Lateinamerika

Internationale Finanzkrise schwächt lateinamerikanische Wirtschaft


(Fortaleza, 28. Oktober 2008, adital-poonal).- Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) hat am 27. Oktober einen Bericht mit dem Titel „Übersicht über die internationale Einbindung Lateinamerikas und der Karibik: Tendenzen 2008“ vorgelegt. Das Dokument analysiert die internationale Konjunktur und ihre Einflüsse auf den Handel und die Volkswirtschaften der Region. Zudem behandelt der Bericht den aktuellen Stand der Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO, die wirtschaftliche Integration der Region in den Weltmarkt sowie die Assoziationsverträge mit der Europäischen Union und die Beziehungen Lateinamerikas zu Asien.

Die CEPAL kommt zu dem Ergebnis, dass die Exporte aus der Region trotz der internationalen Krise zugenommen hätten. Dennoch unterstreicht sie, dass die Turbulenzen in der Finanzwelt den Handel in der Region in den nächsten Monaten negativ beeinflussen würden. Die Untersuchung prognostiziert für das laufende Jahr einen Exportanstieg auf circa 23 Prozent. 2008 werde sich das Exportvolumen insgesamt um zwei Prozent erhöhen. Die Importe würden um 22 Prozent im Wert und um neun Prozent im Volumen wachsen.

Die CEPAL warnt jedoch, dass der Einbruch der internationalen Konjunktur die Region negativ beeinflussen werde. Schon seit Mitte des Jahres habe sich das Wirtschaftswachstum in Lateinamerika und der Karibik abgeschwächt. Dies habe auch negative Auswirkungen auf die Handelsbilanz der Region. Als Gründe für den Einbruch nennt der Bericht unter anderem den Einbruch der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse im letzten Jahresdrittel 2008 und insgesamt eine sinkende Nachfrage nach lateinamerikanischen Produkten.

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass die globalen Ereignisse sowohl unmittelbar als auch längerfristig eine Herausforderung für die Region darstellen. Kurzfristig werde es schwieriger, an ausländische Finanzmittel zu gelangen, die Zinsen würden steigen, auch die lokalen Börsen müssten mit großen Einbußen rechnen. Weiter könne es zu einer Umlenkung von Kapital in anderer Weltregionen und sicherere Anlagen kommen. Außerdem sei eine Abnahme der ausländischen Direktinvestitionen wahrscheinlich. All diese Faktoren beeinflussten die Kreditlinien und Kreditkonditionen der Exportwirtschaft sowie die Investitionspläne von Wirtschaftsunternehmen. Sie führten zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Die CEPAL empfiehlt den Regierungen der Region, die Liquidität des Finanzsystems zu garantieren sowie die Bankenaufsicht und die Kontrollorgane der Finanzinstitutionen zu stärken, die in internationalen Märkten und in Risikoinvestitionen involviert sind. Weiter sollten sie ihre antizyklischen makroökonomischen Wirtschaftspolitiken ausbauen, auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt achten und die Entwicklung der Leistungsbilanzen ständig überprüfen.

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