Wir dokumentieren: Juan Rojas Vásquez zu Stopp Enteignungsplanung Colonia Dignidad

Colonia DIgnidad Verschwundene Gedenkstätte Aufarbeitung
Miguel Rojas Rojas und Gilberto Rojas Vásquez wurden mutmaßlich am 13.10.1973 in der Colonia DIgnidad ermordet. Foto: Ute Löhning

Juan Eduardo Rojas Vásquez
Internationaler Mediator | Autor

PRESSEMITTEILUNG

Stuttgart, 31. März 2026
Entsetzen über den Stopp der Gedenkstätte für die Opfer der Colonia Dignidad in Chile 

Mit tiefem Entsetzen habe ich erfahren, dass die chilenische Regierung den Bau einer Gedenkstätte für die Opfer der deutschen Kolonie in Chile – der sogenannten Colonia Dignidad – gestoppt hat.
Diese Entscheidung ist nicht nur unverständlich, sie ist ein schwerer Schlag für die Angehörigen der Opfer. Die geplante Gedenkstätte ist von herausragender Bedeutung für Chile und die internationale Gemeinschaft, denn sie erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der chilenischen Geschichte.

In der Colonia Dignidad wurden über Jahrzehnte hinweg schwerste Verbrechen begangen:
systematischer Kindesmissbrauch, sexuelle Gewalt an Kindern, Folter, Mord an chilenischen Staatsbürgern sowie die Zusammenarbeit mit staatlichen Repressionsorganen während der Militärdiktatur.
Ich selbst bin direkt betroffen: Mein Vater, Miguel Rojas Rojas, und mein Bruder, Gilberto Rojas Vásquez, wurden dort festgenommen und sind bis heute verschwunden.
Seit über 52 Jahren suche ich nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich möchte wissen:

  • Wo wurden sie ermordet?
  • Was ist mit ihren Körpern geschehen?
  • Wo können wir trauern?

Bis heute gibt es keine Antworten.

Es ist ein fundamentales menschliches Recht, um unsere Angehörigen zu trauern und einen Ort des Gedenkens zu haben. Niemand darf uns dieses Recht nehmen.
Die geplante Gedenkstätte ist nicht nur ein Symbol – sie ist ein notwendiger Schritt:

  • zur Aufarbeitung der Wahrheit
  • zur Würdigung der Opfer
  • zur Unterstützung der Angehörigen
  • und zur historischen Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen

Berichte und Zeugenaussagen belegen, dass viele Opfer ermordet, verbrannt und ihre Asche in Flüsse verstreut wurde. Dennoch besteht die berechtigte Hoffnung, dass Überreste gefunden werden können. Dafür braucht es politische Unterstützung – nicht deren Rückzug.

Ich appelliere eindringlich an die chilenische Regierung, diese Entscheidung zu überdenken.

Ich appelliere ebenso an die internationale Öffentlichkeit, an Medien und Menschenrechtsorganisationen, diesen Fall nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Ergänzender Appell an die deutsche Bundesregierung

Ich appelliere eindringlich an die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland, die Errichtung der geplanten Gedenkstätte für die Opfer der Colonia Dignidad in Chile aktiv zu unterstützen.
Deutschland trägt eine besondere historische und moralische Verantwortung im Zusammenhang mit den in der Colonia Dignidad begangenen Verbrechen. Daher ist es unerlässlich, dass die deutsche Regierung ihre politischen, diplomatischen und gegebenenfalls finanziellen Möglichkeiten nutzt, um die Aufarbeitung dieser Verbrechen sowie die Schaffung eines würdigen Erinnerungsortes zu fördern.

Eine solche Gedenkstätte ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern ein klares Zeichen für Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenrechte.

Ich fordere die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den chilenischen Behörden und internationalen Menschenrechtsorganisationen darauf hinzuwirken, dass dieses wichtige Projekt realisiert wird.

Der Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit endet nicht.

Ich werde hier in Deutschland weiterhin für die Aufklärung kämpfen – für meinen Vater, für meinen Bruder und für alle Opfer.

Juan Eduardo Rojas Vásquez
Internationaler Mediator | Autor
Stuttgart, Deutschland

 

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