Mexiko

Allianz für Genmais ist Allianz für Multis


von Ana de Ita*

genmais. Foto: Archiv(Mexico-Stadt, 11. Oktober 2015, la jornada).- Ein Bündnis von Gentech-Multis trat am 29. September an die mexikanische Öffentlichkeit, um auf die Genehmigung der kommerziellen Aussaat von Genmais und Gensoja zu drängen. Mit ihrem Zusammenschluss bestätigen sie, dass die gentechnisch veränderten Saaten ein Schlüsselelement für die konzernbasierte Kontrolle der Nahrungsmittel sind. Die Mitglieder erklären, Mexiko hinke gegenüber dem Rest der Welt um 20 Jahre hinterher, weil es die kommerzielle Aussaat von Genmais nicht freigegeben habe.

Doch ihre Argumente sind überholt und Stück für Stück von wissenschaftlichen Untersuchungen und der seit 1996 beim Anbau in den USA gemachten Erfahrung zerlegt worden. Sie gehen auch nicht darauf ein, dass die Weltgesundheitsorganisation im Mai diesen Jahres Monsanto einen Rückschlag bescherte. Die Organisation stufte das Glyphosat – aktiver Inhaltsstoff von Monsantos Pestizid-Verkaufsschlager RoundUp Ready – als krebserregend ein: „Es gibt überzeugende Beweise, dass Glyphosat Krebs bei Labortieren verursachen kann und begrenzte Beweise für die krebserregende Wirkung bei Menschen (Non-Hodgkin-Lymphom).“ Praktisch neun von zehn Genmanipulationen bei Anbaukulturen sind resistent gegen dieses Pestizid.

Allianz aus Multis und Lobbygruppen des Agrobusiness

Die Allianz für Transgene setzt sich aus multinationalen Unternehmen zusammen, die an den verschiedenen Phasen der Maisproduktion und seines Konsums beteiligt sind. Angestoßen ist das Bündnis von der Vereinigung AgroBio, deren Mitglieder Monsanto, Dupont Pioneer, Dow, Syngenta und Bayer sind. Diese Unternehmen kontrollieren, wie wir wissen, zusammen mit BASF 100 Prozent des weltweiten Gensaatgutes (Sylvia Ribeiro, La Jornada, 3. Oktober 2015). Dabei ist auch die Mexikanische Saatgutvereinigung (AMSAC) mit demselben Grundstock an Mitgliedern. AMSAC gehörte zu den Hauptantreiberinnen für das Saatgutgesetz von 2007, welches zum Ziel hat, die Nutzung des kleinbäuerlichen Saatgutes zu blockieren.

Auf der Produzentenseite ist der Nationale Landwirtschaftsrat beteiligt. Der Rat ist das Spitzenorgan der Landwirtschaftsunternehmer*innen. Er hat es geschafft, den Großteil der staatlichen Subventionen in die industrielle Landwirtschaft und an die Agrarunternehmer*innen fließen zu lassen. Auf der Liste stehen ebenfalls die regionalen Landwirtschaftsräte der Comarca Lagunera sowie der Bundesstaaten Tamaulipas und Chihuahua. Sie lechzen danach, Genmais auszusäen. Auf der Seite der industriellen Maisabnehmerinnen finden wir unter anderem elf nationale und lokale Viehzüchtervereinigungen. Die meisten von ihnen kommen aus der Region La Laguna (Bundesstaaten Cohuila und Durango). Mitglied ist zudem der Dachverband der Fabrikanten für Ausgewogene Nahrungs- und Futtermittel (CONAFAB), dem unter anderem Purina, Cargill, Granjas Carroll und Alpura angehören. Diese haben kein Problem damit, ihre Tiere mit Genmais zu füttern oder die Milchproduktion zu erhöhen, indem sie den Kühen genmanipuliertes Baumwollsaatgut untermischen.

Auch Transportunternehmen und Dienstleister beteiligt

In der Allianz taucht ebenfalls die Lieferantenvereinigung für Landwirtschaftliche Produkte (APPAMEX) auf. In ihr sind die internationalen Import- und Exportunternehmen zusammengeschlossen (zusammen wickeln sie 90 Prozent des Handels dieser Produkte ab), und ihre Dienstleister: Firmen für Transport, Lagerung, Hebebühnen, usw. Zu der Vereinigung gehören ADM, Bunge, Cargill, Columbia, der US Grains Council und der US Soybean Export Council. Diese industriellen Maisabnehmer und Maisvermarkter gehören zu den wichtigsten Importeuren in Mexiko. Sie machten ihren Namen als sie im Kontext des Freihandelsvertrages NAFTA mit Dumpingpreisen gegen die mexikanischen Produzent*innen vorgingen. Sie überschwemmten den Markt mit subventionierten Einfuhren, deren Preise unterhalb der Produktionskosten lagen und zollfrei waren. Als letztes Glied der Kette taucht die Vereinigung der Nationalen Selbstbedienungsläden und Kaufhäuser (ANTAD) auf. Sie vereint 35 Supermarktketten wie Walmart, Costco, Soriana und mehr als 5000 weitere Betriebe.

Die verbündeten Genmaisbefürworter*innen wollen uns glauben machen, dass sie sich um die Nahrungsmittelselbstversorgung des Landes sorgen. Sollte die Genmaisproduktion erlaubt werden, dann werde kein gelber Mais mehr aus den USA importiert, der zu mehr als 90 Prozent Genmais ist. Aber diese Unternehmen sind die NAFTA-Gewinnerinnen. Der Freihandelsvertrag hat die Grenzen für ihre Geschäfte beseitigt. Sie entscheiden nach Preis und Subventionen wo sie ihre Inputs kaufen. Die Maisproduktion für den menschlichen Konsum ist mit den einheimischen Erträgen gesichert, es bleiben sogar Überschüsse. Aber die in der agroindustriellen Viehzucht und Maisverarbeitung begründete wachsende Nachfrage wird mit Einfuhren von ungefähr zehn Millionen Tonnen gelben Mais abgedeckt. Von diesem Volumen sind 9,5 Millionen Tonnen für die Viehzucht bestimmt. Der Rest macht zusammen mit der mexikanischen Produktion von gelbem Mais die 2,5 Millionen Tonnen für die verarbeitende Nahrungsmittelindustrie aus.

Das Angebot dieser Herren der Welt besteht darin, alle mexikanischen Maissorten sowie das einheimische Saatgut zu kontaminieren, das für die Tortillaherstellung und andere täglich konsumierte Nahrungsmittel verwendet wird. Sie bieten an, die Gesundheit von Mensch und Tier zu gefährden, die Vielfalt von Landrassen und ihrer Varietäten zu verunreinigen, die Umwelt zu kontaminieren und die Verwendung von Pestiziden und anderer Agrargifte zu erhöhen. Im Gegenzug offerieren sie, ihre Importe zu reduzieren – wenn Preise, Subventionen oder Finanzierungspläne sie begünstigen, versteht sich. Ein schlechtes Geschäft für den gemeinen Mexikaner.

*Ana de Ita ist Direktorin des Studienzentrums für den Wandel im Mexikanischen Landbau (Ceccam)

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