„Der Zócalo gehört dem Volk und nicht der FIFA!“

Der Zócalo, Hauptplatz von Mexiko-Stadt
Foto: Comisión Mexicana de Filmaciones via wikimedia
CC BY-SA 2.0

(Mexiko-Stadt, 1. Juni 2026, amerika21/poonal).- Anlässlich eines Streiks der Bildungsbeschäftigen für das Ende neoliberaler Reformen ist es im Zentrum der Hauptstadt zu heftigen Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten gekommen. Die linke Gewerkschaftsströmung CNTE begann am Montag mit einer Großdemonstration in Richtung Zócalo, dem Hauptplatz der Stadt. Dort wollte sie ihr Protestcamp einrichten, doch die Regierung hatte den Platz weiträumig abgeriegelt, weil sie eine Fanzone für die Fußball-WM der Männer einrichten will, die am 11. Juni beginnt.

Statt Argumenten Zäune und Betonblöcke

Unter dem Motto „Der Zócalo gehört dem Volk und nicht der FIFA“, versuchten die Grundschullehrer*innen, die Metallzäune mit Rohren und Stöcken niederzureißen und sich Zugang zum Hauptplatz zu verschaffen. Als Reaktion darauf wurden sie von der Polizei angegriffen, wodurch zwei Lehrer aus dem Bundesstaat Guerrero schwer verletzt wurden: Proceso Columbio wurde von einem Projektil der Polizei am Kopf getroffen und „steht kurz davor, sein Auge zu verlieren“, wie die Lehrerin Elvira Veleces, Vorsitzende der Sektion 14 von Guerrero, gegenüber La Jornada erklärte. Octavio Romero Jerónimo, erlitt durch einen Stab eine Perforation an der linken Wange. Derweil verstärkte die Regierung die Absperrung mit Betonblöcken. „Gestern in den frühen Morgenstunden haben wir gesehen, wie sie mit Kränen aufgestellt wurden. Das ist praktisch eine Abschottung, und man behauptet nur vor den Kameras, es gäbe einen Dialog“, so der Gewerkschaftsführer Pedro Hernández, der die Lehrbeschäftigten dazu aufrief, sich in Sicherheit zu bringen und mit dem Aufbau des Zeltlagers zu beginnen. „Dieser Kampf dient dazu, den Verhandlungstisch mit der Präsidentin einzurichten, und hier rufen wir alle unsere Kolleg*innen dazu auf, auf uns aufzupassen, uns in Sicherheit zu bringen und mit dem Aufbau des Streiklagers zu beginnen.“ Der Lehrer kritisierte die von der Bundesregierung ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen, da sie seiner Ansicht nach eine mangelnde Bereitschaft zum Dialog widerspiegeln. „Es wird sich als kontraproduktiv erweisen für eine Regierung, die mangels Argumenten Zäune und Betonblöcke aufstellt.“ Ihr Protestcamp errichtete die Gewerkschaft schließlich auf den Straßen außerhalb der Sicherheitsabsperrung rund um den Zócalo. „Es ist eine Absperrung gegen die Absperrung“, erklärte er.

Regierung lädt zum Dialog

Die Regierung von Claudia Sheinbaum lud nach der Konfrontation die CNTE zu einem Dialogtreffen im Innenministerium ein. „Wir sind offen und bereit für einen respektvollen und konstruktiven Dialog mit den Lehrkräften der CNTE“, betonten die Bildungs- und Innenministerien in einem gemeinsamen Bulletin. Die Proteste der größten Gewerkschaft Lateinamerikas begannen vergangene Woche mit Protesten in Oaxaca. Die CNTE hat in diesem Bundesstaat rund 80.000 Mitglieder. Auch in Oaxaca besetzten die Gewerkschafter das Zentrum der Hauptstadt mit ihren Zelten. Bei einer Straßenblockade in der Ortschaft Mitla kam es zu einem Angriff auf die Lehrkräfte mit Stöcken und Warnschüssen, angeführt vom lokalen Bürgermeister. 15 Demonstrierende wurden verletzt, eine Lehrerin schwer, doch die Proteste gehen unvermindert weiter.

Gewerkschaft erfordert Umsetzung der Versprechen aus dem Wahlkampf

Die Gewerkschaft fordert eine Verdoppelung der Gehälter, die Rückkehr zu einem solidarischen Rentensystem und einen generellen Kurswechsel der Regierung unter Präsidentin Claudia Sheinbaum gegenüber der gewerkschaftlichen Organisierung im Bildungssektor. Zudem thematisiert sie die unsicheren Arbeits- und Lebensbedingungen in mehreren Bundesstaaten. So wurde letzte Woche ein Dozent an der Küste von Oaxaca ermordet und ein Grundschullehrer in Chilpancingo, der Hauptstadt von Guerrero, verschleppt. Insbesondere die Privatisierung der Renten, die von neoliberalen Regierungen für Angestellte seit 1997 und für Staatsbeamte 2007 eingeführt wurde, ist ein Dorn im Auge der Lehrerschaft. Sheinbaum versprach im Wahlkampf gegenüber der Lehrerschaft die Rücknahme der Privatisierung ihrer Pensionskasse. Seit bald zwei Jahren an der Macht unternimmt die gemäßigt linke Morena-Politikerin bisher keine Schritte in diese Richtung. Die Abschaffung des solidarischen Rentensystems wurde Mexiko Mitte der 1990er Jahre von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds auferlegt, nachdem die verschuldeten Banken durch einen Großkredit gerettet werden mussten. Heute sind zehn Banken und Versicherungen, im Besitz von Multimillionären wie Carlos Slim, als Rentenfondsverwalter tätig. Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind längere Lebensarbeitszeiten und eine stark reduzierte monatliche Pension, deren Auszahlung endet, sobald die individuellen Ersparnisse aufgebraucht sind. „Eine würdige Rente für alle“ sei deshalb die zentrale Forderung des Streiks der CNTE, betonte Adrián Bejerano, Sonderpädagoge des Kampfkomitees der CNTE des Stadtteils Tláhuac, gegenüber La Izquierda Diario.

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