Brasilien

Ärzte müssen nach Vergewaltigung Pille danach ausgeben


Grafik: contagioradio(Venezuela, 02. August 2013, telesur-poonal).- In Brasilien ist am 2. August ein neues Gesetz in Kraft getreten, wonach vergewaltigte Frauen ein Anrecht auf psychologische und medizinische Hilfe des staatlichen Gesundheitssystems haben. Ärzt*innen sind jetzt per Gesetz verpflichtet, Frauen über dieses Recht zu informieren und ihnen die „Pille danach“ zu verabreichen. Das Gesetz wurde vom Kongress verabschiedet, nachdem auch Präsidentin Rousseff dem Entwurf am 1. August zugestimmt hatte.

 

Umstrittene Regelung

Der Gesetzentwurf war in Brasilien sehr umstritten. Einige religiöse Organisationen kritisieren den Vorstoß, weil er praktisch des Abtreibungsrecht flexibilisiere. Die Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass Frauen, die in einer staatlichen Gesundheitseinrichtung erklären, vergewaltigt worden zu sein, die „Pille danach“ verabreicht bekommen müssen, ohne dass die Aussagen der Frauen überprüft werden.

Kulturministerin Marta Suplicy erklärte hierzu, dass die neue rechtliche Regelung “eine Politik zum Schutz von Frauen” zu etablieren suche, ohne sich dadurch gegen religiöse Glaubensgrundsätze zu stellen. Der katholische Jurist Ives Sandra Martins hält das Gesetz jedoch für ambivalent, da seiner Ansicht nach jede Frau, die abtreiben möchte, nur im Krankenhaus behaupten müssen, vergewaltigt worden zu sein.

Schritt in Richtung Frauenrechte

Gesundheitsminister Alexandre Padilha sieht im Gesetz einen Schritt zum respektvollen und menschlichen Umgang mit Vergewaltigungsopfern. Die Frauenministerin Eleonora Menicucci zeigte sich zufrieden über die Verabschiedung der neuen Regelung. Sie erklärte, die psychischen und physischen Schäden, die eine Vergewaltigung verursache seien enorm. Daher sei es notwendig, dass der Staat eine politische Antwort auf diese Situationen gebe.

Verschiedene Frauenorganisationen bewerten das Gesetz als Fortschritt in den Frauenrechten. Präsidentin Dilma Rousseff hatte dem Gesetz nur wenige Tage nach dem katholischen Weltjugendtag und dem Besuch des Papstes in Brasilien ohne Änderungen zugestimmt, obwohl sie kurz vorher noch mit Kirchenvertreter*innen zusammengekommen war.

Diese hatten Rousseff daran erinnert, dass es eines ihrer Wahlversprechen gewesen war, die Abtreibung nicht zu legalisieren.

CC BY-SA 4.0 Ärzte müssen nach Vergewaltigung Pille danach ausgeben von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Uns bringt das Erdöl gar nichts!“ Der Staat, private Unternehmen und internationale Konzerne - sie alle fördern seit Jahrzehnten Erdöl im peruanischen Amazonasgebiet. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Umweltverschmutzungen und zu Konflikten mit den dort lebenden Indigenen. Für viele der Ölaustritte ist eine Pipeline verantwortlich, die von den Ölfeldern im Amazonasgebiet bis zu den Häfen an der Küste führt. Die Pipeline "Oleoducto Norperuano" gehört der staatlichen Erdölgesellschaft Petroperú. Die Pipel...
Uruguay: Zwischen Straflosigkeit und Aufklärung Uruguay ist heute eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt. Doch hat es das Land geschafft seine jüngere Geschichte aufzuarbeiten? Wenn die Vergangenheit unter Beteiligung der Zeitzeugen aufgeklärt werden soll, dann ist jetzt die letzte Chance, denn sowohl Täter, als auch Opfer werden nicht mehr lange leben... Wir hören einen Beitrag von Valentin der Negri. Er wagt einen Rückblick auf die Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre und geht der Frage nach, wi...
„Dahinten, da ist was rot“ – Frauen in der Colonia Dignidad Von Ute Löhning (Berlin, 27. Dezember 2017, npl).- Wenig ist bekannt über das Leben von Frauen in der Colonia Dignidad. Welche Rolle spielten Frauen in jener deutschen Sektensiedlung, die der Laienprediger Paul Schäfer 1961 mit einigen Gefolgsleuten in Chile gegründet hatte? Wo massive Menschenrechtsverletzungen gegen Bewohnerinnen und Bewohner an der Tagesordnung waren und wo während der chilenischen Diktatur Oppositionelle gefoltert und ermordet wurden.  Wie haben Fr...
Kein Feminismus, kein Gender: Frauen treten aus der PRD-Partei aus. (Mexiko-Stadt, 15.Januar 2018, Cimacnoticias/poonal)-. Mitte Januar haben acht Frauen* öffentlich ihren Austritt aus der Partei der Demokratische Revolution PRD (Partido de la Revolución Democrática) angekündigt: Feministische und Gender-Themen hätten keinen angemessenen Platz mehr im Parteiprogramm, so die Frauen. Sie werfen der Partei vor, ihre Werte und Prinzipien vergessen zu haben. Außerdem habe sie sich zu weit nach rechts bewegt und das schon bevor sie sich zu eine...
Frauen in Chachapoyas arbeiten für gerechten Handel Von Jessica Zeller (Berlin/Chachapoyas, 8. Januar 2018, npl).- Chachapoyas ist ein ruhiges Städtchen im Norden Perus mit rund 30.000 Einwohner*innen. Am Hauptplatz des Ortes betreibt Marilyn Velásquez ein Café mit fair gehandelten Produkten lokaler Produzent*innen. Ihre Kund*innen sind vor allem Tourist*innen, die immer häufiger in die Gegend kommen, gibt es doch hier reichlich kulturelles Erbe und idyllische Natur zu bezahlbaren Preisen. Marilyn setzt sich dafür ein, ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.