Argentinien
Fokus: SDGs

Wichí-Indigene kennen über 400 Heilpflanzen-Anwendungen


Eine Wichí-Indigene. Foto: Con La Gente Noticias/Servindi

(Lima, 11. Juni 2019, servindi).- In Argentiniens Nordwesten leben etwa 40.000 Angehörige der Wichí. Das indigene Volk kennt mindestens 115 Heilpflanzen und über 400 Arten, diese anzuwenden. Die Ethnobiologin Eugenia Suárez beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit der Materie. Die Wichí können mit Heilpflanzen 68 verschiedene Symptome oder Krankheiten behandeln. Einige Pflanzen sind vielseitig und lassen sich gleich gegen mehrere Leiden nutzen.

Zahl der Heilpflanzen dürfte deutlich höher liegen

Eugenia Suárez erklärt: „Es gibt etwa 15 Pflanzenarten, die eine Hausapotheke für Notfälle bilden.“ Chañiar zum Beispiel könnten Frauen zur Regulierung der Menstruation anwenden. Die Tusca wiederum komme bei Atembeschwerden zum Einsatz. Die Ethnobiologin begab sich für ihre Studien in ausgewählte Orte der Provinz Salta im argentinischen Teil des Chaco, eine Savannen- und Trockenwaldlandschaft im Herzen Südamerikas. Wäre ein größerer Teil der Bevölkerung befragt worden, so dürften deutlich mehr Heilpflanzen genannt worden sein, meint die Expertin.

Traditionelles Wissen unter Jüngeren geht zurück

Die Forscherin zeigt sich beeindruckt vom detaillierten Wissen über die Pflanzen, die in Argentinien wachsen. Die Kenntnisse seien nicht nur von großer Bedeutung für die Wichí selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft. Bedauerlicherweise lasse das Wissen über die Umwelt unter den jüngeren Indigenen nach. Die Frauen wüssten grundsätzlich mehr, da sie das Sammeln übernähmen und Sorge für das Wohl der Familie trügen.

Weniger Schamanen, verstärkte Hinwendung zu Heilpflanzen

Viele Kenntnisse über die Heilpflanzen seien relativ neu, so die Expertin. In vielen Kulturen des Chaco sei es üblich, schwere Krankheiten von Schaman*innen behandeln zu lassen. Die Pflanzen dagegen würden bei kleineren Leiden eingesetzt. In indigener Sichtweise werde eine schwere Krankheit dadurch verursacht, dass die Seele den Körper verlassen habe. Spirituellen Anführer*innen komme die Aufgabe zu, dem Patienten oder der Patientin ihre Seele zurückzugeben. Da die Zahl der Schaman*innen immer mehr abnehme, wendeten sich die Menschen um Hilfe suchend den Heilpflanzen zu. Eugenia Suárez geht es in ihren Studien aber weniger um die medizinische Wirksamkeit der Pflanzen. Vielmehr versucht sie zu verstehen, welche Rolle diese Pflanzen in einem kulturellen Kontext spielen. Die Kosmovision wiederum mag erklären, warum eine bestimmte Heilpflanze wirkt.

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