
Am 24. Juni verwüsteten zwei aufeinander folgende Erdbeben die Region La Guaira im Norden Venezuelas. Bislang wurden über 3.000 Tote geborgen, zehntausende Menschen werden noch vermisst.
Medienberichten zufolge landete wenige Stunden vor den beiden Erdbeben ein Abschiebeflug aus den USA mit 146 Venezolaner*innen, darunter 19 Frauen und sieben Kinder, in Venezuela. Die Deportierten wurden im Hotel Santuario La Llanada in der Küstenprovinz La Guaira untergebracht, die von dem Erdbeben besonders stark betroffen ist. Das Hotel stürzte ein.
Einer der Deportierten ist Abelardo Rincón. Der 23-jährige Venezolaner hatte sechs Jahre lang in Atlanta, Georgia gearbeitet, bis er verhaftet und in Abschiebehaft genommen wurde. Nach der Landung am 24. Juni rief Rincón seine Familie in Atlanta an. Wenige Stunden später bebte die Erde. Rincón und mehrere andere Insassen des Abschiebeflugs sind nun unter den Vermissten. Sein Großvater, José Rincón, suchte in Leichenhäusern nach seinem Enkel und versuchte auch, zum eingestürzten Hotel zu gelangen, das jedoch von Sicherheitskräften abgeriegelt war. Diese hätten ihm gesagt, es gebe dort „kein Leben“ mehr, erzählte Rincón gegenüber BBC Mundo. Die BBC sprach auch mit Angehörigen weiterer Vermisster des Abschiebefluges. Einige Passagiere überlebten das Erdbeben jedoch, wie die 58-jährige Lisbeth Portillo. Der 22-jährige Daniel Salcedo wurde nach drei Jahren aus den USA abgeschoben und steckte nach dem Erdbeben 40 Stunden in den Trümmern fest. Nach seiner Bergung mussten seine Beine amputiert werden.
Weitere Abschiebungen geplant?
Da alle „illegalen Einwanderer“ sicher in ihr Herkunftsland gebracht worden waren, sei die US-Behörde ICE nicht mehr für diese verantwortlich, teilte ein Sprecher gegenüber BBC Mundo mit. Im Februar erklärte die damalige „Heimatschutzministerin“ Kristi Noem, dass seit Anfang 2025 fast drei Millionen „illegalen Einwanderer“ die USA verlassen hätten.
Trotz der anhaltenden Rettungsmaßnahmen sind offensichtlich weitere Abschiebeflüge aus den USA nach Venezuela geplant, berichtet das Portal Democracy Now. Demnach schrieb der texanische Kongressabgeordnete Joaquin Castro auf seinen sozialen Netzwerken, die US-Zollbehörde ICE hätte versucht, venezolanische Familien und Minderjährige abzuschieben, die momentan noch im Abschiebegefängnis in Dilley, Texas, inhaftiert sind. Die Familien seien bereits nach Arizona geflogen, dann aber nach Dilley zurückgebracht worden. „Es ist unvorstellbar, Kinder und Familien, die keine Straftat begangen haben, in ein Land zu schicken, das durch eine Naturkatastrophe ins Chaos gesunken ist“, schrieb Castro.
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