Schikane, Misshandlungen, sexuelle Übergriffe

Foto: leondeurgel via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

(Lima, 22. Oktober 2019, Desinformemonos/Wayka). – Die Proteste in Chile zeigen nicht nur die Unzufriedenheit der Bürger*innen mit den ungleichen sozialen Verhältnissen, unter denen tausende Chilen*innen leben, sondern auch die extreme Repression der Polizei gegen die Demonstrierenden. Dies geht aus einem Monitoring-Bericht zum Schutz der Rechte der Protestierenden des Nationalen Instituts für Menschenrechte (INDH) hervor.
Nach Angaben des Direktors des Instituts, Sergio Micco, wurden Informationen über den Status Verletzter und Inhaftierter sowie über Menschenrechtsverletzungen von Seiten der Staatsgewalt im Süden des Landes gesammelt. Laut dem Bericht des INDH, der auf Informationen von vier Krankenhäusern basiert, erlitten mindestens 22 Menschen schwere Verletzungen. Unter den Opfern befänden sich auch Kinder, die infolge der gewaltsamen Repression verletzt wurden.
Der Bericht wurde an Orten wie Santiago, Maipú, Iquique, Antofagasta, Coquimbo, Valparaíso, Rancagua, Talca, Concepción, Valdivia, Temuco, Puerto Montt und Punta Arenas erstellt. Auch in Polizeistationen haben Verhaftete den „exzessiven Einsatz von Gewalt zum Zeitpunkt der Inhaftierung, unfaire Schikane von Kindern, Misshandlungen, Schläge auf Gesicht und Oberschenkel, Folter, Ausziehen von Frauen unter Zwang, sexuelle Übergriffe und andere Verstöße“ angeprangert, wie im Bericht des INDH zu lesen ist.

Androhung von Vergewaltigung

Das chilenische Medienportal El Desconcierto veröffentliche auf seiner Website mehrere Aussagen von Frauen, die von Belästigungen und übermäßiger Gewaltanwendung durch Polizei und Militär berichten. Aber nicht nur das: Betroffene versichern auch, Androhungen sexueller Gewalt von Seiten der Staatsgewalt erlitten zu haben.
Die chilenische Staatsbürgerin Pamela Maldonado berichtet, wie die Polizei ihren Vater einkesselten und mit Schlägen zurichteten. Als Pamela die Szene sah, versuchte sie ihren Vater zu beschützen und wurde daraufhin von einem der Polizeibeamten angegriffen. Was folgt, sind Momente der Angst. Auf dem Weg zur Polizeistation provozierte ein Polizist die Verhafteten und schrie den Mapuche entgegen, dass er „die Kommunisten hasse“, und drohte Pamela damit sie zu vergewaltigen. „Mal sehen, ob es dir in den Arsch gefällt!“, sagte er, um sie einzuschüchtern. Wie Pamela berichtet, konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht glauben, was da gerade passierte, sie umarmte ihren Vater, damit sie ihn nicht noch einmal schlugen.
Wie Pamela haben auch andere Frauen Angriffe während Polizeieinsätzen oder in Haft erlitten. Das INDH sammelt Berichte über Personen – hauptsächlich Frauen – die in polizeilichen Maßnahmen entkleidet wurden, sowie über die Festnahmen von Kindern und weitere Formen des Missbrauchs.
Die Anwältin des chilenischen Netzwerks gegen Gewalt gegen Frauen, Silvana del Valle, erklärte El Desconcierto gegenüber, dass die gewalttätigen Aktionen des Polizeiapparats darauf hinweisen, dass die Polizist*innen „immer dazu erzogen wurden, Handlanger patriarchaler Gewalt zu sein“. Es scheint, als glichen die jetzigen Ereignisse den früheren Zeiten, wie denen der Diktatur in Chile und anderen lateinamerikanischen Kontexten, in denen die vulnerabelsten Gruppen der Gesellschaft, also Frauen, Mädchen und Jungen, Opfer der staatlichen Repression wurden.

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