Guatemala

Verfassungsgericht hebt Urteil gegen Ríos Montt auf


Rios Montt vor Gericht. Foto: Desinformemonos.org(Venezuela, 20. Mai 2013, telesur).- Das guatemaltekische Verfassungsgericht hat am 21. Mai das Urteil wegen Völkermordes und Menschenrechtsverbrechen gegen den Ex-Diktator Efrain Ríos Montt aufgehoben. Damit wurde der juristische Prozess in Teilen für ungültig erklärt, der am 19. April begonnen hatte und mit insgesamt 80 Jahren Haft für Montt endete.

Das Verfassungsgericht hat damit dem Einspruch der Verteidigung von Ríos Montt stattgegeben, wie Mario Rosales, Telesur-Korrespondent in Guatemala mitteilte. „Das Urteil wurde aufgehoben, weil das Gericht in dem Verfahren vom 19. April Fehler gefunden hat, die nicht verfassungsgemäß waren“, so Rosales. Dennoch sei nicht das gesamte Verfahren ungültig; ein anderes Gericht müsse das Urteil auf Grundlage der präsentierten Beweise fällen.

„Die Verteidigung des Diktators hat dem Verfassungsgericht eine Reihe von Einsprüchen vorgelegt“, so Rosales. „Die mündliche Verhandlung hätte aufgehoben werden müssen, als die Richterin Carol Patricia Flores den Prozess gegen Ríos Montt am 19. April ausgesetzt hatte (…) Dies war einer der Gründe für die Entscheidung des Verfassungsgerichts.“

Nach dieser Entscheidung kann Ríos Montt wieder in den Hausarrest zurückkehren, wo er sich schon bis zum Urteilsspruch befunden hatte.

Letzte Verurteilung erst am 10. Mai

Der Ex-Diktator hatte erst am 10 Mai eine Strafe von 80 Jahren Haft erhalten. Ríos Montt wurde für schuldig befunden, während seiner Herrschaft von März 1982 bis August 1983 für den Tod von 1.771 Menschen, sowie dem gewaltsamen Verschwindenlassen, dem Entzug von Lebensmitteln, Folter, Missbrauch und sexueller Gewalt gegen die Gemeinde der Maya Ixil verantwortlich gewesen zu sein.

Das Gericht hatte festgestellt, dass die Verbrechen im Rahmen von militärischen Operationen stattfanden, mit denen angebliche Feinde vernichtet werden sollten. Zu diesen gehörten nicht nur Guerillagruppen, sondern auch die zivile Bevölkerung der Ixil, die von den Behörden des Diktators beschuldigt worden war, die aufständischen Organisationen zu unterstützen.

Die De-facto-Regierung des Putschisten Ríos Montt war eine der blutigsten Epochen im guatemaltekischen Bürgerkrieg. Dieser dauerte von 1960 bis 1996 und forderte nach UN-Angaben 200.000 Menschenleben.

In Lateinamerika hat es eine Reihe von blutigen Militärregierungen gegeben, doch Ríos Montt ist der erste lateinamerikanische Diktator, der in seinem Heimatland wegen Völkermords verurteilt worden ist. In einigen Fällen sind die Verantwortlichen vor einem Urteil gestorben, so wie der paraguayische General Alfredo Stroessner.

CC BY-SA 4.0 Verfassungsgericht hebt Urteil gegen Ríos Montt auf von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning Michael Brand, Werner Schmidtke, Klaus Barthel, Wilhelm Wagner, Jürgen Karwelat im Bundestag, 29. Juni 2017. Foto: Ute Löhning (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Ve...
onda-info 418 Hallo und willkommen zum onda-info 418! Wir haben zwei Nachrichten aus Mexiko und aus Kolumbien für euch; danach zwei wie immer sehr hörenswerte Beiträge: Viele, vor allem europäisch stämmige Nord- und Lateinamerikaner*innen, sehen im 12. Oktober bis heute einen Feiertag für die „Zivilisierung“ und Missionierung des Kontinents. In Spanien ist der Tag, an dem Christoph Kolumbus vor 525 Jahren auf den amerikanischen Kontinent traf, Nationalfeiertag; aber auch in fast al...
20 Jahre Comunidad de Paz Der Film "Chocolate de Paz" wird in Europa nur selten aufgeführt, wie hier beim Screening von Filmouflage in Berlin. Foto: Filmouflage Am 23. März 1997, zur Zeit des Höhepunktes des Bürgerkriegs in Kolumbien erklärt sich die kleine Gemeinde San José de Apartadó in der Provinz Urabá zur „Comunidad de Paz“, zur Friedensgemeinde. Die Bauern und Bäuerinnen wollen keine Armee, keine Guerilla und schon gar keine Paramilitärs mehr auf ihrem Gebiet. Dafür zahlen sie einen hohen P...
Autoritärer Umbau von Staat und Justiz Von Jutta Blume Kämpft gegen den undemokratischen Umbau von Staat und Justiz: Die ehemalige Richterin Tirza Flores / Foto: Hondurasdelegation (Berlin, 23. Juli 2017, npl).- Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang verboten hatte. Da Hernández‘ Nationale Partei die staatlichen Institutionen weitgehend kontrolliert,...
Beschneidet das neues Strafgesetzbuch Grundrechte? Agua Zarca ist vielleicht einer der seltenen Fälle, in denen es doch noch Korruptionsermittlungen gegen Regierungsvertreter geben wird. Weitere Korruptionsskandale hat die regierende Nationale Partei weitgehend unbeschadet überstanden. Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, zum dritten Mal nach dem Putsch im Jahr 2009. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.