Mexiko

Vertriebene in Chiapas kehren in die Ungewissheit zurück


Vertriebene Chiapas

Die Vertriebenen beim Versuch ihrer Rückkehr. Foto: Desinformémonos/Cuartoscuro

(Mexiko-Stadt, 3. Januar 2017, desinformémonos).- Etwa 4.000 aus der Gemeinde Chalchihuitán im südmexikanischen Chiapas vertriebene Indigene sind am 2. Januar in ihre Häuser zurück gekehrt, obwohl dort weiterhin bewaffnete Gruppen aktiv sind. Die Indigenen machen daher die Regierung Bundesstaates Chiapas und die mexikanische Bundesregierung verantwortlich, sollte es zu einem Angriff auf die Familien kommen. Wie die Gemeindepfarrer Marcelo Pérez Pérez, aus Simojovel und Sebastián López López aus Chalchihuitán erklärten, erfolge die Rückkehr nicht, weil die Sicherheit wieder hergestellt worden sei. Vielmehr seien die Vertriebenen nicht mehr in der Lage, unter prekären Bedingungen und weit entfernt von ihren Feldern zu leben.

Allerdings ist nur ein Teil der Indigenen zurück gekehrt, berichteten die Pfarrer: 1.165 Menschen hätten entschieden, vorerst in ihren Behausungen und improvisierten Hütten zu bleiben, aus Angst, von den Paramilitärs in ihren Gemeinden angegriffen zu werden.

Rückkehr “hochgefährlich”

Die Indigenen betonten, für jede Gewalttat gegen ihre Familien den Staat verantwortlich zu machen, da der es versäumt habe, die Bande in der Nachbargemeinde von Chenalhó zu entwaffnen, die über schwere Waffen wie die Sturmgewehre AK-47 und R-15 verfügen soll.

Die Pfarrer bezeichneten die Rückkehr als “hochgefährlich” und betonten, beim ersten Anzeichen von Gewalt in ihre Behausungen zurück zu kehren.

Die Indigenen wurden wegen einem Streit zwischen den Gemeinden Chenalhó und Chalchihuitán um 350 Hektar Land vertrieben. Der Streit schwelt bereits seit 40 Jahren, obwohl ein Agrartribunal den Konflikt mit einem Schiedsspruch zu Gunsten von Chenalhó eigentlich für gelöst erklärt hatte .

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