Nicaragua

Muss Ernesto Cardenal ins Gefängnis?


(Montevideo, 06. September 2008, comcosur).- Die Nachricht, dass der Dichter, Geistliche, Politiker und Bildhauer Ernesto Cardenal, der zweimal für den Nobelpreis für Literatur nominiert wurde, eventuell ins Gefängnis muss, hat in Nicaragua einen Skandal ausgelöst. In der Auseinandersetzung stehen sich alte sandinistische Kameraden gegenüber.

Viele verweisen darauf, dass die Geschichte ein Ergebnis der Rivalität zwischen Nicaraguas Präsident Daniel Ortega und dem Geistlichen sei, der Kulturminister in der ersten sandinistischen Regierung war.

Cardenal wurde wegen Beleidigung verurteilt und laut Urteilsspruch soll er eine Strafe von ungefähr 1.000 US-Dollar bezahlen. Doch der Dichter weigert sich. Er begründet es damit, dass das Urteil ungerecht und illegal sei. „Wenn sie mich gefangen nehmen wollen, bin ich bereit, ins Gefängnis zu gehen“, sagte er.

Die Anklage gegen den 83-jährigen Intellektuellen geht zurück auf das Jahr 2003. Damals hatte Cardenal den Deutschen Inmanuel Zerger beschuldigt, sich ein Hotel der Vereinigung für die Entwicklung von Solentiname (Asociación para el Desarrollo de Solentiname) aneignen zu wollen. Die Vereinigung hatte der Dichter selbst gegründet.

In erster Instanz lautete das Urteil damals auf Freispruch für Cardenal. Jetzt jedoch nicht und dies interpretiert Cardenals als einen Rachefeldzug des Präsidenten: „Es ist schlichtweg eine Retourkutsche von Daniel Ortega wegen des Empfangs, der mir in Paraguay bei der Amtseinführung des Präsidenten Lugo zuteil wurde, während man ihm die Teilnahme verunmöglichte“, konstatierte er.

Cardenal hatte bei der Amtseinführung von Präsident Lugo im August 2008 in Paraguay öffentlich Präsident Ortega verurteilt. Dieser hatte aufgrund von Protesten von Frauenorganisationen, denen sich auch die zukünftige Ministerin für Frauen anschloss, seine Einladung nicht wahrnehmen können. Die Organisationen intervenierten aus Solidarität mit Zoilamérica Nárvaez, der Adoptivtochter des Präsidenten, die ihn seit Jahren des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Ortega bestreitet diese Vorwürfe.

Die Auseinandersetzungen zwischen ehemaligen sandinistischen Kameraden beschränken sich nicht auf Cardenal. Eine andere Persönlichkeit, die sich im Streit mit der Regierung sieht, ist der Musiker und Texter Carlos Mejía Godoy. Er ist Autor der Hymne der sandinistischen Befreiungsfront FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional).

Am 5. August wurde bekannt, dass das Nicaraguanische Zentrum für Menschenrechte die Interamerikanische Menschenrechtskommission um Maßnahmen zum Schutz von Ernesteo Cardenal ersuchen wird.

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