Honduras

Proteste bei Siemens-Hauptversammlung


von Hondurasdelegation

Aktivist*innen protestieren vor der Siemens-Hauptversammlung. Foto: Amerika21/Hondurasdelegation(München, 05. Februar 2014, amerika21.de).- Die Teilnehmer*innen der Aktionärs-Hauptversammlung des Siemenskonzerns sind am 28. Januar auf dem Weg zum Tagungsort in der Münchner Olympiahalle mit Protesten von Umweltschützer*innen und Menschenrechtler*innen konfrontiert worden. “Hände weg vom Regenwald”, “Stopp Belo Monte” und “Terror, Tote und Turbinen – Siemens verDAMMT Indigene in Honduras” war auf den Bannern der Demonstrant*innen zu lesen. Auf ihren Flugblättern erklärten die Vertreter*innen einer Koalition aus brasilianischen, US-amerikanischen, französischen und deutschen Organisationen, worauf ihr Protest zielt: Die Turbinenlieferungen des Siemens Joint Ventures Voith Hydro für die Staudämme Belo Monte in Brasilien und Agua Zarca in Honduras und die mit den Großprojekten verbundenen schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen. In Belo Monte soll der drittgröße Staudamm der Welt entstehen, der Konflikt um Agua Zarca gilt als wichtigstes Beispiel für indigene Kämpfe in Honduras.

Was ist ein Menschenleben wert?

Monica Brito Soares war für die Organisation “Xingu Vivo para Sempre” aus Altamira am Xingu-Fluss in Amazonien angereist. In der Olympiahalle richtete sie das Wort an Aktionär*innen, Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens: “Wie können Sie Turbinen für Millionen von Euro für den Staudamm Belo Monte liefern – und die Augen davor verschließen, was dieser Staudamm mit dem Leben der Menschen dort vor Ort anrichtet? Ist Ihnen Ihr Profit so viel wichtiger als das Leben der Menschen in Amazonien?” Brito hielt Bilder vom Xingo-Fluss und den durch den Bau angerichteten Zerstörungen in die Kameras, damit diese auch auf den Großleinwänden zu sehen wären. Die Siemens-Regie blendete jedoch den größten Teil von Britos Rede aus und zeigte statt dessen die Übersetzerin.

Christian Poirier von Amazon Watch wurde von Siemens Aufsichtsratschef Gerhard Cromme das Wort abgeschnitten, als er darauf hinwies, dass es sich bei Belo Monte um ein kriminelles Projekt handle, das gegen zahlreiche Vorschriften verstoße: “Heute hat ihr unethisches Verhalten zur Folge, dass Ihr Image angekratzt wird. Morgen wird Ihr zerstörtes Image zur Folge haben, dass Ihr Aktienkurs fällt”, mahnte er.

Für das deutsch-österreichische Netzwerk Hondurasdelegation zeigte Andrea Lammers das Beispiel des weltgrößten Staudammbauers SINOHYDRO auf, der aus dem Projekt “Agua Zarca” im westlichen Hochland von Honduras ausgestiegen ist. In Richtung Vorstand und Aufsichtsrat forderte sie von Siemens: “Respektieren Sie internationale Abkommen, respektieren Sie die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, respektieren Sie die Empfehlungen der Weltstaudamm-Kommission und Ihre eigenen Corporate-Governance-Richtlinien! Steigen Sie aus dem Projekt Agua Zarca aus!”

Siemens will „nicht die ganze Welt retten“

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, wiegelte in seinen Antworten zunächst ab. Siemens sehe die Probleme “armer indigener Völker” und wolle “helfen”, könne aber “nicht die ganze Welt retten”. Schließlich stellte er die Energiemengen, die von den Siemens-Turbinen produziert werden sollen, als unbedingt notwendig heraus – was insbesondere im Fall Belo Monte von Experten angezweifelt wird. Gegen Ende der Veranstaltung sicherte er zu, dass Siemens Fälle von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den beiden Projekten prüfen wolle.

Die Koordinatorin von Xingu Vivo, Antonia Melo, der von der Polizei in São Paulo die Ausreise mit dem Ziel Deutschland verweigert worden war, bewertet die Protestaktion als erfolgreich. Es sei zwar nicht zu erwarten, dass der Millionen-Deal zu Belo Monte von heute auf morgen annulliert werde. Doch immerhin seien die Aktionär*innen von Siemens nun darüber aufgeklärt, in welche Machenschaften das Unternehmen verwickelt sei. Falsche Versprechungen in Bezug auf Umweltschutz und soziale Verantwortung seien offengelegt worden.

Die etwa 7.700 in München anwesenden Aktionär*innen repräsentierten knapp 45 Prozent des Aktienkapitals von Siemens.

CC BY-SA 4.0 Proteste bei Siemens-Hauptversammlung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mord an Berta Cáceres – 16 Monate später Von Erika Harzer Bruder am Grab von Berta Cáceres, Februar 2017 / Foto: © Erika Harzer (Berlin, 25. Juli 2017, npl).- Mitte Juni 2017 verkündete die honduranische Staatsanwaltschaft den baldigen Prozessbeginn gegen vier der acht Untersuchungshäftlinge im Mordfall Berta Cáceres. Die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH, war am 2. März 2016 in La Esp...
onda-info 412 Hallo und willkommen zum onda-info 412! In Berlin haben wir die Ausstellung„Huellas de la la Memoria - Spuren der Erinnerung“ besucht. Eine beeindruckende Raum-Installation über die Verschwundenen in Mexiko und die Suche der Angehörigen. Bis zum 22.7. könnt ihr die Ausstellung noch in der Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg in Berlin sehen, natürlich kostenfrei. Danach geht es für zwei Beiträge nach Honduras. 16 Monate nach dem Mord an der Umwelt- und Menschenrechtsa...
Kein Geld mehr für Agua Zarca Die Organisation Copinh wehrt sich weiter. Foto: Democracy Now (Berlin, 5. Juni 2017, democracy now/poonal).- Wie honduranische Medien berichten, haben internationale Geldgeber angekündigt, das geplante Kraftwerk Agua Zarca in Honduras nicht mehr zu finanzieren. Gegen das Wasserkraftprojekt hat es seit Jahren Widerstand gegeben; die prominenteste Gegnerin war die Umweltaktivistin Berta Cáceres, die wegen ihres Kampfes gegen das Projekt im März 2016 ermordet wurde. Der bri...
Siemens geht Nachfragen zu Menschenrechten aus dem Weg Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser: Keine direkte Beteiligung von Siemens Siemens waren ausführliche Dossiers vorgelegt worden, in denen unter anderem die fehlenden freien, vorherigen und infomierten Konsulationen der betroffenen indigenen Gemeinschaften beschrieben sind. Außerdem werden illegale Landaneignungen und weitere kriminelle Machenschaften von Staudammbetreibern, die Verletzung der Menschenrechte auf Ernährung und Wasser, des Rechtes auf Leben, auf Meinungs- und Versa...
Siemens im Isthmus von Tehuantepec Siemens ist seit mehr als 120 Jahren in Mexiko aktiv Es geht nicht darum, ein Urteil über die Windmühlen zu fällen, sondern über die Betreiber dieser Giganten. Was die europäischen Windradunternehmen angeht so kennen wir ihre Namen. Eines, das von einem schäbigen Ort aus und fast anonym Millionen mit den Windkraftparks im Isthmus einstreicht, ist das deutsche Konsortium Siemens. Siemens gehört zu den großen kapitalistischen Global Playern. Laut seiner Darstellung auf der Webs...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.