Guatemala

Menschenrechtsbeauftragte beendet Besuch bei Indigenen


Dinah Shelton, hier 2011 mit dem abgesetzten paraguayischen Präsidenten Fernando Lugo. Foto: Flickr/Fernado Lugo Mendez (CC BY-NC-SA 2.0)(Guatemala-Stadt, 31. August 2013, cerigua/poonal) .- Die Beauftragte der Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH für indigene Völker, Dinah Shelton, hat am 30. August ihren Besuch in Guatemala beendet. Sie wollte sich über die Probleme informieren, die industrielle Großprojekte auf indigenen Gebieten hervorrufen. „Frau Shelton hat ein großes Konfliktpotential bei Großprojekten auf indigenen Ländereien festgestellt, wie bei Bergbau, Wasserkraftwerken als auch bei den Monokulturen Palmöl und Zuckerrohr“, erklärte die Pressesprecherin der CIDH, María Isabel Rivero. Es herrsche ein großes Misstrauen der indigenen Völker und Gemeinden gegenüber den staatlichen Behörden und umgekehrt, so Rivero weiter.

Solche Industrieprojekte haben in Guatemala zu starkem Widerstand seitens Umweltschützer*innen, Bauern und Indigenen geführt; sie sehen die Umwelt bedroht, da die Flüsse und das Grundwasser der betroffenen Gemeinden belastet würden. Während ihres zehntägigen Aufenthaltes in Guatemala traf sich Shelton mit Außenminister Fernando Carrera, dem Staatssekretär für Frieden, Antonio Arenales Forno, sowie mit indigenen Organisationen, Sprecher*innen und Führungspersönlichkeiten.

Die hochrangige Funktionärin besuchte verschiedene Stationen im ganzen Land: In der an Mexiko angrenzenden Provinz Huehuetenango baut eine spanische Firma ein Kraftwerk; in San Marcos betreibt die kanadische Firma Goldcorp eine umstrittene Goldmine. Shelton machte auch in der Provinz Totonicapán Halt; dort hatte das Militär im letzten Jahr eine Demonstration von Indigenen angegriffen und sechs Menschen getötet.

Besuch von Mord an Kindern überschattet

In der Gemeinde Monte Olivo in der Provinz Cobán wurden zwei Kinder erschossen, während Shelton dort zu Besuch war. Mutmaßlicher Täter war der Wachmann des Kraftwerkes Santa Rita, das von der Gemeinde abgelehnt wird; er wurde gefasst und hat angeblich ausgesagt, dass er einen Aktivisten gegen das Kraftwerk erschießen sollte. Da sich dieser Aktivist aber auf einem Treffen mit Shelton befand, habe der Wachmann aus Frust die Kinder erschossen. Er wurde anschließend festgehalten und Stunden später von aufgebrachten Nachbarn gelyncht, nachdem sich die Polizei geweigert hatte, ihn festzunehmen. Pressesprecherin Rivero bedauerte den Tod der Kinder ausdrücklich.

Shelton hat keine Angaben zum allgemeinen Zustand der indigenen Völker in Guatemala gemacht, da sie einen Bericht mit Empfehlungen an die Regierung erstellen wird, der vermutlich Anfang 2014 erscheint. Die CIDH ist eine unabhängige Abteilung der Organisation Amerikanischer Staaten. Shelton ist seit dem 1. Januar 2010 für einen Zeitraum von vier Jahren im Amt.

CC BY-SA 4.0 Menschenrechtsbeauftragte beendet Besuch bei Indigenen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

2017 bereits 14 Menschenrechtsaktivist*innen ermordet Von João Flores da CunhaFoto: Ihu-online/Conpaz(São Leopoldo, 10. Februar 2017, ihu-online).- Die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) meldet die Ermordung von bereits 14 Menschenrechtsaktivist*innen in Lateinamerika seit Beginn des Jahres 2017. Die Einrichtung formulierte ihre „tiefe Sorge“ um diese Zahl, die sie als sehr hoch einschätzt.Die CIDH, eine autonome Einrichtung der Organisation der Amerikanisc...
Ecuadors Regierung gegen Indigene und Umweltschützer*innen Von Silvia Ribeiro*Militär schützt das EXSA-Camp. Foto: Servindi/assets.change.org(Mexiko-Stadt, 7. Januar 2017, la jornada/poonal).- Das Shuar-Volk hat keinen Zweifel an seinem Widerstand gegen den Bergbau und andere Megaprojekte auf seinen Territorien gelassen. Wie andere indigene Völker haben sich die Shuar seit Jahrzehnten aktiv gegen den Vormarsch von Minen- und Erdölunternehmen gewehrt. Das haben sie mit Unterdrückung, Kriminalisierung und vielen ermordeten Anf...
Umzingelt vom Hunger Der grünliche Kanal in La Pista. Foto: Colombia Informa(Medellín, 10. November 2016, colombia informa).- „Heute habe ich kein bisschen Land mehr; nur noch die Erde unter den Fingernägeln, wenn ich hinfalle und an den Füßen, wenn ich mir die Schuhe ausziehe“, sagt Fredy, Bewohner von La Pista. Der Ort befindet sich inmitten eines mehrere Kilometer weitreichenden Palmenwalds, an dessen Längsseite ein kleiner Kanal mit grünlichem Wasser fließt. Die Hitze in der Karibik ist ...
Klares Urteil zur vorherigen Konsultation indigener Gemeinden Foto: Servindi/comuncamapu.blogspot.com(Lima, 30. November 2016, servindi). – Die Zivilkammer des Obersten Gerichtes der Provinz Puno hat eine Vergabe von Bergbau-Konzessionen für verfassungswidrig erklärt, wenn vorher die betroffenen ländlichen Gemeinden weder informiert noch angehört wurden. Das Urteil ist bei Vertreter*innen der peruanischen Zivilgesellschaft auf einhellige Zustimmung gestoßen. So unterstrich die Nationale Koordinationsstelle für Menschenrechte CNDDHH...
Die Natur ist nicht stumm Von Nils BrockErdölförderung in Ecuador. Mit verheerenden Folgen für die Natur. Foto: Pororoca red.(Santiago de Chile,  25. Dezember 2016, npl).- „5. Juni. Die Natur ist nicht stumm. Die Wirklichkeit malt naturalezas muertas, Stillleben. Katastrophen werden Naturkatastrophen genannt, ganz so als ob die Natur der Henker und nicht das Opfer wäre.“ So beginnt eine Kalendergeschichte, die der uruguayische Autor Eduardo Galeano dem Weltumwelttag widmete. Dieser sei zuglei...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.