehungen verbieten, auf die Kolonialzeit zurück. Die Entwicklung in Botswana stellt dieses Bild in Frage. Sie zeigt, dass afrikanische Verfassungsdemokratien Würde, Gleichheit und Freiheit inklusiv auslegen können, ohne dabei lokale Rechtstraditionen aufzugeben. Für Menschenrechtsverteidiger*innen in der gesamten Region ist Botswana der Beweis dafür, dass Engagement und der beharrliche strategische Kampf für Freiheitsrechte selbst in schwierigen politischen Umfeldern bedeutende Veränderungen bewirken können.
LGBTIQ+-Bewegung in Botswana bekämpft koloniale Gesetze von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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