
Foto: Ministerio de Cultura de la Nación via wikimedia
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(Berlin, 31. August 2026, npla).- Anfang der 1980er Jahre lebte ich mit meiner Familie in einem Mehrfamilienhaus im Zentrum von Montevideo, direkt gegenüber der Polizeiwache. Es war die Zeit der Militärdiktatur; ich ging noch zur Grundschule; es gab regelmäßig patriotische Veranstaltungen mit einer Polizeikapelle und einer Feuerwehrparade. Eine Qual.
Die Leute kamen zu uns nach Hause, klingelten und traten ein, trafen sich mit anderen. Wir mussten in der Küche bleiben, Mate trinken und Kurzwellenradio hören: Radio Nederland, „Venceremos“ und was wir sonst noch finden konnten. Abends in meinem Zimmer legte ich vor dem Einschlafen gern die LP „Rada“ aus dem Jahr 1969 auf, mit „Las manzanas“, „Aquel payaso“ und dem fröhlichen „Guantanamera“. Aber mein Lieblingslied war „Dámelo“. Die Musik von Rubén Rada hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, und sie tut es immer noch, fast wie ein weiteres Familienmitglied: Als Kind habe ich mit meinen Eltern bei den Kiezfesten in Pocitos zu Radas Musik getanzt, und heute singen meine Töchter, die in Deutschland zur Schule gehen, „Heloísa“ von Radas Band Totem und tanzen dazu.
Von Uruguay nach Argentinien und Mexiko und zurück ins „Paísito“
Ruben Rada war ein äußerst vielseitiger Künstler, der vielseitigste von allen, unverzichtbar und unglaublich produktiv. Im Laufe seiner Karriere hat er Dutzenden von Alben aufgenommen und Hunderte von Liedern komponiert; eine Reihe weiterer Alben wartet noch darauf, eines Tages veröffentlicht zu werden. Was die Stilrichtung angeht, so hat Rada ungefähr nichts ausgelassen: Er sang Murga, Cumbia, Plena, Rock, Candombe, Samba, Tango und Jazz und erfand gemeinsam mit anderen Künstler*innen im pulsierenden Uruguay der 60er Jahre ein neues Genre: den Candombe Beat. Er war Mitglied in den Bands, die die Geschichte der uruguayischen Popmusik geprägt haben: von Cubanacan mit Pedro Ferreira über die Hot Blowers bis zu den Shakers, allerdings geht das Gerücht, dass der Produzent ihn nicht in die Band aufnehmen wollte. Er spielte bei El Kinto Conjunto, Totem und Opa – den wichtigsten Vertretern des avantgardistischen Rock – und das nicht nur in Uruguay: In den 80er Jahren lebte Rada in Argentinien, gründete mehrere Bands mit hervorragenden lokalen Musikern: Conjunto S.O.S. und La Banda, und auch hier wurde er unzählige Male als Rock-Pionier gewürdigt, auch von den argentinischen Künstlern selbst. Er hatte ein treues Publikum und veröffentlichte etliche Alben, die unterschiedlich erfolgreich waren. Eine Zeitlang lebte Rada in Mexiko und arbeitete mit der Künstlerin Tania Libertad. Mitte der 90er Jahre kehrte er nach Uruguay zurück; seine Kinder, die im damals Teenageralter waren, sollten im „Paísito“ Wurzeln schlagen. Aus dieser Zeit stammen die kommerziell erfolgreichsten Werke in Radas Karriere. In Zusammenarbeit mit renommierten Produzenten produzierte er Alben und Stücke, die ihm größere nationale und internationale Anerkennung einbrachten. Unvergessen sind auch seine Kinderkonzerte und seine Aktivitäten in Funk und Fernsehen und im Kino, die den künstlerischen Ruf dieses großen uruguayischen Musikers mitgeprägt haben.
„Rada, du bist einfach Teil dieser Welt“
El Negro Rada hat sich stets für Schwarze Menschen auf der ganzen Welt eingesetzt und Rassismus angeprangert, den offenen und den subtilen. In seinen Texten war die Bedeutung von Einheit, Respekt und Liebe unter allen Menschen ein wiederkehrendes Thema. Die meisten seiner Songs vermitteln eine positive, humanistische und zukunftsorientierte Botschaft. Ein Beispiel dafür ist „Botija de mi país“, das sich zu einer Hymne entwickelt hat.
Im Jahr 2010 hatte ich die Ehre, Rubén Rada persönlich kennenzulernen. Als er anlässlich einer ihm gewidmeten Hommage im Haus der Kulturen der Welt nach Berlin gekommen war, konnten Antje, Luís und ich ihn treffen und ein Interview mit ihm machen. Rada war überrascht, dass man ihn nach Deutschland eingeladen hatte, obwohl er hier noch keine einzige Platte veröffentlicht hatte – der digitale Musikvertrieb steckte noch ganz am Anfang, aber Luís sagte zu ihm: „Schau mal, Rada: Du bist einfach Teil dieser Welt, Rada, du gehörst zu dieser Welt.“
Rubén Rada starb nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt an einer beidseitigen Lungenentzündung in Montevideo. Er wurde 83 Jahre alt
Rubén Rada, du warst das Beste, was dieses Land je hervorgebracht hat, und dafür danke ich dir.
Wie schön, dass wir Rubén Rada hatten von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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