Drogenhändler und Finanzier der Paramilitärs vorläufig frei

Santiago Gallón Henao
Santiago Gallón Henao (Mitte) hat es mal wieder geschafft, aus dem Knast rauszukommen. Seine Freundschaft zu Expräsident Álvaro Uribe (links) und dessen Bruder Santiago (rechts) hat da sicher nicht geschadet. Quelle: Colombia Informa

(Medellín, 2. Januar 2018, colombia informa).- Am 31. Dezember hat ein Richter in Medellín den Drogenhändler und Paramilitär Santiago Gallón Henao freigelassen. Das 31. Strafgericht von Medellín hat seine Freilassung angeordnet, da die Verfahrensfrist abgelaufen sei. Der 56-jährige Gallón Henao kann nun zuhause das Ergebnis des Gerichtsverfahrens abwarten, das gegen ihn wegen der Verschickung von Kokain nach Europa geführt wird.

Santiago Gallón Henao war in der kolumbianischen Provinz Antioquia nicht nur als guter Reiter und ehrenwerter Viehzüchter bekannt, der über Einfluss und Macht in der Gegend verfügte. Seit Jahren ist auch seine kriminelle Karriere bekannt, die mit Drogenhändlern und Paramilitärs zusammenhängt – und natürlich war er auch Partner und Freund des Expräsidenten und jetzigen Senators Álvaro Uribe Vélez.

Kokain im Hundefutter

Im Jahr 2018 kam durch Ermittlungen unter Beteiligung des britischen Geheimdienstes MI6 ans Licht, dass Gallón Henao dem Netzwerk „La Oficina“ angehörte, das Kokain in Hundefutter versteckt nach Europa schickte. Aufgrund dieser Ermittlungen wurde er vor einem Jahr, am 16. Januar 2018 in Cucutá unter dem Vorwurf des Drogenhandels verhaftet.

Den Ermittlungen zufolge behandelte das Netzwerk landwirtschaftliche Produkte sowie Hunde- und Katzenfutter mit chemischen Zusatzstoffen, um Drogen nach Europa zu bringen. Daraufhin verhafteten die Behörden den Briten Andrew Mark Deamer und weitere 13 Personen des Netzwerks. Wegen seiner Verbindungen zum Drogenhandel taucht Gallón Henao gemeinsam mit seinem Bruder auch auf der OFAC-Sanktionsliste des US-Finanzministeriums auf.

Fußball-Nationalspieler ermordet, Paramilitärs finanziert

Andrés Escobar
Fußball-Nationalspieler Andrés Escobar wurde 1994 wegen eines Eigentores erschossen. Die Brüder Gallón Henao waren dabei. Quelle: Colombia Informa

Seit Jahrzehnten ist der ehrenwerte Viehzüchter in diverse Verbrechen verstrickt. Eins davon ist der Mord an dem Fußball-Nationalspieler Andrés Escobar vom 2. Juli 1994. Gemeinsam mit seinem Bruder Pedro David stellte er den Fußballer eines Abends auf einem Parkplatz in Medellín zur Rede und machte ihn für sein Eigentor verantwortlich, durch das die kolumbianische Nationalmannschaft aus der Weltmeisterschaft in den USA ausschied. Der Fußballer wurde nach einem Streit schließlich von Humberto Muñoz Castro, dem Fahrer der Gallón-Brüder, mit sechs Schüssen ermordet. Der geständige Mörder wurde zu 43 Jahren Gefängnis verurteilt (von denen er nur elf absitzen sollte). Die Brüder Gallón Henao bekamen wegen Vertuschung des Verbrechens 15 Monate – auf Bewährung.

2009 wurde gegen Santiago Gallón Henao ermittelt, weil er paramilitärische Gruppen unterstützt hatte, insbesondere verschiedene Blöcke der AUC (Autodefensas Unidas de Colombia), die von den Brüdern Carlos und Vicente Castaño Gil kommandiert wurden. Unter anderem soll er eine Gruppe von 300 Paramilitärs bezahlt haben, die die Dörfer Amagá, Titiribí und Angelópolis (alle im Department Antioquia) in den Jahren 2000 bis 2004 in Angst und Schrecken versetzten.

Im Juli 2009 stellte sich Gallón Henao der Staatsanwaltschaft und gestand schließlich, Ende der 1990er Jahre mehrere paramilitärische Gruppen (mit-) finanziert zu haben: Die paramilitärischen Kommandanten der Blöcke Metro, der Bäuerlichen Selbstverteidigungskräfte von Córdoba und Urabá, ACCU (Autodefensas Campesinas de Córdoba y Urabá), die von den Brüdern Castaño Gil gegründet worden waren, und der Südwest-Blöcke; sowie die paramilitärischen Gruppen Central Bolívar, Cacique Nutibara und Héroes de Granada. 2010 wurde Santiago Gallón Henao zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt (die ursprüngliche Strafe konnte er durch ein Abkommen halbieren).

Beziehungen zwischen den Brüdern Gallón Henao und Uribe Vélez

Quelle: Colombia Informa

Im Jahr 2012 stellte der linke Senator Iván Cepeda Strafanzeige gegen den Expräsidenten Álvaro Uribe Vélez, seinen Bruder Santiago Uribe Vélez, Juan Guillermo Villegas Uribe sowie Santiago Gallón Henao. Zu den Vorwürfen zählten: Mord, gewaltsames Verschwindenlassen, Folter, Verabredung zu einer Straftat, Fälschung von Dokumenten und so weiter. Senator Cepeda konnte seine Vorwürfe mit einer umfangreichen Dokumentation untermauern, in der festgestellt wurde, dass die Guacharacas-Ranch Mitte der 1990er Jahre ein Operationszentrum für die Paramilitärs war und dass sich die Ranch damals im Besitz von Santiago und Álvaro Uribe Vélez befand, was dieser stets bestritten hatte. Dort verkehrten demnach auch die Brüder Gallón Henao sowie Juan Guillermo Villegas Uribe.

Mit Schriftstücken, Fotos, Vermisstenmeldungen, Presseberichten und Zeugenvideos konnte Iván Cepeda die Beziehungen zwischen den Brüdern Gallón Henao und Uribe Vélez untermauern.

Durch die Entscheidung des Richters, Santiago Gallón Henao wegen des Ablaufs der Verfahrensfrist aus der Gefängnis zu entlassen, kann dieser nun zuhause den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten. Wird er wirklich verurteilt oder sogar unter der Regierung von Präsident Iván Duque ausgeliefert? Der Präsident, der immer wiederholt: „Jeder zahlt für das, was er getan hat“?

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