2017 bereits 14 Menschenrechtsaktivist*innen ermordet

Von João Flores da Cunha

Foto: Ihu-online/Conpaz

(São Leopoldo, 10. Februar 2017, ihu-online).- Die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) meldet die Ermordung von bereits 14 Menschenrechtsaktivist*innen in Lateinamerika seit Beginn des Jahres 2017. Die Einrichtung formulierte ihre „tiefe Sorge“ um diese Zahl, die sie als sehr hoch einschätzt.

Die CIDH, eine autonome Einrichtung der Organisation der Amerikanischen Staaten OAS, veröffentlichte am 7. Februar eine Mitteilung, um auf diese Zahl aufmerksam zu machen. Im Bericht wiederholt die Organisation „ihre Sorge um Personen, die das Recht auf Land und natürliche Ressourcen verteidigen, sowie um Verteidiger*innen der indigenen und afrostämmigen Völker, die noch immer großen Gewaltrisiken ausgesetzt sind.“

Sieben der Morde geschahen in Kolumbien, zwei in Guatemala, zwei in Mexiko und drei in Nicaragua. Es bestehe ein „verheerender Anstieg der Gewalt gegen jene Personen, die sich Extraktions- oder Entwicklungsprojekten entgegensetzen oder das Recht auf Land und natürliche Ressourcen der indigenen Völker verteidigen“, macht die CIDH deutlich.

Systematische Morde in Kolumbien

Die Situation in Kolumbien bereitet wegen der neuesten Gewaltzunahme besondere Sorge. Seit der Unterzeichnung des ersten Friedensvertrags zwischen der Regierung und der FARC im September 2016 wurden bereits 40 soziale Führungspersonen ermordet – dies bedeutet einen Mord alle drei Tage. Soziale Bewegungen versichern, dass die Unterdrückung auf systematische Weise geschieht und von rechtsextremen paramilitärischen Gruppen ausgeht.

In Kolumbien „besteht ein Kontext der konstanten Zunahme von Morden und Drohungen gegen Menschenrechtsverteidiger*innen“, erklärte die CIDH. Bereits im Dezember forderte ein Organ der Vereinten Nationen einen dringenden Stopp der Ermordungen von Aktivist*innen im Land und insbesondere der Verbrechen, die im ländlichen Raum begangen werden. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte wies auf die historische Präsenz der FARC in diesen Gebieten hin und erklärte, dass die Demobilisierung der Guerilla hier nun ein Vakuum ausgelöst habe.

„Wenn es einen Nachbarschaftsstreit gab, ‚regulierten’ es zuvor die FARC; heute reguliert es die stärkste Person durch den Einsatz von Gewalt“, bekräftigt die Institution. In diesem Sinne kann das Problem sogar wachsen: Die Guerilla befindet sich im Prozess der endgültigen Demobilisierung und ihre Soldat*innen haben gerade das von ihnen kontrollierte Territorium verlassen, um sich in zeitweiligen Entwaffnungszonen zu vereinen und ihre Waffen dort abzuliefern. Dieser Prozess wird momentan von der UNO überprüft.

In Mexiko wurden dieses Jahr die Umweltschützer Isidro Baldenegro und Juan Ontiveros ermordet. Sie verteidigten die Rechte des Rarámuri-Volkes, dem sie angehörten. Die Verbrechen geschahen in einer Zeitspanne von nur zwei Wochen im Bundesstaat Chihuahua. Baldenegro war ein anerkannter Aktivist und hatte den Goldman-Preis gewonnen. Er ist bereits der zweite ermordete Preisträger in weniger als einem Jahr. Den Preis gewann ebenfalls die Umweltaktivistin Berta Cáceres, die im März 2016 umgebracht wurde.

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