Bolsonaro will Geld für Landbesitzer statt für Regenwald ausgeben

Waldbrand in Ceará. Foto: Servindi/osé Pedro Soares Martins

(Montevideo, 29. Mai 2019, la diaria).- Am 27. Mai hat sich der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles mit Vertreter*innen Norwegens und Deutschlands getroffen, um mit ihnen über veränderte Vorgaben bei der Geldervergabe des Amazonienfonds zu sprechen. Norwegen und Deutschland finanzieren den Fonds, mit dem Abholzungen verhindert und gerodete Gebiete wieder aufgeforstet werden sollen. Die brasilianische Regierung von Jair Bolsonaro plant nun, einen Teil der Gelder des Fonds für Entschädigungen von Landbesitzern zu verwenden, die zugunsten von Schutzgebieten enteignet wurden. Das berichtete die Nachrichtenagentur EFE. „Wir haben noch nicht über alle Details gesprochen, das wird auf weiteren Treffen geschehen“, erklärte Salles.

Dieser Vorstoß passt zu den Wahlkampfversprechen Bolsonaros und wurde umgehend von der brasilianischen Beobachtungsstelle für das Klima kritisiert, die als Dachverband für Umweltschutzorganisationen fungiert. Die Beobachtungsstelle erklärte, dass die Mehrheit der Landbesitzer, die in den Genuss der Entschädigung kommen würden, sich ihr Land illegal angeeignet hätten.

Norwegen hat eine Milliarde eingezahlt

Der Amazonienfonds wurde 2008 während der Amtszeit von Lula da Silva gegründet, um das Amazonasgebiet zu erhalten, die Abholzung zu verhindern, gerodete Flächen wieder aufzuforsten und Umweltkontrollen zu verbessern. Die 1,2 Milliarden Dollar, die bisher in den Fonds geflossen sind, stammen zu 96 Prozent von der norwegischen und zu drei Prozent von der bundesdeutschen Regierung. Ein Prozent stiftet die staatliche brasilianische Ölfirma Petrobras. Deshalb müssen Norwegen und Deutschland einer Umverteilung der Gelder zustimmen.

Bereits vor dem Treffen hatte Salles einen Bericht vorgestellt, demnach in 82 Prozent der Verträge des Fonds „Unregelmäßigkeiten“ aufgetaucht seien, berichtete die Tageszeitung Folha de São Paulo. Konkrete Beispiele nannte der Minister jedoch nicht.

Die norwegische Botschaft zeigte sich gegenüber der Zeitung überrascht von den Erklärungen Salles‘ und betonte, „der Fonds ist auf eine strenge Beobachtung der Abholzung durch brasilianische wissenschaftliche Institute angewiesen, sowie auf eine nachvollziehbare Führungspolitik, unter Beteiligung der Zivilgesellschaft“.

Auch wissenschaftliche und Umweltschutzorganisationen bestätigen, dass der Fonds seinen Zweck erfülle. „Der Fonds hat dazu beigetragen, dass (die Abholzung) nicht zunimmt (…). Salles behauptet, dass der Fonds nicht gut arbeitet, aber er selbst ist nie vor Ort gewesen“, sagte Adriana Ramos, Vorsitzende des Sozio-ökologischen Instituts, gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Laut der brasilianischen Umweltschutzorganisation Imazon wurden im April 71 Prozent der Abholzungen auf privaten Ländereien durchgeführt.

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2 Kommentare zu „Bolsonaro will Geld für Landbesitzer statt für Regenwald ausgeben

  1. Lieber Autor/in, ich arbeite für die GIZ mit dem Amazonienfonds zusammen und wollte nur freundlicherweise darauf hinweisen, dass im Artikel der Name des Fonds falsch geschrieben wurde (nicht: Amazonas-Fonds, sondern Amazonienfonds), siehe Link: https://www.giz.de/de/weltweit/12550.html. Ebenso sind die Zahl der Geber nicht ganz richtig: Norwegens Beitrag beläuft sich auf etwa 96 Prozent und Deutschlands Anteil auf etwa 3 Prozent.

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