Grüne Welle für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruch erreicht Ecuador

Foto: Esteban Zapata, Pressenza

(Quito, 30. September, Pressenza).- „Vorbeugende Sexualerziehung, Verhütungsmittel für den Genuss, Legalisierung des Schwangerschaftsabbruch, um nicht zu sterben“: Mit dieser Parole sind am 28. September Kollektive und Aktivist*innen, die sich für die Rechte von Frauen und Schwangeren einsetzen, zusammengekommen, um die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruch einzufordern.

Ab fünf Uhr nachmittags organisierte sich ein grüner Regen vor der Generalstaatsanwaltschaft, der schnell zu einer Flut anwuchs. In freudiger Stimmung bereiteten Mädchen, Jugendliche und Erwachsene ihre Plakate vor, bemalten ihre Gesichter und befestigten ihre grünen Halstücher, die weltweit zum Symbol im Kampf für einen legalen Schwangerschaftsabbruch geworden sind. Sie verteilten auch Parolen und Empfehlungen, um während des gesamten Marsches sicher zu sein. Dann setzte sich der Demozug Richtung Präsidentenpalast (Palacio de Carondelet) in Bewegung. Die Frauen beginnen ihren Marsch zum Klang der Trommeln und mit Liedern, die dazu aufrufen, sich einem System entgegenzustellen, das in allen Bereichen vom Machismus gelenkt und kontrolliert wird. „Wir müssen es abtreiben, wir müssen es abtreiben, wir müssen das patriarchale System abtreiben“, ist aus der Menge von Menschen zu hören und auch „wenn der Papst eine Frau wäre, wäre Abtreibung legal“.

„Abtreibung bestrafen, bedeutet Armut bestrafen“

Foto: Esteban Zapata, Pressenza

Im Manifest des Kampftages für die Entkriminalisierung und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Lateinamerika erwähnt das Organisations-Kollektiv, dass die aktuellen Gesetze nur dazu dienten, die Abtreibungspraktik zu kriminalisieren, ohne jedoch bessere Lebensbedingungen für gebärfähige Menschen zu schaffen. Besonders betroffen seien vor allem mittellose Frauen. Daher heißt es „Abtreibung bestrafen, bedeutet Armut bestrafen“.

Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden, aber die grünen Rauchfackeln weisen den Weg. Nach einem kurzen Stopp vor der Entbindungsstation Isidro Ayora bewegt sich die grüne Welle, die immer weiter wächst, durch den Alameda Park und erreicht schließlich die Altstadt von Quito. Nichts hält den Marsch der Emanzipation auf. „Die Angst hat noch nie Rechte erkämpft“, heißt es auf einem Plakat; ein anderes erinnert daran: „Abtreibung zu legalisieren, zwingt niemanden zur Abtreibung“. Nach Informationen des Organisation-Komitees seien in den letzten Jahren mehr als 300 Frauen in Ecuador für einen Schwangerschaftsabbruch verurteilt worden. Damit wird Macht und Gewalt über jene Frauen ausgeübt, die diese Entscheidung treffen. Daher fordern sie, dass „die Staatsanwälte aufhören, uns zu verfolgen, weil wir über unsere Körper bestimmen wollen.“

„Abtreibung zu legalisieren, zwingt niemanden zur Abtreibung“

Die Nacht bricht herein und der Marsch geht weiter, die grüne Welle bewegt sich durch das Zentrum von Quito und wird sich weiter bewegen bis der ecuadorianische Staat und die übrigen Länder der Region verstanden haben, dass die Legalisierung von Abtreibung eine wichtige und dringende Angelegenheit der öffentlichen Gesundheit ist und den Frauen* Zugang zu einer umfassenden, angemessenen und leicht zugänglichen Gesundheitsversorgung gewährleisten. Dieser 28. September war ein Tag des Kampfes in Lateinamerika und der Karibik, der – und das ist eine absolut vorsätzliche Hommage – an das Ende der Sklaverei erinnert.

 

 

Weitere Fotos findet ihr, wenn ihr den Link zum Originaltext in der Spitzmarke anklickt.

CC BY-SA 4.0 Grüne Welle für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruch erreicht Ecuador von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.