Bomben auf Busse: Presse und Regierung sprechen von „Terrorismus”

(Guatemala-Stadt, 20. Juli 2010, cerigua).- die guatemaltekische Hauptstadt sei vollends in den Terrorismus abgestürzt, schrieb die Tageszeitung „Prensa Libre“ Mitte Juli in einem Leitartikel, nachdem in drei Linienbussen in Guatemala-Stadt Bomben gezündet worden waren. Die Busse hatten Passagiere transportiert, die von der Arbeit auf dem Weg nach Hause waren. Die Attentate forderten mindestens drei Menschenleben, es gab zahlreiche Verletzte. Nach Einschätzung von „Prensa Libre“ handelt es sich bei den Tätern um Verbrecher, die beweisen wollten, dass sie dazu in der Lage seien, „die anständigen Guatemalteken und den Staat“ in die Knie zu zwingen. Dahinter stehe die Absicht, die Regierung als unfähig zu entlarven, das Leben ihrer Bürger zu schützen.

Die Zeitung sieht in der Zunahme terroristischer Taten eine mögliche Folge der Unfähigkeit des guatemaltekischen Justizsystems, angemessen zu handeln. Diese Grundvoraussetzung für die Straflosigkeit ermuntere die Täter geradezu, immer brutaler vorzugehen. Gleichzeitig scheine in der Gesellschaft ein Gewöhnungseffekt einzutreten in Form einer resignativen Haltung, dass man sowieso nichts gegen die Gewalt tun könne.

Guatemalas Präsident Álvaro Colom bestätigte inzwischen, dass eine der Bomben mit einem Mobiltelefon ferngezündet worden sei. Es habe sich nicht um die Bombe eines Mitglieds einer Mara-Bande gehandelt, sondern der Täter habe „Terror säen“ wollen. Von der Tageszeitung El Periódico herangezogene Experten dagegen meinen, bei den Angriffen auf Busfahrer und Passagiere lasse sich nicht von „Terrorismus“ sprechen, da die Täter keine politischen, religiösen oder ideologischen Ziele verfolgten. Die Zeitung machte mit der Schlagzeile auf: „Der Präsident bezeichnet die Angriffe auf die Busse als Terrorismus.“

Die Lokalpresse berichtete unterdessen von einem weiteren ähnlichen Anschlag in der Stadt Amatitlán. Hier wurde eine Splittergranate auf ein Busdepot geworfen. In Guatemala-Stadt drangen außerdem in der Nähe des Parque Colón Gewalttäter in einen Bus ein und schossen auf den Fahrer, einen Helfer und einen Passagier. Waren die Opfer der Angriffe auf Busse bislang meistens die Fahrer gewesen, so sind inzwischen auch die Fahrgäste betroffen.

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